Die GENDER-FRAGE Eigentlich stellt sich Paulus vor, wir sind dann alle Engel. Was hat denn da die Genderfrage noch damit zu tun? Aber okay, das steht jetzt so im Programm, also Paulus und Frauen. Und ich habe das so ein bisschen selbstmächtig ausgeweitet, Paulus und die Genderfrage. Und wir haben uns aufgeteilt, der Peter und ich. Ich werde was sagen, zunächst zu wie war das mit männlich und weiblich in der Antike, so ganz kurz. Dann war es zu 1. Korinther 11, die ganze Schleierfrage, dann 1. Korinther 14, die ganze Frauen sollen schweigen in der Gemeinde und dann noch kurz. Und das alles in einer halben Stunde etwas zur Männlichkeit des Paulus. Der Peter macht dann weiter. Okay, also die Genderfrage im Kontext der Antike, ganz kurz. Es ist ja klar, also Paulus lebt in einer patriarchal-androzentrisch orientierten Welt.
Darüber müssen wir uns jetzt nicht weiter beklagen, das ist einfach so. Nun ist es aber so, dass in den Kulturen, und wir haben vorhin schon viel über diesen kulturellen Kontext gehört, in den Kulturen der Zeit, also der griechischen, der römischen, der galatischen und so weiter, war Gender, Geschlecht, nicht einfach ein Konzept, das sich auf biologische Körperbezug, also männliche oder weibliche Körper. Ich erzähle ein bisschen, wie das für die Römer war, weil das am einfachsten und schnellsten ging. Für einen in den Augen der Römer war die einzige Möglichkeit, ein wirklicher Mann zu sein, zu werden,
wenn man als Junge, als biologisch identifizierter Junge, in eine Elitefamilie hineingeboren wurde. Freigeboren und elitär. Ein solcher biologisch definierter Junge hatte die Möglichkeit, zu einem Mann zu werden, zu einem wirklichen Mann. Der konnte lernen, durch eine Erziehung, Selbstdisziplin, Stärke, Macht über andere auszuüben, in ständigem Wettbewerb mit anderen, solch identifizierten männlichen Wesen in der männlichen Elite. Er musste ständig vermeiden, als verweichlicht, das heißt feminisiert, angesehen zu werden. Ein Mensch, eine Person, die nicht frei in eine Elitefamilie hineingeboren wurde, hatte in der römischen Kultur gar keine Möglichkeit, ein echter, richtiger Mann zu werden.
Ende der Geschichte. Egal, ob dieser Mensch biologisch identifiziert als Mann identifiziert wurde, also Sklaven, freigelassene Frauen, die Provinzbevölkerung, konnten gar nie wirklich Mann werden. Okay, Sklaven, freigelassene Frauen, Provinzbevölkerung, konnten vielleicht danach streben, das männlichkeitsideal, dieses römische männlichkeitsideal, dem nahe zu kommen, aber ein Provinzler wie Paulus, Angehöriger eines jüdischen, von Rom beherrschten Volkes, konnte nie den Status eines richtig römischen Mannes erlangen. Er war immer aus römischer Sicht irgendwie verweichlicht, irgendwie feminisiert, irgendwie versklavt.
Also das war, was ich damit kurz andeuten werde, die Kategorien männlich und weiblich bezogen sich nicht einfach auf Mann und Frau. Man konnte als Mann, auch wenn man sich so identifizierte, Paulus identifiziert sich als Mann, ich komme noch dazu, wurde man von außen, von der herrschenden Sicht her, aus römischer Sicht, war man nicht, nie ein wirklich männlicher Mann. War gar nicht möglich. Okay, aber jetzt gehen wir doch noch zu den Frauen. Paulus hat zu dieser ganzen Genderfrage eigentlich sehr wenig geschrieben. Also das, was wir heute Morgen gehört haben, das, was ich gestern versucht habe zu klären zu Israel, er hat zu vielen anderen Dingen viel mehr geschrieben. Also die Genderfrage hat ihn jetzt nicht so sehr beschäftigt. So ein bisschen hat sie ihn beschäftigt, aber nicht so sehr. Es war nicht ein zentrales Thema.
Aber, Komfort, und weil das dann in der Kirchengeschichte so wichtig wurde, ist es auch wichtig, wenn wir uns das angucken für einen Moment. Also, es ist offensichtlich, dass Frauen zur Christusbewegung gehören. Offensichtlich. Und Paulus kennt Frauen in der Christusbewegung, er nennt sie in Römer 16, das kommt dann noch, dazu sage ich jetzt wenig, aber es ist offensichtlich, sie sind da. Und dadurch, dass Frauen da sind, gibt es gewisse Situationen, da entstehen Fragen im Bezug auf Frauen. Und da geht es um die Frage, wie sollen sich Frauen und Männer im Gottesdienst, wenn sie zusammenkommen, um zu beten, zu prophezeien, zu singen, bis nicht genau, was sie alles gemacht haben, wie sie sich da verhalten sollen. Und da geht es darum, ob diese Frauen und diese Männer, wie das ist mit ihrem Kopf, da steht der Kopf im Mittelpunkt.
Weshalb steht da der Kopf im Mittelpunkt? Weil offensichtlich Frauen und Männer in diesen Versammlungen beide aktiv sind. Beide sind aktiv. Und Paulus setzt voraus, dass auch Frauen etwas sagen, prophetisch reden, beten oder so, also sie sind aktiv. Die sitzen nicht einfach da und hören zu, die machen was. Und dann sagt er, wenn die das machen, dann sollen sie einen Schleier auf dem Kopf haben, also sie soll das Haupt verhüllen. Und wenn die Männer dasselbe tun oder so, auch aktiv sind, dann sollen sie das nicht tun. Das ist mir ganz wichtig, er sagt beiden etwas. Die einen, die Frauen, sollen sich also das Haupt verhüllen und die Männer sollen das auf keinen Fall tun.
Wie er das begründet, das ist ein bisschen schwierig, das lasse ich jetzt einfach mal stehen. Er begründet das mit dem, was er als Schöpfungsordnung ansieht, also so eine Hierarchie. Zuerst Gott, dann Christus, dann Mann, dann Frau. So, das lassen wir mal weg. Ich möchte mich nur auf diese Verhüllungsfrage im Moment konzentrieren. Paulus nimmt selbstverständlich an, dass die Frauen aktiv sind, sonst müsste er gar nichts dazu sagen. Aber er ist besorgt, dass sie in dieser aktiven Rolle, Männer und Frauen, sich gebührlich verhalten. Und er setzt voraus, dieser Paulus, dass diese Männer und Frauen gemeinsam in einem Raum, gemeinsam etwas tun. Das ist eine gemischte Versammlung. Er sagt nicht, die Männer sind auf der einen Seite und die Frauen auf der anderen Seite oder die Frauen sitzen draußen vor der Tür und die Männer sitzen drin.
Nein, es ist eine gemischte Versammlung. Das ist an sich schon leicht außergewöhnlich. Männer und Frauen in einem Raum und die machen was zusammen. Das könnte ein bisschen anrüchig aussehen von gewissen außenstehenden Personen. Das ist jüdisch gesehen aber normal. Wir wissen von Philo, den habe ich auch schon erwähnt und auch von Josephus, den habe ich auch schon erwähnt. Wir wissen, dass es zumindest nicht ideal als normal angesehen wurde, dass Männer, Frauen und Kinder zusammen sich treffen in der Synagoge und da was machen. Männer, Frauen und Kinder sind gemeinsam in der Synagoge. Am Schabbat versammeln sich, beten vielleicht, hören die Schriften und jemand legt sie aus. Also ganz Israel, Männer, Frauen und Kinder sind zusammen in der Synagoge. Gemischte Versammlungen werden aus jüdischer Sicht als normal angesehen.
Wir wissen übrigens nicht, ob es in der Antike wie in heutigen orthodoxen Synagogen eine Teilung gab, wo die Männer und die Frauen sitzen. Wissen wir eigentlich nicht. Man hat keine baulichen, archäologischen Funde, die auf eine Wand schließen lassen in antiken Synagogen. Aber wir wissen auf alle Fälle, sie waren zusammen in einem Raum. Und jetzt sollen sich also die Männer das Haupt nicht bedecken und die Frauen sollen das tun. Es gibt so eine Diskussion in der Forschungsliteratur, was denn damit diesem Bedecken des Hauptes der Frauen gemeint sein könnte. Will Paulus den Unterschied der Geschlechter markieren? Die einen machen das so und die anderen machen das so. Möchte er verhindern, dass diese gemischte Versammlung von Christus-Anhängerinnen und Christus-Anhängern als eben anrüchig angesehen wird? Wenn Frauen sich das Haupt nicht bedecken, Haare haben eine sexuelle Konnotation in der Antike, offene Haare sowieso.
Also will er verhindern, dass da der Eindruck entsteht, diese Männer und Frauen tun da was zusammen, das man nicht tun sollte, im Bereich der Sexualität möglicherweise? Vielleicht. Mir hat eine Erklärung am meisten eingeleuchtet, die Louise Schottroff einmal vorgelegt hat. Sie weist darauf hin, dass es normal war für eine ehrhafte freie Frau, freie römische Frau, freie Frau der Antike, sich in der Öffentlichkeit das Haupt zu bedecken, also so ein Kopftuch, ein leichtes, etwas über dem Kopf zu haben. Das ist ein Ausdruck des Ansehens der Frau. Frauen, die nicht angesehen waren, keinen angesehenen Status hatten, denen stand dieses Recht nicht zu.
Zum Beispiel schreibt Ovid, dass Sklaven keine Bänder im Haar tragen und keine langen Kleider. Sklaven haben nicht das Recht, Bänder oder irgendwas im Haar zu tragen und keine langen Kleider. Weshalb ist das so bedeutsam? Sklaven hatten nicht nur Dienstaufgaben, so ich decke den Tisch und ich wasche ab und ich koche. Sklaven und Sklaven hatten ihren männlichen Herrn auch sexuell zur Verfügung zu stellen. Also eine Sklavin und eine freigelassene war eine sexuell ausgebeutete Person per se. Also nicht das Recht zu haben, sich das Haupt zu verhüllen, die Haare, die eben sexuell konnotiert waren in der Antike,
zu verhüllen war ein Zeichen, dass sie nicht das Recht hatte, sich vor den blicken, den anzüglichen Blicken der Männer zu schützen. Sie war nackt in dem Sinn. Es könnte also sein, so Louise Schottroff, dass wenn Paulus sagt, wenn ihr in Christus zusammenkommt, Frauen, wenn ihr betet und prophezeit, dann solltet ihr etwas auf dem Kopf haben, also ein Tuch. Und das bedeutet, dass ihr Macht über euren Kopf habt. Exusia heißt das griechische Wort, Autorität über euren Kopf. Das heißt nicht, dass jemand anders über euch Autorität ausübt, sondern dass ihr selbstbestimmt, dass ihr selbstbestimmt vor dem Herrn steht,
selbstbestimmt vor Christus steht. Es ginge dann also bei diesem Verhüllungsgebot um das Selbstbestimmungsrecht der Frauen vor Christus und nicht um eine Unterordnung oder Erniedrigung, sondern gerade umgekehrt. Es wäre das, der Schleier wäre dann in dieser Interpretation ein Verweis auf die Würde der Frau vor Christus. Dass die Männer dem Gegenüber ihren Haupt nicht verhüllen sollen, hätte dann nichts damit zu tun, dass die Männer höhergestellte Wesen sind, sondern hätte etwas damit zu tun, dass nach römischem Brauch Männer, die einer gottesdienstlichen Handlung vorgestanden sind,
sich jeweils die Toga über den Kopf gezogen haben. Also wenn Sie römische Statuen sehen, Statuen eines Mannes, der die Toga über dem Kopf hat, zum Beispiel Augustus, es gibt einige Augustus-Statuen mit ihm Toga über dem Kopf. Das ist ein Ausdruck, dass er sehr fromm ist, dass er als Pontifex Maximus, der Cäsar, einer Opferhandlung, einer gottesdienstlichen Handlung vorsteht. Also die Toga auf dem Kopf des Mannes ist ein Zeichen der Frömmigkeit den römischen Gottheiten gegenüber. Im Unterschied dazu soll ein Mann in Christus genau nicht diese Geste der Frömmigkeit ausüben, um ja nicht in ein Durcheinander zu kommen, wen er da die Ehre erweist. Eben nicht mit der Toga über dem Kopf dem Jupiter, sondern ohne Toga in Offenheit diesem einen Gott gegenüber.
Das ist eine mögliche Interpretation. Ich habe Ihnen gestern gesagt, ich weiß nicht, was Paulus sich gedacht hat. Mir leuchten solche Interpretationen aus dem kulturellen Kontext dieser Menschen doch eigentlich sehr ein. Das würde dann heißen, dass kein eine Kopfverdeckung für Männer bedeutet, Abgrenzung zur römischen Idolatrie, wie das Paulus versteht, zum römischen Götzendienst. Jetzt kommen da noch die Engel vor in dieser Begründung mit den Schleiern. Wir haben ja jetzt schon viel von Engeln gehört. Also eine Begründung, weshalb Frauen ihren Kopf bedecken sollen, sind dann auch noch die Engel. Wir haben schon gehört, die Engel sind allpräsent in der Zeit des zweiten Tempels im ersten Jahrhundert. Wenn man sich zum Gottesdienst versammelte, dann stellte man sich zum Teil auch vor, dass man einstimmte in den Chor der Engel.
Also die Gottesdienst hat immer auch etwas mit Engeln zu tun. Wir haben ja gehört, die Engel sind männlich in der Antike und die können verführt werden oder sich verführen lassen. Sie sind die Akteure, nicht die Frauen, auch in diesem Mythos in Genesis 6. Also Engel lassen sich verführen und da sollen Frauen verhindern, dass Engel sich während des Gottesdienstes verführen lassen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb da die Engel genannt werden. Das ist so ein Seitengedanken. Wichtig ist, es geht nicht um Kleiderordnung im Alltag. Es geht darum, wie man, wenn man sich versammelt, um vor Gott zu treten, vor diesem Gott, wie man sich in diesen Geschlechtergemischtversammlungen, wie man sich da verhalten soll. Und ich meine, der Schleier könnte durchaus Ausdruck der Würde der Frau sein in diesem Fall. Gut, kommen wir zu 1. Korinther 14.
Da steht ja die berühmte Stelle in 14,33 bis 35, die Frauen sollen in der Gemeinde schweigen. Jetzt haben wir aber gleich gehört in 11, also die sind ja nicht stumm. Also die reden ja prophetisch, setzt Paulus ja voraus, deshalb der Schleier. Und gebetet haben sie möglicherweise auch nicht nur im Stillen für sich. Also, weshalb kann er dann das sagen? Ja gut, die einen Kolleginnen und Kollegen sagen, das ist sowieso nicht von Paulus. Das ist da reingeschrieben von irgendwem. Weil diese drei Sätze oder was das sind, die stehen in gewissen Manuskripten ein bisschen weiter unten. Nicht da, wo wir sie in unseren gedruckten Bibeln haben. Das ist immer eine Erklärung. Interpolation heißt das. Jemand hat das da reingeschrieben. Aber wir haben keine andere Bibel. Es steht in all unseren Manuskripten irgendwo, also nehme ich jetzt mal an, vielleicht hat der Paulus das eben doch geschrieben.
Und wenn er es geschrieben hat, was meint er denn? Er kann nicht meinen, dass Frauen überhaupt nie das Maul aufmachen, wenn die Christusgläubigen sich versammeln. Geht nicht, weil sonst ist, was er sagt, in 1. Korinther 11 absurd. Sie sind da. Es könnte sein, und hier gibt es wieder eine jüdische Vorgabe von Philo, mein berühmter geliebter Philo. Der Philo schreibt auch darüber, wie es so zugeht, wenn man sich versammelt in der Synagoge am Schabbat und also Gottesdienst feiert. Da gibt es einen Moment der Lehre. Also da wird ein Abschnitt aus der Thora gelesen. Und dann sagt Philo, dann sollen weise Männer, was da gelesen wird, auslegen, interpretieren. Und in dieser Zeit sollen alle anderen schweigen. Also wenn da Thora vorgelesen wird und ausgelegt wird, dann sollen die anderen mal still sein.
Setze voraus, dass die nicht immer still waren. Aber in dem Moment sagt Philo, da muss man still sein, zuhören, nicht reden. Also es gibt so eine Analogie, es gibt einen Moment im Synagogen Gottesdienst, da soll nicht geredet werden. Könnte es sein, dass Paulus so eine Analogie sich denkt, dass Frauen während einer bestimmten Moment in diesen Versammlungen dann eben nicht reden sollen. Da sollen sie dann schweigen. Und es gibt keinen Hinweis, dass es sich wirklich um eine Lehrsituation handeln könnte in diesem Moment. Er sagt dann ja auch, also die Frauen sollen schweigen in der Versammlung. Und wenn sie etwas wissen wollen, lernen wollen, dann sollen sie zu Hause ihre Männer fragen. Das heißt, das griechische Wort, das hier verwendet wird, das ist für Lernen.
Martänen, wie die Jünger. Also wenn sie etwas lernen wollen, dann sollen sie nicht rein schwatzen in der Versammlung, sondern zu Hause lernen. Das würde Sinn machen insofern, als es in jüdischer Tradition, wenn wir Philo und Josephus glauben, durchaus nicht so war, dass Frauen nicht lernen sollten. Aber sie sollten nicht in der Öffentlichkeit lernen. In der Öffentlichkeit lehren und lernen, das war Männersache. Aber lernen konnten sie schon. Nur nicht in der Öffentlichkeit. Also sie hörten zu in der Synagoge, wurden unterrichtet. Aber für Fragen sollten sie das dann zu Hause im Privaten machen. Das finden wir jetzt vermutlich eher komisch. Also ich finde das komisch, natürlich aus der Sicht des 21. Jahrhunderts. Aber ich versuche mich in diesem fremden Land ein bisschen zu orientieren. Der Antike und für damals war das nicht so komisch.
Frauen lernen, aber nicht in der Öffentlichkeit. Frauen können auch unterrichten, andere Frauen bis zu einem gewissen Grad, aber nicht in der Öffentlichkeit. Das waren so Vorstellungen, so soll das sein. Geschlechterunterscheidung, okay, können wir einfach mal zur Kenntnis nehmen. Wichtig ist mir, Paulus setzt nicht vor, dass Frauen nicht aktiv sind. Dass Frauen getrennt sind von Männern, wenn Gottesdienst gefeiert wird. Dass Frauen immer schweigen und er setzt voraus, dass Frauen auch lernen. Also das sind die Parameter, das können wir dann mitnehmen. Okay, was würde das jetzt für uns heute heißen? Also das mit dem Schweigen, ich weiß, das wurde dann universalisiert. Frauen sollen immer schweigen und keine Pfarrerinnen und so weiter. Sie kennen die ganze Rezeptionsgeschichte solcher Texte. Wenn ich so in die Antike schaue und das in diesem fremden Land zu verstehen suche, dann meine ich, ja, vielleicht wäre Paulus heutzutage ganz happy mit Frauen auf der Kanzel.
Also, so, das ist so Nebengedanken. Gut, und jetzt, ich versuche mich wirklich an die Zeit zu halten, noch was ganz Kurzes zur Männlichkeit des Paulus. Also hier haben wir Frauen, es gibt eine Geschlechterhierarchie, es gibt Unterschiede, bewegen sich im antiken Kontext. Gucken wir uns noch kurz diesen Paulus, den Mann an. Also der Paulus, er ist zwar ein Provinzler und aus römischer Sicht sowieso kein Mann. Können wir abhaken, okay? Aber in seiner Sicht ist er natürlich ein Mann. Er ist Apostolos, berufen von Gott, gesandt von Gott. Er hat einen Auftrag, diese Menschen aus den nicht-jüdischen Völkern zu sammeln, von Christus zu überzeugen. Das heißt, er beansprucht Macht und Autorität. Er ist überzeugt, er weiß, wie es läuft in dieser Christus-Bewegung. Zumindest den Galatern gegenüber, da beansprucht er ziemliche Autorität. So, das ist ein eindeutig männlicher Anspruch, Autoritätsanspruch, wissen, wie es geht.
Er sagte, er habe das Recht, sie zu ermahnen, das sagte er auch den Römern. Er bezeichnet sich auch als Vater der Korinther. So, das ist das eine. Er beansprucht Macht und Autorität. Männliche Macht und Autorität. Und gleichzeitig erzählt er seinen Gemeindegliedern, diesen Leuten in Thessaloniki, er sei in Philippi misshandelt worden. Er habe Tag und Nacht hart gearbeitet. Er sei völlig zerschlagen. Er sagt sogar, er sei geschlagen worden. Das ist also alles typisch unmännlich. Typisch unmännlich. Das ist völlig feminisiert. Wie kann er sich so, mit so weiblich definierten Attributen, den anderen, denen, denen er schreibt, denen gegenüber, denen er Autorität beansprucht, wie kann er ihnen das schreiben und nicht gleichzeitig seine Autorität unterminieren?
Wenn man geschlagen wird, schwächtlich ist, hart arbeiten muss mit den Händen, misshandelt wird, dann hat man seine Autorität verspielt. Oder? Paulus beansprucht Autorität und bezeichnet sie als Vater der Korinther. Autorität und bezeichnet sich selber als schwach. Das wird ihm ja auch vorgeworfen. Er sei ein schwächtlicher Redner, er könne nicht richtig reden. Er könne nur aus der Distanz so tolle Briefe schreiben, aber wenn er da sei, dann sei er ein Schwächling. Das wird ihm im Korintherbrief zum Beispiel vorgeworfen. Was tut Paulus gegenüber all dieser Anwürfe, gegen diese Vorwürfe, die an ihn gerichtet werden? Er weist sie nicht ab. Er sagt ja, ich bin kein guter Redner. Das ist etwas sehr Unmännliches in der Antike, kein guter Redner sein, das ist wirklich ein ziemliches No-Go. Er sagt sogar selbst, ja, ich kann nicht herrschen über euch Korinther
wie ein Sklavenhalter, das kann ich nicht. Und er sagt ja, ich bin gedemütigt worden und misshandelt. Er ist ja sogar ins Gefängnis geworfen worden. Ich trage Narben auf dem Rücken. Das sind alles Zeichen eines versklavten, vergewaltigten Mannes, der nicht dafür sorgen kann, dass er unversehrt bleibt. Eigentlich nach römischer Vorstellung ist so ein Mann auf der untersten Skala der Gender-Skala. Was will Paulus erreichen, wenn er sich so unmännlich darstellt? Ich habe eine Theorie dazu, die ich Ihnen jetzt ganz kurz erzähle. Ich denke, Paulus versucht sich als Kämpfer darzustellen.
Wenn man kämpft in einer Auseinandersetzung, und das kann man sich durchaus physisch vorstellen, dann kriegt man was ab. Man kommt nicht ungeschoren davon. Für das Evangelium weicht er auch physischer Verletzung nicht aus. Um des Evangeliums Willen setzt er sich auch diesen Schlägen aus. Setzt er sich der Misshandlung aus. Nimmt er in Kauf, hart arbeiten zu müssen mit seinen Händen. Nimmt er in Kauf, auch mal Schiffbruch zu erleiden und so weiter. Um des Evangeliums Willen kämpft er diesen Kampf. Er gebraucht auch solche Worte. Er stellt sich also mit diesen Worten, die aus einer gewissen römischen Sicht als Delegitimierung seiner Autorität angesehen werden könnten, er stellt sich als einen Kämpfer dafür das Evangelium.
Und das Paradigma dafür ist ja kein anderer als Christus. Deshalb sagt er, ich trage die Male Christi an mir. Weil er die Botschaft des leidenden Messias verkündet, legitimiert sein Leiden, seine Verletzlichkeit, die Glaubwürdigkeit dieser Botschaft. Er verkörpert die Botschaft, die er verkündet. Und insofern ist das dann eben in seiner Sicht nicht eine Unterminierung seiner Autorität, sondern das ist eine Legitimierung seiner Autorität. Und übrigens steht das in guter Kontinuität mit vielen, ich würde sagen mit praktisch allen Helden, in Anführungszeichen sind Männer, Helden der hebräischen Bibel oder der griechischen Bibel, die Paulus vorwiegend liest. Es gibt in der griechischen Bibel eigentlich nur unmännliche Männer, gebrochene Männer.
Wir können sie alle ansehen. Mose wünscht sich ins gelobte Land zu kommen, wird daran gehindert. Kein vollkommener Führer. David ist eine ziemlich ambivalente Figur. Salomo ist eine ambivalente Figur. Elia ist eine. Wir können durch die ganze Geschichte der Männlichkeit der hebräischen Bibel hindurchgehen. Es gibt diesen Helden, diesen unnahbaren Helden in dieser Tradition nicht. Und deshalb ist die Verkörperung des Paulus, des Mannes, die Verkörperung dieser Botschaft als eines verletzlichen Mannes durch Paulus vermutlich der glaubwürdigste Aufweis seiner Berufung als Apostel. So, das war jetzt alles in Steno und ganz kurz, wie gesagt, jetzt kommt der Peter. Auch von meiner Seite jetzt drei Inputs.
Der erste zu Römer 16, Frauen in Römer 16. Der zweite zu Ehe, da geht es vor allem um 1,47. Und der dritte Input zur Sexualität, von dort aus sehr bewusst auch inklusive, wie man das heute nennt, LGBTQ. Damals hieß das natürlich noch anders. Zu Römer 16, ich lasse das jetzt einmal natürlich ganz bewusst aus, ob das zum ursprünglichen Römerbrief dazugehörte oder nicht. Man zweifelt da wenigstens nicht daran, der Text stammt von Paulus.
Da schreibt Paulus einleitend über eine gewisse Föbe. Ich empfehle euch aber unsere Schwester Föbe, die eine Diakonin der Gemeinde in Krenchreehe ist. Damit ihr sie aufnehmt im Herrn, der Heiligen würdig und ihr beisteht, worin immer sie euch braucht, denn auch sie ist eine – und da lasse ich jetzt einmal den griechischen Ausdruck stehen – post-tatis von vielen geworden, auch von mir selbst. Wenn Sie in der heutigen deutsche Bibelübersetzung reinschauen, steht da wahrscheinlich ein etwas anderer Text. Im griechischen Text stehen da tatsächlich zwei ganz wesentliche Ausdrücke als Substantive. Diese Föbe ist Diakonin und sie ist eine Post-tatis.
Paulus empfiehlt sie, das erinnert an Empfehlungsbriefe, das ist eine sehr häufige Briefform der Antike. Der Philemonbrief könnte damit auch etwas verglichen werden und der Ausdruck selber kommt bei Paulus auch in den Korinther-Briefen vor. Etwas negativ, er hat es nicht nötig, Empfehlungsbriefe bei sich zu haben, von anderen empfohlen zu werden. Selber stellt er aber durchaus welche aus und Föbe ist nicht die einzige. Diakonin – der Ausdruck kommt sehr selten vor im Neuen Testament. Wenn Sie da reinschauen am Beginn des Philippabriefes werden eure Diakone und Episkopen auch gegrüßt. Das ist dann eher eine Frage an die späteren Übersetzer des Neuen Testaments.
Warum ist in den Übersetzungen am Beginn des Philippabriefes sehr wohl der Ausdruck Diakon stehen gelassen worden? Und der selbe Ausdruck steht hier für die Föbe und da wird daraus eine Helferin oder irgendetwas gemacht. Je nachdem, zu welcher Übersetzung sie greifen. Was ein interessantes auch noch, es steht hier im griechischen Text die maskuline Form. Die wird aber über den Artikel unterschieden, ob sich so ein Mann oder Frau handelt. Da steht Diakon, also man muss sich das so vorstellen, es gibt ein der Diakon und ein die Diakon. Das hat mit dem griechischen Denken durchaus zu tun, wenn man so älteste griechische Literatur reinschaut, wo mehr, da findet man sogar noch Theos, die männliche Form für Gott, nur durch den Artikel unterschieden,
ob es sich um eine Göttin oder einen Gott handelt. Also so quasi der Gott, also ein männlicher Gott, wie Zeus oder so, die Gott wäre dann Herer, Aphrodite und so weiter. Also Föbe steht hier unbedingt genau auf derselben Ebene und trägt, wenn man das überhaupt schon als Titel bezeichnen kann, hier einen Titel, sie ist also die Diakonin der Gemeinde von Khenchrehe. Khenchrehe ist insofern interessant. Das war einer von zwei Häfen von Korinth. Korinth hatte zwei Häfen. Khenchrehe war zu Ägäis hin und Lekhaion, der andere Hafen, zum Golf von Korinth hin. Und jetzt wird über diese Föbe auch ausgesagt, sagt Paulus selber, der zweite Ausdruck, sie ist eine Prostatis geworden von vielen, auch von mir selber.
Das hat jetzt wohl damit zu tun, wenn Paulus über das Meer kam, über die Ägäis, dann ist er, um nach Korinth zu gelangen, genau in Khenchrehe an Land gegangen. Und dieser Begriff Prostatis spielt in Alltagstexten eine Rolle, die ganz gerne auch zum Vergleich mit neudestamentlichen Texten herangezogen werden. Zum Beispiel der Vereinspräsident, da werde ich morgen ein bisschen was noch dazu sagen, trägt üblicherweise genau diesen Titel Prostatis. Oder wir haben einen recht netten Brief auf einem Papyrus aus dem ersten Jahrhundert erhalten, den lese ich euch vor.
Da kommt ein Prostatis vor und vielleicht so entfernt vergleichbar mit einem heutigen Dorfbürgermeister. Da schreibt ein gewisser Horos an seinen geschätzten Apion, was Lampon den Mäusefänger betrifft, so habe ich ihm für euch als Pfand acht Drachmen bezahlt, damit er die Mäuse in Tocker fängt. Bitte schickt mir das Geld, auch Dionysios dem Prostatis von Nemere, Nemere ist ein Dorf in Ägypten, habe ich acht Drachmen geliehen und er hat sie nicht zurückgezahlt. Worauf ich dich aufmerksam mache. Dann ist der Brief schon wieder vorbei, dann steht nur noch dort, lebe wohl. Also diese Föbe, die war viel, viel mehr, die hat eine bedeutend größere Bedeutung, das können wir daraus schon einmal ablesen,
als das, was uns die modernen Übersetzungen nahezu vorgaukeln. Die war nicht nur eine Helferin oder eine, die den Paulus da irgendwie unterstützt hat, womit auch immer gerade in großen Paulus, nein gerade umgekehrt. Der Paulus, der kommt eigentlich übers Meer nach Chénrée, geht dort an Land und kommt in die großartige Lage, er kann jetzt von dieser Prostatis und Diakonin Föbe die Unterstützung in Anspruch nehmen, um besser leichter Zugang nach Korinth zu finden. Es gibt eine Inschrift, die wirklich zeitgenössisch mit Paulus ist, die in Korinth gefunden wurde.
Aus der Zeit des Claudius stammt die, Vorgänger Neros, und in dieser Inschrift wird eine Frau erwähnt, zwar nicht mit dem Titel Prostatis, sondern das, was sie tut, wird da mit dem Substantiv Prostasia bezeichnet. Wohin besteht also dieses Amt oder dieser Dienst? Da ist davon die Rede, dass diese Junia Theodora hieß, die Junia ist ja auch ein schöner Name aus Wilma 16, eine Junia Theodora, die hat sich in Korinth niedergelassen, stammt offensichtlich aber nicht aus Korinth, hat Geschäftsbeziehungen, betreibt dort ihre Geschäfte und ist vor allem zuständig für Leute aus Lykien, das liegt in Kleinasien, also einiges entfernt von Korinth.
Und für nicht nur die Leute aus Lykien, die da jetzt nach Korinth kommen, sondern auch für alle anderen in der Stadt, heißt dann in dieser Inschrift noch, hat sie diese Prostasia in einem vollen Umfang denen zukommen lassen und es wird auch insbesondere ihr größtes Wohlwollen diesen Lykien und dieser ganzen Polis zum Ausdruck gebracht. Also da haben wir jetzt eine Frau, auch in Korinth, zur selben Zeit, die sich dadurch auszeichnet, dass sie Männer wie Frauen in ihren Geschäften, in ihren Geschäftsbeziehungen, auch in ihren vielleicht rechtlichen Angelegenheiten unterstützt.
Und jetzt wird es spannend. Die Föbe war offensichtlich diejenige im Hafen von Kengree, in der dortigen Gemeinde, die den Paulus, wenn er angekommen ist, sagen konnte, gehst dorthin, da kriegst du ein Quartier, gehst dahin, da kannst du als Zeltmacher oder Weber arbeiten, unsere Gemeinde trifft sich da und dort, der und der ist jetzt mit seiner Familie vielleicht neu dazukommen und so weiter und so fort. Also eine ganz bedeutende verantwortungsvolle Tätigkeit. Zu einer zweiten Frau hier nur ganz kurz, in Romer 16.7, schreibt Paulus, er grüßt bzw. die Gemeinde, die sollen auch ein Paar, nämlich Andronicus und Juni, ergrüßen. Es ist nur ein Paar, ganz viele erwähnt er da. Man sagt da gern so, da zeigt Paulus, wen er doch schon kennt in Rom, die werden jetzt alle gegrüßt.
Um zu zeigen, ein Paar kenne ich ja doch. Eine ziemlich lange Großliste. Das Interessante bei diesem Paar ist, die werden beide als Angesehene unter den Aposteln bezeichnet. Und dann fügt das sogar noch hinzu, die sind vor mir zu diesem Glauben an Christus gekommen. Die Auslegungsgeschichte ist bei der ganzen Angelegenheit ein bisschen seltsam. Tausend Jahre lang war in allen Quellen, Kommentaren, Auslegungen völlig klar, das ist eine Frau namens Junia, ein Mann namens Andronicus und beide sind nicht nur einfache Apostel, sondern sogar Angesehene unter den Aposteln. Und schon vor Paulus sind sie zum Glauben an diesen Christus Jesus gelangt. Erst um tausend rum gab es so die erste Handschrift, wo jemand einen männlichen Namen dort hingesetzt hat.
Und überraschenderweise war es Martin Luther, der dann gemeint hat, wenn die beiden da als Apostel bezeichnet werden, dann muss es sich um einen Mann namens Junias handeln, dann kann das keine Frau gewesen sein. Es wurde erst im 20. Jahrhundert dann wieder entdeckt, da gab es ausgerechnet einen Dominikaner Pater, der gleichzeitig Neutestamentler war, der hat die Kirchenväter gelesen und hat bei Johannes Chrysostomos zum Beispiel nachlesen können, wie großartig da der Paulus über ein paar Frauen schreibt, insbesondere über diese Junia, die war schon vor ihm Apostelin, ist schon vor ihm zum Glauben gelangt und deshalb lobte sie ganz besonders hier.
Und diese und andere Frauen von Römer 16 können wir Männer uns als ganz große Vorbilder nehmen. Also manchmal sollte man durchaus Kirchenväter lesen. Das zweite 1 Korinther 7, Ehe. Ich gebe Ihnen da so als Blick in den Alltag ein Beispiel eines Ehevertrags. Auch aus der Zeit des Paulus, wir wissen sogar das Tagesdatum, wann der geschrieben wurde, weil das Datum erhalten ist auf dem Vertrag. Es lässt sich umrechnen in unserer Zeitrechnung auf den 19. Oktober 66, 66 n. Chr. Da wird ein Chairemon erwähnt, der ist 34 Jahre alt und ein zweiter Mann, ein gewisser Sisoist, der ist 71 Jahre alt. Und das ist der Vater einer Thaesarion und die beiden vereinbaren, dass jetzt seine Tochter, die Tochter des Sisoistes, dem Chairemon zur Frau gegeben wird.
Da wird es aber noch spannender, weil es wird erwähnt, die beiden leben eh schon zusammen, die sind bereits, da stehen wirklich die Ausdrücke drin, Ehemann und Ehefrau. Und dann stellt sich raus, weil über gut zwei Drittel oder sogar drei Viertel des Vertrages geht es dann nur um Geld, es geht eigentlich nur um die Mitgift. Der Sisoist, der übergibt jetzt dem eigentlich schon Ehemann und nicht nur Bräutigam Summe Geld, Hausrat, Schmuck wird aufgezählt, Gold und Silverschmuck, Geldbeträge und dann auch gleich noch ein Grundstück.
In der damaligen Zeit war Ehe erstens eine rein privatrechtliche Angelegenheit, also keine staatliche. Ehe kam zustande, indem einfach zwei Leute zusammengezogen sind, um zusammen zu leben. So war das griechisch und römisch. Im Judentum war das nur zweigeteilt, da wurde eine Ehe auch schon gültig durch die Verlobung. Und deshalb muss auch, wenn eine Verlobung gelöst wird, der Scheidebrief ausgestellt werden. Da haben wir sogar ein echtes Zeugnis in den Papyri drüber, dass das tatsächlich so gehandhabt wurde. Also rein privatrechtlich. Und der zweite Punkt, ob da jetzt ein Vertrag besteht oder nicht, ist gleichgültig.
Eine Ehe ohne Vertrag hat denselben privatrechtlichen Stellenwert wie eine Ehe mit Vertrag. Es kommt also lediglich darauf an, ist da jetzt eine Mitgift da, weil überhaupt eine übergeben werden kann, dann hat man ein Interesse, einen Vertrag abzuschließen. Das, was eher dann so dazu kommt, sind die ethischen und moralischen Regelungen. Da wird zum Beispiel an die Adresse der Frau gesagt, sie darf natürlich nicht mit einem anderen Mann ein sexuelles Verhältnis eingeben. Sie darf dem Mann generell keine Schande bereiten. Und es wird dem Mann gesagt, er darf nicht eine andere Frau ins Haus bringen, er darf nicht mit irgendeiner anderen Frau Kinder zeugen und er muss diese Frau gut versorgen. Das Interessanteste, was wir in diesen Eheverträgen finden, ist meines Erachtens aber dann, wenn es noch weitergeht und diese ethischen Vereinbarungen,
Regelungen, die sind meistens so ganz kurz und sehr stereotyp. Und dann wird aber gleich noch vereinbart, was ist, wenn sich die beiden irgendwann zerkrachen und es kommt zu einer Scheidung. Worum geht es? Um Geld. Wenn es zu einer Scheidung kommt, wenn die beiden sich scheiden lassen, dann ist die ganze Mitgift und alles, was da jetzt mit diesem Vertrag übergeben wird, vom Mann zurückzugeben. Die Mitgift dient, auch wenn sie der Mann geschäftlich nützen kann, zur Sicherheit der Frau, zur sozialen Sicherstellung. Da wird dann differenziert, wenn in dem Fall der Siso ist, immerhin schon ein 71-Jähriger noch leben sollte und die beiden lassen sich scheiden, dann ist das alles an den Siso zurückzugeben.
Wenn er gestorben ist, dann der Frau. Kann man jetzt auch fragen, warum an den Siso ist überhaupt? Naja, wenn die wieder verheiratet, dann wird er ja Interesse haben, ihr wieder eine Mitgift mitzugeben, weil das ist das Formular. Das letzte, interessanteste Detail in diesem Zusammenhang. Es ist gleichgültig, wie die Scheidung zustande kommt, die Mitgift und dann gibt es auch noch so Paraferner, die also noch dazugegeben werden zur eigentlichen Mitgift. Diese Dinge sind in jedem Fall zurückzugeben. Es steht ausdrücklich noch drin, wenn der Mann Heiremon sich scheiden lassen sollte, dann hat er das sofort zurückzugeben.
Wenn sie sich scheiden lassen will, dann hat er dafür 30 Tage Zeit. Ab dem Zeitpunkt, wo sie ihm mitteilt, jetzt lasse ich mich scheiden. Also in vielen Bereichen hinken wir da heute noch hinterher, was die soziale Sicherheit dann von Frauen betrifft, wenn die sich scheiden lassen. Wenn man das jetzt auf Paulus hin anschaut, dann ist das eine interessant. Paulus bringt da relativ große Egalität rein. Wenn er da in 1. Korinther 7 schreibt, jeder Mann soll eine eigene Frau haben. Das ist der typische Ausdruck dafür, verheiratet sein mit einer Frau, eine eigene Frau haben.
Aber es soll auch jede Frau einen eigenen Mann haben. Also Wasser sagt es immer von beiden Seiten her, der Mann leistet der Frau die eheliche Pflicht, ebenso aber auch die Frau dem Mann. Nächsten Vers, die Frau, da wird es jetzt schon etwas kritisch, verfügt nicht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann ebenso aber verfügt auch der Mann nicht über seinen eigenen Leib, sondern die Frau. Wenn man das ein bisschen sickern lässt, merkt man schnell, wo wir da heute gelandet sind und noch immer nicht wirklich drüber hinweg gekommen sind.
Jetzt wieder so ganz schlimm in den USA, wo Frauen wieder gesagt wird, was sie mit ihrem Körper tun dürfen und was nicht. In bestimmten Zusammenhängen und den Männern sagt niemand was. Also so dramatisch jetzt diese Ausdrucksweise da ist, durchaus auch schon für die damalige Zeit. Also über den Leib, soma, ich habe es ja gestern erwähnt, das war auch ein Ausdruck für Sklaven. Soma, Leib, also reduziert auf den Körper, der was leistet. Der Sklavenhalter, der konnte über den Körper, über den Leib der Sklavin verfügen und mit der Kinder zeugen und zum Beispiel weitere Sklaven in die Welt zu setzen. Paulus wendet das jetzt an und zwar in gleicher Weise auf Männer und Frauen.
Ja, es kommt aber dann rein, am liebsten wäre ihm halt alle so wie er. Und da komme ich jetzt zu dem dritten Punkt mit Sexualität. Das wäre schon interessant, wenn wir da so ein bisschen eine detailliertere Biografie über den Paulus hätten. Wie kommt der dazu, dass er da solche Schwierigkeiten hat? Ja, also sehr, sehr auffällig 1 Korinther 7,5. Das ist so im Anschluss dann an das Verfügen über der oder des anderen Leib, bevor er dann auf Unverheiratete und Witwen eingeht.
Die am besten gar nicht mehr heiraten sollen und so oder überhaupt nicht. Wo er dann sagt, mir scheint es noch das Positivste, was man bei Paulus über Sexualität findet. Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeit lang, damit ihr euch dem Gebet widmet und dann wieder zusammen seid. Nur eine Zeit lang, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. Und das greift im Grunde schon einen Gedanken auf, den er zu Beginn von 1 Korinther 7 schreibt. Er gesteht ihnen zu oder sagt, jede Frau soll ihren eigenen Mann haben und jeder Mann die eigene Frau wegen der Unzüchte.
Der Plural steht dort. Also nicht, weil Sexualität so was Schönes und Erfüllendes ist. Sondern ja, das können wir dulden, weil wenn man das halt nur unterdrückt, dann kommt es halt, wissen wir eh. Nach wie vor hören wir das zum Teil täglich. Missbrauch, sexueller Missbrauch von Frauen. Und ganz schlimm von Kindern. Ich weiß nicht, wie es hier ist, jedenfalls in Österreich ist es jetzt vielleicht seit ein, zwei Jahren üblich geworden, auch in den Medien, also nicht mehr von Kinderpornografie zu sprechen, sondern das Kind, das soll das zumindest ausdrücken, das Thema noch deutlicher beim Namen zu nennen, das ist sexueller Missbrauch von Männ derjährigen.
Und wenn man jetzt auf LGBTQ Thema rüberschaut, Römerbrief, Römerbrief. Paulus sieht in Kapitel 1 als Folge der menschlichen Torheit und der Verfinsterung der unverständigen Herzen der Menschen folgendes, Römer 1,24, darum hat Gott sie dahin gegeben, die Menschen in den Begierden ihrer Herzen in Unreinheit ihre Leiber untereinander zu schenken. Etwas weiter deswegen hat Gott sie dahin gegeben in schenkliche Leidenschaften, denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den Unnatürlichen verwandelt und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen,
sind in ihrer Wolllust zueinander entbrannt, indem Männer mit Männern Schande trieben und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst. Wenn man weitere Stellen dazu anschaut, dann sieht man, ich fasse das jetzt ein bisschen zusammen, Homosexualität, lesbische Liebe wird auf eine Stufe gestellt mit Kinderschändern und Lustknaben. Auf derselben Stufe steht was anderes auch noch, wenn man den Text, den ich jetzt vorgelesen habe, weiterliest, dann steht auch noch, und wie sie es nicht für gut fanden, Gott in der Erkenntnis festzuhalten, hat Gott sie dahin gegeben, in einen verworfenen Sinn zu tun, was sich nicht gezähmt. Erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke, Ohrenbläser, Verleumder,
Gottverhasste, Gewalttäter, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern Ungehorsame, Unverständige, Treulose, Ohnenatürliche, Liebe, Unbarmherzige. Parallele dazu gibt es im ersten Korintherbrief. Was wir hoffentlich da alle sehen, ist die Wirkungsgeschichte und Rezeptionsgeschichte war dann, wenn das, was er so an manchen Stellen sagt, also wirklich eine eigentlich sehr negative Sicht über Sexualität generell, ja, das können wir erlauben, weil sonst wäre es noch schlimmer. In der Wirkungsgeschichte wird das dann noch mehr eng geführt.
Weil Homosexuelle wurden lange, lange, lange Zeit eigentlich noch schlimmer behandelt als Mörder, als Gewalttäter. Von Verleumdern und so weiter gar nicht zu reden. Wenn man in die Umgebung blickt, dann ist ja wirklich sehr stark und unbedingt zu unterscheiden, geht es da jetzt um Paterastie, also sexuellen Missbrauch von Minderjährigen, oder geht es um eine, vor allem im Griechentum, institutionalisierte homosexuelle Verbindung zwischen einem Älteren, der auch ganz viele Verpflichtungen übernimmt zur Ausbildung, zur Erziehung des Jüngeren. Sokrates zum Beispiel hatte ein solches Verhältnis mit Alkybierdes.
Ich kann mich noch erinnern, wie während meiner Studiumstern ein Professor mal gesagt hat, aber bei Sokrates war das natürlich rein platonisch. Wenn da jemand so ein bisschen reinspüren will, so ein bisschen eine Vorstellung kriegen will, ich habe den Film erst vor kurzem gesehen, aber da ist mir was deutlich geworden, «Call me by your name», sag nur mal den Titel. Ich habe den wirklich faszinierend gefunden, weil da mal, ja eigentlich geht es, auch wenn der in der Moderne spielt, in der Gegenwart, eigentlich geht es da darum verständlich zu machen, wie war diese Institution, homosexuelle Verhältnisse unter Griechen, wie war das, was war das Wertvolle daran, das Wichtige.
Und das war auch nicht der Kontrast oder die Unnatürlichkeit gegenüber einer heterosexuellen Beziehung. Sokrates hatte auch seine Frau, das war die Xantippe, die hat dann in der Wirkungsgeschichte auch so einen ganz bestimmten Aspekt bekommen. Um das Thema mit folgendem noch abzuschließen, mit zwei Gedanken vielleicht, ich kann nur dazu ermuntern, wirklich im Alltag, in der Praxis Leute kennenzulernen, die anders sind.
Ich nenne jetzt ein Beispiel, das vielleicht, falls Sie da auch, falls Sie das jetzt vielleicht etwas verunsichert, was ich da sage, so in gewisser Weise harmloser ist. Ich durfte mal erleben in Schweden einen Gottesdienst und ich bin ja sehr katholisch sozialisiert worden, also in meiner Kindheit extrem konservativ katholisch sogar. Und da habe ich dann erlebt, wie von der schwedischen Kirche eine Bischöfin, die hat uns bei dem Kongress eingeladen, zum Gottesdienst zu kommen, eine wunderbare Predigt, man hat selten so eine gute Predigt gehört wie von der. Und die so mit Mitra und Bischofsstab, so wie ein katholischer Bischof dort einzogen. Und da habe ich wahrgenommen, das ist eigentlich völlig normal. Da habe ich mir nur gedacht, wie schade, dass der Salzburger Erzbischof so etwas wahrscheinlich nie sehen wird. Oder Samstag, jetzt ist ja Pride-Monat, die Uni Tübingen beteiligt sich da auch und da war so eine Pride-Parade hier in Tübingen.
Ich bin da so durchmarschiert mit meinen Hunden. Also so viele freundliche Menschen, vor allem auch junge, die einen da angelacht haben und bunt geschminkt und alles Mögliche. Und wo es dann gar nicht darum geht, um diese Kategorisierungen. Also natürlich, sicher waren da Schwule dabei und Lesben und bei man hat man es gesehen, so Transgender und so weiter. Aber man muss einmal erleben, wie normal so etwas sein kann, um schlussendlich nur mal zur Unterscheidung zu kommen, reife Sexualität und unreife Sexualität. Die unreife Sexualität, heterosexuell genauso wie homosexuell.
Das ist, wo einem von den beiden Gewalt angetan wird. In heterosexuellen Beziehungen meistens, aber auch nicht ausschließlich vom Mann der Frau. Und das gibt es auch in homosexuellen Beziehungen. Aber da gibt es eben auch sehr reife homosexuelle Beziehungen. Ich habe einmal ein Künstlerpaar kennengelernt und dann auch erlebt, das sind wir an der Hochzeit einer Künstlerin und in dem Kreis gibt es ja sehr viele homosexuelle Paare, auch verheiratete. Und uns gegenüber waren zwei Männer. Wie wertschätzend der eine Mann über seinen Mann und seinen Ehemann gesprochen hat.
Paulus hat damit seine Probleme. Wir sollten weder die Probleme noch die Verurteilungen übernehmen. Das wäre es jetzt mal. Das Schlusswort zu meinem Teil. Jetzt kommt das No Home. Offensichtlich. Ich habe mir ein paar Notizen gemacht, lieber Peter. Und da gibt es jetzt ein paar Fragen. Sie haben nachher auch die Möglichkeit Fragen zu stellen, haben wir ja schon angekündigt. Und ich fange jetzt gleich mal hinten an, weil wir da beim gegenwärtig vielleicht kontroversesten Thema sind oder auch nicht. Für mich ist es kein kontroverses Thema. Meine, du hast schon gesagt, okay, wir haben diese Texte von Paulus, also Römer 1, 18 folgende und auch im 1. Korinther 7, die gewisse Probleme, die Paulus offensichtlich hat oder sieht, ausdrücken. Nun sind diese Texte heilige Schrift.
Sind Autorität unserer Bibel. Und ich möchte dich so ein bisschen herausfordern und fragen, ja wie, wie gehst du damit um, dass wir hier heilige Schrift haben und gleichzeitig steht etwas quer dazu zu unserem, zum heutigen Verständnis vieler Menschen? Ist es ein Bruch? Müssen wir brechen? Müssen wir uminterpretieren? Müssen wir, ja. Gute und spannende Frage. Jetzt könnte ich dich zitieren und sagen, sowohl als auch. Oder es kommt drauf an. Weil ich das ja wirklich auch so sehe. Also ich finde das ja durch diese beiden Sätze so wunderbar auf den Punkt gebracht.
Also wenn ich jetzt mit einer systematischen Theologin sprechen würde, dann würde ich so mein Killer-Argument zur Hilfe nehmen und sagen, ich bin kein Theologe, ich bin ja Papyrologe. Und um die Probleme, die sich dann die Dogmatik oder kirchliche Moraltheologie eingehandelt hat, indem sie eben solche Aussagen zu einer für immer überall geltenden heiligen Schrift erklärt haben oder eben zum Dogma.
Die Probleme sollen wir selber lösen, das löse ich nicht. So, aber das hier ist jetzt ein anderes Setting, darum nehme ich die Frage natürlich wesentlich ernster. Also ich glaube, wir können nicht daran zweifeln, dass letzten Endes alle Paulusbriefe, wenn wir jetzt einmal bei Paulus bleiben, man könnte das in anderer Weise auf Evangelien ja ähnlich umsetzen, dass alle Paulusbriefe, auch der Römerbrief letzten Endes, als Gelegenheitsschriften entstanden sind. Was heißt das? Paulus hat sich nicht so in seinem Zimmerchen hingesetzt und hat die Papyrusrolle vollgeschrieben und vorher sich so ein Konzept gemacht, das mag er alles getan haben. Aber nachgedacht über eine systematische Theologie und wie könnte jetzt so eine Gemeindeordnung aussehen und eine orthodoxe Lehre, auch im Sinne von einer vor Gott bestehenden Moraltheologie.
Sondern Paulus wurde konfrontiert mit Fragen aus den Gemeinden, haben wir jetzt schon mehrmals gehört. Und das, was wir vielleicht noch ein bisschen zu wenig wahrnehmen, Paulus war ja immer schon damit konfrontiert mit seiner Herkunft. Und das ist nicht nur jetzt die Herkunft aus dem pharisäischen Judentum, sondern das ist auch die Herkunft aus einer bestimmten Familie. Wir wissen darüber halt reichlich wenig. Ich habe mir da auch so an einer Stelle notiert, Gewalttäter, vor allem so ganz schlimme Serienmörder und so, die haben fast alle, ich will nie behaupten alle,
ich versuche immer nicht zu pauschalieren, damit man die Einzelfälle nicht aus dem Gesichtsfeld verliert, eine extrem brutale Kindheit erlebt. Und ja, wenn die Gewalt dann von der Mutter stammt, ist es vielleicht noch schlimmer als vom Vater. Als Tendenz bitte, maximal. Und was für das eine Kind als Vernichtung erscheint oder so erlebt wird, damit mag ein anderes bestens zurechtkommen. Wir wissen nicht, woher Paulus diese Ansichten oder so eine doch eher, ich sage jetzt einmal, nicht allzu positive Ansicht über Sexualität hat.
Woher kommt es? Schlimm wird es dann, wenn man eben diese Zeit gar nicht mehr sieht, die Umstände gar nicht mehr sehen will, weil man für sich selber klar wissen will, wo geht es lang, was habe ich zu tun und darauf richte ich mich aus, weil dann komme ich in den Himmel zum Beispiel. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum gerade in unsicheren Zeiten so dieses reglementierte, religiöse sehr großen Zulauf findet. Warum jetzt zum Beispiel sehr viele Jugendliche liberal erzogen worden sind vielleicht oder sehr selbstständig, sagen wir jetzt einmal,
vor wenigen Jahren auf einmal da nach Syrien in den Irak gegangen sind, um sich dem IS anzuschließen. Also wie gehen wir damit um? Ich letzten Endes mit heiliger Schrift auch. Das ist eine generelle Ansicht von mir noch, weil das vielleicht auch zum ersten Vortrag von heute Vormittag passt, mit Visionen, Auditionen, Wort Gottes und so weiter. Wir können und sollten auch wirklich nicht, die Leistung ist jetzt blöd gesagt, das Menschen da aus- und vorlassen. Die Beteiligung des menschlichen Schreibers, des menschlichen Denkers. Ich bin da irgendwann so auf das Bild kommen von Übersetzung. Wenn jemand sagt, mir ist Gott erschienen und das war so und so, dann glaube ich das dem ja einmal. Heute gibt es ganz viele, die sagen, also ich kann gendeln, ich bin ein Medium.
Ich gendel die Maria Magdalena oder den Erzengel Michael oder sonst was. Also das kann man ja zunächst einmal so stehen lassen, aber wenn dann behauptet wird und genau das sagt die Maria Magdalena und das ist die Wahrheit, dann bin ich weg. Weil auch wenn man da vielleicht noch so große Fähigkeiten hat und dass es solche gibt, bezweifle ich nicht. Dass es inspirierte Menschen gibt, auch wenn es vielleicht sogar um moralische Aussagen geht, das bezweifle ich nicht. Aber wir Menschen sind nicht in der Lage, das eins zu eins, so wie das vielleicht in einer Vision, in der Wahrnehmung, in der Audition reinkommt, auch zum Ausdruck zu bringen. Wir können es nur so ausdrücken mit unserer ganzen Geschichte, mit unserer ganzen Umgebung, mit unserem ganzen Kontext, wie wir es gerade machen.
Das ist Übersetzung und Übersetzung ist immer Stückwerk. Weißt du nicht, ob das so in Richtung deiner Frage geht? Ich frage jetzt nicht einfach nach. Es gibt sicher noch mehr Fragen, vielleicht einfach nur eine. Die ganze Geschichte mit, wenn Paulus sagt, ich wünschte, alle wären so wie ich. Siehst du da eine Dimension, die auch mit seiner apokalyptischen Erwartung zu tun hat? Ja, unbedingt. Unbedingt. Wichtiger Aspekt, Entwicklung, der Faktor Entwicklung. Unter der Erwartung, das bringt dir jetzt gar nichts mehr. Jetzt mal, ich bin das ein bisschen negativer ausgedrückt, warum soll ich mir jetzt für ein Jahr noch mit einer Frau oder alles Mögliche als Mann ausstreiten und Kinder zeugen?
Und dann habe ich den Streit, wie gehören die dann, erzogen. Warum soll ich mir das für ein Jahr noch antun? Wenn dann aber nach fünf Jahren, nach zehn Jahren noch immer nichts ist, dann habe ich eine komplett andere Situation. Danke, das war so die Nachfrage. Ich glaube, der Horizont, in dem Paulus, der historische Paulus vermutlich zumindest die Dimension ausspricht, die hat mit seiner Kurz-End-Zeiterwartung zu tun. Und dann ist die Herausforderung für uns, das wäre jetzt mein Kommentar, nach 2000 Jahren sieht das vielleicht anders aus.
Also müssen wir Paulus versuchen, anders zu hören. So, okay, das wäre so weitere Frage. Ich hätte noch eine Frage, ich glaube, das ist ein großer Bereich, über den wir uns jetzt lange unterhalten können. So viel Zeit haben wir dann auch wieder nicht, auch wenn wir uns Zeit nehmen wollen. Aber ich möchte noch zu diesen starken Frauen kommen, die du erwähnt hast, also Föbe, Junia und so. Und diese Beispiele der starken Geschäftsfrauen auch. Das ist das eine, da haben wir die Praxis. Evidenz. Und dann haben wir auch bei Paulus, aber nicht nur bei Paulus, auch in der römischen Theorie, diese sehr klaren Vorstellungen von Genderhierarchien. Wie siehst du, wie gehst du mit dieser Spannung um, oder? Also wie verhält sich hier Theorie, Genderhierarchie, mit der Praxis autonome Frauen? Ja, also man kann das nicht wegdiskutieren und soll es auch gar nicht versuchen, dass da in der Stellung, im Status, ein wesentlicher Unterschied war.
Ich nenne so ein ganz konkretes Beispiel, wo man dann aber auch wieder sehen kann, wie so quasi die Theorie, und wenn man nur die Theorie kennt, zu welchen Ideen, Vorstellungen kann man dann sehr schnell kommen. Und was bringt es, wenn man dann auch die Möglichkeit hat, die Praxis anzuschauen? Eine Frau war ja in der griechisch-römischen Antike nicht selbstständig geschäftsfähig. Nicht allein geschäftsfähig. Also um irgendein Geschäft, vor allem auch Rechtsgeschäfte, rechtlich gültige Geschäfte abzuschließen, musste die einen Mann an ihrer Seite haben.
Der hatte die Bezeichnung Kyrios, Herr. Brauchen wir jetzt nicht hier Nähe ausdehnen, haben wir schon viel gehört darüber. Sobald eine Frau erwähnt wird in einem Vertrag oder einem auch sehr einfachen Rechtsgeschäft beim Kauf oder was auch immer, steht dann immer dabei, die Frau so und so mit dem so und so als ihren Kyrios. So, Schlussfolgerung. Frau ist so quasi Mensch zweiter Klasse, ohne Mann kann die überhaupt nichts tun. Jetzt haben wir glücklicherweise Texte aus dem Alltag. Manche sagen dann du mit deinen Papyri. Und da haben wir nicht nur diese Dokumente, sondern da sehen wir, also erst mal die Dokumente, und erstens einmal, man macht sich so einfach wie möglich, wenn es darum geht, also eine verheiratete Frau nimmt dann einfach den Ehemann als ihren Kyrios.
Wenn kein Ehemann da ist, der Vater lebt noch, der Vater oder wenn der Bruder naheliegender ist, der Bruder, der eigene Sohn, also der nächste männlich greifbare. Okay, das ändert noch nichts am Status. Wir sehen dann aber, eine Frau geht zur Behörde und beantragt per schriftlichem Antrag, den so und so als Kyrios verwenden zu dürfen. Moderner Vergleich dazu wäre vielleicht, wenn ich irgendetwas rechtlich Binnendes machen muss, zum Beispiel Auto anmelden.
Dann kann ich ja einfach eine Vollmacht unterschreiben und der Versicherungsvertreter kann hingehen, kann das für mich erledigen, ist ja normalerweise in der Prämie entbegriffen. Also ich brauche nicht persönlich dabei sein als der, der das überhaupt erst gültig machen kann, sondern es genügt die Bestätigung. Wir haben also da Hinweise, dass da nicht immer so der aufpasserkontrollierende Mann dabei sein musste, sondern sie brauchte einen nur die Bestätigung zeigen, um namhaft zu machen, so ist es. Es gibt auch ein Gesetz, das in römischer Zeit erlassen wurde, dass Frauen, die bereits drei Kinder geboren haben, sind davon sowieso ausgenommen. Und wenn wir dann noch reinschauen in die Alltagswelt, also wer von euch schon in Pompeji war, da gibt es ein Riesenareal von einer Frau, die dort einen Riesenbetrieb geleitet hat.
Der Name der Frau und dass die die Leiterin war, ist bekannt. Wir haben in der Apostelgeschichte die Burburhändlerin Lydia, die imstande ist, Paulus und Gefährten aufzunehmen und für eine Woche oder so zu verköstigen und alles Mögliche. Also man muss da immer schauen, so in welchem Bereich gilt das jetzt und wie streng wird das genommen. Also ich habe große Angst eigentlich vor der Zukunft, wo dann wirklich alles nur mehr per Computer gemacht wird und kein Mensch mehr dort sitzt, der dann sagt, ah ja, weiß ich eh, passt schon. Ja, wo dann Bein hat, das steht so drin und mein Hackerl ist auch nur vorgesehen und da geht auch nichts anderes, weil da muss ich das Hackerl machen.
So, du hast eine Frage? Soll ich? Ich habe noch viele Fragen, aber... Also ich greife jetzt, was ich mir so notiert habe, das mit dem Schweigen raus. Also macht für mich Sinn, so vom Philo her und so. Das, was bei mir auftaucht, so als Frage jetzt natürlich wieder aus dem Alltag. Wir haben relativ gute Bezeugung dafür, dass Mädchen in den Schulunterricht gehen konnten, mehr oder weniger genauso wie Knaben. Und zwar jetzt nicht nur aus der Elite von römischen Bürgern, sondern es gab auch Dorfschulen. Wir haben sogar wirklich ein nettes Beispiel, so ganz individuelles, wo nämlich erwähnt wird, dass die Tochter des einen so als Kind, die macht sich jetzt Sorgen,
dass der Bub, der Freund von der anderen Familie da mitkommt und den will sie da jetzt unterstützen und dem helfen und so. Und ich gehe jetzt einmal davon aus, dass Paulus als diaspora-Jude mit dem brechisch-römischen Schulwesen ebenso auf Dorfebene, Stabtebene und so vertraut war. Ist das jetzt eher noch so eine Sache von Kindererziehung, Kinderlernen, werden halt in die Schule geschickt, aber wenn es dann um die Erwachsenen geht,
da hat die Frau halt dann einen anderen Status, Öffentlichkeit und so oder gibt es da aus jüdischen Schriften aus deinen Quellen was dazu? Ja, also mit dem Schweigen. Es gibt ja auch diese große Rezeptionsgeschichte. Und ja, es wird ja auch jüdisch vorausgesetzt, dass alle, Philo kann auch sagen, alle sind Philosophen, das ganze Volk. Frauen, Männer und Kinder sind Philosophen. Also er ist sehr stolz darauf, seinem Publikum zu sagen, wir sind alle in unserer Tradition sehr wissend. Das wird vorausgesetzt. Die Frage ist, und da weiß ich keine Quellen, ob ein Unterschied gemacht wurde, wie man die Kinder erzog.
Also ja, in heutigen rabbinischen Traditionen, also in der autodoxen Tradition gehen die Buben in den Keder, oder? Die gehen da, dass alle im Bett lernen und so. Und es gibt rabbinische Traditionen, die sagen, das soll man für Mädchen nicht tun. Aber auch darüber wird natürlich gestritten und sind gegensätzliche Meinungen. Für die Antike wissen wir es nicht wirklich. Ich vermute dahingehend, dass was Philo sagt, wie das in der öffentlichen Versammlung geschehen soll, also an einem gewissen Punkt sollen nur die gebildeten Männer eine Auslegung eines Textes vornehmen, dass das mit der Öffentlichkeit zu tun hat. In einer gemischten Versammlung, also Männer und Frauen zusammen. Und Paulus das adaptiert auf diese gemischten christusgläubigen Versammlungen und sagt,
hier, das ist eine gewisse Öffentlichkeit, wie groß die Versammlungen waren, wissen wir nicht. Und er versucht so eine ähnliche Ordnung einzuhalten. Also ich vermute, aber das ist eine hypothetische Vermutung, ich vermute, es geht um den Aspekt Erwachsene, die miteinander da etwas tun und das mit gewissen Regeln tun sollen. Und da adaptierte er diese Regel, die er aus einem jüdischen Kontext kennt, für seine christusgläubigen Erwachsenengruppen. Das wäre meine Vermutung, aber mehr dazu nicht zu sagen. Aber wichtig ist mir, es ist kein generelles Schweigeverbot für Frauen in den Versammlungen. Es ist etwas Spezifisches. Und das steht auch in der Heiligen Schrift. Und das noch zu sagen, da wäre dann meine Aussage dann, ist zu fragen,
dass es in einem bestimmten soziokulturellen Umfeld schien das die adäquate Lösung für ein Problem zu sein. Und gut, jüdisch gefragt ist immer, was ist das Problem und wie können wir für heute eine Lösung finden? Das ist das Sowohl-als-auch oder es kommt darauf an. Und dann wäre heute zu fragen, was ist das Problem, wenn Männer und Frauen zusammenkommen und etwas machen? Und was könnte die Lösung sein? Und dann wäre zu sagen, auch im Sinne des Paulus für heute anders als damals. Jetzt greife ich genau das auf für gerade noch eine schnelle Frage oder so ein Input zum Schluss, die Verschleierung. Also das klingt ja wirklich gut zum Schutz und gerade auch, um da selbstständig zu sein, dient dann eigentlich diese Verschleierung.
Das könnte recht gut passen, wenn bei Familien, die dem Islam angehören, eben gesagt wird, wir schicken das Mädchen nur mit Kopftuch schon in die Schule, weil es genau darum geht. Dann könnte man jetzt ja sagen, damals wie heute, ja aber in unserem Kontext jetzt, besteht ja der Schutz nicht darin, da einfach nur Kopftuch aufzuhaben, weil in unserer westlichen Kultur, Deutschland, Österreich und so weiter und so fort, also in den Ländern, wo wir wahrscheinlich so ziemlich alle derzeit zumindest zu Hause sind, gebührt einer Frau, einem Mädchen sowieso dieser Schutz, ob jetzt Kopftuch oder nicht.
Kann man dann also einfach sagen, lassen wir jetzt weg oder was sagt man dann zum Beispiel einem muslimischen Vater, der dann sagt, ja aber bei uns steht das so in der Schrift drin, was soweit ich weiß gar nicht der Fall ist, also jedenfalls nicht für Mädchen. Das ist eine wichtige Frage. In unseren Gesellschaften besteht der Schutz mindestens theoretisch, wissen wir, theoretisch für die Würde und die Achtung gegenüber Frauen, gegenüber Männer und gegenüber transzönder Menschen und gegenüber Menschen, die nicht binär sich verstehen und so weiter. Im Prinzip. Wir wissen alle, dass die Praxis manchmal anders ist. Aber auf dieses Prinzip können wir uns doch immer wieder berufen.
Es kommen Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, in denen das anders gelebt wird. Und jetzt einfach zu sagen, wie das in Frankreich zum Teil die Regel ist, nein kein Kopftuch, das verstößt gegen unsere Regeln, finde ich schwierig. Aber wir müssen dann noch weiter gehen. Burka und so. Also es geht ja nicht nur ums Kopftuch. Ich würde es so sagen. Es geht darum, Menschen dort abzuholen, wo sie sind und einen Weg zusammenzugehen in die Richtung, in der beide leben können. Also nicht Verhärtung, nicht Konfrontation. Ich erzähle Ihnen eine kurze Geschichte, die mein Mann gelebt hat.
Er lebte in Birmingham und er war Leiter eines kirchlichen, der religiösen Studien des Departments of Theology and Religious Studies an einem christlichen College der Universität Birmingham. Er wurde von muslimischen leitenden Männern angefragt, ob es nicht möglich wäre, einen Studiengang für muslimische Frauen einzurichten, damit sie eine Ausbildung als Lehrerin absolvieren könnten, innerhalb der Institution, in der er arbeitete. Weil das Problem war, jetzt komme ich wieder, die Frage ist immer, was ist das Problem und was ist die Lösung? Das Problem war in dieser Zeit, das war in den 80er Jahren, 80er, 90er Jahren, es gab eine große muslimische Bevölkerung in Birmingham,
gibt es immer noch und die Familien waren, die eher konservativen muslimischen Familien waren zurückhaltend oder erlaubten es ihren Töchtern nicht an andere Universitäten, in andere Städte zu gehen, um einen Abschluss zu machen. Also hat mein Mann zusammen mit seinem Kollegen Wege gesucht, um Module in islamischer Theologie einzuführen, ohne gleich in diesem kirchlichen Umfeld einen Degree in Islamisch Studies einzurichten, aber sie haben das ermöglicht, dass zunehmend muslimische Frauen zu Hause leben konnten und einen Abschluss in islamischer Theologie machen konnten. Das gab so verschiedene Schritte und daraus entstand ein sehr erfolgreicher Kurs und diese Frauen wurden dann selbstständige Lehrerinnen innerhalb der westlichen Gesellschaft, in der sie lebten. Es war ein Schritt, also das Problem war, man könnte sagen, ja was haben diese muslimischen Familien ihren Töchtern nicht erlaubt nach Liverpool zu gehen.
Das wäre konfrontativ gewesen. Er hat versucht zu adaptieren, diese Ausbildung ermöglicht und damit diesen Frauen ein Sprungbrett gebaut, damit sie unabhängig von ihren Familien in der westlichen Gesellschaft leben konnten. Sie sind erfolgreiche Lehrerinnen in säkularen Schulen, in Birmingham, in Liverpool, das meine ich. Nicht konfrontativ, unsere Werte auch nicht aufgeben, natürlich nicht, aber versuchen nicht assimilatorisch, sondern einen Weg zusammenzugeben. Was ist das Problem? Suchen wir gemeinsam eine Lösung. Das wäre meine Antwort darauf.
Paulus und Frauen: Unterordnung oder Gleichberechtigung? | 15.7.2
War Paulus ein richtiger Mann? Warum hatte er so ein Problem mit Sexualität? Und warum war er so ein Macho, der Frauen das Reden verbieten und sie unter einen Schleier zwingen wollte?
In dieses Minenfeld aus heiklen Fragen und pauschalen Unterstellungen wagen sich Kathy Ehrensperger und Peter Arzt-Grabner besser gemeinsam. Sie müssen einiges geraderücken, was uns aus heutiger Sicht ziemlich schräg vorkommt. Was hat es mit der vielzitierten Forderung des Paulus auf sich, wegen der in vielen Gemeinden Frauen nicht predigen dürfen? Mit welchen Frauen hatte Paulus zu tun? Und was war nun in der Antike eigentlich ein »richtiger« Mann? Und zum Schluss stellt Ehrensperger ihrem Kollegen noch heiklere Fragen, denen sich Arzt-Grabner nicht entzieht.