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Paulus der F futterbeleuchtete Neu sah den die nach Jesus bekannteste Gestalt des Neuen Testaments. Apostel, das ist nach der Sendung Jesu das wichtigste Amt, der wichtigste Dienst in der Kirche. Und Jesu Christi, wenn ich es mal zusammen sehen darf, das ist die zentrale Gestalt des Neuen Testaments. Und nicht nur des Neuen Testaments, nicht nur der Bibel, sondern des ganzen christlichen Glaubens. Petrus, Apostel, Jesu Christi. Ein Brief beginnt genau so, der erste Petrusbrief.

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Und um diesen ersten Petrusbrief soll es jetzt gehen. Ich will auf den Inhalt schauen. Wir wollen uns den Aufbau genau betrachten. Welche Entstehungsgeschichte hat dieser Brief auch damit verbunden? Wer hat ihn denn geschrieben? Welcher Petrus kommt denn hier zur Sprache? Dieser Brief ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat einen bestimmten historischen, politischen, kulturellen Kontext. Das merkt man diesem Schreiben an. Er bezieht sich auf die Welt, in der er entstanden ist und für die er geschrieben worden ist. Wir schauen uns an, welche Stellung dieser Petrusbrief im Kanon hat. Im Kanon der beiden Testamente, aber speziell nochmal innerhalb des Neuen Testaments. Dieser Brief hat Stärken, viele Stärken.

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Er hat Schwächen, auch ein paar Schwächen, wenn ich die beurteilen kann. Vor allen Dingen ist es ein Schreiben, das sehr viel für den Glauben zu sagen hat. Es ist aus dem Glauben heraus geschrieben. Es ist für den Glauben geschrieben worden. Und ich bin überzeugt und damit will ich dann diesen Vortrag schließen. Er hat auch heute eine richtungsgebende, eine fundamentale, eine öffnende, eine orientierende Ordnung für den Glauben. Petrus Apostel Jesu Christi. Erstens, was ist das eigentlich für ein Text, den wir jetzt aufschlagen und lesen? Ein Brief. Aber kein Brief, so wie ich ihn früher noch als Student an meine Eltern geschrieben habe. Auch kein Werbebrief, auch keine Geschäftspost, so wie sie ausgetragen werden kann.

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Solche Briefe hat es in der Antike gegeben. Sie haben eine bestimmte Form, die ist in neustesamentlichen Schriften bekannt, aber sie folgen ihr nicht starr, sondern erfüllen sie mit Leben. Es gibt einige wenige Briefe in der Antike, die von einer Elite für eine Elite geschrieben worden sind. Philosophenbriefe mit tiefsinnigen Betrachtungen. Der erste Petrusbrief passt in keines dieser Schemen hinein. Es geht um eine Beziehungsarbeit. Es geht darum, dass Inhalte mitgeteilt werden. Mehr noch geht es darum, dass Motivationen vermittelt werden, dass, so will ich es einmal ausdrücken, eine Tür sich öffnet vor denen, die diesen Brief lesen sollen und die jetzt Gott und die Welt und sich selbst in einem neuen Licht sehen können.

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Das ist das Spezifikum dieses Briefes. Ich würde ihn am ehesten mit dem vergleichen, was ich aus meiner katholischen Kirche kenne, einem Hirtenbrief, einem Hirtenwort. In der katholischen Kirche ist es üblich, dass zu Beginn beispielsweise der Fastenzeit der Bischof ein Schreiben verfasst, nicht nur an eine bestimmte einzelne Gemeinde, sondern an die gesamten Gemeinden seines Bistums. Er nimmt die Fragen der Zeit auf. Er versucht, Mut zum Glauben zu machen oder versucht, etwas Orientierung zu geben. Ehrlich gesagt sind diese Hirtenworte in den katholischen Gemeinden nicht übermäßig beliebt, weil sie eben einfach vorgelesen werden und man dann fragt, ja, wer redet da jetzt eigentlich zu wem und komme ich denn jetzt eigentlich in diesem Schreiben vor?

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Ich gestehe ganz am Anfang meiner Laufbahn, mal selber einen Hirtenbrief für einen Bischof verfasst zu haben. Da ging es um das Jahr der Bibel, wie man ahnen kann. Seitdem bin ich etwas milder, was die Beurteilung dieser Gattung anbelangt. Aber wenn wir etwa diesen ersten Petrusbrief vergleichen mit den Briefen, die der Apostel Paulus geschrieben hat, dann merkt man doch einen starken Unterschied. In den Briefen des Apostels Paulus kommt sozusagen dieser Mensch mit dieser gebrochenen Biografie, mit diesem unglaublichen Intellekt, mit dieser Fähigkeit, Lebensfragen als Glaubensfragen zu entdecken, durch und durch lebendig zur Sprache. Und diese Lebendigkeit kann man im ersten Petrusbrief nur ab und an finden. Es ist ein wichtiges Wort, es ist ein ruhiges Wort, ein Hirtenwort.

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Es soll etwas zusammengehalten werden. Es soll auch etwas zusammengeführt werden, was gar nicht so einfach mehr zusammenzuhalten ist in der Zeit, in der dieser Brief geschrieben worden ist. Und was mich anspricht und was viele anspricht ist, das geschieht nicht nur formal, sondern es geschieht inhaltlich aus einer Auseinandersetzung mit dem Evangelium heraus, aus einer neuen Begegnung mit Jesus, der jetzt aber nicht einfach mehr eine Gestalt der Vergangenheit ist, sondern der Gegenwart und der Zukunft, an den man sich erinnern kann, auf den man sich bezieht. Und diese Beziehung zu Jesus ist für diesen Brief prominent vermittelt durch den Apostel Petrus. Petrus, der Apostel Jesu Christi.

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Er spricht über den Glauben und über das Christsein. Er hat die Situation von Gemeinden seiner Zeit vor Augen, nicht nur eine spezifisch einzelne mit ihren Aufbrüchen und Abbrüchen, sondern mehr so ein Panorama der Zeit, in der er geschrieben worden ist, dieser Brief, und auch gelesen werden sollte. Ein großes Thema ist die Anfechtung, die Anfechtung, die daraus resultiert, dass man vielleicht gerne glauben möchte, aber doch auch gar nicht so einfach mehr glauben kann, weil die Begeisterung des Anfangs verflogen ist. Die Mühen der Ebene sind groß und die Frage, wo Gott ist, brennt.

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Ganz zum Schluss dieses Briefes schreibt der Petrus durch Silvanus, auf den werde ich später noch mal zu sprechen kommen, durch Silvanus, unseren treuen Bruder, wie ich überzeugt bin, habe ich euch einen kurzen Brief geschrieben, um euch aufzumuntern und um euch zu versichern, stark zu machen. Dies ist die wahre Gnade Gottes, in der ihr steht. Das ist die Grundbotschaft des ersten Petrusbriefes. Es ist nicht einfach ein Mutmach, sondern es ist ein Zuspruch der Gnade.

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Das griechische Wort für Gnade, Charis, hat sehr viel mit dem deutschen Wort Danke zu tun. Charis ist das, für das ich Gott danke sagen kann. Und die Provokation, aber gleichzeitig auch die Einladung und Motivation dieses Schreibens des ersten Petrusbriefes besteht darin, dass diese Situation der Anfechtung, in der nicht einfach mehr alles klar ist, in der nicht einfach mehr alles gelingt, nicht nur als ein Problem betrachtet werden soll, das gelöst werden muss, oder als eine Ungerechtigkeit, die man aushalten muss, sondern als eine Gnade, als ein Geschenk. Nicht weil es doch nicht so schwierig wäre, nicht weil im Grunde doch alles klar wäre, sondern weil genau diese schwierigen Umstände, in denen sich diese jungen

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christlichen Gemeinden orientieren müssen, eine enorme Chance bilden. Eine Chance bilden, den Glauben tatsächlich aus innerster Überzeugung sich neu anzueignen. Die große Chance, in neuen Situationen das Evangelium zu bewähren und mit dem Evangelium zu leben, nicht irgendwo, sondern mitten in der Welt, in den Familien, in den Arbeitsverhältnissen, auch in politischen Konstellationen, die alles andere als gut und gerecht sind, in denen aber Gott zu finden ist und in denen der Glaube gelebt werden kann. Das ist die Einladung. Das ist die Herausforderung. Das ist auch die Chance des ersten Petrusbriefes.

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Deswegen redet hier der Apostel Jesu Christi. Zweiter Punkt. Wie ist dieser Brief aufgebaut? Er ist so aufgebaut, wie man ihn in der Klarheit und in der Anlage – ich wage die These – nur im Neuen Testament finden kann und in den Briefen, die dann später geschrieben worden sind und die maßgenommen haben, an den Neutestamentlichen schreiben. Ja, vieles ist konventionell und das ist auch gar nicht schlecht zu reden, man muss sich ja immer in der Sprache einer jeweiligen Kultur und Zeit verständigen. Aber es gibt ein bestimmtes Muster, das spezifisch innerhalb des Neuen Testamentes ausgeprägt worden ist, das wir auch im ersten Petrusbrief finden. Und dieses Muster hat der Apostel Paulus geprägt.

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Das ist jetzt zunächst einmal allein von der literarischen Gestalt her eine sublime Botschaft, die der erste Petrusbrief aussendet, nämlich zwischen Paulus und Petrus gibt es nicht den ganz großen Gegensatz. Natürlich hat es Auseinandersetzungen gegeben. Natürlich gibt es Unterschiede, aber sehr viel mehr Gemeinsamkeit, weil es nämlich einen gemeinsamen Bezugspunkt gibt, Jesus Christus selbst, dem der Glaube geschenkt wird. Der erste Petrusbrief ist ein Petrusbrief in einer spezifischen Art, die ich gleich noch zu erklären versuche, aber er ist von seiner Theologie her sehr eng mit den Paulus Schreiben verwandt und auch in seiner Form. Und da der erste Petrusbrief, ich nehme jetzt etwas vorweg, wahrscheinlich in einer Zeit geschrieben worden ist, in der es auch schon Paulusbriefe

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gegeben hat, die nicht nur an die Ursprungsgemeinden gerichtet worden sind, hat dieser erste Petrusbrief auch einen Wiedererkennungseffekt für die Gemeinden. Das ist unser Apostel, das ist Petrus, das ist Jesus, das ist der Christus, zu dem wir uns bekennen. Wie sieht dieser Aufbau aus? Es gibt am Anfang eine Anrede, so wie man das in der Antike machte, ganz anders als heute, die Briefe geschrieben werden, wir unterschreiben mit unserem Namen. Und in der Antike steht der Name des Autors als erster. Petrus. Und dann werden diejenigen benannt, an die der Brief geschrieben worden ist. Und die werden aber sofort nicht einfach nur mit ihrem Namen genannt oder manchmal mit ihrer Stadt oder in unserem Brief mit

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Regionen, in denen sie leben, sondern sie werden auch gleichzeitig mit Attributen versehen. Petrus, der Apostel, an die Gemeinde zum Beispiel in Thessaloniki heute. Die Konvention wird verändert. Das Niveau wird beschrieben. Der Apostel spricht zu Menschen, die ihrerseits vom ein und demselben Gott berufen worden sind. Das heißt, es geht um eine Beziehungsarbeit durch Briefschreiben, nicht einfach nur in der horizontalen Ebene, sondern auch in der vertikalen Ebene. Es geht immer darum, Gott in das Leben hineinzubringen, Gott in den Brief hineinzubringen, Gott ins Schreiben hineinzubringen, Gott ins Lesen hineinzubringen und dadurch dann eine

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Verbindung zu schaffen, die vom Glauben her geprägt ist. Nach diesem Präskript gibt es einen zweiten großen Teil, ein Pro-Ömium, eine Einleitung, eine Art Vorwort. In den Paulusbriefen, die an eine ganz bestimmte Gemeinde geschrieben worden sind, wird dann genau erzählt, wann man sich das letzte Mal getroffen hatte und welche Informationen da vielleicht in der Zwischenzeit geflossen sind. Aber hier haben wir es ja mit einem, ich komme noch mal auf meine Kennzeichnung, Zurich-Hirtenbrief zu tun. Der ist gar nicht so nah an einer ganz bestimmten einzelnen Situation. Hier geschieht etwas anderes. Ich sehe es als eine Art Vergewisserung, eine Vergewisserung, erster Petrusbrief 5,12 zum Schluss, was ich vorhin gelesen hatte. In welcher Gnade stehen wir?

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Wer seid ihr, dass ihr fest in der Gnade Gottes stehen könnt? Wer bin ich, dass ich euch schreiben kann? Wir haben einen ersten Teil, der Mut macht und ein großes Dennoch sagt, auch wenn es viele Widerstände gibt. Es gibt eine Tiefe, es gibt eine Weite, es gibt eine Größe, es gibt auch eine Schönheit des Glaubens, die nicht verloren gehen darf, wenn man sich nur sozusagen mit den Störfaktoren beschäftigt. Und der zweite Teil dieser Einleitung lenkt dann den Blick aus der Gegenwart heraus in die Vergangenheit hinein, die aber gar nicht vergangen ist, sondern lebendig ist. Und das ist die Geschichte Israels. Das ist das Wort der Prophetie. Diese Prophetie ist lebendig.

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Das Stichwort, das der erste Petrusbrief mit der Prophetie immer verbindet, ist Verheißung. Es ist ein Wort der Verheißung, das also etwas gut wird in der Zukunft. Und diese Verheißung, so unser Schreiben in der Eröffnung, die erfüllt sich jetzt bei euch, nicht irgendwo anders, sondern bei euch. Ihr seid mitten drin in dieser Verheißung, in dem, was die Propheten ersehnt haben, aber nicht selbst erlebt haben, vorhergesagt haben, aber nicht selbst wahrgenommen haben. Diese Räume zu erkennen, das ist in meinen Augen ein Schlüssel zum Verständnis des ersten Petrusbriefes, weg von der eigenen kleinen Parzelle, die wichtig ist, zu der man auch immer zurückgehen muss, sondern den größeren Zusammenhang sehen.

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Und diesen größeren Zusammenhang religiös zu sehen. Nicht nur politisch, nicht nur ethisch, nicht nur sozial, nicht nur kulturell, das alles auch, aber im Kern religiös und zwar in einem christlichen Sinne religiös, so dass vom Gott Jesu Christi das von Jesus Christus im Heiligen Geist gesprochen werden kann. Das leistet diese Einleitung. Ehrlich gesagt, nicht so leicht zu lesen, nicht auf den ersten Blick gleich charmant und attraktiv, aber belastbar, stark, ein Fundament, das mehr ist als ein Fundament, gleichzeitig ein Antrieb. Und wie wir das aus den Paulusbriefen kennen, kommt dann nach diesem Doppelschritt der Eröffnung, Beziehungspflege, Kontextbeschreibung, kommt dann die Durcharbeitung, wenn ich so sagen darf.

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Es gibt ja etwas mitzuteilen. Wir sind ja nicht im Bereich sozusagen von Floskeln. Religion ist nicht nur Pietät, es geht um Glaube. Der Glaube hat etwas erfahren. Der Glaube kann etwas erkennen. Der Glaube kann denken. Der Glaube kann weitergegeben werden. Der Glaube kann und muss gelebt werden. Und dies macht Paulus in seiner ganz ureigenen Lebendigkeit, der Erste Petrusbrief macht es auf eine etwas andere Weise, aber doch auch so, dass er viele ansprechen kann und viele mitnehmen kann. Ich sehe im Hauptteil des Ersten Petrusbriefs drei größere Abschnitte, in denen fast so etwas wie eine Geschichte des Christseins erzählt wird. Der erste Abschnitt handelt von dem Weg, den die Gläubigen zurücklegen.

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Der zweite von der Welt, in der sie diesen Weg machen. Und der dritte von den Herausforderungen, die in der Welt entstehen, wenn man diesen Weg geht, und da muss man über Diskriminierung sprechen, über Marginalisierung sprechen, über Verfolgung, über Verleumdung sprechen. Man muss über Leiden sprechen. Es wird das Leiden nicht schön geredet, aber es gehört zum Alltag. Es ist das Wie, das so irritierend ist, aber das auch eine große Verheißung in sich trägt. Bei diesem Weg wird sehr stark der Anfang und das Ziel beschrieben. Der Anfang ist mit der Taufe gesetzt.

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Die Taufe wird als eine Art Wiedergeburt verstanden, im Sinne eines neuen Lebens mitten im Alten, mit Reinkarnation hat das nichts zu tun, aber mit der Kraft Gottes, ein zerbrochenes Leben zu heilen, ein sündiges Leben zu retten, ein totes Leben zu verlebendigen, sehr viel. Und das ist passiert in der Seele, im Herzen, auch im Körper, im Leib. Und das ist das, was der Menschen will, Petrus sagen und will er und kann er auf seine Weise auch vermitteln. Dahin sieht er einen Ausdruck der Heiligkeit Gottes. Seid heilig, denn ich bin heilig. So ist aus dem Alten Testament im dritten Buch Mose Leviticus, Kapitel 19,

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Vergewisserung Israels, wir haben einen Gott, er ist ein heiliger Gott. Er ist unsichtbar, er ist unantastbar, aber er wirkt. Und er wirkt nicht so, dass er Leben vernichtet, sondern er wirkt so, dass Leben entsteht aus dieser Feuerquelle, wenn ich so sagen darf, der Heiligkeit Gottes heraus. Jetzt kommt es allerdings auch darauf an, sich nicht vor diesem Feuer der Heiligkeit abzuschirmen, sondern sich ihm auszusetzen, die Energie aufzunehmen und weiterzugeben. Das ist die große Einladung von der Taufe her, diesen Weg der Heiligung zu gehen. Etwas, was in der Ökomene auch der heutigen Zeit sehr viele Konfessionen miteinander verbinden kann. Der zweite Teil dieser Wegbeschreibung des Christseins schaut dann auf das Ziel

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und dieses Ziel ist Christus. Es gibt kein geringeres Ziel, im menschlichen Leben, so der erste Petrusbrief, als Gott zu begegnen, und zwar in der Person Christi. Diese Begegnung mit Christus beschreibt dieser Brief in archaischen Bildern, die wieder dem Alten Testament entnommen worden ist. Das sind prophetische Worte vom Eckstein, den die Bauleute verworfen haben, der aber der Konstruktionspunkt des ganzen Hauses Gottes ist. Auch aus der Jesustradition der Evangelien kennen wir dieses Bild, das Menschen vor Augen haben konnten, wenn sie durch ihre Kulturlandschaften gegangen sind. Und dieses

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Bild von Jesus als dem Eckstein, das wird verbunden mit einem archaischen Bild der Antike, der Prozession, des Aufbruchs aus dem Alltag, um zum Heiligen zu gehen, treten hinzu. Das ist die Grundbotschaft und Aufforderung. Und das ist ein revolutionärer Akt in der Antike, weil nämlich sonst Religion, das Heilige qualifiziert ist durch Unantastbarkeit. Don't touch, auf Abstand halten. Die antiken Tempel sind nicht etwa Versammlungsorte, sondern sie sind Kulissen für die Götterstatue, die Menschen auf Abstand halten sollen und ihnen die Größe der Heiligkeit, der gefährlichen Heiligkeit Gottes signalisieren wollen.

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Mit dem jesuanischen Wort kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, hat das nichts zu tun. Es ist eine Revolution. Es ist eine Reformation der Heiligkeit. Und der erste Petrusbrief hat genau das verstanden und hat gesagt, treten hinzu zu diesem Eckstein, der der Konstruktionspunkt dieser Welt, dieses Hauses Gottes mitten im Leben ist und erkennt, was auf dieser Wanderung passiert, weshalb ihr diese Tabuzonen braucht, sondern weil ihr eingeladen seid. Das liegt nämlich daran, dass ihr selber ein heiliges, ein priesterliches, ein königliches Volk Gottes sind alle, ob die Männer oder Frauen gewesen sind, ob die Sklaven oder Freie gewesen sind, ob sie jüdisch geprägt gewesen sind oder heidnisch geprägt gewesen. Das hat Paulus mal so im Galaterbrief ausgedrückt.

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Eine solche direkte Parallele finden wir im ersten Petrusbrief nicht. Aber alle Christen sind Priester, Könige, Propheten, sind Mitglieder des königlichen, des priesterlichen, des prophetischen Gottesvolkes. Das ist ein ganz, ganz starkes Bild für Christsein. Und das ist auch ein Teil der Erinnerung, dass Christen nicht nur persönlich, sondern in der Gemeinschaft von einer enormen Produktivkraft für heute. Und dieser Weg, der dort beschrieben wird, findet statt, nicht irgendwo, sondern mitten im Leben. Und deswegen ist der zweite Teil, der die Welt beschreibt, des Alltagslebens beschrieben werden. Wie halte ich es mit der Politik, wenn ich am Ende nicht selbst mitentscheiden muss,

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aber viel aushalten muss, ganz in der Linie Jesu, gib dem Kaiser, was des Kaisers ist, auch des Apostels Paulus, die politische Obrigkeit muss respektiert werden. Das heißt nicht, dass man kritiklos sich alles gefallen lässt. Aber das heißt, dass man selber nicht sozusagen ein politischer Anarchist ist, weil man meint, eigentlich gehörte man schon in den Himmel hinein. Wie ist das mit Menschen, die versklavt sind und die vielleicht denken, dass sie deswegen auch Christen zweiter Klasse sind? Ganz falsch, sagt der erste Petrusbrief. Wir müssen genau anders denken. Wir müssen von denen her denken, die Unrecht zu erleiden haben. Und von ihnen lernen, wie sie mit diesem Unrecht umgehen. Wie ist das Leben in der Familie vorstellbar? Und wie soll die christliche Gemeinde eigentlich leben?

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Das sind die Hauptfragen, die beantwortet werden. Ich sage dazu, das sind die Passagen des ersten Petrusbriefes, die auch viel Kritik auslösen. So ein Stichwort, das man immer hört, heißt Verbürgerlichung des christlichen Lebens. Ich weiß nicht, ob das nur so schlecht ist, wenn man sozusagen ein Citoyen der Kirche ist. Aber tatsächlich ist es so, dass diese radikalen Forderungen, die wir teilweise aus der Jesustradition kennen, wir kennen auch andere Traditionen, dass die hier zurücktreten und dass einfach diese Ermöglichung von Glaube im Alltag betont werden soll. Ja, aber das geht nicht ohne Probleme. Das geht nicht ohne Leidensfähigkeit. Und deswegen ist der Passus über das Leid, der dritte Teil, dieses Korpus des Briefes.

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Es ist eine dreifache Botschaft, die dieser Brief aussendet. Das erste ist Leid ist kein Fatum, in das ich mich ergeben muss. Ich darf protestieren. Ich kann mich wehren. Ich kann mich auch ausdrücken. Wenn ich verleumdet werde, kann ich mich wehren. Wenn ich gefragt werde, warum ich so verrückt bin, christlich zu sein. Ich kann antworten. Ich soll das trainieren. Eines der berühmtesten Worte des ersten Petrusbriefes. Es ist wichtig, dass es eine starke Gemeinschaft gibt. Und diese starke Gemeinschaft gibt es nur, wenn das Äthos der Bergpredigt in dieser Gemeinschaft auflebt und sich jetzt nicht auf den Wanderwegen Jesu erschöpft, sondern in diesen Stadtgemeinden realisiert. Und es braucht Geduld. Es braucht eine Geduld, die von der Hoffnung inspiriert ist und deswegen Zukunft gibt.

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Geduld weiß, dass manches Zeit braucht. Geduld weiß aber auch, dass Gott Zeit schenkt und dass diese Zeit genutzt werden muss. In diesem mehrfachen Dreiklang arbeitet der erste Petrusbrief als Hirtenbrief auf, was es heißt, Christin, Christ zu sein, mitten in der Welt, aber angesprochen von Gott, der nun ganz eindeutig kein Teil dieser Welt ist, sondern im Gegenteil diese Welt ins Leben gerufen hat. Und der letzte Teil eines solchen Briefes ist dann einfach ein Postscriptum, in dem man noch einmal Wünsche und Grüße austauscht. Und aus diesem Postscriptum hatte ich schon gelesen, als es dort um diese

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Ermutigung ging, die auf die Gnade Gottes verweist. Jetzt habe ich diesen Brief relativ ausführlich dargestellt, aber noch nicht. Und das wäre mein dritter Punkt, ihn eingeordnet. Und diese Einordnung hat im Falle dieses Briefes zwei Aspekte. Zum einen müssen wir die Frage genau betrachten, wer hat diesen Brief jetzt geschrieben? Und wir müssen uns anschauen, wann ist er, an welche Gemeinde geschrieben worden? Dazu schaue ich noch mal auf den Anfang dieses Briefes, der nämlich sehr programmatisch ist. Petrus Apostel Jesu Christi, so hatte ich ja schon gelesen, den Auserwählten, den Fremdlingen der Diaspora von Pontus Galatien, Kapadotien, Asien, Bithynien,

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ich sag gleich noch was zu diesen Namen, gemäß dem Vorauswissen Gottes, des Vaters, ich mach's so wörtlich, wie es geschrieben steht, in der Heiligung durch den Geist, um Jesus Christus gehorsam zu sein und mit seinem Blut besprengt zu werden. Seid, werdet, mit Gnade und Friede erfüllt. Ein Brief, der so anfängt, will etwas. Er hat eine hohe Meinung von der eigenen Aufgabe, auch von den Menschen, die hier miteinander im Glauben ins Gespräch kommen. Petrus Apostel Jesu Christi, Petrus, diese faszinierende Gestalt, die uns in den

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Evangelien begegnet als der erste, der berufen wurde, so jedenfalls nach den Synoptikern oder einer, der ganz schnell mit dabei war, so nach dem Johannesevangelium, einer, der immer sehr viel wollte, einer, der immer sehr viel zu wissen glaubte, der auch gesagt hat, du bist der Christus, der aber auch gesagt hat, ich kenne diesen Menschen nicht und dennoch in die Nachfolger berufen worden ist, neben Paulus, die zentrale und faszinierendste Gestalt, die auch in einem ganz bestimmten Ausschnitt in diesem Brief vor Augen geführt wird. Die Frage ist jetzt in einem strengen historisch kritischen Sinne des Wortes, ist dieser Simon Petrus, den wir kennen, auch der historische Autor des Briefes? Und da gibt es Zweifel, die ich auch teile, die ich aber versuchen möchte, jetzt auch gleich einzuordnen. Die erste Einordnung ist die, wenn wir in der Antike über Autorschaft sprechen,

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hat das einen anderen Sinn, als wenn wir es heute in der Moderne machen. Dieser Unterschied zwischen echt und falsch ist einfach keiner, der in der Antike so zieht. Es gibt erweiterte Autorbegriffe. Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben, sagt Pontius Pilatus, zum Kreuz des Titels, heißt aber nicht, dass er es selber formuliert hat. Jetzt möchte ich Pontius Pilatus nicht mit Petrus vergleichen, sondern einfach sagen, wir müssen versuchen, hier in ein historisches Denken hinein zu kommen. Das ist innerhalb des Judentums üblich, das ist auch innerhalb des Christentums üblich, dass man sozusagen mit Berufung auf, in Erinnerung an Briefe schreibt. Diese Möglichkeit gibt es, ist die in diesem Falle gegeben. Ich sage ja, aus zwei Gründen. Zum einen wird vieles an Details weiterdiskutiert. Dieser Brief hat eine ausgezeichnete sprachliche Gestalt.

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Es ist ein sehr, sehr gutes Griechisch, das uns hier begegnet. Jetzt traue ich dem Fischer vom See Ginesaret sehr, sehr viel zu. Der ist auch rumgekommen. Das ist kein Simpel aus Galiläa. Nein, nein, der ist zum Weltenbürger geworden. Aber so schreibt man Griechisch, wenn man sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen hat. Und der zweite Grund ist der, den ich am Anfang zitiert habe. Petrus schreibt ja, ich habe durch Silvanus geschrieben. Da ist ja selber schon mal eine indirekte Autorschaft angedeutet. Dieser Silvanus oder Silas ist uns aus dem Neunthes Semit auch bekannt. Das ist eine Figur, die so was wie eine Brücke zwischen Petrus und Paulus bilden konnte. Jemand, der mit Jerusalem verbunden ist, der teilweise mit Paulus zusammengearbeitet hat,

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der aber auch mit Petrus zusammengearbeitet hat, der aber auch unabhängig gewesen ist und der in meinen Augen dann derjenige historische Verfasser ist, der jetzt aber hinter der Autorität des Apostels zurücktritt, aus Gründen, die zu einem guten Teil biografisch belegt werden können, vor allen Dingen aber, weil er weiß, dass sein Zugang zu Jesus vermittelt ist durch den Apostel Petrus. Und mit dem Apostel Petrus haben wir jetzt sozusagen die idealtypische Gestalt der gesamten synoptischen Tradition. In Johannesevangelium wird deutlich, da gibt es noch einen anderen. Aber die synoptische Tradition stellt doch diesen Petrus, sicherlich auch mit idealisierenden Konstrukten sozusagen als die zentrale Vermittlungsgestalt zu Jesus hin. Und das ist hier auch der Fall.

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Und dann fällt etwas auf. Dann fällt nämlich auf, welches Petrus-Bild dieser Brief zeichnet. Dieser Petrus nennt sich am Anfang Apostel. Ohne jede Erläuterung. Wir können das vergleichen mit den Paulus-Briefen. Apostel? Immer mit Erläuterung. Warum? Weil Paulus als Apostel umstritten gewesen ist. Wir können sagen Gott sei Dank. Dadurch musste er sich so erklären und hat es gekonnt und hat es getan und kann uns überzeugen. Aber wenn einer Apostel ist, dann Petrus. Also steht hier nur der Titel Apostel. Und etwas später, zu Beginn des fünften Kapitels, also schon ziemlich gegen Ende, dort gibt es zwei weitere Kennzeichen.

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Dort steht, dass Petrus sich an die Presbyter, also die Ältesten der Gemeindeleitung, wendet, um sie gleichzeitig zu ermuntern. Und dann stellt er, der literarische Auto, sich hier vor als Sympresbyteros, als Mitpresbyter. Und als Zeuge der Leiden Christi. Wenn Sie Chef sind, reden Sie von Ihren Mitarbeiter. Wenn Sie Mitarbeiter sind, würden Sie nie sagen, die Chefin ist meine Mitarbeiterin. Es ist also deutlich sozusagen ein Primus Inter Paris, ein Presbyter, der mit anderen zusammen sich in der pastoralen Verantwortung sieht.

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Das ist seine Stärke. Und diese Besonderheit, die, Entschuldigung, die legt er jetzt, führt er jetzt darauf zurück, dass er Zeuge der Leiden Christi ist. Jetzt haben wir hier eine ganz bemerkenswerte Fokussierung. Zeuge der Leiden Christi. Das war Petrus. Auch den Evangelien zufolge. Und Zeuge der Leiden Jesu zu sein, ist für die Gemeinde, die selber ungerechtfertigtes Leid zu ertragen hat, ein Segen, ein Zuspruch, eine Verheißung. Aber aus den Evangelien wissen wir ja auch, wie Petrus Zeuge der Leiden Jesu gewesen ist. Nämlich als derjenige, der das Leiden Jesu verhindern wollte. Kein Wort davon im ersten Petrusbrief. Als derjenige, der

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gesagt hat nach dem Johannis-Evangelium, ich will für dich mein Leben hingeben. Kein Worte von im ersten Petrusbrief. Und vor allen Dingen derjenige, der nach allen Synoptikern gesagt hat, ich kenne diesen Menschen nicht. Die Verleugnung Christi, die ist ausgeblendet im ersten Petrusbrief. Warum? Weil Petrus als eine, ich nenne ihn jetzt mal so, heilige Autorität der Vergangenheit anerkannt werden sollte. Durch Sylvanus. Wenn Petrus selber geschrieben hätte, hätte er vielleicht auch diese dunkle Stunde seines Lebens nicht verschwiegen. So wie ja auch der Apostel Paulus immer wieder darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er als Verfolger, der zum Verkündiger geworden ist. Das heißt, ich habe es vorhin schon mal kurz angedeutet, diese

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mangelnde, im Vergleich zu Paulus, das ist ein ungerechter Vergleich, diese mangelnde Lebendigkeit des ersten Petrusbriefs, dieses vorsichtig formuliert etwas glatte, hat Gründe und die hat auch damit zu tun, dass der ideale Autor nicht sozusagen in den Brüchen seines Lebens dargestellt wird, sondern sozusagen nur in dem, was ihm Autorität verleiht. Dadurch fehlt ein bisschen Farbe. Es bleibt nicht, der Zuspruch bleibt. Aber die Radikalität der Glaubensherausforderung, die findet man in den Briefen des Apostels Paulus doch um einiges intensiver dargestellt. Und das zweite ist jetzt, wie wird diese Gemeinde beschrieben? Sie sind die Auserwählten

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und sie sind die Fremdlinge. Die Fremdlinge, die Marginalisierten. Das ist ein politischer Begriff, der Bürger zweiter Klasse meint. Früher konnte man in Deutschland denken, da kommen welche, die wollen bei uns arbeiten, das sind Gastarbeiter. So wirklich gehören die nicht zu uns. In den griechischen Städten gab es diese Figur. Das sind die Leute, die nicht so ganz dazu gehören, die am Rand leben, die außen vorbleiben, die nicht Mitglied der Gemeindeversammlung sind, die kein Besitzrecht haben, die kein Stimmrecht haben, die eingeschränktes Erbrecht haben. Und in dieser marginalisierten Situation sind viele, viele der ersten Christen Menschen auch getrieben worden aufgrund ihres Glaubens.

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Schienen sie auf einmal nicht mehr Teil dieser eingeübten und übrigens ziemlich glanzvollen antiken Kultur zu sein, sondern man stören Friede. Später heißt es Atheisten. Verrückt kann man denken, weil die natürlich an Gott geglaubt haben, aber ihre Zeitgenossen hätten sie gefragt, ja und was ist mit den Göttern? Wenn er die nicht verehrt, dann seid ihr außen vor. Das ist die Erfahrung, die Leidenserfahrung, die Unrechtserfahrung, die aber im Lichte dieses Briefes gedreht wird. Die Peripherie ist das Zentrum. Diejenigen, die ausgegrenzt werden, sind die Elite. Mit dem Wort Elite habe ich jetzt dieses auserwählt nur auf Lateinisch ausgedrückt.

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Das heißt nicht, dass sie elitär gewesen sind, sondern das heißt, dass sie nicht sozusagen internalisiert haben, dass sie nicht wirklich dazugehören, sondern ich würde sagen, sie haben sich als Avantgarde gesehen. Bei ihnen war die Gottesfrage klar. Bei ihnen war der Zusammenhang zwischen Religion und Ethos deutlicher. Sie sind miteinander, so ihre Selbstbeschreibung und Wahrnehmung, anders umgegangen als viele ihrer Zeitgenossen. Für viele war es eine Bekehrung, die sie erlebt haben. Und diese Situation, die sozusagen Selbstbewusstsein, manchmal auch für die Zeitgenossen ein bisschen anstrengendes Selbstbewusstsein bedeutete, die gerät jetzt in die Krise und daraus muss man heraus und soll es und kann es und wird irritiert,

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wenn sozusagen dieses Selbstbewusstsein, wir sind die Avantgarde an der Peripherie, nicht die Erfolge zeitigt, die man sich wünscht. Und da interveniert der Apostel Petrus oder man verwendet diesen Namen. Und jetzt muss ich aber noch etwas sagen über die Region. Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien, Bithynien. Das sind alles römische Provinzen oder Landschaften, da kommt es jetzt nicht drauf an, die in der heutigen Türkei liegen. Etwas südlich vom Schwarzen Meer. Und wenn man die Landkarte der Mission betrachtet, ist das Paulidisches Gebiet. Durch Paulus und seine Mitarbeiter ist dort in einer erstaunlichen Art und Weise das Christentum

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angewachsen und schon ziemlich deutlich aufgewachsen in diesen Regionen. Der erste Petrusbrief als Petrusbrief ist geschrieben. Postscriptum in Babylon. Aber das ist nicht das Babylon im Zweistromland, sondern das ist ein Code-Name für Rom. Von Rom aus bis ans Schwarze Meer. Wenn man dagegen hält, die Landkarte der Apostelgeschichte, in der die Missionsgeschichte beschrieben wird, ist es genau die gegenteilige Bewegung. Von Jerusalem aus über Kleinasien, die heutige Türkei, Griechenland, bis nach Rom. Und im Römerbrief beschreibt der Apostel Paulus sein Missionsprogramm, dass er rings von Jerusalem aus sozusagen in einem weiten Kreis missioniert habe.

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Und der Blick des Apostels Paulus geht in den Westen. Am Ende schreibt der Römerbrief bis nach Spanien. Und jetzt kommt der erste Petrusbrief und wirft den Blick zurück. Mit anderen Worten durch diese Adresse. Petrus aus Gefaneum ist inzwischen in Babylon, Rom. Hat sozusagen Idealita diese gesamte Missionsgeschichte vor Augen, weiß, wo es besonders heftig wird, weil dort das Christentum besonders stark wächst. Und schreibt jetzt diesen Brief sozusagen als Brückenschlag zurück. Um denen, die dort in diesen fernen Provinzen leben, zu sagen, das ist die Gnade, in der ihr steht. Das ist ein enormes Ferment des Kanons.

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Ein ganz starkes, direktes und indirektes Zeichen, dass hier diese vielen Gemeinden, die sich bilden, zusammengehören. Dass sie sich verständigen können, dass sie eine Sprache haben, dass sie einen Gott haben, dass sie einen Christus haben, dass sie im einheiligen Geist kommunizieren und dass sie Apostel haben, auf die sie sich beziehen können und die nicht einfach stumme Zeugen der Vergangenheit sind, sondern die reden können, die etwas zu sagen haben. Ja, und dann hilft man ihnen, dass sie auch tatsächlich zu Wort kommen. Dies geschieht jetzt viertens in einem spezifischen historischen und politischen Kontext. Hier schreibe ich hier keine Geschichte der antiken Welt und des Hellenismus. Ich konzentriere mich nur auf das Bild, das der erste Petrusbrief zeichnet. Und dieses Bild ist von einer ganzen Reihe von Kontrasten gekennzeichnet.

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Es sind Kontraste zwischen einst und jetzt. Kontraste zwischen draußen und drinnen. Draußen und drinnen. Die spiegeln, dass durch Konversion, durch Bekehrung tatsächlich etwas passiert im Leben von Menschen. Das stärkste, was passiert, religionsgeschichtlich betrachtet, ist, dass Gott auf einmal zu einem Faktor des persönlichen Lebens wird. Und dass Religion nicht einfach nur Tradition ist oder Pietät, wie Cicero sie genannt hat, sondern dass es um Glaube geht, also um eine Herzenssache, die auch, so würden wir heute sagen, den Verstand inspiriert. Das ist etwas Neues. Und ohne diese Konzentration auf den Glauben wäre diese Bewegung nie entstanden gewesen. Und wenn tatsächlich dieser Glaube das Zentrum dieses christlichen Lebens ist,

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dann gehört zu diesem Glauben eine bestimmte Form von Abgrenzung. Dann kann man nicht einfach mehr, sozusagen, Teil dieser kulturellen Welt sein, sondern es gibt bestimmte Punkte, an denen muss man Nein sagen. Und wenn man dann aber nicht sozusagen in ein religiöses Utopia fliehen will oder einfach nur sich in Nischen aufhalten will, dann muss man an bestimmten Punkten auch Ja sagen. Ja zu einem Leben in der Stadt, in der Familie, mit Frauen, mit Kindern. Und genau diese Formulierungen, genau diese Ausbalancierungen, die bringt der erste Petrusbrief zur Sprache und schlägt Lösungen vor. Nicht sozusagen Lösungen wie so ein Verhaltenskodex. Das wäre viel zu wenig, sondern es sind Orientierungen, in denen dann auch die Freiheit der eigenen Entscheidung wichtig ist.

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Wir haben ein erregendes Zeugnis aus derselben Region, aus etwas jüngerer Zeit, in der ein Stadthalter, der sehr gut schreiben konnte, Plinius, der Jüngere, an seinen kaiserlichen Mentor Trajan Briefe geschrieben hat, viele Briefe. Und in einem dieser Briefe fragte er, wie soll ich eigentlich mit diesen merkwürdigen Christen umgehen, die da morgens zusammenkommen und ihrem Gott Lieder singen, so hat der Plinius den Gottesdienst verstanden. Und es gibt Kritik an diesen Christen. Und warum gibt es diese Kritik? Woher kommt die? Die kommt von den örtlichen Priestern, den heidnischen Priestern. Die haben nämlich Einbrüche an Opfern und damit haben sie auch Einbrüche an Lebensunterhalten, die leben von den Opfern. Und dann sagen die, müssen die nicht opfern? Ist das nicht eine Aufgabe, damit es unserem Kaiser gut geht und unserem Land?

52:07
Und dann wird auf einmal die Religion politisch. Und dann wird auch ein Glaubensbekenntnis politisch. Und dann fragt der Plinius, wie soll ich mit denen umgehen? Und um die Details soll es jetzt gar nicht gehen. Soll nur zeigen, hier wächst etwas. Hier wächst etwas, das sozusagen eine religiös eigene Marke ausbildet. Das ist jetzt nicht mehr einfach nur eine Variante des Judentums. Ja, das ist tief jüdisch geprägt, aber das ist nicht die Synagoge, die man da schon kannte seit langer Zeit, sondern etwas Neues, auf das man neu sich einstellen muss. Und dann wird die Rechtslage prekärer und dann wird die Bekenntnissituation stärker. Und dann braucht man Orientierung. Und diese Orientierung will der erste Petrusbrief geben. Er hat eine blinde Stelle. Das ist das zeitgenössische Judentum. Also was ist eigentlich mit den vielen Juden, die nicht an Jesus glauben?

53:03
Das war ja für Paulus eine unglaubliche Bedrängnis, die ihn aber auch zu einer großartigen Theologie Israels geführt hat. Das fehlt im ersten Petrusbrief, der einfach auch nicht die Komplexität wie andere hat. Welche Bedeutung fünftens hat dieser Brief im Karnel? Er gehört zu den sogenannten katholischen Briefen, das sind vorgemerkt nicht die römisch-katholischen Briefe, sondern katholische Briefe, das ist eine alte Bezeichnung, sind Briefe, die nicht an eine bestimmte einzelne Gemeinde gerichtet worden sind, sondern eine größere Region, Katholos heißt das, also für das ganze, sagen wir mal vorsichtiger, für das Größere. Und diese katholischen Briefe sind immer sozusagen so ein Seitenstück zu den Paulusbriefen gewesen. In der Antike hat es unterschiedliche Anordnungen des Kanons gegeben, das möchte ich jetzt gar nicht weiter betonen.

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Nur eines schon sagen. Von den 27 Schriften des 9. Semens haben 13 den Namen des Apostels Paulus. Das ist mächtig. Aber Paulus ist nicht der einzige. Das Christentum ist vielsprachig. Es gibt viele verschiedene Zeuginnen und Zeugen. Vielleicht konnten nicht alle so gut schreiben wie der Apostel Paulus, aber sie hatten auch etwas zu sagen. Und eine Dreizahl und dann sage ich mal dreieinhalb oder vier wird zusammengestellt in den katholischen Briefen. Jetzt muss ich ein bisschen aufpassen, weil nämlich da die Anordnung der Briefe in den evangelischen Bibelausgaben nicht identisch ist mit den in den katholischen Bibelausgaben. In den katholischen Bibelausgaben ist die Reihenfolge Jakobus, dann zwei Petrusbriefe und dann drei Johannesbriefe und dann gibt es den Judasbrief auch noch. Und das sind drei Namen, die wir aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galata kennen, wo er das sogenannte Apostelkonzil beschreibt.

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Da kommen dann die sogenannten Säulen. Und das sind Jakobus, der Herrenbruder, Kefas, sagt Paulus, also Petrus und Johannes. Und das sind auch dann die Autoren der Briefe. Das heißt, mit der Historicität. Ja, die einen sagen so, die anderen sagen so. Aber es ist ein klares Zeugnis. Ich will es mal ganz bewusst provokant so sagen. Diejenigen, die sich auf dem Apostelkonzil zusammengerauft haben und die geklärt haben, es gibt unterschiedliche Charismen, aber einen Glauben, es gibt ein Evangelium und das kann man auf unterschiedliche Weise vermitteln. Petrus, Jakobus, Johannes und Paulus. Die kommen zu Wort im Neuen Testament, teilweise authentisch, teilweise nachgeahmt. Das ist eine ganz, ganz starke Botschaft. Dieser erste Petrusbrief hat einen Brückenschlag zu Petrus in den Evangelien,

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ohne dass ich jetzt behaupte, dass alle Evangelien schon bekannt gewesen seien. Das ist gar nicht mein Punkt, aber Petrus war bekannt als eine jünger Gestalt. Es ist ein Brückenschlag zu Paulus, hatte ich schon gesagt, theologische Nähe, die ich noch nicht ausgeführt habe, formale Nähe, die ich ausgeführt habe. Es ist auch eine Verwurzelung in der Heiligen Schrift der Bibel Israels, die als eine prophetische Schrift gilt. Und es ist nicht zuletzt eine zukunftsorientierte Stellung im Kanon, die auf die so nicht genannte Kirche appliziert, auf das wandernde, wachsende Volk Gottes, das in der Zeit, in der Welt seinen Weg finden muss. Von daher gehört der erste Petrusbrief auch zu den Schreiben, die den Kanon

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zusammenhalten. Ich würde jetzt nicht sagen, der Kanon ist um des ersten Petrusbriefes Willen entstanden, aber diese Fähigkeit der alten Kirche, nicht das eine gegen das andere auszuspielen, sondern auch zusammenhängen zu stiften, diese Fähigkeit war sehr, sehr groß. Und sie zeigt sich auch im ersten Petrusbrief. In einem sechsten Punkt Stärken und aber auch Schwächen oder ich würde vielleicht eher sagen Grenzen dieses dieses Briefes. Es ist beeindruckend auf einer neuen Art und Weise, dass die Fähigkeit zur realistischen Analyse der Situation offensichtlich tief, tief, tief mit dem Glaubensverständnis verbunden ist. Viele denken das ja so, dass der Glaube sich irgendwie heraus beamt aus der Gegenwart

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oder dass man sich Illusionen macht über die Welt, in der man steht, oder dass man einfach dem Druck der Realität nicht standhalten kann und dann irgendwie sozusagen etwas mit Gott zu tun haben will. Das Gegenteil ist der Fall. Der Glaube schärft den Blick für die Herausforderung der Gegenwart, für die Risiken, aber auch für die Chancen, auf diese Idee zu kommen. Wir sind marginalisiert, aber jetzt sind wir nicht einfach beleidigt, sondern wir machen etwas aus dieser Situation. Wir bilden uns nichts darauf ein. Wir wollen die Welt so verändern, dass wir nicht mehr marginalisiert sind. Muss man erst mal kommen. Und der erste Petrusbrief ist rausgekommen. Das ist ganz auch in der Perspektive der Briefe des Apostels Paulus. Aber es ist doch eine eigene Stimme, die uns hier vielleicht auch aus einer anderen Zeit entgegensteht. Die Zeit habe ich vorhin sozusagen etwas großzügig nur beschrieben.

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Wir sind, manche wollen den ersten Petrusbrief jetzt sehr spät datieren. Ich bin immer noch innerhalb des ersten Jahrhunderts. Aber es ist sicherlich, das sieht man ja auch in den Briefen, es werden ja nicht Anfangsprobleme, sondern es werden Wachstumsprobleme des Glaubens besprochen. Und deswegen kann er nicht zu den aller ältesten Zeugnissen des Neuen Testaments gehören. Das weiß man aber nicht ganz genau an dieser Stelle. Also erst mal die Fähigkeit zur klaren Situationsanalyse, das ist eine große Stärke. Die Fähigkeit auch Hoffnung zu machen, also von der Hoffnung getragen zu sein. Und zwar der Hoffnung, die nicht nur sagt dennoch, sondern eine Hoffnung, die auch sagt deshalb dennoch, ja, es spricht vieles gegen sie. Es ist die Frage, wo Gott ist.

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Es ist die Frage, ob der Geist tatsächlich wirkt. Es ist die Frage, ob die Energien vielleicht doch verbraucht sind. Der Widerstand zu groß. Die Ziele, die man sich gesteckt hat, zu ambitioniert gewesen. Das nagt und dem muss man sich auch stellen. Aber dann ist es ein dennoch, das sagt, diese Irritation oder Depressionen, die können jetzt nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Für Einzelne ist es vielleicht so, die müssen wir dann unterhaken und mitnehmen, aber für die gesamte Gemeinde ist es etwas anderes. Und dann komme ich vom dennoch zum deshalb. Warum? Weil es Gott gibt, weil es Jesus gibt, weil diese Situation der Marginalisierung, der Verleumdung Gott nicht fremd ist, weil sie Jesus nicht fremd gewesen ist. Im Glauben wird sie nicht verklärt, sondern wird sie aufgeklärt.

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Das ist die große Leistung vieler Schriften, aber auch dieser Schriften. Und damit verbindet sich eine nächste Stärke, dass wir nämlich jetzt hier in diesem nun ganz, ganz deutlich nachösterlichen Schreiben doch einen klaren Blick auf Jesus haben. Nicht in der Weise, dass uns jetzt neue Gleichnisse erzählt werden, Wundergeschichten erzählt werden und Details des Lebens Jesu dargestellt werden. Aber doch so, dass so etwas wie eine Christologie des wahren Menschseins, auch des leidenden Menschens, zum Ausdruck gebracht wird. Das macht der Apostel Petrus, der Autor, gerade in einem ganz, ganz schwierigen Teil, in dem es nämlich um die Frage geht, wie Sklaven leben sollen. Und da sagt er ja, also die Herren sind ungerecht, aber

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zur Not müsst ihr diesen Weg des Leidens gehen, den ja auch Jesus Christus selbst für euch gegangen ist. Und dann wird eingespielt, in meiner Bibelausgabe ist das wunderbar herausgearbeitet, das vierte Lied vom Gottesknecht, das circa Freitags-Liturgie gehört. Dieser leidende Gottesknecht, der um seiner Gerechtigkeit willen leiden muss. Er hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. Der keine Sünde begangen hat und in dessen Mund kein Trug gefunden wurde. Der wurde geschmäht, schmähte aber nicht. Er litt, drohte aber nicht, sondern übergab seine Sache dem gerechten Richter.

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Er hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen in seinem Leib an das Holz, damit wir den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Ich nenne das eine kompakte Version der Passionsgeschichte, in der auch das Ethos der Bergpredigt eingespielt wird. Das in fünf Sätzen zu schreiben, muss man erst mal schaffen. Der erste Petrusbrief hat das geschafft. Erst macht es dann mit dieser Autorität des Zeugen, der leiden, Jesus. Aber damit hat er etwas geschenkt, nämlich dass es die Erzählungen braucht, dass es aber auch die Bekenntnissprache braucht, in der diese Geschichte Jesu dargestellt wird. Stärken? Ja, dazu gehört auch dieses Bild einer lebendigen Kirche, dass dieser Christus, der so gelebt hat, der so

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in den Tod hineingegangen ist und von den Toten auferweckt worden ist, nach wie vor die entscheidende Figur der Gegenwart und der Zukunft ist, auf den man sich hinbewegen kann, auf den man sich bezieht und in dem man sich bezieht, verwirklicht man sich als das priesterliche Volk Gottes, weil man weiß, Glaube ist Aufklärung. Frieden wird gestiftet durch Religion. Zwei zentrale Herausforderungen heute. Glaube als Aufklärung und Religion als Friedensstiftung. Möchte es doch so sein. Aber dass es so ist und dass es so sein kann und soll, das können wir dem ersten Petrusbrief entnehmen. Das sehe ich als große, große Stärken. Dieses Brief ist ein bisschen spröder als manche anderen Briefe des Neuen Testament. Und jetzt bin ich ja einmal fast durch die gesamte Theologie und Glaubenslandschaft gegangen.

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Jetzt kann man fragen Und wo sind die Schwächen? Wo sind die Grenzen? Ja, also eine hatte ich schon benannt. Petrus wird idealisiert. Die Brüche des Lebens kommen nicht so zum Vorschein und zum Ausdruck. Es ist auch häufig eine Sprache, die eine ganze Reihe von Vorkenntnissen braucht. Und dann kann man Freude an der Wiedererkennung gewinnen. Sonst könnte man manchmal den Eindruck haben, dass es auch etwas formelhaft wäre. Es ist aber großer Unterschied zu Paulus. Bei Paulus wird sozusagen die Sprache des christlichen Glaubens gebildet. Er prät die Begriffe. Und das kann man den Briefen anmerken, dass das jetzt gerade passiert.

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Was ist Gerechtigkeit? Was ist Glaube? Was sind Werke des Gesetzes? Und so weiter und so fort. Und im ersten Petrusbrief ist praktisch diese Begriffsklärungsarbeit schon passiert. Man hat schon ein Arsenal von Worten, die wir uns aber heute immer wieder neu verständigen müssen und der erste Petrusbrief arbeitet mit ihnen. Und wir müssen häufig die Voraussetzungen uns erarbeiten. Das ist eine der Aufgaben auch der Exek to go. Das ist eine Schwierigkeit. Wir haben ein patriarchalisches Weltbild, das uns, Kapitel 3, Haustafel, Frauen, die den Männern sich unterordnen sollen. Ja, das steht im ersten Petrusbrief wie auch in Briefen der Paulus-Schule. Jetzt kann man versuchen, dass aus dem kulturellen Kontext heraus immer noch ein bisschen Honig zu saugen und zu sagen

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ja, aber es gibt ja auch immer dann reziproke Verhältnisse. Und das stimmt auch. Aber gleichzeitig werden natürlich dann auch diese Gehorsamsleistungen religiös in einer Weise überhöht, dass sie einfach stichendergreifend auch ganz, ganz, ganz lange zur Stabilisierung beigetragen haben. Also da ist die schwächende Grenze, bei der ich dann sage, ja, also das Neue Testament hat aber auch nicht nur den ersten Petrusbrief. Es gibt auch noch ein paar andere, die das darstellen können. Und gut auch, dass wir den Römerbrief haben, in dem über das Judentum geschrieben wird, gerade wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Römerbrief nach Rom geschrieben worden ist und der erste Petrusbrief von Rom aus geschrieben worden ist, dann entsteht hier sozusagen eine Lücke. Stärkenschwächen, ja, das sind jetzt meine Einschätzungen. Da können andere andere haben. Ich habe jetzt versucht, sie ansatzweise herzuleiten.

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Wichtiger ist vielleicht das, was tatsächlich Glaubensertrag sein kann. Das wäre dann ein siebter Punkt und vorletzter Punkt, auf den ich gerne eingehen möchte. Und ich bitte um Nachsicht, wenn ich jetzt mit dem Lieblingsvers aller Theologinnen und Theologen beginne, der nämlich im ersten Petrusbrief steht. Es geht um diese Herausforderung, sich zu erklären in einer Welt, die Schwierigkeiten hat, dieses Befreiende, dieses Gute, dieses Gesegnete des christlichen Glaubens zu erkennen. Und dann steht im dritten Kapitel, in den Versen 15 und 16,

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seit jeder Zeit bereit zur Rechenschaft, das griechische Wort heißt hier Apologia, zur Rechenschaft, jedem zu geben, der euch fragt nach dem Grund, das griechische Wort heißt Logos, Apologia, Logos, nach dem Grund der Hoffnung, die in euch ist. Das ist ein großartiger Satz, weil es gibt Grund zur Hoffnung, es gibt Grund zu hoffen. Die Hoffnung ist begründet. Es gibt ein Logos. Hoffnung macht Sinn. Und das lässt sich ausdrücken. In einer kritischen Situation, gegenüber von Einwänden. Ich kann Gründe für meinen Glauben nennen. Das sind Gründe, die nicht einfach nur, sagen wir mal, mit glücklichem Leben zu tun

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haben, gerne auch, wenn mir was aufgegangen ist, wenn ich gesund geworden bin, wenn ich Lebenssinn entdeckt habe, sondern das sind Gründe, die letztendlich mit Gott zu tun haben und uns sozusagen vor ihnen stellen. Aber dass das möglich ist, dass der Glaube und die Hoffnung Rechenschaft ablegen können, das ist etwas Spezifisches, das ist etwas Befreiendes. Das zeigt auch, dass alle Anstrengungen, die mit Katechese, mit Bildung, auch mit Bibelarbeit zu tun haben, nicht vergebens sind, sondern dass sie die Sprachfähigkeit des Glaubens inspirieren und der Gläubigen inspirieren. Und das ist eine ganz, ganz starke Mitgift des ersten Petrusbriefes. Passt auch zum Zeugnis anderer Briefe.

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Aber der erste Petrusbrief hat es auf den Punkt gebracht. Ein zweites, was zum Ertrag dieses Briefes gehört, ist das Bekenntnis zu Jesus Christus in einer Form, die nicht abschließt, sondern aufschließt. Jedes Bekenntnis sagt, ich bekenne und ist damit auch dann immer für das Du oder für die anderen die Frage, willst du jetzt eine Grenze hochziehen zu mir durch dein Bekenntnis, sozusagen identitäres Denken oder öffnest du mir jetzt eine Tür? Und die Christologie, die uns im ersten Petrusbrief begegnet, zieht keine Mauer hoch, sondern öffnet eine Tür und zeigt, wie Jesus Christus selber dort durchgegangen ist. Ich habe es in einem Beispiel genannt. Es gibt sozusagen viele kleine Glaubenszeugnisse und Splitter,

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die sehr einfach, sehr tief sind, die gut aufgeschlossen werden können. Für diese Christologie passt eine Ecclesiologie, eine Vorstellung von Kirche, die durch das gemeinsame Priestertum aller Getauften geprägt ist. Also ein durchaus egalitärer Ansatz, der hier mit dem Priesterlichen, also mit dem Heiligsten des Heiligen verbunden ist. Für die katholische Kirche war das der entscheidende Text auf dem zweiten vatikanischen Konzil in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, einem großen Reformaufbruch, einer Reform, die immer noch nicht abgeschlossen ist, Lumen gentium, ist die Kirchenkonstitution. Das zentrale Kapitel 10 bezieht sich auf den ersten Petrusbrief. Aber es ist natürlich keineswegs hier ein katholisches Sondergut, sondern wenn ich mich mit den Schriften von Martin Luther beschäftige, wenn ich mich mit den Schriften von Johannes Kalwin beschäftige, dann ist das eigentlich mit einer der

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Grundimpulse der gesamten Reformation, nicht von Priestern abhängig zu sein, die dann zum Klärigerstand gehören, sondern selber die Berufung zum Priestertum in sich zu spüren. Da war dieser erste Petrusbrief, den Luther übrigens auch sehr hoch geschätzt hat, ein ganz starker Motivator und Treiber. Das letzte, was ich sagen will, ist, wir fragen häufig, ob das Ethos der Bergpredigt vielleicht ein bisschen überzogen gewesen ist und die allermeisten Menschen überfordert. Der erste Petrusbrief sagt Nein. Es gibt das Liebesgebot gilt. Du sollst nicht, du sollst aus der Spirale der Vergeltung ausbrechen und du sollst, und das ist jetzt die besondere Pointe, du sollst Orte schaffen

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durch dich in deinem Umfeld, indem sozusagen die Bergpredigt, das ist meine backward zu sagen, also dazwischen. Aber wenn du jetzt erinnerst dich, dass deración aus dieses Buch direkt dermaßen belebt hat mit der smiles beb devotedantics nicht nur zu Dante, sondern auch zu dem Basie von der sins Goshו oder an="une angstank dinosaurik 我 bin wahrscheinlich an den fallenland mit bei den diragh tourists gray have Schluss. Warum soll man den heute lesen? Ich würde ja sagen, aus all dem, was ich bislang gesagt habe, aber ganz zum Schluss möchte ich noch sozusagen drei Punkte nennen. Erstens, Kirche ist eine öffentliche Größe und damit ist Kirche auch eine politische Größe. Heißt nicht, dass sie politisiert, aber Kirche muss in Freiheit, in einer Gesellschaft den Glauben leben können,

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muss sich vergemeinschaften, so dass auch tatsächlich die Sprachfähigkeit, die Zeugniskraft des Glaubens entsteht, dass auch die diakonische Wirkung entstehen kann. Das ist nicht voraussetzungsfrei, sondern es sind genau die Voraussetzungen des Glaubens, die hier gemacht werden und dass die Kirche eine öffentliche Größe ist, die nicht in Konkurrenz zu allen möglichen irdischen Herrschaften entsteht, sondern sui generis, aus eigenem Recht, nämlich einem Recht, das sich letztendlich auf Gott bezieht und das daraus eine politische Verantwortung erwächst. Das ist ein ganz, ganz starkes Zeichen, das man im ersten Petrusbrief entnehmen kann. Zweitens ist dieser erste Petrusbrief sehr wichtig für die Ökomene. Ein Petrusbrief, der hochkompatibel mit Paulus ist. Das ist ja wie

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gemalt für jedenfalls die westliche Ökomene, aber auch die Orthodoxie kann sich ja anschließen. Das Entscheidende ist aber eben, dass sich die Ökomene nicht nur um die eigenen Kontroversen kümmert, sondern dass sie den gemeinsamen und verbindenden Glauben entdeckt. Und da ist der erste Petrusbrief mit den Paulusbriefen zusammen ein Fund, mit dem man wuchern kann. Und der letzte Punkt zwischen Kirche, Kirchen und der Welt gibt es Schnittstellen, gibt es Verbindungen. Die sind wichtig, aber die sind eigentlich immer schon vorgegeben durch Gott, der nämlich der Schöpfer der Welt ist, der der Herr der Geschichte ist, der eine Verheißung formuliert hat, mit der Menschen unterwegs sein können. Und Menschen, die sich jetzt als Diplomatinnen und Diplomaten, Emissäre des

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Glaubens verstehen, die den Glauben bezeugen können, die auch etwas in die Kirche hineinholen können, die nehmen sozusagen Gott wahr. Die nehmen etwas wahr, was Gott geschafft hat. Das ist Gnadentheologie, mit diesem Wort der Gnade endet. Dieser Brief Gnade hat etwas mit Dank zu tun. Ich denke, wir sollten dankbar sagen, dass der erste Petrusbrief im Neuen Testament steht.

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1. Petrusbrief | 15.9.1

Worthaus Pop-Up – Freiburg: 17. Juli 2025 von Prof. Dr. Thomas Söding

Peter und Paul, Petrus und Paulus – die Namen klingen nicht nur ähnlich, sie teilen sich auch einen Feiertag, diverse Kirchen in der ganzen Welt und mindestens einen deutschen Fernsehfilm. Und dann haben beide natürlich einige Briefe geschrieben. Da kann man schon mal durcheinander kommen.
Kurz gesagt: Petrus ist der Apostel, den Jesus dazu berufen hat, die junge Christengemeinde zu führen. Von ihm sind zwei Briefe im Neuen Testament überliefert.
Paulus ist der Apostel, der junge christliche Gemeinden gegründet hat. Er hat viele uns heute noch bekannte Briefe geschrieben.
Der katholische Theologe Thomas Söding beschäftigt sich in diesem Vortrag mit dem ersten Petrusbrief. Er beschreibt, was diesen Brief von den Schriften des Paulus unterscheidet, er erklärt die politischen, kulturellen und historischen Umstände, in denen der Brief geschrieben wurde und warum es womöglich gar nicht Petrus war, der den Brief verfasst hat. Und letztendlich zeigt Söding, warum dieser Brief damals wie heute an alle Christen gerichtet ist. Denn was die ersten Gläubigen vor zwei Jahrtausenden durchmachten, das kennen auch die meisten Gläubigen des 21. Jahrhunderts.