Ich möchte heute in meinem Vortrag ein biblisches Buch aus dem Alten Testament Ihnen vorstellen, das auf den ersten Blick einen sehr schwer zugänglichen Eindruck macht. Es geht um das Richterbuch aus dem Alten Testament. Dieses Buch erzählt von grausamen Kriegen, von heftigen und blutigen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn Israels, aber auch von gnadenlosen innerisraelitischen Kämpfen zwischen einzelnen Stämmen. Am Ende des Buches wird zum Beispiel eine Auseinandersetzung
mit dem Stamm Benjamin mit der Schilderung der Schändung einer Frau erzählt. Es sind deshalb nicht wenige, die außerhalb, aber auch innerhalb der Kirche stehen, die dieses Richterbuch strikt ablehnen. Solche Reaktionen sind verständlich, aber wenn man hier ein Urteil über dieses Buch fällt, lohnt es sich, die Erzählungen zunächst einmal aufmerksam zu lesen und vor allem zu versuchen, sie auf dem historischen Hintergrund ihrer Entstehung zu verstehen. Dieser Herangehensweise weiß sich der Vortrag verpflichtet. Der jüdische Schriftsteller Lion Feuchtwanger schreibt im
Nachwort zu seinem Roman "Jefta und seine Tochter" aus dem Jahr 1957 Folgendes, ich zitiere: "Doch enthält es", gemeint ist das Richterbuch, "Stücke, die zu den schönsten und stärksten im Alten Testament gehören. Das großartige Kriegslied der Debora, die volkstümlichen Geschichten von Gideon, dem Schläger, dem Draufgänger, die Geschichten von dem starken Simson und den Philistern, und vor allem die Geschichten um Jefta", Zitat Ende. Ich möchte Ihnen das Richterbuch in einigen Schritten vorstellen. Der erste Schritt: Was
versteht man überhaupt unter dem "Richter"buch, unter dem Begriff "Richter"? Zunächst zu dem Namen: Der Name dieses Buches rührt her von seinen Haupthelden. Diese werden als "Richter" bezeichnet. Der hebräische Begriff dazu ist "Schofetim", das heißt übersetzt "Richter". Diesen Namen darf man freilich nicht falsch verstehen. Wenn wir den Begriff Richter hören, denken wir an die, die Recht sprechen. Aber so ist dieser Begriff im Alten Testament nicht gemeint. Manche übersetzen dieses "Schofetim" als "Retter" oder manche auch als "Regenten". Also die Richter sind
Rettergestalten, sie herrschen, sie richten und damit ist vor allem der administrative Bereich und der politische Bereich genannt. Wo steht das Richterbuch im Alten Testament? Nun, dieses Richterbuch steht zwischen dem Josua-Buch und dem Samuel-Buch. Das Josua-Buch berichtet, wie Israel in das Land einwandert und das Westjordanland erobert. Es geht in diesem Buch um die Gabe des Landes, um die Verteilung der Stämme im Land, und dann: Wo sollen
die Israeliten, die Stämme wohnen. Die beiden Bücher Samuel enthalten den Weg Israels zum Königtum. David und Salomo, von ihnen wird im Samuel-Buch berichtet. Und zwischen diesen beiden Büchern steht das Richterbuch. Daran sieht man sehr schön, dass das Richterbuch die Zeit der Etablierung der israelitischen Stämme im Land Israel widerspiegelt. Und das muss man verstehen und wissen, um diese Erzählungen vom Richterbuch zu verstehen. Wir werden später noch darauf zurückkommen. Zur Komposition und zur Zeit des Richterbuches ist Folgendes zu sagen: Es ist
eines der Bücher im Alten Testament, das am klarsten, am deutlichsten gegliedert ist. Wir haben in den ersten drei Kapiteln die sogenannte biblische Grundlegung. Wir kommen darauf zurück. Dann haben wir in Kapitel 4 bis 16 die Erzählungen über die Richter und dann am Ende, Kapitel 17 bis 21, das, was man in der Forschung als die Anhänge des Richterbuches bezeichnet. Auch auf diesen Begriff kommen wir nachher noch einmal zu sprechen. Wir hatten gerade gesehen, das Richterbuch erzählt von der Zeit, man könnte fast sagen, zwischen den Zeiten, das heißt der Etablierung der Stämme in
Israel. Und in dieser Zeit war Israel eine Gesellschaft, die geprägt war von den Stämmen. Das Grundlegende dieser Stämme, die Kernzelle dieser Stämme, war, wir würden heute sagen, die Großfamilie, dann die Sippe, und die nächst höhere Gruppe waren dann die Stämme. So kann man sich den israelitischen Stamm in seiner Entstehung, in seiner Zusammensetzung grob klarmachen. Die Kern war die Großfamilie, das Vaterhaus, hebräisch "Beth Av", dann die Sippe - Tausendschaften hat man sie auch genannt, daran kann man sehen, wie groß eine Sippe war, - und
dann schließlich der Stamm. Und was das Richterbuch betrifft, kann man sehen, dass diese Stämme ein eigenständiges und voneinander unabhängiges Leben führten. Es gab noch nicht wie später bei David und Salomo ein Berufskriegertum, und es gab auch noch keine Söldner wie später in der Königszeit. Natürlich war die Sozialordnung, die soziale Zusammensetzung der Gesellschaft vom Pater Familias, vom Familienvater, also patriarchalisch, geprägt. In der alttestamentlichen Forschung, wenn ich das so einschieben darf, wird das Richterbuch im Moment intensiv untersucht, und
dabei lassen sich meines Erachtens vier Richtungen unterscheiden. Es geht dabei um die Frage nach der Entstehung und nach der Bedeutung des Richterbuches. Die erste Richtung beschreibt die Entstehung des Richterbuches als eine Zusammenfassung von ursprünglich einzelnen Anekdoten und sagenhaften Heldengeschichten. Diese einzelnen Geschichten, die wahrscheinlich erst in mündlicher Form umherliefen, seien dann von einem Sammler zusammengefasst worden zu dem, was wir heute das Richterbuch nennen. Dieser Sammler wird in der Forschung als der sogenannte Deuteronomist bezeichnet, weil er bei seiner Umsetzung sehr an dem Buch, auch an der Theologie des Buches
Deuteronomium, des fünften Buches Mose, interessiert ist. Dann die zweite Richtung, die hat Furore gemacht in der Forschung. Die geht jetzt nicht von einzelnen Erzählungen aus, sondern von einem Retterbuch, das in sehr kompakter Form den israelitischen Stämmen vorgelegen habe und das von dem katholischen Altestamentler Wolfgang Richter entwickelt worden ist und die Diskussion um dieses Buch sehr lange bestimmt hat. Inzwischen ist man gegenüber dieser Position etwas kritischer geworden. Aber immerhin, vor allem amerikanische Kollegen gehen in ähnlicher Weise von einem
"Book of Saviors", von einem Heldenbuch oder von einem "Manasse-Book of Saviors" aus. Der dritte Zugang, der ist sehr aktuell. Er geht aus von einer feministischen Sicht des Richterbuches. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das Richterbuch vor allem durch das Auftreten und das Wirken von Frauen geprägt wurde. Also beispielsweise Debora, Richter 4 und 5, oder die Mutter von Sisera in Richter 5, oder die Frau von Manoach, der Mutter von Simson, oder auch die
Frauen von Simson, Delila werden Sie alle kennen. Das ist ein sehr aktueller Zugang, und wir werden bei Debora und Kapitel 4 und 5 darauf zu sprechen kommen. Und schließlich auch ein vierter und letzter Zugang, das ist der sogenannte biblische Zugang, die biblische Auslegung. Dabei geht man von dem Richterbuchtext aus und sucht und findet auch sehr viele Beziehungen zu anderen biblischen Texten. Man bettet dieses Buch ein in das gesamte Alte Testament. Soweit zu dem ersten Schritt, zur Einführung, zum Namen, zur Komposition des Buches. Nun möchte ich in einem zweiten Schritt die
biblische Grundlegung Ihnen vorstellen. Das heißt, die ersten drei Kapitel des Richterbuches. Die ersten drei Kapitel des Richterbuches beschreiben sozusagen die Theologie des ganzen Buches. Und sie sind sicher ein jüngerer Teil bei der Frage nach der Entstehung des Buches. Und diese drei Kapitel sind ganz bewusst an den Anfang des Buches gesetzt. Gleich im ersten Kapitel wird eine Liste von Orten Judas vorgestellt, die von den Stämmen Israels nicht eingenommen, nicht erobert werden
konnten. Und zudem geht es bei dieser Auflistung der eroberten und nicht eroberten Orte um die Aussage, dass der Herr mit Israel, mit den israelitischen Stämmen gewesen sei. Und hier ist eine Sache sehr auffallend: Es wird gesagt, dass der Herr, Jahwe, mit Israel, mit den israelitischen Stämmen war, aber dass es einige Orte und Gebiete gab, die nicht erobert werden konnten. Diese Aussage wird nicht als Widerspruch empfunden. Ja, das ist sehr interessant, dass das gesehen wird.
So viel zu Kapitel 1. Dieses erste Kapitel steht sozusagen zur Ergänzung zum Josua-Buch. Wenn man so will, kann man das Richterbuch als eine Korrektur der Aussagen des Josua-Buches verstehen. Nach Aussage des Josua-Buches ist ganz Israel, alle Stämme sind in das Land eingewandert, und sie haben das Land in Gänze erobert. Das Richterbuch setzt bei dieser Aussage ein und kritisiert diese, ja ich nenne es mal Ideologie, und sagt, nein, es gab auch Orte, es gab auch Gebiete innerhalb
von Israel-Palästina, die nicht erobert werden konnten. Und von historischer Sicht ist das die wahrscheinlichere Sicht. Kapitel 1 beschreibt dies. Nun, in Kapitel 2 haben wir eine sehr interessante Aussage. Man kann Kapitel 2 als theologische Interpretation von Kapitel 1 lesen. In Kapitel 1 werden ja beschrieben die Gebiete, die nicht erobert werden konnten. Das wird so beschrieben, als ob die Bewohner, die Kananäer, wie sie bezeichnet wurden, oder die Philister, dass die militärisch den israelitischen Stämmen überlegen waren. So kann man Kapitel 1 lesen.
In Kapitel 2 wird das etwas anders interpretiert. Kapitel 2 beschreibt, dass die israelitischen Stämme schuldhaft bestimmte Orte nicht erobern konnten. Warum? Weil sie Bündnisse mit der Urbevölkerung, wenn man so will, mit den Kanaanäern geschlossen haben und damit gegen die Alleinherrschaft Jahwes, des Herrn, verstoßen haben. Hier sieht man sehr schön eine theologische Interpretation, der Versuch einer theologischen Interpretation, warum eben nicht das ganze Land erobert werden konnte. Das wird sogar in Kapitel 3 noch ergänzt. Hier findet sich sozusagen das charakteristischste
Gepräge des Richterbuches, der sogenannte Rahmen des Richterbuches. Was meint man damit? Damit meint man, dass die Erzählungen von Simson, Jefta und wie sie alle heißen, am Anfang und am Ende sozusagen eingerahmt werden von einem theologischen Rahmen. So wie ein Bild einen Rahmen hat, so werden diese Erzählungen eingerahmt. Dieser Rahmen hat immer wieder bei jeder Richtererzählung die gleichen Elemente. Ich will Ihnen diese Elemente nennen. Es sind insgesamt zwölf Elemente.
Das erste Element ist: Es wird berichtet, die israelitischen Stämme hätten das Böse getan. Und mit dem Bösen ist in der Regel gemeint der Abfall von Jahwe und die Hinwendung zu den Göttern der Urbevölkerung. Das ist das zweite Element: Ihr seid zu den Göttern der Philister, zu den Göttern Moabs, Edoms und so weiter abgefallen. Das dritte Element: Daraufhin sei der Zorn Gottes entstanden, "und Gott zürnte über dieses Verhalten". Und die Konsequenz, das vierte Element: Der israelitische Stamm wurde an die Fremdvölker sozusagen übergeben, ausgeliefert. Dann wird beschrieben "und der Stamm Benjamin, der Stamm XY war so und so viele Jahre in den Händen der
Kanaanäer". Das ist das fünfte Element. Und in dieser Zeit habe Israel große Not empfunden. Und das hatte wiederum zur Folge das siebte Element, dass Israel geriet in Bedrängnis und schrie zum Herrn um Hilfe. In der Not schrie der Stamm bzw. Israel um Hilfe. Und die Reaktion Jahwes war: Er hat Richter, Retter erweckt, Regenten erweckt. Und daraufhin kämpfen diese Richter gegen die Fremdvölker. Sie überwinden sie. Und das wird dann in dem neunten und zehnten
Rahmen-Element beschrieben. Israel hatte Ruhe, heißt es dann, für 40 Jahre, für 30 Jahre. Und dann findet sich die Richternotiz: "Und Jefta richtete Israel so und so viele Jahre, und dann starb er und wurde begraben in Megiddo", oder wo auch immer. Es wird der Ort genannt, wo sie begraben werden. Und dieses Gerüst, dieses Rahmengerüst ist grundlegend für das Richterbuch. Wenn man dieses Grundgerüst versteht und aufnimmt, kann man die Theologie dieses Buches
eigentlich sehr gut verstehen. Der dritte Schritt: Ich möchte Ihnen jetzt vorstellen die einzelnen Richtererzählungen in aller Kürze. Die Richtererzählungen beginnen in Kapitel 3, Vers 7 bis 11, mit der sogenannten Otniel-Erzählung. Und mit dieser Otniel-Erzählung, das ist höchst interessant, es ist die kürzeste der Richtererzählungen, nur vier oder fünf Verse. Und sie besteht eigentlich nur zum einen aus den beiden Protagonisten, aus Othniel und dann seinem Gegenpart Kuschan-Rischatajim, wie er genannt wird, aus Aram-Naharajim. Nun, Aram-Naharajim
ist wohl, wir würden heute sagen, Mesopotamien, das Gebiet von dem Irak. Und Otniel gehört genealogisch in die Linie von Kenas und Kaleb. Und diese Namen finden sich in dem Stamm Juda, im jüdischen, jüdischen Gebiet. Also Otniel ist sozusagen der erste Richter, der aus Juda kommt. Das ist sicher kein Zufall. Von da aus kann man wohl schließen, dass diejenigen, die das Richterbuch verfasst haben, Judäer waren. Und von daher kann man das wohl als These sagen, dass hier eine judäische Reaktion und Redaktion vorliegt. Und diese Erzählung in Richter 3 Vers
7 bis 11, das ist interessant, die besteht fast nur aus den Rahmenelementen, die wir eben gehört haben. Es sind nur die beiden Elemente Otniel und Kuschan-Rischatajim, wobei dieser Herrscher Kuschan-Rischatajim historisch nicht greifbar ist. Also wenn ich es recht recherchiert habe, es gibt keinen Herrscher in Mesopotamien mit diesem Namen. Nun, Nomen est Omen, Kuschan-Rischatajim heißt übersetzt "Doppelbosheit". Also vielleicht ist dieser Name auch einfach nur gewählt, um deutlich zu machen, er ist ein besonders starker, ein besonders schwerer Gegner,
aber Otniel hat ihn besiegt. Dann folgt in dem nächsten Teil der Richter Ehud. Ehud kämpft gegen den Moabiterkönig Eglon. Moab ist ein Gebiet, das östlich des Toten Meeres wohl anzusiedeln ist, also im heutigen Jordanien. Bei dieser Richter-Erzählung sind die Namen interessant. Ehud ist Hebräisch und heißt so viel wie Pracht, Herrlichkeit, das ist die Übersetzung. Ehud ist vielleicht eine Kurzform von Achihut oder Echi-Hut und das heißt übersetzt
Vater der Herrlichkeit. Von ihm wird eine Sache berichtet: Er sei Linkshänder gewesen. Und das ist interessant für die Auseinandersetzung mit seinem Feind, mit Eglon. Und Eglon, auch hier gilt Nomen est Omen, heißt übersetzt "Kälblein", "kleines Kalb". Nun, in der Forschung wird dieser Name fast durchweg als Spottname übersetzt und zudem wird noch beschrieben, dass dieser Eglon ein sehr beleibter Mann gewesen sei. Auch das wird dann in der Forschung gerne als negativ beschrieben:
Eglon sei furchtbar dick, und das sei köstlich und maliziös zugleich. Der König sei ein fettes, rundes Rind, wie es in manchen Kommentatoren heißt. Ich wäre hier etwas vorsichtig bei dieser Interpretation. Meiner Meinung nach wird hier das Adjektiv "fett" falsch interpretiert, denn im Alten Testament ist das in keinster Weise negativ konnotiert. Es bedeutet vielmehr "gesund", "wohlgenährt", so beispielsweise in Psalm 73. Diese Charakterisierung mit diesem Namen soll Eglon nicht der Lächerlichkeit preisgeben oder seine Unbeweglichkeit beschreiben. Hier werden unsere
modernen Vorstellungen von einem schlanken Körper als Schönheitsideal vorschnell auf biblische Texte übertragen. Zurück zur Ehud und seiner Linkshändigkeit. Das wird ausdrücklich genannt, weil es beschrieben wird, dass Ehud zu dem König Eglon kommt und er habe, wie es im Hebräischen heißt, ein Mincha dabei. Man könnte es übersetzen, Tribut. Er hat bei dieser Übergabe den Tribut, den Eglon Ehud und seinem Stamm übertragen und aufgelastet hat, übergeben. Und bei dieser Übergabe hat der Ehud Eglon getötet. Sie waren alleine im Raum, und der
König war so überrascht, und zwar deshalb, weil der Ehud den Dolch an seiner rechten Seite hatte. Und mit Links hat er diesen Dolch schnell gezogen und den Feind Eglon getötet. Und damit hat er den Stamm von der Fremdherrschaft Eglons befreit. Das ist die erste Richter-Erzählung, die für unser Empfinden sehr brutal, sehr grausam ist. Sie wird in der Regel als eine groteske, manche sagen auch
eine politische Satire verstanden. Aber meines Erachtens muss man hier Ehud genauso wie die anderen Richter als einen Retter, als eine Heldensage oder Retter-Erzählung verstehen. Sie hat ihren Sitz im Leben im Stamm Benjamin, und dieser Stamm Benjamin hat, so stelle ich mir das vor, von der geglückten Tötung des furchtbaren Feindes Eglon berichtet. Das war die Nationalerzählung, wenn man so will, im Stamm Benjamin. Und Ehud, der damals sozusagen den Stamm befreit hat, der wird als der Retter, der Held beschrieben. Das ist ein Zug, den man bei jeder Richter-Erzählung
sehen kann. Debora ist die nächste Richter-Erzählung, man müsste genauer sagen Richterin-Erzählung. Debora beschreibt die Auseinandersetzung der Richterin Debora gegen die Kanaanäer. Es heißt in Richter 4, dass Debora zusammen mit Barak gegen die Kanaanäer gekämpft habe. Hier werden die Kanaanäer Jabin und Sisera genannt. Auch die sind historisch schwer zu greifen. Auf jeden Fall wird beschrieben, dass Debora und Barak gegen diese Kanaanäer in der Megiddo-Ebene gekämpft haben. Die Megiddo-Ebene liegt südwestlich vom See Genezareth. Es ist interessant bei Debora, zu sehen, dass die Debora in doppelter Weise beschrieben wird.
Und zwar in Richter 5 das sogenannte Debora-Lied und dann in Richter 4 die Debora-Erzählung. Also in doppelter Weise wird von dieser Richterin geschrieben und berichtet. Es ist interessant, auch zu sehen, dass es Unterschiede gibt. Wenn man Kapitel 5, das Lied, vergleicht mit Kapitel 4, gibt es kleinere Unterschiede. Zunächst kann kein Zweifel bestehen, dass in beiden Kapiteln Kampf gegen die Kanaanäer im Zentrum steht. Diese kleineren Unterschiede zwischen den beiden
Kapiteln sind meines Erachtens so zu erklären, dass Kapitel 4 die ältere Darstellung des Liedes ergänzt und auch präzisiert. Das kann man hier sehen. Historisch steht in beiden Kapiteln die Auseinandersetzung der israelitischen Stämme gegen die Kanaanäer im Zentrum. Meines Erachtens ist es ausgeschlossen, hier sozusagen eine reine Erfindung von bestimmten Autoren zu sehen. Meines Erachtens ist das Debora-Lied eines der ältesten Lieder des Alten Testamentes. Ich würde es um die Zeit kurz
der Königszeit, also im ausgehenden 11. Jahrhundert, datieren. Dieses Lied ist entstanden aufgrund der Auseinandersetzung zwischen den israelitischen Stämmen und Kanaan, die es sicherlich historisch gegeben hat. Dieses Lied will nicht als neutraler Tatsachenbericht über die Auseinandersetzungen mit Kanaan verstanden werden, sondern es ergreift Partei für Israel und vor allem für den Gott Israels. Die Aussage, die hinter dem Debora-Lied steht, lässt sich illustrieren durch einen Vers
aus dem Buch der Sprüche. Hier heißt es in Kapitel 21, ich zitiere: "Das Pferd ist zugerüstet für den Tag der Schlacht, aber die Rettung kommt von dem Herrn." Und das ist genau die Theologie des Debora-Liedes. Der Tag der Schlacht wird durchgeführt durch das Pferd, durch die Truppen, aber die Rettung kommt eigentlich von dem Herrn. Das ist die Botschaft der beiden Kapitel von Debora und Barak. Dann schließt sich daran an der Richter Gideon, in Kapitel 6 bis 8. Das sind sehr umfangreiche Erzählungen über Gideon. Gideon kämpft gegen Midian, einen ostjordanischen Stamm,
und bei ihm wird noch mehr berichtet, nämlich innerisraelitische Auseinandersetzungen. Diese Erzählungen sind sehr umfangreich. Ich möchte nur ganz kurz skizzieren, welches Bild von dem Richter, dem Retter Gideon, entworfen wird. Gideon wird als Richter beschrieben, der Israel von dem Aggressor Midian befreit. Midian bedroht die Existenz des Gottesvolkes. Es heißt, dass Midian immer in das Westjordanland eingefallen sei und hätte die Ernte
von den israelitischen Stämmen zerstört und damit natürlich die Existenzgrundlage. Gideon greift hier ein. Und von ihm wird noch, wie bei Propheten, berichtet, er sei durch einen Engel berufen worden. Dieser Engel habe ihn ermutigt, gegen Midian zu kämpfen: "Du bist ein tapferer Krieger, kämpfe gegen Midian." Gideon weist das zurück: "Ich habe nicht die Kraft und Stärke, gegen Midian zu kämpfen." Aber Jahwe, so heißt es im Auftrag des Engels, bleibt hier hartnäckig. Gideon erbittet daraufhin, so heißt es, ein Zeichen von Gott, dass Gideon wirklich von Gott beauftragt ist und auch die
Midianiten schlagen kann. Dieses Zeichen bekommt er, er zieht in den Krieg gegen Midian. Es heißt, auch das ist für die Richter-Erzählungen wichtig, der Geist des Herrn, der Ruach Jahwe, sei über Gideon gekommen. Mit diesem Geist des Herrn habe er Midian geschlagen. Interessant ist, dass im Anschluss an Gideon eine Erzählung genannt wird, die nicht so recht in das Schema der Retter passt. Es wird von einem Sohn Gideons berichtet, von Abimelech. Abimelech
ist insofern für die Geschichte Israels wichtig, weil er versucht hat, als Erster, noch vor David und Salomo, ein Königtum in Israel zu etablieren. Aber dieses Etablieren eines Königtums scheitert. Warum? Weil er, dieser Abimelech, dieser Sohn Gideons, radikal und diktatorisch vorgeht. Er lässt seine Geschwister töten und spielt sich als Alleinherrscher auf. Hier kann man sehr schön sehen, in Richter 9, dass dieser Abimelech beschrieben wird als Antityp zu Gideon. Er ist genau das
Gegenteil von Gideon. Er ist nicht berufen wie Gideon. Er beruft sich selbst. Er ist gewalttätig, anmaßend. Diese negative Figur des Abimelech wurde ganz bewusst in das Richterbuch eingefügt. Man hat ihn nicht vergessen, aber man wollte die Erinnerung an diesen, wenn man so will, Diktator in Erinnerung halten und auch zeigen, auf diese Weise kann es in Israel kein Königtum geben. Im Anschluss an Gideon und Abimelech haben wir auch einen kleinen Einschub in das Richterbuch. Hier wird von den sogenannten "kleinen" Richtern berichtet. Was meint "kleine" Richter? Debora und die anderen,
Simson, sind die "großen" Richter. Das bezieht sich nicht auf ihre Größe, sondern "kleine" Richter heißt, von ihnen wird mit einer Ausnahme keine große Kriegstat berichtet. Es heißt einfach nur, der Richter Tola, einer der kleinen Richter, wirkte da und da und lebte so lange, und dann starb er. Es ist wohl eine kleine Liste mit diesen Richtern, die in Kapitel 10 und in Kapitel 12 aufgenommen werden. Man kann das sehr schön sehen, die sind auch genau aufgebaut. Man kann sehen, dass in Kapitel 10
und Kapitel 12 diese Liste auseinandergerissen wird und in Kapitel 10 und 12 wieder aufgenommen wird. Und in Kapitel 11, das ist nun auch sicher bewusste Komposition, wird von dem Richter Jefta berichtet. Dieser Jefta gehört sowohl zu den kleinen Richtern als auch zu den großen Richtern. Deshalb hat man diese kleine Richterliste aufgesprengt und Jefta hier eingeschoben. Von diesem Jefta wird in Richter 10[,17] bis 12,7 berichtet, als "großer" Richter und gleichzeitig auch als "kleiner" Richter. Er kämpft gegen die Ammoniter, auch das ein ostjordanischer Stamm. Von ihm berichtet, dass er eine
tragische Figur ist. Und zwar: Er kämpft gegen die Ammoniter, und dieser Jefta legt ein Gelübde ab vor dem Herrn. Dieses Gelübde hat folgenden Inhalt. Jefta sagt: "Wenn ich gegen die Ammoniter siege", also wenn ich siegreich zurückkomme aus der Auseinandersetzung mit Ammon, "dann will ich opfern, dass oder der mir als Erster bei meiner Rückkehr aus meinem Haus entgegenkommt." Das ist sein Gelübde. Er zieht in
den Kampf gegen Ammon. Er besiegt die Ammoniter. Er zieht als großer Held ein. Und wer kommt ihm entgegen? Als er zurückkommt aus seinem Haus, kommt ihm seine Tochter entgegen. In vielen bildlichen Darstellungen wird die Verzweiflung Jeftas über dieses Gelübde wiedergegeben. Er muss jetzt sein Gelübde einlösen. Jefta erkennt das Drama, das auf ihn zukommt, weil er jetzt seine Tochter sozusagen opfern muss. Die Aussage, die hier dahintersteht, ist meines Erachtens, wenn man ein Gelübde ablegt, muss man es erfüllen. Es gibt einige Stellen, wo es heißt,
besser kein Gelübde ablegen als ein Gelübde gegenüber Jahwe ablegen und es nicht erfüllen. Also hier wird die Theologie des Gelübdes entfaltet. Und was auch noch interessant ist, die Tochter Jeftas wird hier als eine sehr starke, engagierte Persönlichkeit beschrieben, die Jefta sozusagen zustimmt, dass sie geopfert wird. Also das ist eine sehr selbstbewusste Frau, die uns hier entgegentritt. Jefta tut es, es wird auch ausgeführt, und dann heißt es,
dass die Töchter Israels in einem bestimmten Zeitraum der Tochter von Jefta sich erinnern. Also möglicherweise steht hier ein Gedenktag, der auf diese Weise erklärt wird, im Hintergrund. Nun, der letzte große Richter ist Simson, vielleicht die bekannteste Figur aus dem Richterbuch, in Richter 13 bis 16. Die Erzählungen von Simson berichten von seinem Kampf gegen die Philister. Die Philister sind ein nicht-israelitischer Stamm, der möglicherweise aus dem Mittelmeerraum nach Palästina übergesiedelt ist. Und von Simson wird berichtet, dass er ein
Einzelkämpfer war, also keine Armee wie bei Gideon. Er war ein Haudegen, und er hatte eine philistische Geliebte, Delila. Und es wird nicht nur sein Kampf gegen die Philister berichtet, sondern auch die Bemühungen von Delila, zu erkunden, warum er solch eine Kraft hat. Und im Schlussteil wird berichtet, dass er bei einem Opferfest der Philister durch seine Haare, die ihm nachgewachsen sind, Kraft erlangt habe und damit die gesamte philistische Festversammlung getötet habe. Nun, wer war Simson? Dazu noch ein paar Bemerkungen, weil er ja wohl die bekannteste
Figur der Richter ist. Die Antwort auf diese Frage scheint einfach zu sein. Ebenso wie Otniel, Ehud und auch die anderen Gestalten war er zur Zeit Israel eben eine führende Figur. Bei genauerem Hinsehen kann man sehen, dass er wohl mehr Held war als Richter. Die Richter hatten ja auch die Aufgabe, gerecht zu urteilen, administrativ wirksam zu werden, so nach Deuteronomium 16. Simson steht die kriegerische Auseinandersetzung mit den Philistern ganz im Vordergrund. Die vier
Kapitel über Simson zeigen eine Vielfalt von Simson-Bildern. Das zeigt, dass die Figur Simsons sehr lebendig war in der damaligen Zeit bei den Stämmen. Er ist der von Jugend an Gottgeweihte, so in Kapitel 13, der Nasiräer, so wird er auch bezeichnet. Er ist aber auch der Kraftprotz, manche sprechen auch von Sexprotz, der seine übermenschliche Kraft dem Geist Gottes verdankt. Er ist aber auch der Gedemütigte, der von einer Frau verraten wird. Seine Sehkraft wird ihm genommen,
er stirbt zusammen mit seinen Feinden. Man kann davon ausgehen, dass Kapitel 13 und 16 wohl jüngere Beschreibungen der Gestalt Simsons sind und der älteste Kern Kapitel 14 und 15 ist. Meines Erachtens lässt sich in den Texten kein negatives Simson-Bild erkennen. Gewiss, es wird von Gewalt gesprochen, die auch Simson ausübt. Aber die Gewalt, die von Simson ausgeht, ist eine Reaktion auf die Gewalt der Philister, die seine Eltern töten und auch seine Frau weitergeben. Simson
ist eine kantige Figur, aber auch er hat die Aufgabe, Israel zu retten. Simson könnte man als einen Typ Richter bezeichnen, einen siegreich sterbenden Retter. Er stirbt bei seiner Aufgabe, der Befreiung Israels von den Philistern. Das Faszinierende für mich an der Figur Simsons besteht darin, dass diese kantige, auch widersprüchliche Figur zum Werkzeug Gottes gemacht wird, um Israel zu befreien. Deshalb steht er auch meines Erachtens zurecht in der Liste der Glaubenszeugen, die im
Neuen Testament erscheint, im Hebräerbrief, Kapitel 11. Nun zum vierten Schritt: Ein paar wenige Bemerkungen zu den Anhängen in Richter 17 bis 21. Zunächst in Richter 17 und 18 wird von dem Kult Michas gesprochen. Diese Micha-Erzählung ist für das Richterbuch untypisch. Es fehlen sowohl das Nomen für Richter, auch das Verb richten kommt nicht vor, es kommt auch nicht vor die Rede vom Geist des Herrn, wie bei Gideon und Simson. Es geht in
dieser Erzählung um ein anderes Thema, nämlich um das Thema des Kultes. Dabei spielt die Auseinandersetzung mit den anderen nicht-israelitischen Völkern keine große Rolle. Es geht um innerisraelitische Auseinandersetzungen. In der Micha-Erzählung wird von der Landnahme des Stammes Dan im Norden Palästinas berichtet. Auch da ist ein gewisser Widerspruch im Debora-Lied. Von Dan wird auch gesprochen, dem Stamm Dan, aber es wird von ihm berichtet, er sei südwestlich
von Jerusalem ansässig. Da gibt es eine gewisse Spannung. In Richter 10 wird berichtet von einem Schuldbekenntnis Israels: Ja, wir haben gesündigt gegenüber Jahwe. In Kapitel 17 und 18 scheint von diesem Schuldbekenntnis nichts berichtet zu sein. Das heißt, thematisch ist diese Micha-Erzählung nicht verknüpft mit den Heldenerzählungen. Wir haben aber im Gegenteil gewisse Beziehungen zu Richter Kapitel 1, zum Anfang des Richterbuches. Diese Erzählung von Micha führt uns in das
Gebirge Efraim, also das mittelpalästinische Gebirge nördlich von Jerusalem, in das Haus eines wohlhabenden Mannes, der Micha heißt. Micha heißt übersetzt "Wer ist wie Gott". Dieser leistet sich ein Heiligtum mit einem eigenen Priester. Er besitzt sehr viele Kultgegenstände. Der Priester ist ein Levit, der die danitischen Kundschafter kennt, die zu ihm kommen und auf der Suche nach Land sind. Die Kundschafter nehmen den Leviten mit auf ihren Weg nach Norden. Dort, so heißt es, zerstören sie die Stadt Lajish und gründen an der Stelle den Stamm Dan und stellen hier
Gottesbilder, Götterbilder auf für Micha. Wie kann man diese etwas komplizierte und schwierige Erzählung deuten? Meines Erachtens wird hier ein anderes Thema im Richterbuch aufgenommen, nämlich der selbstgerechte Umgang der Menschen mit dem Kult. Es heißt, der Schmied von Micha stellt ein gegossenes Bild her, Richter 17, Vers 4. Micha selbst hat sehr viele Hausgötterfiguren. In 17, Vers 6 heißt es, jeder tat, was ihm recht war. Das ist die Interpretation für diese Erzählung von Micha. Micha spricht sogar von seinem Gott, den er gemacht habe. Damit soll die
auslaufende Richterzeit als die Zeit des eigenmächtigen, das heißt ohne göttliche Legitimation geübten Handelns der Kultteilnehmer gesehen werden. Jeder tat, was ihm recht ist. Hier zeigt sich meines Erachtens die Kritik aus späterer Zeit an einem Kult, der sozusagen außer Kontrolle gerät. Das ist auch die Vorbereitung für die Königszeit. Der König hat die Aufgabe, diesen Kult auszumerzen bzw. in rechte Bahnen zu lenken.
Die letzte Erzählung im Richterbuch ist die Erzählung der Untat der Benjaminiten von Gibea in Kapitel 19 bis 21. Es ist eine sehr grausame Erzählung. Zunächst, worum geht es? Diese Erzählung setzt ein, dass sich ein Levit, der als Fremder in einem Teil des Gebirges Efraim lebt, eine Nebenfrau nimmt. Es geht hier auch um Levitenkult und die Auseinandersetzung mit Fremden,
ähnlich wie bei Micha. Es wird berichtet, es kommt zu einem Zerwürfnis zwischen diesem Leviten und seiner Frau. Die Nebenfrau verlässt den Leviten und kehrt zu ihrem Vater nach Bethlehem in Juda zurück. Der Levit möchte sie jedoch zurückholen. Er folgt ihr und kehrt bei ihrem Vater ein. Der Vater zeigt eine überwältigende Gastfreundschaft, weshalb der Levit zusammen mit seinem Diener und den Eseln einige Tage verbringt. Nach einigen Tagen brechen der Levit, die Nebenfrau sowie die Diener mitsamt den Eseln auf. Im benjaminitischen Gibea suchen sie nach einer Übernachtungsmöglichkeit.
Ein in Gibea lebender alter Mann, der aus dem Gebirge Efraim stammt, nimmt sie gastfreundlich auf. Dann heißt es, in der Nacht umzingeln ruchlose Männer von Gibea das Haus des Alten und fordern die Herausgabe des Leviten. Der Alte weigert sich und bietet ihnen seine jüngere Tochter an, zusammen mit der Nebenfrau des Leviten. Die Männer aus Gideon ergreifen die Nebenfrau, sie vergewaltigen sie die ganze Nacht hindurch, und am Morgen schleppt sie sich vor die Haustür des alten Mannes. Dort bricht sie zusammen und stirbt. Der Levit macht sich daraufhin
mit seiner toten Nebenfrau auf den Nachhauseweg. Dann zerstückelt er ihren Körper in zwölf Einzelteile nach der Anzahl der Stämme Israels und schickt diese einzelnen Teile in das gesamte Gebiet Israels. Dieses Kapitel beschreibt eine furchtbare, schreckliche Szene der Gewalt. Diese erreicht ihren Höhepunkt in der Vergewaltigung der Nebenfrau des Leviten durch die Männer aus Gibea, ihren Tod, ihre Zerstückelung und das Verschicken ihrer Körperteile in alle Gebiete Israels. Der Grund für diesen Ausbruch der Gewalt liegt in der Missachtung der Gastfreundschaft
durch die Männer aus Gibea. Die Männer werden als ruchlos und nichtsnutzig beschrieben, so in Kapitel 19 Vers 22. Es ist für uns interessant zu sehen, dass die Emotionen der handelnden Personen, wie in vielen biblischen Erzählungen, nicht genannt werden. Bei dieser Erzählung in Richter 19 folgende gibt es Beziehungen zu Genesis 19, der Rettung Loths, und auch zu 1. Samuel 11. Da wird berichtet, wie die Rinder zerstückelt werden durch Saul und in die Gebiete Israels geschickt werden. Ebenso wie in
Kapitel 17 und 18 - deswegen spricht man auch von den Anhängen - geht es nicht wie in den anderen Richter-Erzählungen um die Auseinandersetzung israelitischer Stämme mit fremden Völkern, sondern es geht um innerisraelitische Konflikte. Und durch dieses Verschicken der Körperteile der toten Frau zu den israelitischen Stämmen wird aus einem Einzelkonflikt ein gesamtisraelitischer Konflikt. Diese Auseinandersetzungen haben Auswirkungen gehabt. Ich will nur eine nennen. Eine Anspielung auf diese furchtbare Gewalttat der Benjaminiten und deren Missachtung des in Israel
gültigen Gottesrechts findet sich im Hosea-Buch, bei dem Propheten Hosea, und zwar an zwei Stellen. In Hosea 9 Vers 9 heißt es, Zitat: "Tief verdorben haben sie", nämlich Israel, "gehandelt wie in den Tagen von Gibea." Mit dem Stichwort Gibea wird auf diese Schändung der Frau angespielt. Und auch in Hosea Kapitel 10 Vers 9 heißt es: "Seit den Tagen von Gibea hast du gesündigt, Israel", Zitat Ende. Also der Prophet Hosea aus dem achten Jahrhundert vor Christus erkennt in den Geschehnissen von
Gibea mit dieser Frau und den Schandtaten der Benjaminiten einen Tiefpunkt in der Geschichte seines Volkes. Das zeigt sehr schön, dass in der Geschichte Israels nicht nur die Heldentaten beschrieben werden, sondern auch die schlimmen Taten innerhalb der Stämme Israels. Der fünfte Schritt, der vorletzte Schritt: Ich möchte ein paar wenige Aspekte der Auslegungsgeschichte des Richterbuches Ihnen vorstellen. Das könnte ein eigener Vortrag werden. Hier könnte man stundenlang referieren, weil die Auslegungsgeschichte des Richterbuches
ist so vielfältig und umfangreich, dass hier nur wenige Aspekte aus Literatur, Kunst und Musik vorgestellt werden sollen. In der Weisheitsschrift Jesus Sirach, das ist eine apokryphe Schrift aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, werden die Richter als demütige und treue Diener Gottes gelobt, deren Handeln bis in die Gegenwart zum Segen gereichen könne. Zitat: "Auch die Richter, ein jeder mit seinem Namen, alle, deren Herz nicht unzüchtig war und die sich nicht abwandten vom Herrn. Und die Erinnerung an sie sei verbunden mit reichem Segen", Zitat aus Jesus Sirach, "er möge
ihre Gebeine aufspriessen lassen an ihrem Ort und ihr Name werde weitergetragen, gepriesen seid ihr bei den Menschenkindern." Zitat Ende. Und ähnlich wie in diesem Buch Jesus Sirach werden auch die Richter im Neuen Testament, im Hebräerbrief Kapitel 11, in einer Reihe mit David, Samuel und den Propheten genannt. Ihre Heldentaten werden gerühmt, sie werden als Diener Gottes gesehen, die durch den Glauben das Zeugnis Gottes empfangen hätten. Dadurch seien sie kräftig geworden und hätten so in Gerechtigkeit wirken können. Das sind zwei Aspekte der
Auslegungsgeschichte. Und diese Auslegungsgeschichte will ich jetzt nicht an allen Richtern Ihnen vorstellen, sondern nur an zwei ausgewählten Beispielen. Zunächst einmal an Debora, Richter 4 und 5, denn die Auslegungsgeschichte zu Debora ist ungemein reichhaltig. Ich möchte aus dieser Geschichte nur einen Aspekt herausgreifen, nämlich Richter 5. Hier wird Debora mit ihrem Lied als die Geschichte einer starken Frau beschrieben. Und diese Deutung als die Geschichte einer starken Frau, die findet sich vor allem im Judentum. Debora ist die starke Frau schlechthin. Hier wird Debora
als Heldin und als Vorbild für jüdische Frauen gedeutet. Seit dem Aufkommen der feministischen Theologie vor circa 40 Jahren wird Debora als Kriegerin, Prophetin, Richterin und Sängerin gerühmt und in Kontrast zur patriarchalischen Dominanz gestellt. Die Deutung Deboras wird als Prophetin gesehen. Und diese Deutung als Prophetin findet sich schon im Tagum. Tagum ist die aramäische Deutung des Alten Testamentes. In Richter 5 heißt es in diesem aramäischen Tagum Jonathan, Zitat:
"Deborah spricht in einer Prophetie vor Jahwe", Zitat Ende. Das heißt, das Deboralied aus Richter 5 wird als Prophetie verstanden. Und das Ziel ihres Gebetes, ihrer Rede bestehe darin, den Herrn zu loben, zu preisen und zu rühmen. Debora in Richter 5 Vers 7 wird als Mutter in Israel beschrieben, und die aramäische Übersetzung gibt das wieder als Prophetin: Sie ist Mutter in Israel, sie ist eine Prophetin. Und in der sogenannten sozialgeschichtlichen Bibelauslegung wird zudem
nach dem gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Hintergrund des Wirkens Deboras gefragt. Und hier wird dem Deboralied eine antipatriarchalische Einstellung und ein ausgeprägtes Gleichheitsbewusstsein der Geschlechter zugesprochen. Und ihre Titulierung als Mutter in Israel wird als ein Ehrentitel angesehen, der eben zum Ausdruck bringt, dass Debora für die ihr anvertrauten Menschen einsteht und Verantwortung für sie übernimmt. Debora wird als charismatische Persönlichkeit angesehen, die die Kraft und die Autorität hatte, die verschiedenen Stämme zu einem gemeinsamen Handeln zu bewegen. Alle neueren, jüngsten Deutungen der Debora-Gestalt im jüdischen
und christlichen Kontext stimmen in der Würdigung Deboras als einer bedeutenden Frauengestalt überein. Das Lied ist ein Zeugnis, so wird es gedeutet, für den Beistand Gottes für zu seinem Volk. Und Debora kann auch heute noch als Vorbild für Frauen, aber auch für Männer angesehen werden. Zitat von einer Autorin: "Debora kann auch heute noch Vorbild sein. Sie war kraftvoll und stark, klug und zielstrebig, voll Selbstbewusstsein und Autorität." Die Literaturwissenschaftlerin
Katharina Elliger sieht in Debora eine israelitische Jeanne d'Arc. In ähnlicher Weise sieht der Pfarrer Lukas Spinner, ein Schweizer Pfarrer, Debora. In einer Predigt über das Debora-Lied weist er darauf hin, dass sie in einer von Männern bestimmten Welt mutig das Wort ergriffen und mit Autorität gesprochen habe. Ihr Wort habe geholfen, wo Menschen sich in Streitigkeiten verwickelt hatten, man konnte in ihr eine Kraft spüren, die von Gott stammen musste. Spinner sieht Deboras Krieg gegen Kanaan jedoch kritisch. Man könne sich heute nicht an ihrer Geschichte ergötzen. Er deutet deshalb Deboras Ruf als innere Stimme im Sinne von "Auf, nun nimm deine Kraft zusammen und geh ans Werk.
Gott geht längst schon voran, und ich begleite dich." So deutet dieser Schweizer Pfarrer die Figur Debora. Eine kleine Kritik an diesen Vorstellungen, an diesen Deutungen. Diese Deutungen Deboras haben zweifellos ihre Berechtigung. Allerdings wird dabei die Person Deboras meines Erachtens zu sehr in den Vordergrund gestellt, und die eigentliche Person oder Gestalt, die in diesen Texten im Vordergrund stehen sollte, in die zweite Reihe gedrängt, nämlich Jahwe, Gott. Er sollte im Sinne Deboras
an die erste Stelle gestellt werden. In ihrem Lied ruft sie mehrfach und gut vernehmbar zum Lob des Herrn auf. Das hebräische Verb dafür, das im Deboralied dazu verwendet wird, begegnet sehr oft in den Psalmen und meint das laute, enthusiastische Gotteslob. Nun möchte ich noch eine zweite Richtererzählung, die Auslegungsgeschichte, Ihnen in aller Kürze vorstellen, Simson. Wer war Simson? War er ein zur Sagengestalt herabgesunkener Sonnengott? Kann man ihn als israelitischen
Herakles sehen? Oder kann man ihn sogar allegorisch mit Christus vergleichen, indem man in seinem Kampf mit dem Löwen Christi Kampf gegen den Satan und in seinem Opfertod Christi Opfertod am Kreuz vorgebildet sieht? Hier sieht man, welche Fülle von Bildern hier mit Simson in Verbindung gebracht werden. Dass man ihn als Sonnengott gedeutet hat, hängt mit seinem Namen zusammen: Shemshon. "Shemesh" heißt übersetzt "Sonne" und "on" ist die Verkleinerungsform, also die Übersetzung "kleine Sonne", "Sönnchen", so könnte man es übersetzen. Allerdings darf man das, glaube ich,
nicht zu weit ausdeuten. Er ist kein Sonnengott, der Name spielt in den Texten überhaupt keine Rolle im Sinne von Sonne. Da wäre ich vorsichtig. Die Vieldeutigkeit des Simson-Bildes hat immer wieder Menschen zur Aufnahme und Deutung der Simson-Figur inspiriert. Ich nenne nur Friedrich Händels Oratorium Samson. Die Auslegungsgeschichte ist reich und vielfältig. Seine legendäre Kraft, seine ruppigen Reaktionen auf die Angriffe der Philister sowie seine Beziehungen zu Frauen haben Menschen aus Kunst, Literatur und Film aller Epochen angezogen und jeweils nach Standpunkt
ganz unterschiedliche Bewertungen seiner Person hervorgerufen. In gewisser Weise ist dies auch die Überzeugung durch die Vertreter der feministischen Theologie. Die Simson-Erzählungen lassen nach Überzeugung und Meinung der feministischen Exegetin Cheryl Exum etwas von der doppelten männlichen Moral erkennen. Der Mann unterscheidet zwischen einer guten, sicheren Frau und der schlechten, bedrohlichen Frau. Die gute Frau werde als Mutter oder als Jungfrau auf ein Podest erhoben, und dies in einer nicht sexuellen Rolle. Die schlechte Frau werde assoziiert mit Lust und Sexualität, und deshalb sei sie begehrt und gefürchtet. So sei in Richter 13
bis 16 also bei Simson die Rollenverteilung klar. Simsons Mutter ist eine gute Frau, die anderen Frauen sind für Simson bedrohlich, sie werden mit Sexualität in Verbindung gebracht. Darüber hinaus sind die Erzählungen über Simson voll von Emotionen, Angst, Wut, Verzweiflung, Liebe, Hass. Von daher versteht es sich gut, dass sie auch oft in der Musik aufgenommen worden sind, Librettos, Kantaten, Opern, Symphonien, Oratorien. In der Musik spielen Emotionen ja eine große Rolle. In dem Zusammenhang möchte ich nur auf das große bekannte Oratorium von Georg Friedrich
Händel hinweisen. Es fußt auf einem Libretto von Newburgh Hamilton, und dieser wiederum hat es mit John Miltons "Samson Agonistes" als Vorlage geschrieben. Und dieses Oratorium ist wohl das bekannteste musikalische Stück zu Simson. Die Simson-Überlieferung hat schon früher im Bereich des Films Aufmerksamkeit erlangt. Bereits 1903 wurde der Stoff "Simson und Delila" zum ersten Mal in Frankreich verfilmt, und es hat dann anschließend zwölf Verfilmungen dieses Stoffes zwischen 1903 und 1996 gegeben. 1949 hat der bekannte Regisseur Cecil de Mille "Samson
und Delila" verfilmt. Anders als in der biblischen Überlieferung wird Simson als ein gutmütiger, frommer und ein wenig naiver Mann geschildert. Er wirkt im Vergleich zur Bibel sympathischer, gläubiger und zugänglicher. Und de Mille's Film beschreibt auch die vernichtende Kraft der Liebe, die in Delila personifiziert sei. Ich komme zum Schluss, zum sechsten und letzten Schritt: Das Richterbuch heute lesen. Zunächst eine kleine Ausführung zu dem Richterbuch und die Gewalt.
Wenn ich es recht sehe, spielt das Richterbuch in Gemeinde, Schule und Unterricht keine große Rolle bzw. eine untergeordnete Rolle. Der wichtigste Grund dafür ist wohl die Frage der Gewalt. Vor kurzem las ich die Charakterisierung des Buches der Richter als - Zitat - "Abschlachtungsbuch". Nun, wer mit solch einer Abwertung an das Richterbuch herangeht, wird diesem Buch nicht gerecht. Es stimmt, zunächst finden sich im Richterbuch furchtbare Gewaltdarstellungen,
man denke nur an das Ende in Kapitel 19 bis 21. Das Problem der Gewalt potenziert sich aber noch, weil ja damit die Frage nach dem Handeln Gottes im Vordergrund steht. Warum lässt Gott diese Gewaltexzesse zu? Warum schreitet er nicht ein? Man muss diese kritischen Fragen ernst nehmen, denn die Gewaltexzesse widersprechen fundamental dem modernen ethischen und religiösen Empfinden. Bevor man hier jedoch vorschnell urteilt, sollte man die Texte des Buches genau ansehen. In den Kriegen, von denen im Richterbuch berichtet wird, handelt es sich durchweg um Angriffskriege von
Völkern aus der Umwelt Israels. Diese greifen Israel an, um Nahrung zu stehlen, bei Gideon, um die räumliche Erweiterung, Ausbreitung zu verhindern, bei Simson. Auf der anderen Seite berichtet das Richterbuch auch von innerisraelitischen Auseinandersetzungen, bei Micha, Kapitel 17 und 18, und bei den Benjaminiten. Hinter diesen Kriegserzählungen stehen mit großer Wahrscheinlichkeit historische Auseinandersetzungen der israelitischen Stämme mit diesen Fremdvölkern. Und diese Kämpfe führten nicht selbst oft an den Rand der Auslöschung des Stammes, etwa bei Benjamin,
Kapitel 20 und 21. Also hier wird, um nochmal auf den Anfang des Vortrags zurückzukommen, diese Zeit unter den Stämmen als eine höchst bedrohliche Epoche beschrieben. Und das hat sich im Bewusstsein Israels eingeprägt. Und dass die Stämme und Israel als Volk insgesamt hier überlebt haben, galt als ein großes Wunder. Und zu diesem Wunder haben die von Gott berufenen Richter beigetragen. Sie haben mithilfe von dem Geist Gottes gekämpft und gewonnen. Sie konnten zumindest für eine bestimmte Zeit das Land befrieden und die Existenz des Stammes sichern.
Dass diese Auseinandersetzungen mit wunderhaften Elementen - das Auftreten der Füchse bei Simson oder die List bei Jael und Ehud - und mit Übertreibungen einhergehen, ist durchaus nachvollziehbar. Für uns als moderne Leserinnen und Leser ist der Verzicht auf die Beschreibung von Emotionen und das Fällen von moralischen Urteilen befremdlich. So zeigt sich etwa bei der Tochter Jeftas, dass sie als eine junge, tapfere Frau beschrieben wird, die die Fäden des Geschehens in der Hand hält, zum Opfer bereit ist und keine Angst vor dem Tod hat. Die moderne Frage, warum Gott hier
nicht eingreift, kann meines Erachtens nicht beantwortet werden. Für Israel waren diese Fragen offensichtlich auch nicht drängend. Man kann beobachten, dass Israel trotz dieser Vorkommnisse nicht von seinem Gott abgefallen ist. Das ist bemerkenswert und faszinierend. Und darin liegt meines Erachtens die Besonderheit und das Wertvolle des Richterbuches. Deshalb werden die Richter nicht umsonst im Hebräerbrief in einer Reihe mit David und den Propheten genannt. Sie werden als Diener Gottes gesehen, die durch den Glauben das Zeugnis Gottes empfangen haben.
Zum Schluss möchte ich auf einen Vers ganz kurz eingehen. Im Richterbuch heißt es in Kapitel 2 Vers 1, Zitat: "Ich werde meinen Bund mit Euch in Ewigkeit nicht brechen." "Ich werde meinen Bund mit Euch in Ewigkeit nicht brechen": Man hat diese Zusage als die Mitte des Richterbuches bezeichnet. Gott gibt seinem Volk die unverbrüchtliche Zusage, immer und zu allen Zeiten an seiner Seite zu stehen. Der Bote des Herrn ist es, der im Namen Gottes diese Zusage formuliert. Zur Zeit der Richter war Israel, waren die israelitischen Stämme alles andere als stark.
Sie bildeten weder politisch noch religiös noch wirtschaftlich eine Einheit. Das Leben der Stämme war geprägt durch Gefahren, durch die Feinde von außen und innen, damit die Existenz Israels immer wieder auf den Prüfstand gesetzt. In Richter 6, bei Gideon, heißt es, dass Midian wie Heuschrecken und mit vielen Kamelen in das Land gekommen sei. Israel war schwach vor den Midianitern, heißt es lapidar. Die Richter, die Gott im Anschluss an solche Erfahrungen des Ausgeliefertseins berief, waren alles andere als glorreiche Helden. Sie waren keine Supermänner, keine Superfrauen. Sie
waren keine Siegfriede, wie man sie aus der Nibelungensage kennt. Aber, so heißt es, sie waren Geistbegabte. Der Geist des Herrn kam über sie. Ohne diesen Geist, diese Kraft Gottes, hätten sie ihren Stamm nicht befreien können. Und die Gabe dieses Geistes für Gideon und für alle anderen ist der beste Beweis dafür, dass Gott zu seinem Bund steht. Das Richterbuch liest sich wie ein Plädoyer für das Bekenntnis zu dem einen Gott, wie ein Aufruf, sich diesem Gott zuzuwenden, ihm zu vertrauen und zu glauben. Es ruft zur Gottesgewissheit und vor allem auch Glaubensgewissheit auf. Es versteht diesen Gott als feste Burg für alle, die sich ihm zuwenden.
"Ich werde meinen Bund mit euch niemals brechen", verspricht Gott. An dieser Stelle würde ich die Linie sogar noch weiter ausziehen. In der Bundestreue Gottes liegt das Fundament für das Kommen des Gottessohnes Jesus Christus. Damit hat Gott den letzten, den größten Schritt auf die Menschen hin getan. Die neustestamentlichen Autoren, allen voran der Apostel Paulus, rühmen Gottes Kommen und Handeln in seinem Sohn, in seinem Leiden, Sterben und seiner Auferstehung. Das Richterbuch ist mit solch glaubensstarken Worten vorsichtiger und zurückhaltender. Dennoch enthält es große Schätze, Glaubensschätze, die darauf warten, sozusagen neu entdeckt zu werden. Das
Richterbuch hat ein enormes geistiges und geistliches Potenzial, das es in jeder Zeit neu zu entdecken gibt.
Das Richterbuch | 13.16.1
Es gibt so schöne Bücher in der Bibel: die Evangelien, das Hohelied, die Psalmen. Bücher, die sich leicht lesen lassen, die ohne viel Blutvergießen auskommen (mal abgesehen von der Kreuzigung). Und dann gibt es das Richterbuch: Grausamkeit, Krieg, Streit, Vergewaltigung. Wer mit dem Alten Testament hadert und lieber nur die kleine Version der Bibel mit Neuem Testament und Psalmen auf dem Nachttisch liegen hat, stört sich wahrscheinlich vor allem am Richterbuch. Wie konnte Gott so etwas zulassen? Warum war Gott so? Oder ist? Theologe Heinz-Dieter Neef erklärt, warum es im Richterbuch so grausam zugeht, was Gott da mit seinem Volk tat und warum gerade im Richterbuch so viele Frauen eine wichtige Rolle spielen.