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Ja, mein Thema heute ist Hoffnung und Zukunft. Paulus Blick auf das Kommen des Reiches Gottes. Das ist natürlich viel netter formuliert, als ich mir das jetzt ausgesucht hätte. Ich hätte gesagt Apokalypse. Heute geht es also um die Apokalypse bei Paulus. Aber ich würde gerne noch ein kleines Vorwort machen. Ich arbeite nämlich in einem Projekt, das einen total schwierigen Namen hat. Das heißt Corpus Judeo Hellenisticum Novi Testamenti Digital. Das müssen Sie sich nicht merken. Wichtig ist, dass alle Texte, die ich jetzt gleich noch mitverwende, jenseits vom Neuen Testament und vom Alten Testament, das haben Sie alle auf Ihren Handys oder per Buch dabei,

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alle diese Texte können Sie demnächst auf unserer Online-Plattform frei lesen in deutscher englischer Übersetzung. Wir arbeiten daran, dass Sie alle frühjüdischen Texte, die es gibt, irgendwie lesen können. Und damit Sie auch diese Texte verstehen und das Neue Testament auf dem Hintergrund dieser Texte lesen können, so ähnlich wie es Ihnen jetzt vorstellt, natürlich in viel Kürze, schreiben wir Ihnen Kommentare zu jedem neutestamentlichen Buch auf dem Hintergrund dieser frühjüdischen Quellen. Wir suchen Quellen aus und kommentieren sie und kommentieren dann das Neue Testament. Ich habe hier vorne Flyer hingelegt. Nehmen Sie sich mit und dann schauen Sie demnächst auf unsere Online-Plattform. Wir sind dabei, das alles zu erstellen. Also schauen Sie immer wieder rein. Das ist völlig frei. Sie brauchen nur ein Konto, aber dann können Sie alles lesen, zum Beispiel auf die griechische Bibel, auf Deutsch. Und jetzt möchte ich Sie gerne mitnehmen, und zwar in die Zeit des Frühjudentums. Vielleicht ist das für den einen oder anderen jetzt gleich ein bisschen herausfordernd,

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weil ich religionsgeschichtlich arbeite. Ich möchte Ihnen jetzt also die Hintergründe der Texte, unserer neutestamentlichen apokalyptischen Texte bei Paulus vorstellen. Aber zunächst möchte ich ein bisschen Forschungsgeschichte machen mit Ihnen, weil da doch ein ganz paar berühmte Namen mit auftauchen und man daran gut sehen kann, wie Themen auch immer wieder in der Bibelwissenschaft aufploppen und dann wieder zurückgehen. Zu Paulus komme ich erst im letzten Teil meines Vortrags, aber das wird trotzdem der größte Teil sein. Fangen wir also an mit ein bisschen Forschungsgeschichte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zur sogenannten liberalen Theologie. Die kennen Sie jetzt alle, da wissen Sie wahrscheinlich bestens Bescheid. Die haben wir hier schon ein bisschen besprochen. Einer der Namen war Albrecht Ritschl. Albrecht Ritschl fand, das Reich Gottes setzt sich durch, indem sich jeder selbst persönlich einfach

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richtig moralisch korrekt verhält. Das ist jetzt vielleicht für den einen oder anderen herausfordernd. Es ist auch für mich eine Herausforderung, muss ich sagen. Und das hat natürlich auch viele Widersprüche gefunden. Also diese Übermoralisierung des Christentums. Eigentlich sind diese ganzen Dogmen brauchen wir nicht mehr. Hauptsache wir bewegen uns moralisch korrekt durch die Welt. Die fand sehr, sehr viele Widersprüche. Und gleichzeitig, das müssen wir auch sehen, eben dieser moralischen Christentumsbewegung, sag ich jetzt mal, gab es natürlich die Erweckungsbewegung. Aber auch außerhalb vom Christentum ganz viel religiöse Erfahrung, spiritistische Szenen, Mesmerismus, ich weiß nicht, ob Sie das kennen, das war so ein Arzt in Wien und der hat erfunden, dass die Leute an irgendwelchen Strom angeschlossen werden und dann sind die alle in Ohnmacht gefallen und hatten da Visionen. Und die sich entwickelnde Psychologie.

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Sigmund Freud sagt Ihnen alles was, das muss ich jetzt nicht weiter ausführen. Also alle hatten irgendwie so ein bisschen was mit Erfahrungen am Hut und wollten selbst Erfahrungen machen. Und auf dem Hintergrund dessen begann natürlich auch es in den deutschen Bibelwissenschaften, die Leute sich damit zu beschäftigen, wie war das eigentlich, was haben die Leute erlebt, wenn die Visionen hatten oder wenn die Apokalypten sich ausgedacht haben. Wie haben die sich gefühlt? Und da gab es eine besondere Richtung, die sogenannte religionsgeschichtliche Schule, der Terminus ist auch schon gefallen die Tage, die sich damit ganz besonders beschäftigt haben. Zum Beispiel der Alttestamentler Hermann Gunkel, aber auch die Neutestamentler Wilhelm Busselt, Alfred Ralfs und Johannes Weiß. Und die lasen die Bibel ganz konsequent in ihrer Zeit, als sie entstanden war.

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Zumindest war das das Ziel und haben alle möglichen Quellen, die damals überall aufploppten, mit dazu gelesen. Sie müssen sich vorstellen, das war die Zeit der Museen. Wenn Sie heute zum Beispiel in Wien mal die großen Museumsbauten anschauen, das war die gleiche Zeit. Die haben große Häuser gebaut und die vielen Funde aus den Ausgrabungen im Nahen Osten, in Israel und in kleinen Asien irgendwo hinzutragen, aufzubewahren. Die haben paketeweise Papyri aus Ägypten gekauft, manchmal mit ganzen Mumien noch dabei. Und ich sage Ihnen eins, die haben so viel gekauft, dass wir bis heute nicht fertig sind, diese ganzen Schnipsel zu sichten. Also in den Kellern in London, in Wien, in Berlin liegen noch vielleicht tolle Schätze, wenn wir es geschafft haben, sie zu lesen, bis sie vollkommen zerbröselt sind. Diese Zeit der großen Sammlungen inspirierte die Leute, die Texte zu lesen,

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die dann gefunden wurden oder wiedergefunden worden, besser gesagt. Und diese Texte, ich sage jetzt frühjüdische Texte, also Texte zwischen dem dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und so dem zweiten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung, wo wir ein beginnendes Frühjudentum haben, aber noch nicht sich die Rabbinen durchgesetzt haben. Diese frühjüdischen Texte wurden gefunden, wiedergefunden und natürlich untersucht. Und da hat man festgestellt, es gibt so eine Richtung, wo die Leute sich mit Geschichte beschäftigen, aber in einer ganz besonderen Art und Weise, in einer visionären Art und Weise. Die haben ganz viele Bilder verwendet. Und Ausblicke auch in die Zukunft. Ganz oft haben diese Menschen, die diese Apokalypsen, wie wir sie heute bezeichnen, geschrieben mit einem Pseudonym. Und das Pseudonym war ganz klar, dass das ein Pseudonym ist, denn Henoch, der ist schon ziemlich lange tot.

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Also der war auch schon lange tot, als Leute diese Apokalypsen im Namen Henochs geschrieben haben. Wenn wir uns jetzt anschauen, diesen Begriff Apokalyptik, Apokalypse, der kommt natürlich von unserer Johannesapokalypse und heißt so was wie offenbaren. Aber was genau damit beschrieben ist, das ist ganz unklar. Manchmal sagen die Leute, es ist ein Genre, eine Literaturgärtung. Oder manchmal ist es auch nur der Inhalt, der beschrieben wird. Also der Begriff, das müssen wir uns ganz deutlich machen, ist ein Begriff, der das nicht ganz trifft, was in der Antike an Literatur produziert wird. Aber vielleicht können wir uns merken, es hat irgendwas mit Endzeit zu tun und irgendwas mit Geschichtsrückblick. Und ganz viel mit Bildern. Für die Forschungsgeschichte war dann Johannes Weiß, den ich schon erwähnt habe, ganz, ganz wichtig. Denn der hat gesagt, die Forschung ist eine Art von Bildung.

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Und für die Forschung war dann Johannes Weiß, den ich schon erwähnt habe, ganz, ganz wichtig. Denn der hat gesagt, die Frage nach dem Reich Gottes und der Apokalyptik, die müssen wir uns stellen. Sowohl bei Jesus als auch bei Paulus. Es begann also mit Jesus. Was hat Jesus mit der Apokalyptik zu tun? Oder wie greift er das auf? Und dann wurde natürlich auch nach Paulus gefragt. Und die Erkenntnis von Johannes Weiß war damals, das Reich Gottes meint das messianische Reich. Und das ist für alle Menschen erkennbar. Also wir erinnern uns nochmal, Ritsche, alles ist eben drin, Moral und so weiter, dieses ganze Reich Gottes. Und da sagt Johannes Weiß, nein, aus den Texten sehen wir, das Reich Gottes meint dieses messianische Reich, was sich durchsetzt. Und das können wir alle sehen. Dann kommt der nächste berühmte Name, Albert Schweitzer, den kennen Sie hoffentlich alle. Der hat ein Buch geschrieben, die Mystik des Apostels Paulus.

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Kann ich empfehlen, können Sie gerne mal lesen, gibt es auch frei auf archive.org zum Beispiel. Und seine Erkenntnis war und ist, denn die ist tatsächlich geblieben, auch Paulus lebt und denkt in den endzeitlichen Vorstellungen des ihn umgebenden Fuhrjugendtums. Klar, logisch. Aber für uns ist das heute logisch. Zu seiner Zeit war das neu. Jetzt blieb diese Erkenntnis, aber die Theologen wussten halt überhaupt nicht, was sie damit anfangen sollen. Also ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, bevor ich mich mit diesen ganzen Texten beschäftigt habe, fand ich das alles ziemlich strange. Und das haben die Theologen des 20. Jahrhunderts auch so gesehen. Wie soll man das Menschen vermitteln, die heute in einem wissenschaftlichen Weltbild leben? Das ist doch völlig unmöglich. Jetzt kommt noch ein Name, wahrscheinlich werden Sie jetzt alle gleich besorgt atmen. Rudolf Bultmann. Er ist in evangelikalen Kreisen nicht so gemocht.

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Das begegnet mir auch immer wieder an der Uni. Aber eigentlich hat er mit seiner Entmythologisierung auch was Gutes versucht. Also ja, eine gute Absicht macht nicht immer gute Sachen, aber trotzdem, er hatte eine gute Absicht, sage ich mal. Er wollte nämlich, dass man die Wesenskerne der Neutastermännchenbotschaft für Menschen heute herausschielt und wieder sprachfähig macht. Weil er gesagt hat, diesen ganzen Apokalyptikkram, es kommen irgendwelche Monster und es gibt irgendwelche Kämpfe und so, das kann man doch heutzutage niemandem mehr vermitteln. Aber er ist ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. Ich zitiere, Also, die mythische Eschatologie ist im Grunde durch die einfache Tatsache erledigt, dass Christi Parosin nicht, wie das Neue Testament erwartet, alsbald stattgefunden hat, sondern, dass die Weltgeschichte weiter lief und, wie jeder Zurechnungsfähige überzeugt ist, weiterlaufen wird.

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Also, ich halte mich auch für zurechnungsfähig, aber ich sage, ich bin mir nicht so sicher, ob das alles weiterlaufen wird. Da macht er es sich also ein bisschen einfach. Jetzt hatte er einen Schüler, Ernst Käsemann. Den haben viele von Ihnen vielleicht, wenn Sie ältere Kommentare des Neuen Testaments noch im Schrank stehen haben, in dem Regal, den können Sie auch gerne weiterlesen. Und Ernst Käsemann wandte sich natürlich gegen seinen Lehrer und es war ganz, ganz krass. Er sagte, die Apokalyptik ist die Mutter aller christlichen Theologie. Und für Paulus sei die Gerechtigkeit Gottes das zentrale Topos gewesen, um das sich alles gedreht hat. Und Rechtfertigung meint dann gegen Luther nicht die Rettung des Einzelnen, sondern die militärische Macht Gottes, die sich den Kosmos zurückholt aus der Macht des Todes. Ja, jetzt kann ich meinen Vortrag eigentlich beenden.

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Ernst Käsemann hat alles gesagt, aber ich dachte, vielleicht erzähle ich Ihnen noch ein bisschen mehr. Das war der Grundstein für die Beschäftigung mit Paulus als Apokalyptiker. Heute gibt es unzählige Menschen und Theologinnen und Theologen, die sich mit Paulus als Apokalyptiker beschäftigen. Was ist das eigentlich Apokalyptik? Meine Überschrift für den nächsten Abschnitt ist, die Apokalyptik war ein Krisenphänomen. Und das ist sie, glaube ich, auch heute noch. Sie ploppt immer dann auf, wenn Menschen große Krisen, Schwierigkeiten, Kriege, Hunger usw. erleben. Und auch um unsere frühjüdischen Endzeitvorstellungen zu verstehen, müssen wir erst mal ein ganz kleines bisschen in die Geschichte gucken. Ich weiß nicht, was Sie bis jetzt an Geschichte aus der Zeit des Alten Testaments

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und aus diesen Zwischenzeiten haben, deswegen versuche ich es jetzt mal ganz plastisch. Also Sie müssen jetzt alles, was ich zeige, für sich herumdrehen. Wir stellen uns jetzt mal die Landschaft Palästina vor. Also Palästina war der politische Name zu der Zeit, von der ich spreche. Also Palästina ist hier und da drunter im Südwesten liegt Ägypten. Das kennen Sie hoffentlich alle. Darüber gibt es Kleinasien und Syrien und einen sehr fruchtbaren Bereich. Wir nennen das Ganze dann fruchtbaren Halbmond. Und hier drüben, also auf ihrer Seite sozusagen, auf der anderen Seite im Osten, gibt es noch die Regionen am Euphrat. Die hießen jeweils unterschiedlich. Und ich weiß nicht, wer von Ihnen da schon unterwegs gewesen ist, aber es sind riesige Ausdehnungen, die diese Reiche umfassen. Und trotzdem, das ist für mich immer wieder erstaunlich, gab es große, große Mächte, die diese ganzen Regionen umfassen.

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Im Norden befand sich auch noch das, was wir heute Seidenstraße nennen. Also Handelswege, die Richtung Indien führten. Und auch in Ägypten gab es natürlich Handelswege über See nach Indien. Dort gab es also viel Austausch. Und man konnte sich auch über die Wasserwege relativ schnell bewegen und auch Truppen verschieben. Jetzt befindet sich Palästina, wie Sie gesehen haben, in der Mitte zwischen diesen ganzen Großmächten. Und immer, wenn Großmacht von oben, Großmacht von unten angreifen möchte, was machen Sie? Sie laufen natürlich nicht durch die Wüste, sondern durch Palästina. Ist einfach ein bisschen doof gelaufen für Palästina. Und deswegen hatten Sie öfter mal mit Fremdmächten zu tun. Also Assyrer, die kennen Sie alle hoffentlich. Die Babylonier, die Perser und dann die Diadochum. Das sagt Ihnen vielleicht ein bisschen weniger. Das sind die Leute gewesen, die nach dem Alexander-Feldzug, nachdem Alexander relativ früh gestorben ist, Sie merken sich einfach 333 bei Isos-Kailerei,

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das kennen Sie hoffentlich noch aus der Schule. Also danach begannen die Diadochum-Felder. Es wurde dieses große riesige Reich, das er erobert hat, wurde aufgeteilt in verschiedene Bereiche. Für uns wichtig sind nur zwei. Nämlich unten Ägypten, die Ptolemae und oben das ganze, ja, Kleinasien, Syrien und was da alles noch ist, das waren die Seeläukiden. Und die Ptolemae und die Seeläukiden hatten sich nicht besonders lieb. Die haben sich also öfter mal in die Ptolemae geschlagen. Und die haben sich dann öfter mal ziemlich gestritten, bekriegt und zwar ziemlich blutig. Seit der Eroberung des Nordreiches, also wir gehen jetzt noch einen Schritt zurück zu den Assyrern. Sie erinnern sich, der erste Tempel wurde zerstört, das Nordreich Israel, da werden ganz, ganz viele Leute mitgenommen und ins Exil geführt.

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Und das ist eine ganz, ganz wichtige Erzählung, die nachher aufploppt, denn im Südreich blieben 2,5 Stämme von den einstigen 12 Stämmen Israels übrig. 9,5 sind weg. Übrig bleiben Levi, Judah und Benjamin. Und zwar nur die Hälfte von Benjamin. Wer stammt aus dem Stammel Benjamins? Paulus, genau. Paulus gehört zu den übrigen 2,5 Stämmen und dann gibt es den verlorenen Rest. Das müssen wir uns in der Apokalyptik immer klar machen. Wenn wir von Israel reden, reden wir von gesamten Israel. Nicht von dem Rest, nicht von den 2,5, sondern von den 12. Wenn Israel wieder aufersteht, erstehen 12 Stämme wieder auf. Ganz wichtig, wahrscheinlich auch für Paulus. Wenn wir uns jetzt die frühjüdische Apokalyptik angucken

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und auch die Eschatologie, also die Lehre von den letzten Dingen, dann ist das 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ganz besonders wichtig. Da gab es einen Menschen, einen seleukidischen Herrscher, der hieß Antiochus IV. Und er hat sich selbst einen Beinamen verpasst, Epiphanes. Und das ist der erste, der uns in der Zeitrechnung einen Beinamen verpasst, Epiphanes. Der hatte ein ziemliches Ego-Problem. Der Beiname heißt nämlich der erscheinende Gott. Das war darin begründet, dass er zu diesem Thron gar nicht rechtmäßig gekommen ist, sondern Usurpator war. Aber wenn Sie schon mit so einem Beinamen auftreten, dann müssen Sie dem auch irgendwie gerecht werden. Der war also nicht zimperlich. Er hat in Palästina einen innerjüdischen Streit mit verursacht.

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Sie müssen sich vorstellen, vorher gehörte Palästina zu den Ptolemeren, also zu dem ägyptischen Herrschaftsbereich. Dann wurde das erobert, das hat nicht Antiochus gemacht, sondern schon einer seiner Vorgänger. Und diese Eroberung ist aber noch relativ frisch. Und jetzt gibt es natürlich Leute, die sagen, wir wollen lieber zu dem Ptolemeren gehören. Das war eigentlich viel besser mit denen. Und die anderen sagen, wir müssen uns mit den Silokiden anfreunden. Wie machen wir das? Und wie das so ist, unter Menschen, wenn die zwei unterschiedliche Meinungen haben, die sprechen da friedlich drüber. Und einigen sich irgendwie. Das war natürlich nicht der Fall. Das wurde damals auf offener Straße ausgetragen. Und es wurde nicht nur in der politischen Ebene ausgetragen, sondern das Ganze wurde religiös aufgeladen. Also die Gerechten sind die, die die richtige Meinung haben. Je nachdem, wen man fragt, war das also,

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wir gehören zu dem Ptolemeren oder wir gehören zu den Silokiden. Ich sage das jetzt ein bisschen salopp. Das war für Menschen damals natürlich eine überlebenswichtige Frage. Also wenn der Herrscher der einen Partei kommt, dann überrennt er mein Gebiet, macht mein Haus platt, tötet mich und meine Kinder. Und andersrum genauso. Also das ist jetzt nicht so eine leichte Frage, wie man damit umgeht. Und auch deswegen ist das so blutig ausgetragen worden. Das Problem, wenn man sich innerjüdisch streitet und Teil einer riesigen Macht ist, dann fragt sich natürlich so ein Herrscher, wie Antiochius Epiphanes, der eh schon ein bisschen ein Problem hatte, ob das nicht auch gegen ihn gerichtet ist. War es ja auch. Und dann kommt es zum großen Krieg. Diese innerjüdischen Aufstände werden zum sogenannten Maccabea-Aufstand. Also innerhalb von Palästinas haben sich Leute gefunden,

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die das Ganze in einer Art Guerilla-Krieg ausgetragen haben. Und dann kommt natürlich Antiochius und sagt, das gefällt mir jetzt hier nicht so. Und das mündete einen sehr, sehr blutigen Krieg. Und wir haben da relativ viele Zeugnisse, die wir allerdings mit Vorsicht genießen müssen. Also in unserer griechischen Bibel haben wir die sogenannten Maccabea-Bücher. Wenn Sie Lust haben, lesen Sie die mal. Das sind sozusagen aus einer, ja, wie soll ich sagen, das ist schon ein bisschen eine Propaganda-Richtung aus einer bestimmten Richtung, die die Zeugnisse der damaligen Zeit wiedergibt. Und wir haben zum Beispiel auch das Daniel-Buch aus dieser Zeit. Und noch andere Bücher, zum Beispiel das Jubiläen-Buch, das gehört jetzt nicht zur griechischen Bibel, sondern ist ein Buch, das eine Nacherzählung der Genesis ist, mit so Wocheneinteilungen in einer ganz speziellen, ja, einer ganz speziellen Perspektive. Man könnte vielleicht sagen,

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das haben Priester geschrieben oder Leute, die aus so einem Priesterumfeld kommen. Die haben sozusagen die Genesis-Geschichte erläutert, die haben die Geschichte von Daniel, sozusagen die Genesis-Geschichte, also das erste Buch Mose, noch mal umgeschrieben oder anders geschrieben. Und zwar wusste der Abraham schon alle Gesetze und so weiter. Also dass die Thora es nach vorne datiert. Das haben wir nur im Ganzen in Äthiopisch überliefert, genauso wie mein Lieblingsbuch, das erste Henoch-Buch. Das kam hier schon vor, das hat Kati Ehrensberger schon erwähnt. Und die beiden Bücher sind in der äthiopischen Thewa-Hedo-Kirche, die es heute noch gibt, kanonisch. Und das ist vielleicht ein bisschen ein Aufhänger, mal darüber nachzudenken, was ist eigentlich unser Kanon und wie entwickelt der sich? Das hat Thorsten Dietz gestern auch schon angesprochen. Also wie fest ist eigentlich das, was wir lesen? Einer meiner alttestamentlichen Kollegen beziehungsweise einer meiner Professoren sozusagen an meiner Fakultät hat mal gesagt, ja, ihr Neutestamentler, euch ist wohl langweilig, weil ihr so wenige Bücher habt. Ihr müsst dann immer noch so viele Bücher euch dazu suchen. Ja, er hat ja irgendwie recht.

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Aber die sind so spannend, die empfehle ich einfach zum Lesen. Und die wurden in Kumbraan gefunden. Wir wissen also, dass diese Bücher auch damals im Frühjudentum total beliebt waren und gelesen wurden. Ich möchte Ihnen jetzt noch ein bisschen ein paar apokalyptische Texte vorstellen, weil ich nicht weiß, ob Ihnen das so bewusst ist. Deswegen habe ich jetzt ein paar rausgesucht. Die meisten davon finden Sie in Ihrer Bibel, so wie sie heute ist. Kleiner Disclaimer noch. Ich lese Paulus vor allem als Ausleger der Schriften Israels. Paulus als Exegeten. Was hat Paulus denn eigentlich für eine Bibel gelesen? Ich weiß nicht, ob Ihnen das jetzt in den letzten Tagen schon so direkt bewusst geworden ist. Aber ich sage es jetzt deswegen noch mal ganz deutlich. Paulus hat eine griechische Bibel gelesen. Die Septuaginta. Wir müssen uns klarmachen, dass Paulus nicht nur die Septuaginta, aber auch die Septuaginta. Wir müssen uns klarmachen, dass zu der Zeit,

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als Paulus lebte, hebräisch kaum noch benutzt wurde. Das war sozusagen eine ausgestorbene Sprache, so wie Latein. Da gab es natürlich Leute, die das noch konnten. Aber der Otto Normal Jude zu dieser Zeit, der konnte kein Hebräisch. Der hat Griechisch gesprochen. Griechisch war die lingua franca im ganzen Römischen Reich. Jetzt denken Sie, ja, Latein. Aber wenn wir die ganzen zeugnischen Zeugnisse auch aus dem Westteil des Reiches angucken, dann haben die trotzdem Griechisch gesprochen. Also die Sprache von jüdischen Menschen in der Diaspora war Griechisch. Also auch Paulus hat Griechisch gesprochen. Aber jeder hatte natürlich noch seine Muttersprache. Paulus' Muttersprache war vermutlich arameisch, so wie von Jesus. Aber das heißt, diese hebräische Bibel, so wie wir sie kennen, das müssen wir uns noch mal ganz klar und bewusst machen, stammt in der heutigen Textgestalt, so wie wir sie heute haben aus dem Mittelalter.

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Das ist keine antike Schrift. Aber ich darf Ihnen sagen, in Kumran, haben wir auch schon gehört, wurden natürlich ganz viele Teile dieser hebräischen Bibel gefunden. Und da sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass es doch sehr verlässlich ist, was wir haben aus dem Mittelalter. Das wurde schon gut überliefert. Aber trotzdem hat die Bibel uns in der Zeit des Hebräischen Reiches viel mehr Bücher und auch ganz viele Stellen, die anders sind. Und an diesen anders lautenden Stellen kann man oft noch mal diskutieren, ob die Septuaginter-Stellen nicht sogar älter sind oder die Septuaginter-Reihenfolge nicht sogar älter ist. Das wird also in der alttestamentlichen Bibelwissenschaft gemacht. Sie merken, ich mache jetzt hier so unterschwellig Werbung, dass Sie diese griechische Bibel auch unbedingt mal lesen müssen. Ich finde, das ist, wenn man das so in der Bibelwissenschaft so gut erkennt, dann ist das auch ein bisschen ein bisschen zu viel. Aber trotzdem hat die Bibel uns in der Zeit des Hebräischen Reiches unbedingt mal lesen müssen. Ich finde, das ist, wenn man das Neue Testament verlesen und verstehen will, ungeheuer wichtig, dass man auch mal in diese Texte geguckt hat. Und noch mehr Werbung.

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Wenn Sie in alte Meistergalerien gehen, zum Beispiel, dann finden Sie oft Geschichten, die in unseren Bibeln gar nicht mehr drin sind. Susanna in Bade ist zum Beispiel sehr gerne dargestellt. Aber das finden Sie in dieser griechischen Bibel, in der Septuaginter. Also noch mal ganz deutlich. Sie liest und zitiert die Septuaginter, unsere hebräische Bibel. Welche Texte hat Paulus dort gelesen? Was denken Sie? Sie denken, Sie haben alle Daniel gelesen. Daniel gehört auch zu meinen Lieblingsbüchern. Und wenn Sie Daniel noch nicht intensiv kennen, dann lesen Sie den als nächstes. Insbesondere Daniel 7. Daniel 7 hatte eine enorme Wirkungsgeschichte im Frühjudentum. Das können wir uns gar nicht vorstellen. Das war so ein beliebter und ausgelegter Text. Das ist der Wahnsinn. Daniel 7 hat zwei Visionen und eine Deutung. Das erste ist die Vision von den Tieren. Oder vielleicht auch so Monster. Und diese Tiere

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symbolisieren die vier Himmelsrichtungen. Oder eigentlich die Mächte. Die Ptolemae im Süden, das ist die Sphinx. Das ist Asterex. Mit der abgebrochenen Nase. Die Pater im Osten, das ist der Bär. Die Römer im Westen. Der Panther. Und die Seeläukiden im Norden. Die hatten damals nämlich Kriegselefanten. Und diese Kriegselefanten wurden mit Panzern versehen. Dann lesen Sie nachher noch einmal Daniel 7 und gucken Sie sich mal die Beschreibungen an. Sehr spannend. Dann kommt die wichtigste Vision für das Christentum. Und das ist die Vision von dem alten Antagen, wie es dasteht. Und dem Sohn des Menschen, dem die Herrschaft übergeben wird. Das war nicht nur unter den Christusgläubigen ungemein wichtiger Text. Sondern auch für jüdische Menschen in dieser Zeit.

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Für die Christusgläubigen war das natürlich ein wichtiger Text, weil der Menschensohn davor kommt und von Gott die Herrschaft bekommt. Aber wenn man das nicht als Christus liest, sondern als Messiasfigur im Allgemeinen, dann wird es natürlich auch für jüdische Menschen in dieser Zeit total wichtig. Es gibt am Ende auch noch eine Deutung und daraus können wir sehen, dass das aus der Zeit des Antiochius IV Epiphanes stammt. Und wenn man es genau liest, ist es dort auch als Widerstand gegen die Seeläukiden geschrieben. Wir haben hier also aus einer ptolemaischen Richtung einen Text, der sich gegen die Seeläukiden richtet. In diesem Text wird versprochen, dass es ein Gericht geben wird und an dessen Ende werden die Seeläukiden alle vernichtet. Und Israel bekommt die Macht über das Seeläukidenreich und über alle irdischen Reiche. An Selbstbewusstsein hat Daniel da nicht so gemangelt. Aber

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natürlich der Verursacher des Ganzen ist der Herr der Herrscher, nämlich Gott. Also mit Gott können wir alles schaffen, sagt Daniel, sogar dieses riesige Reich überwinden. Dann kommt ein Text, den wir sehr gerne zum Ewigkeitssonntag lesen. Daniel 12 beziehungsweise fängt das eigentlich schon an bei 10, also 10 bis 12 ist ein späterer Teil des Daniel-Buchs. Da können wir also so eine Entwicklung sehen. Das ist aus einer Zeit, die unmittelbar danach nach den Seeläukiden dem Antiochus Epiphanes spielt. Dort kommt der Erzengel Michael vor. Ich weiß nicht, wiefern sie sich schon mal über Engel Gedanken gemacht haben. Die spielen jedenfalls eine sehr, sehr präsente Rolle in allen frühjüdischen Texten.

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Das ist eine relativ späte Entwicklung tatsächlich in unseren jüdischen, frühjüdischen Texten. Aber wenn Sie sich mal vorstellen, Sie haben einen Gott, der sitzt im Himmel und hat dort also der ist König, der ist König über die ganze Welt. Was braucht denn ein König? Der braucht einen Thron. Okay, das ist der Tempel. Der braucht eine Krone. Ja, braucht man vielleicht bei Gott nicht unbedingt, aber der braucht irgendwas zum Anziehen. Den Saum seines Mantels, den finden wir im Tempel Jesaja 6. Aber der braucht auch irgendwie Bedienstete. Wer sind die Bediensteten? Klar, die Engel. Das sind die, die die ganze Zeit für die Anbetung zuständig sind. Aber in ganz vielen Texten sind die Engel nicht nur Hofstaat und nicht nur so was wie ein Rat, der Gott umgibt, sondern sie sind auch Priester. Jetzt ploppt bei Ihnen hoffentlich gleich die Johannesapokalypse auf, wo das ganz prominent ist. Dort sind die Engel Priester.

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Witzige Fußnote. Engel sind nämlich nicht geschlechtslos im Frühjudentum, sondern die sind männlich. Warum sind die nicht weiblich? Wenn die heilig sind und man eine bestimmte Reinheitsvorstellung hat, dann dürfen Frauen menstruieren. Das passt irgendwie nicht. Also Engel sind männlich. Ich weiß nicht, wie das jetzt in Bayern mit dem Christkind funktioniert ist. Kommen wir zurück zu Daniel 12. Da haben wir diesen Engel, den Michael. Der ist der Engel von Israel. In der Forschung von Daniel und von vielen Frühjuden in der Zeit, das ist ein bisschen aus Paganforschung abgeleitet, hat jedes Reich seinen persönlichen Engel. Und wenn die Reiche sich bekriegen, dann bekriegen sich nicht die Menschen, sondern die Engel. Das ist abgeleitet von der Vorstellung, die früher da war oder die noch im Paganbereich zu der Zeit existierte, dass sich

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die Götter bekriegen, wenn sich Reiche bekriegen. Deswegen kann man natürlich auch den Tempel des anderen dann platt machen, weil wenn der eine Gott verloren hat, dann braucht man den nicht mehr, sozusagen. Das sind natürlich ganz alte Vorstellungen, die wir vor uns haben, aber die im Frühjudentum natürlich auf eine bestimmte Art und Weise dann gedeutet wurden. Wir müssen auch immer sehen, dass wir uns in einer Umwelt befinden. Wir sind ja auch Teil von Deutschland und Teil von deutscher Kultur. Wenn man irgendwo anders hingeht, dann nimmt man auch dort Vorstellungen auf usw. Es ist ja nicht so, dass wir abgeschlossen werden und unser Gehirn abschließen könnten von unserer Umwelt. Auch frühjüdische Menschen konnten das nicht. Mit Daniel 12 befinden wir uns dann nach dem Tod von Antiochus Epiphanes und in der sehr blutigen Zeit von den Maccabea-Aufständen. Dort sehen wir dann

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eine fortgeschrittene Vorstellung. Dort gibt es dann ein Gericht über den Einzelnen. Nicht mehr ganz Israel wird gerettet werden, sondern nur die Verständigen. Die, die dann im Buch aufgeschrieben werden. Ja, wer sind denn dann die Verständigen? Aus der Sicht von Daniel, der aus der ptolemaischen Perspektive guckt, sind die Verständigen natürlich die Ptolemäer und nicht diese Leukidenfreunde. Das würden die anderen wahrscheinlich anders sehen. Aber schön für uns und auch schön für den Ewigkeitssonntag ist der Vers, dass die Gerechten dann leuchten werden wie die Sterne. Zu dem besonderen Leuchten komme ich später noch. Das ist das sogenannte Doxer-Leuchten. Das kommt noch. Ich möchte Ihnen vorher noch einen Text vorstellen oder ein Buch vorstellen, das auch in unserer Bibel steht, nämlich das Ezechelbuch. In manchen jüdischen Kreisen wird das erst ab einem bestimmten Alter freigegeben. Dort gibt es

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eine Vision von den Schafen in Kapitel 34. Und Cati Ehrensberger hatte schon eine Geschichte von der Tierabokalypse erwähnt. Und die ist so ähnlich, die Vision mit den Schafen. Die können Sie gerne mal lesen. Dort sind die Israels die Schafe. Es wird anhand von einem Schafbild erzählt, wie die Geschichte Israels bis dahin war. Am Schluss bekommen die Schafe, die vorher immer unzuverlässige Hirten hatten, das sind also die israelitischen Könige, die immer alles falsch machen, bekommen die Schafe ein König, der dann ist wie David. David als König der Heilszeit, der Zurückliegenden, aber auch der Bevorstehenden. Fußnote, auch wenn wir Schafe im Neuen Testament haben, dann sind das nicht die Kirchenmitglieder, sondern das Volk Israel.

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Denken Sie auch an Johannes zum Beispiel. Ich bin ein Hirte für die Schafe. Die Schafe sind erst mal Israel im frühjüdischen Denken. Jetzt kommt noch einer meiner Lieblingstexte zu Oster. Osternacht, alles ist dunkel und dann kommt Ezechie 37 als Lesung. Die Knochen, die sich aus dem Feld wieder rauspulen und dann mit Sehnen und Fleisch versehen werden. Also ich fand den immer toll. Das ist natürlich die Vision vom Heimkommen Israels. Ich habe Ihnen vorhin von den zwölf Stämmen erzählt, die neun und ein halb, die da hinten irgendwo verstreut sind. Genau das ist jetzt die Vision. Die verstreuten Knochen, die irgendwo liegen, die kommen wieder zusammen, die stehen wieder auf. Jetzt knüpfe ich an Torsten Dietz gestern, der hat Ihnen wahrscheinlich schon alles zur Weisheit erzählt, was man sagen kann. Ich wiederhole nochmal kurz, wie bei meinen Studenten. Das Buch der

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Weisheit. Also wenn Sie Paulus verstehen wollen und haben das Buch der Weisheit noch nicht gelesen, dann sage ich Ihnen jetzt, das müssen Sie unbedingt lesen, sonst verstehen Sie Paulus nicht. Das Buch der Weisheit ist natürlich in unserer griechischen Bibel, auch bei Ihnen wahrscheinlich, wenn Sie eine Bibel mit Apokrypha haben, drin. Und dann lesen Sie im fünften Kapitel Folgendes. Die Gerechten aber leben in Ewigkeit und beim Herrn ist die Gerechten-Große und die Gerechten-Krone und die Fürsorge für sie ist beim Höchsten. Deshalb werden sie die prachtvolle Königswürde entgegennehmen und das schöne Diadem aus der Hand des Herrn. Denn mit seiner Rechten wird er sich schirmen und mit seinem Arm sich schützen. Was haben wir hier? Ewiges Leben

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für die Gerechten, göttliche Herrschaftsmotive für die Gerechten, kommt uns das irgendwie bekannt vor? Johannesapokalypse, wir stellen Throne auf und so weiter, sagt Ihnen was. Das ist also nicht neu, sondern begegnet schon in früheren Texten. Throne, Gewänder, Kronen für die Gerechten. Jetzt komme ich noch mal zu meinem Lieblingsbuch. Das darf ich Ihnen nicht vorenthalten. Also das erste Henoch-Buch, auch genannt das Äthiopische Henoch-Buch. Meine Studis wollten mir schon ein T-Shirt machen, wo draufsteht, das steht doch alles schon im ersten Henoch. Aber es steht nicht ganz alles im ersten Henoch. Aber ganz viele Dinge, die wir aus dem Neuen Testament kennen, finden wir auch dort. Es sind insgesamt eigentlich fünf Bücher, nicht nur eins, die aus unterschiedlichen Zeiten und Federn stammen und später zusammengeheftet wurden. Und aus der Zeit der hasmonäischen Herrschaft,

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also ich habe vorhin erzählt, die Diadochen, die waren dann am Ende und der Maccabea-Aufstand führte dann dazu, dass es ein neues Königtum in Israel gab, die Hasmonäer. Und aus dieser Zeit stammt die sogenannte Zehn-Wochen-Apokalypse. Also Wochen sind auch gerne genutzte Zeiteinteilungen für die ganze Welt und die ganze Zeit. Ob Paulus diese Zehn-Wochen-Apokalypse kannte, wird in der Forschung tatsächlich stark diskutiert. Ich kann mir das gut vorstellen. Nachweisen können wir es nicht. Ich lese jetzt mal ein paar Verse daraus vor. Danach wird in der zehnten Woche, das ist die letzte, in ihrem siebten Teil das große, ewige Gericht stattfinden, bei dem er die Strafe unter den Engeln vollzieht. Er ist Gott. Der erste Himmel wird verschwinden und vergehen. Ein neuer Himmel wird erscheinen.

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Und alle Kräfte der Himmel werden siebenfach leuchten, immer da. Danach werden viele zahllose Wochen bis in Ewigkeit in Güte und Gerechtigkeit sein. Und die Sünde wird von da an nicht mehr erwähnt werden, bis in Ewigkeit. Keine Sünde mehr. Ja, kommt uns auch schon wieder bekannt vor. Ein tolles Leben in Gerechtigkeit und Güte als Belohnung am Ende der Zeiten. Und ich hoffe, Sie haben alle aufmerkt, als ich vorgelesen habe, dass es einen neuen Himmel geben wird. Vielleicht haben Sie aber auch im ersten Vers gehört, dass es eine Strafe unter den Engeln geben wird. Jetzt komme ich also noch zu einer meiner Lieblingsgeschichten im ersten Henochbuch. Nämlich die Geschichte vom Fall der Engel. Die müssen Sie unbedingt kennen. Eigentlich müssen Sie alles lesen, was ich Ihnen heute sage.

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Aber diese Engelfallgeschichte, das ist eigentlich eine ziemlich tolle Geschichte. Und ich habe gehört, so im amerikanisch-evangelikalen Bereich auch sehr gerne rezipiert. Also die Engel, die sind im Himmel, klar. Und bestimmte Engel, die lassen sich verführen. Die lassen sich verführen von diesen wunderschönen Frauen auf der Erde und zeugen mit denen Riesen. Das kennen Sie schon aus der Genesis-Beschichte. Das ist da so ein kleiner Vers. Aber im ersten Henochbuch ist das Ganze ausgewalzt. Und es wird verbunden damit, dass die Engel nicht nur Riesen zeugen, die sich dann gegenseitig ermorden und die Erde ins Unglück stürzen, sondern dass die Engel auch noch das Schminken bringen, die Kriegskunst, die schönen Kleider für die Frauen. Also alles, was so schlimm ist. Also das Böse. Gott hat dann ziemliche Mühe, das Ganze wieder gerade zu biegen und denkt sich, okay, wie wäre es mit ganz viel Wasser?

40:11
Es kommt die Flut, aber die Engel werden nicht einfach von der Flut getötet, sondern die werden in ein Loch gesteckt in der Wüste und müssen dort auf ihr Gericht warten. Also Sie kennen das vielleicht von einigen Anspielungen mit dem Loch in der Wüste. Dort trifft man auf die Dämonen und den Teufel, denn der Anführer dieser Engel ist im Frühjudentum der sogenannte Belial, der Teufel, der Satan, wie auch immer man ihn nennen möchte. Das ist natürlich ein ähnlicher Erzählstoff wie Prometheus, wer von Ihnen die Geschichte kennt. Das sind also gemeinsame Ursprünge dieser griechischen und unserer frühjüdischen Geschichte. Aber ich finde unsere frühjüdische Geschichte viel cooler. So, Sie denken sich, oh, wann kommt sie jetzt endlich mal zu Paulus? Jetzt!

41:09
Paulus. Paulus, ich muss es nochmal sagen, es wurde wahrscheinlich schon ganz, ganz oft gesagt. Paulus lebte in der Annahme, dass er in der Endzeit lebt. Das war für ihn ganz, ganz zentral. Also anders geht das gar nicht. Anders kann man Paulus nicht verstehen. Endzeitvorstellungen spielen besonders in dem frühesten Brief von Paulus eine Rolle, also im ersten Thessalonischer Brief und dann im späteren ersten Korinther Brief, dort in Kapitel 15 insbesondere. Ich lasse den Römerbrief heute mal weg, weil wir da von Katy Ehrensberger eine sehr wundervolle Vorlesung gestern, oder Vortrag hatten. Also falls Sie das nicht mitbekommen haben, müssen Sie unbedingt nachhören. Paulus erwartete Christus noch zu seinen Lebzeiten. Der Herr ist nahe, sagte er. Damit kommt natürlich auch das Ende der Welt. Aber wie er sich das genau vorstellt, da sagt er gar nicht so viel darüber. Deswegen habe ich jetzt diesen ganz langen Bogen über diese ganz vielen Stories gemacht, damit wir das noch ein bisschen beleuchten können.

42:14
Vorstellungen vom Weltende gab es natürlich nicht nur im Frühumtum, sondern auch im Paganen Umfeld. Ich weiß nicht, wer von Ihnen das schon mal gehört hat, aber diesen Weltenbrand, der Stoar, also die haben sich vorgestellt, dass die Welt immer mal wieder geschaffen wird. Und dann wird die in Flammen aufgehen und dann wird alles wieder neu geschaffen. Dann geht sie wieder in Flammen auf, dann wird sie wieder neu geschaffen. Also die frühjüdischen Menschen fanden das ein bisschen doll. Deswegen haben sie gesagt, ja, einmal reicht. Eine besondere Retterfigur für diese Welt gab es aber in solchen Vorstellungen nicht. Also diese Messias-Figur ist was ganz, ganz Besonderes für das Frühjudentum in der Art und Weise. Natürlich gab es Retter für die Welt auch im Paganen Umfeld. Also die Herrscher Roms haben sich natürlich als Soter, als Retter bezeichnet, so in ihrem Selbstverständnis.

43:10
Ja, gestern haben wir die Frage beleuchtet, warum eigentlich Israel oder wie Israel gerettet wird. Und diese Frage sei für Paulus wichtig gewesen. Ja, aber wir müssen da gucken, dass der Römerbrief ja schon sehr spät ist. Also in den frühen Zeiten von Paulus war eher die Frage, wie können eigentlich nicht-jüdische Menschen gerettet werden? Leute, die nicht aus Israel kommen. Was ist eigentlich für die das Ziel? Und jetzt hat Paulus ein Problem oder vielleicht auch kein Problem, denn die haben den Heiligen Geist. Also ganz äußerlich kann ich das sehen, dass sie den Heiligen Geist haben, die prophezeien, die heilen. Wir kennen das alle aus den Briefen und jetzt sehe ich das, aber das sind nicht-jüdische Menschen, die hier dazukommen. Also Paulus muss sich das irgendwie erklären. Fußnote, also der Lukas erzählt das natürlich auch ganz plastisch in der Apostelgeschichte.

44:11
Sie kennen alle die Geschichte, Petrus sitzt in der Mittagssitzung auf dem Dach, hat nicht gegessen und er ist ganz durstig. Und dann kommt da so eine Vision mit den unreinen Tieren. Und Gott sagt ihm, Junge, das wird schon alles gut mit den nicht-Juden. Die haben den Geist. Das ist ganz zentral. Wer den Geist hat, der gehört zu Gott. Die Frage, aber wie nicht-Juden gerettet werden, hat sich natürlich schon vorher gestellt. Also wir haben jetzt natürlich die Leute, die sagen, oh, ihr dürft nur Israeliten und Israelitinnen heiraten. Ja, das war natürlich nicht so. Aber dann haben sich auch Jüdinnen und Juden die Frage gestellt, was ist eigentlich mit meinem Ehepartner, mit meinem geliebten Menschen? Wird der auch gerettet? Und da gibt es ein paar schöne Texte, die das schon mal ventilieren. Katy Ehrensberger hat, glaube ich, in ihrem ersten Vortrag erwähnt, die sogenannte Tierapokalypse,

45:14
auch aus dem äthiopischen Henoch-Buch, wo dann die ganzen Tiere, die unreinen Tiere kommen zum Tempel und dann werden sie mit diesem weißen Stier in Berührung gebracht und dann werden die alle umgewandelt selber an weiße Stiere. Wir haben dann also die Stiere und die Schafe und der Herr, der Schaf ist glücklich am Ende. Dann gibt es noch Philo von Alexandria, jüdischer Philosoph. Und der stellt sich das folgendermaßen vor, der ist ein bisschen wie Ritschel, ein endzeitlicher Frieden. Und Israel wird sich so toll verhalten, so moralisch korrekt, so entsprechend des Gesetzes, dass alle anderen nicht Juden denken, wow, so will ich das auch. Ja, das ist natürlich eine tolle Vorstellung, vielleicht nicht ganz so realistisch.

46:06
Aber kommen wir noch zu Joseph und Arsene. Das ist auch ein ganz, ganz toller Text, den müssen Sie auch kennen. Rosamunde Pilcher auf Antik. Der wunderschöne anbetungswürdige Joseph und seine wunderschöne anbetungswürdige Frau Arsene haben eine Liebesgeschichte. Aber Arsene ist nicht jüdisch. Was passiert? Gott sorgt dafür, dass sie jüdisch wird. Und zwar, er schickt einen Engel, klar. Und der Engel gibt ihr eine Bienenwabe zu essen, was so bedeutet wird, dass das die Verleihung des Heiligen Geistes ist. Jetzt wissen wir nicht ganz, ob das tatsächlich jüdisch ist oder aus einer Richtung stammt, die aus christusgläubiger Perspektive diese alten jüdischen Stoffe erzählt.

47:11
In meinem Projekt ist das immer die Frage, ist das jüdisch? Kommt das aus christusgläubiger Feder? Oft können wir das überhaupt nicht ganz sagen. Aber auf jeden Fall eine sehr schöne Geschichte. Wir sehen also, diese Fragen haben Menschen auch bewegt. Wie kann mein Lieblingsmensch gerettet werden? Und Paulus hatte auch eine relativ einfache Antwort, zumindest für die Kinder. Paulus sagt, naja, also wenn du mit demjenigen Kinder hast und er ist kein christusgläubiger, das ist nicht so schlimm. Die Kinder sind sowieso dabei, sozusagen inklusive. Die sind gerettet. Schon mal gut. Paulus rezipiert auch was, was im Frühjudentum ganz, ganz wichtig war und was wir oft vergessen. Wenn wir sagen, das Judentum zu dieser Zeit war eine Gesetzesreligion, so wie Luther das gesagt hat, die haben nur auf ihre Gesetze geachtet, dann lassen wir eins unter den Tisch fallen.

48:13
Das Judentum war eine Glaubensreligion. Wir haben ganz viele Texte, wo es um die sogenannte Beschneidung des Herzens geht. Die Beschneidung des Herzens, nicht der Vorhaut, meint, dass Menschen in der richtigen Haltung zu Gott kommen müssen. Die müssen glauben. Das ist das erste Gebot. Wir müssen glauben an den einen Gott. Und wenn ich nicht mit der richtigen Haltung komme und irgendein Opfer Tieropfer, dann sagt er, Gott, das ist scheiße, das soll nicht so sein. Ihr müsst mit der richtigen Haltung kommen. Und diese Beschneidung des Herzens war natürlich auch der Weg für Paulus zu sagen, wir haben hier etwas Zentrales, was eigentlich dieser Beschneidung, der äußerlichen Beschneidung des Siegels vorausgeht. Die Beschneidung des Herzens steht schon in Deuteronomium, also im fünften Buch Mose. Paulus legt die Schriften Israels aus, als Exegetes, habe ich schon gesagt.

49:11
Und Paulus fragt sich und liest einen Text, den haben Sie jetzt anders im Ohr. Ich lese Ihnen den jetzt mal in der deutschen Übersetzung der griechischen Bibel vor, Jesaja 51. Hört auf mich, hört mein Volk und ihr Könige, neigt mir eure Ohren zu, denn Gesetz wird von mir ausgehen und mein Recht wird zum Licht der Völkerschaften. Schnell naht meine Gerechtigkeit und herausgehen wird meine Rettung und auf meinem Arm werden die Völkerschaften hoffen. Mich werden die Inseln erwarten und auf meinen Arm hoffen. Wow, die Völkerschaften werden auf den Gott Israels hoffen. Das liest Paulus in seiner griechischen Bibel. Und es gibt da noch weitere Texte, alle im Rahmen des, was wir heute den neuen Bund nennen, im Jesaja-Buch zum Beispiel im Kapitel 56.

50:12
Dort wird erzählt, wie die Völker zum Zieren kommen. Mein Haus wird ein Haus der Anbetung heißen für alle Völkerschaften. Paulus kann also auf Texte aus seiner griechischen Bibel verweisen, wenn ihn Leute fragen, warum kommen jetzt diese nicht-jüdischen Leute hier dazu? Wie kommen die denn zu Israel? Wie können die gerettet werden? Kann Paulus sagen, das ist Gottes Plan, das steht schon da drin. Es gibt noch eine These, die ich Ihnen noch kurz vorstellen möchte, die fand ich ganz spannend. Ich weiß noch nicht, ob ich sie überzeugend fange. Jason Staples hat die gesagt. Er sagte, Paulus würde die nicht-Juden, die den Geist haben als Same, Ephraim sehen. Also als von den neuneinhalb verlorenen Stämmen abstammend und deswegen wieder aufploppend. Gott macht sozusagen ein Wunder, so wie die Knochen in der Zeche, aber jetzt halt in Personen, in Menschen, dass die wieder aufploppend sind. Und wir sind in der Endzeit und Israel kommt zusammen.

51:14
Egal wie Paulus sich das vorstellt, auf jeden Fall kommen nicht-jüdische Menschen dazu. Das verursacht auch natürlich weitere Ereignisse in der Endzeit. Wir haben jetzt schon ganz viel über den Messias gehört. Da möchte ich jetzt nicht mehr so viel zu sagen. Wichtig ist, die erwartete Person war ein König. Und das ist auch ein ganz besonderer Fall. Wichtig ist, die erwartete Person war ein König oder hatte zumindest königliche Attribute. Manchmal wird auch ein neuer Mose erwartet, manchmal auch ein neuer hoher Priester, weil der hatte eine sehr politische Funktion auch zu dieser Zeit. Und manchmal auch ein neuer Elia. Vielleicht klingelt jetzt ein bisschen was bei Ihnen. Wer sagen die Leute, wer ich bin? Mose, Elia, einer von den Propheten. Diese Frage stellt sich dort. All diese Figuren wurden gesalbt und das wurde auch verbunden mit der Verleihung des Heiligen Geistes.

52:17
Wichtig für uns zu wissen, das war alles eine innerweltliche Vorstellung. Also der König kommt in die Welt und Israel wird dort einen neuen König haben und zu einer quasi Macht wie Rom werden. Das war die Vorstellung. Erst nach und nach wurde das in die Endzeit verlegt. Wir haben auch schon gehört, dass Messias auf griechisch Christus heißt. Und das ist natürlich der häufigste Titel, den Paulus für Jesus gebraucht. Er ist also davon ausgegangen, völlig verständlich, dass der Messias Jesus war. Jesus ist auch Gottes Sohn und wird mit Kyrios bezeichnet, mit Herr. Auch das haben wir schon gehört. Was in der griechischen Bibel der Titel einfach für Gott war. Und manchmal können wir auch nicht so richtig unterscheiden, sagt Paulus jetzt Gott oder meint Paulus Jesus, wenn er von Kyrios spricht.

53:14
Das ist nicht an allen Stellen total klar. Deswegen ist auch umstritten, wie dicht in der Forschung dieser Gott und dieser Jesus zusammengehören. So wie Paulus das sehen könnte. Als Söhne Gottes konnten in der Antike auch Herrscher bezeichnet werden oder auch Engel. Auch die Engel waren Söhne Gottes. Und Sohn, das müssen wir uns immer klar machen, meint nicht nur die Abstammung. Also ich bin nicht nur die Tochter meines Vaters, sondern ich gehöre zu einem Clan, zu einem bestimmten... Ich habe eine bestimmte Zugehörigkeit. Für Paulus war also Jesus dieser erwartete Messias und von seiner Herkunft oder Zugehörigkeit göttlich. Und hatte natürlich dadurch auch königliche Attribute. Aber es war eben kein irdischer König, sondern, wie jüdische Menschen sich das vorgestellt haben, das legt er so ein bisschen zur Seite und spart das auf für die kommende Zeit. Dann, wenn Christus wiederkommt. Und hier kommen wir zu etwas, was tatsächlich aus christusgläubiger Feder kommt.

54:15
Das finden wir genauso wie die Auferstehung einer Enzelperson, hatten wir jetzt auch schon, nicht in den frühjüdischen Texten. Christus wird wiederkommen. Und das wird ausgedrückt in diesem Wunsch, den Christen und Christinnen ganz oft unter ihre Briefe geschrieben haben in der Antike. Maranatha, oder der auch im Gottesdienst verwendet wird. Mein Herr, komm! Dass Christus wiederkommt, ist besonders im ersten Thessalonicher Thema und später im zweiten Thessalonicher Brief, der auf diesen ersten paulinischen Brief im Rahmen dieser Verzögerung, dass Christus eben nicht sofort wiederkommt, reagiert. Aber wahrscheinlich nicht von Paulus. Christus kommt dort mit seinen Engeln auf die Erde, so stellt Paulus sich das vor. Und die Auferstandenen, die stehen auf, werden in die Luft entrückt, fahren auf Wolken ihm entgegen,

55:16
um dann als sozusagen königliches Geleit, als Triumphzug mit Christus auf die Erde einzuziehen. Also stellen Sie sich einfach mal vor, diese römischen Triumphzüge, der Herrscher kommt und sie sind dabei. Wow! Das ist ein großes Bild. In dieser Zwischenzeit, Christus war schon da und Christus kommt nochmal, da liegt die Königsherrschaft, die Basilea bei Christus. Aber, so sagt Paulus im ersten Hinterbrief, diese Königsherrschaft wird Christus am Ende zurückgeben an Gott. Diese Zwischenzeit ist also eine Interpretation von Daniel 7. Der Alte an Tagen auf seinem Thron gibt die Königsherrschaft, die Basilea, an den, der ist wie ein Sohn eines Menschen.

56:17
Diese Herrschaft Gottes, Basilea, das ist auch ein bisschen ein schwieriger Begriff. Im Deutschen haben wir nämlich getrennte Begriffe dafür. Das eine ist Reich und das andere ist Herrschaft. Im Griechischen fällt das zusammen. Wenn du König bist oder Herrscher, dann hast du natürlich auch ein Reich. Ist nicht so wie der Papst zu dem kleinen Städtchen, sondern gehört schon ein bisschen mehr dazu. Basilea ist also Herrschaft und Reich zusammen. Man kann das also lokal denken und irgendwie so in der Metaebene. Der Gott Israels, habe ich schon gesagt, war auch ein König. Und ein König braucht natürlich auch ein Reich. Was ist das Reich des Königs, des Herrschers Israels? Ist natürlich nicht Israel, ist die ganze Welt. Also für frühjüdische Menschen war das total klar. Der Gott Israels ist der Gott aller Menschen und nicht nur von uns. Ist auch für Paulus klar. Also der Herr, der Herrscher, der steht über allen anderen Göttern.

57:21
Aber trotzdem ist diese irdische Macht, die Israel ist immer mit dabei. Also die können wir uns nicht wegdenken. Das wird sich also auch irgendwie durchsetzen. Jetzt komme ich noch so ein bisschen zu einer ganz plastischen Vorstellung. Sie kennen alle die Kuranengemeinschaft und die waren ja ein bisschen krass. Die erwarteten einen Kampf, also so richtig mit Schwertern. Die wollten losgehen und kämpfen, wo sich die Herrschaft Gottes durchsetzt. Und zwar wollten die Krieger sein und die haben das erwartet, so wie Joshua einst für Israel diese Landschaft erobert hat. Also so ganz, ganz plastisch. So ein bisschen vielleicht wie Amadeus. Es wird jetzt Endzeit und dann geht es los und wir kämpfen alle miteinander. Ich glaube, Paulus hat sich das anders vorgestellt.

58:13
Und Paulus sagt uns, ihr seid keine Krieger. Paulus stellt sich die Christusgläubigen und die Israeliten als Kinder des Königsgottes vor. Und das ist so ein bisschen das Problem. Paulus stellt sich die Christusgläubigen und die Israeliten als Kinder des Königsgottes vor. Hatten wir gestern, glaube ich, mit der Adoption. Wir werden alle adoptiert. Und so ein Königskind hat natürlich bestimmte Pflichten und aber auch bestimmte Rechte. Also Pflichten, man darf nicht mehr zusammen mit seiner Familie im Flugzeug fliegen. Er trifft jetzt demnächst den englischen Thronfolger, der darf jetzt nicht mehr mit seiner Familie fliegen. Damit natürlich alle am Leben bleiben und die Herrschaft gesichert ist. Natürlich war das in der Antike ein bisschen anders, aber auch da war das natürlich die Erbfolge.

59:13
Also wir alle erben als Erstgeborene sozusagen das Königreich Gottes. So stellt man sich das vor. Aber als Königstochter und Königssohn, so sagt Paulus, muss man sich auch ordentlich benehmen. Und er sagt das nicht mal eben, weil die Herrscher, die er erlebt hat zu seinen Lebzeiten, das waren die vier in Israel, also die Kinder und Kindeskinder von Herodes den Großen, den wir da in unserer Weihnachtsgeschichte haben, die haben sich ziemlich daneben benommen. Also da spannte der eine dem anderen die Frau aus und dann bringt der andere den einen um und der andere war verrückt. Also das war alles ein bisschen schwierig. Also als Königskinder müssen wir uns ordentlich benehmen. Wir dürfen nicht unsüchtige sein, keine Götzendiener, keine Ehebrecher, keine Weichlinge, noch Mannesgender, noch Diebe und Habgierige, nicht Trunksüchtige, nicht Lästerer, nicht Räuber. Das könnten wir alles auf die vier, die ich gerade erwähnt habe, so anwenden.

60:12
Das sollen wir gerade nicht sein. Das ist also auch Königskritik, was Paulus hier macht. Und Paulus sagt, wir sollen dieses Königtum, diese Herrschaft Gottes auch nicht unterschätzen. Es besteht nämlich nicht aus Worten, auch nicht aus Essen und Trinken, sondern aus Kraft, aus Dynamis, also das, was Gott hat und was wirken kann. Ja, wir befinden uns in dieser Zwischenzeit. Albert Schweitzer hat das Interim genannt. Ich überspringe jetzt so ein bisschen die Auferstehung. Ich sage nur noch was Kleines dazu, was ich noch wichtig finde. Im Frühjudentum gibt es Auferstehung, aber nicht in allen Texten. Und es gibt drei verschiedene Gruppen, die auferstehen. Die Gerechten, die Märtyrer, also das ist eine Gruppe. Israel als Gesamtgröße heißt nicht, dass alle, die jemals zu Israel dazugehört haben, wieder auferstehen,

61:15
sondern dass Israel das Identität wieder aufersteht. Oder alle Menschen und dann kommt ein Gericht. Also in dieser Zeit gab es eigentlich keine Hoffnung für den Einzelnen, für die Einzelperson, sondern nur für ganz ausgewählte bestimmte Leute, die vielleicht als Märtyrer gestorben sind. Also dass jemand Einzelnes sagen kann, ich bin persönlich gerettet, das war damals in so einer Art, ja, gemeinschaftlichen Denken gar nicht so drin. Zentral ist aber immer, dass bei allen Auferstehungshoffnungen im Frühjudentum Israel dabei ist. Also auch bei Paulus. Das wäre unvorstellbar gewesen, dass Israel nicht mit aufersteht in irgendeiner Form. Die Auferstehung ist körperlich. Jetzt haben wir schön Ezeche mit den Knochen und so, das ist so mein körperlich nicht.

62:09
Das sagt Paulus zum 1. Korinther 15, nie, nicht ganz. Also das ist ein bisschen anders. Also Körper, Soma heißt ja nicht nur das Ding, was ich hier an hab, also der Leib, sondern das kann auch ein anderer Leib sein, ein anderes Behältnis einer Seele. Aber Paulus sagt, das hat trotzdem was damit zu tun. Also das Samenkorn, aus dem die Pflanze entsteht, hat ja auch was miteinander zu tun. Und jetzt komme ich zu was, wo ich mich ein bisschen weit aus dem Fenster lehne. Ich hab's so mit den Engeln, ja. Also die Engel sind ziemlich coole Figuren in unseren Texten und die mag ich ganz sehr. Und wenn man sich die Engel anschaut, dann ist diese Engelexistenz ziemlich vergleichbar und das finden wir auch in ganz vielen christlichen Texten mit dem, was Paulus für die Christusgläubigen erwartet. Wir werden wie die Engel sein. So denke ich, hat Paulus sich das vorgestellt. Und spannenderweise gibt es so Geschichten im Frühjudentum, wo den Gerechten, zum Beispiel den Pienoch, der hat sich toll benommen oder Mose oder sowas,

63:14
diese gerechten Menschen, die bekommen ein Kleid an von Gott im Himmel oder von den Engeln und wenn die dieses Kleid angezogen bekommen haben, dann gehören die zum himmlischen Hofstaat, dann werden die wie Engel sein. Und woraus besteht das Kleid? Aus der Herrlichkeit Gottes, der Doxa. Das ist eine ziemlich schwierige Vorstellung. Die Doxa. Ich weiß nicht, ob Sie das Gilgamesch-Epos kennen, aber schon aus dieser Zeit stammt das, dass abgeleitet von der Sonne auch wir strahlen werden, so wie die Sonne. Aber wir kennen das alle, wenn wir zu lange in der Sonne waren, dann ist das auch ein bisschen doof. Keine Probleme bereiten. Also die Sonne, diese Strahlen, die sind wunderbar, die bringen Licht und Leben, aber die sind auch fürchterlich, die sind schreckenseinflößend.

64:11
Und genau so müssen wir uns das ein bisschen vorstellen, ist die Herrlichkeit Gottes. Sie kennen alle die Geschichte. Die Füchte, Mose, der kommt vom Sina eh wieder runter, der war in der Nähe Gottes. Und dann strahlt er so sehr, dass die anderen geblendet werden. Und dann muss er sich so eine Decke auf den Kopf legen, damit er nicht mehr strahlt. Also diese Kleid-Metapher, die ist ganz, ganz häufig und die finden wir auch bei Paulus ganz prominent. Erste Korinthe, ihr habt Christus angezogen. Ihr habt die Herrlichkeit Gottes angezogen. Ihr seid schon wie die Engel. Also diese Herrlichkeit, die wir mit dieser Kleid-Metapher anziehen, das ist so was wie die Substanz. Man sagt auch die Usia, die Existenz, das Sein, irgendwie das, was in uns drin ist. Das ist natürlich griechische Philosophie. Das Sein der Engel ist auch unser Sein. In der Forschung wird dann diskutiert, ob das vielleicht auch Vorstellungen aus der Soir sind, aber das brauchen wir vielleicht nicht.

65:17
Aber dieses Sein wird natürlich vermittelt durch ein ganz bestimmtes Teil, nämlich den Heiligen Geist. So kommt er in uns rein. Der Heilige Geist, das ist nicht irgendwas Abgehobenes, sondern das ist in der Antike tatsächlich was, was eine Substanz hat. So ganz feine Teilchen, die vielleicht in der Luft rumschwirren und die in uns drin sein können. Und Paulus nutzt da ein Bild, ich weiß nicht, Sie kennen Allererste Korinther 13 wahrscheinlich auswendig, aber da kommt ein Vers am Ende vor, wo Paulus diese komische Sache wie in einem dunklen Spiegel und mit dem Erkennen der Fragmente erzählt. Und wie in einem dunklen Spiegel, so stellt er sich eben die Existenz jetzt schon vor. Wir sind alle schon Engel, aber wir erkennen es halt nicht richtig,

66:06
weil wir unseren Spiegel nicht ordentlich polieren können. Den können wir erst am Ende richtig polieren und am Ende sehen, wie wir so sind und wie wir als Engel sind. Und warum können wir das? Weil Christus ein Erstlingsopfer war. Christus als Opfer. Schwierig, schwierig. Da steht Ab Arche, an dieser Stelle im ersten Korinther 15, ich weiß nicht, ich glaube, Siegfried Zimmer hat es übersetzt mit der Erstgeborene, auch das kann man machen. Wenn wir uns angucken, was ist das eigentlich, ist das so ein bisschen wie der Zehnt, den Menschen geben, in der Thora werden aber bestimmte Dinge Gott geopfert als erstes. Also Sie haben einen neuen Obstbaum und der Obstbaum bringt die erste Frucht, die erste Pflaume, die bringen Sie in den Tempel und dann ist aber auch der Rest des Baumes geheiligt, der gehört dann zu Gott. Sie haben eine neue Ziege, das erste Lämmchen, das bringen Sie in den Tempel und dann ist die Ziege geheiligt. Dann bringt die gute Frucht hoffentlich für die nächsten kleinen Zicklein.

67:16
Ihr Erstgeborener, den bringen Sie in den Tempel, aber der wird nicht geopfert. Der Erstgeborene wird ausgelöst mit anderen Opfern, mit stellvertretenden Opfern und mit Geld. Auch das kann stellvertretendes Opfer sein. Aber wenn ich jetzt im griechischen Abarchiv verwende, dann hören doch alle Leute, die das kennen, das mit. Das Erstlingsopfer. Das heißt aber auch für alle, die mit diesem Erstlingsopfer verbunden sind, sprich wir, wir sind Geheiligte. Wir sind Geheiligte. Wir sind Gott zugegeben sozusagen. Wir gehören zu Gott. So stellt sich Paulus das vor. Also das Erstlingsopfer. Er denkt da ganz aus seinem jüdischen Kontext heraus. Das sorgt dafür, dass wir alle auch zu Gott gehören. Und er formuliert das auch in Römer 11 in Bezug auf Israel.

68:12
Israel ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig. Dieses Opfer weist also für alle voraus auf das, was kommen wird. Und Israel und der Geist können auch Erstlingsgabe Gottes sein. So formuliert das Paulus in Römer 11 auch. Also auch Israel ist Erstlingsgabe, Erstlingsopfer Gottes oder auch der Geist. Wer mehr noch zu diesem Opfergedanken hören will, der muss morgen zu meinem Vortrag kommen. Da spielt das nochmal eine Rolle. Jetzt kommt noch ein Thema, womit wir uns vielleicht ein bisschen rumplagen, der neue Adam. Adam, den kennen Sie alle. Der war im Garten Eden. Aber der hatte noch eine viel größere Beseuchung im Frühjudentum. Im Frühjudentum war Adam der Erstgeschaffene. Also Eva lassen wir jetzt einfach mal ein bisschen beiseite. Die spielt im Frühjudentum quasi keine Rolle.

69:11
Adam im Himmel, der Große, der Herrliche, der Beste, der sitzt auf dem Thron. Das ist der Typ, den Gott geschaffen hat und der sein Bildnis ist. Also der ist quasi wie Gott. Nicht ganz, aber fast. Und jetzt kommt durch den Sündenfall der Tod in die Welt. Wir haben also zwei Geschichten, wie das Böse und der Tod in die Welt kommt. Einmal diese Engel mit der männlichen Lust, die Ursache ist für das Böse. Und dann haben wir die andere Geschichte. Das ist das bewusste Vergehen eines Menschen. Und mit Adam kommt dann also der Tod in die Welt. Und ich sage es nochmal. Nicht Eva ist im Frühjudentum die Schuldige. Das ist eine christliche Erfindung.

70:06
Adam ist der, der die Schuld hat. Und jetzt kommt Christus und stellt sozusagen, also Adam ist gefallen auf die Erde. Und Christus, der stellt das alles wieder her nach Paulus' Denken. Christus macht das wieder heil. Und er zieht die Menschen, die eigentlich doch wie Adam in ihrer Herrlichkeit sein sollen, genauso wieder hoch und stellt den Urzustand, das Paradies wieder her. Und am Ende ist natürlich auch der Tod besiegt, weil der Tod war ja am Anfang nicht da. Der kommt dann erst durch diesen Sündenfall. Aber vorher gibt es natürlich noch eine Art Zwischenexistenz. Also wir sind ja noch nicht am Ende der Zeiten, sondern wir befinden uns in diesem Interim. Und das heißt, Paulus erwartet sich vom Tod, dass er sich von seinem Fleisch löst und mit Christus ist. So formuliert er es in Philippe. Die Toten werden also noch aufbewahrt bis zur Wiederkunft Christi. Und dieses Aufbewahren kennen wir auch aus ganz vielen frühdüschen Texten.

71:12
Da müssen Sie sich vorstellen, die Sheol, der Hades, so ein bisschen vorgestellt wie so ein riesen Erdloch, die hat eine Schuld. Da kommen alle rein, also alle Seelen kommen da rein und am Ende der Zeiten wird der Deckel der Sheol wieder aufgemacht. So, pop, und dann dürfen alle wieder raus. Das ist dann die Auferstehung. Und dann gibt es das Gericht. Aber erstmal sitzen die da alle drin. Nee, alle stimmt nicht, weil die Gerechten, die haben nämlich vorher schon einen anderen Aufenthaltsort. Die bekommen einen Ort, einen Platz im Himmel in der Nähe Gottes. Und dieser Platz in der Nähe Gottes, das ist auch das, was Paulus sich für seine Menschen vorstellt, die in Christus sind. Das ist das Ziel, die Nähe Gottes. Ich habe jetzt schon ganz viel vom Gericht gesprochen und es ist ja auch ein super tolles Thema, um das nochmal zu beleuchten.

72:07
Auch im Bereich, wo das Meer eine Rolle spielt. Also wir haben schon von Siegfried Zimmer gehört, das kenne ich auch so, dass das Gericht in Landesgerichtskreisen eigentlich kaum noch eine Rolle spielt. Und ich ärgere mich tatsächlich auch immer. Ich weiß nicht, wie Sie das kennen, in meinen Landesgerichtskreisen und Gottesdiensten singen wir immer bei den Korallen Strophen 1 bis 3. Die letzten Strophen lassen wir immer weg, die von Tod und Auferstehung und Hoffnung und Gericht reden. Da bin ich immer ein bisschen grummelig. Denn das Gericht ist zentral, natürlich. Jetzt ist noch die Frage, wer wird denn eigentlich gerichtet und wer ist der Richter? Also in frühjüdischen Vorstellungen ist natürlich der Herrscher auch ein Richter. Jetzt stellen Sie sich Antiochius Epiphanes vor. Er hat sowieso Probleme mit seinem Ego. Kann der gerecht richten? Aber Gott kann das. Gott wird gerecht sein. Und gerecht meint dann im frühjüdischen Bereich eben nicht, dass er gnädig ist und allen alles erlässt, sondern Gerechtigkeit ist das Gegenteil von Willkür, von Parteilichkeit.

73:16
Wir können also erwarten, dass Gott auch uns unparteilich richtet. Er ist total neutral. Was wir jetzt damit machen und ob uns das Hoffnung gibt oder eher nicht, das lasse ich jetzt mal stehen. Wer sind denn eigentlich die, die gerichtet werden? Ich habe schon gesagt, das sind alle. Aber das können in ganz vielen Texten ganz unterschiedliche Menschen sein. Zum Beispiel nicht-jüdische Herrscher, klar, die werden gerichtet, damit die nicht mehr so böse Dinge tun. Jüdische Herrscher, auch das gern gesehene Topos. Jüdische Herrscher, die sich falsch verhalten haben, klar. Israeliten werden auch gerichtet, die, die auf der falschen Seite der Macht gestanden haben. Das kommt dann natürlich darauf an, wie man das sieht, auf welcher Seite man selbst steht. Aber am Ende haben wir immer Gott, der gerecht richtet.

74:11
Und die Sünde, das müssen wir uns auch immer klar machen, betrifft nicht nur den Einzelnen. Also diese individuelle Vorstellung ist was Modernes. Die Sünde betrifft in antiker Vorstellung auch immer die Gemeinschaft. Das heißt, ein Herrscher, der sündigt, hat Auswirkungen auf die Gemeinschaft. Und klar erwartet natürlich auch Paulus Eingerecht. Erster Grund der vier, da kommt einiges ans Licht. So, in meinem lutherischen Kontext sagt man, die Sache mit den Werken, das ist mindestens katholisch. Werkgerechtigkeit, das haben wir nicht. Gott wird nicht nach Werken richten. Jetzt steht aber bei Paulus. Denn es ist nötig, dass wir alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder empfange das, auf was hin er durch den Leib handelte, sei es Gutes oder Schlechtes.

75:09
Und die Werke kommen auch ganz oft vor. Ich habe leider nicht den ganzen Vortrag von K.T. Ernstberger mitbekommen, aber da kamen die Werke bestimmt auch prominent mal vor. Also Werke ist an sich nichts Schlechtes. Denn wenn wir mit der richtigen Haltung des Herzens da rangehen, tun wir natürlich sofort die richtigen Werke. Aber wonach kann Gott richten? Der kann natürlich auch ein bisschen in uns reingucken, aber Paulus stellt sich das eher vor, dass diese Werke aufgeschrieben werden, wie in so einem großen Buch. Das wird dann aufgeschlagen, das kennen wir auch aus phoenischen Texten und Gott fragt dann den Engeln hier, liest doch mal vor. Und dann liest der Engel vor und dann wird gesagt, ja oder eben. An diesem Gericht wird nach Paulus natürlich Christus beteiligt sein, klar, logisch. Und auch Feuer wird eine Rolle spielen. Es gibt auch den Feuersie. Der ist übrigens nicht so häufig, das ist eher auch eine späte Entwicklung. Jetzt kommen wir langsam zum ewigen Leben. Was ist uns eigentlich versprochen?

76:15
Ich habe mal meine Studenten gefragt, was ist eigentlich das ewige Leben? Da saßen die vor mir und konnten mir nicht antworten, weil sie noch nie wirklich drüber nachgedacht haben. Ich lade sie mal ein, das für sie, für sich mal zu tun. Was ist für sie das ewige Leben? Ich sage jetzt mal, was Paulus vielleicht gedacht hat. Spannenderweise sagt Paulus darüber ganz wenig in seinen Briefen. Er geht einfach davon aus, dass alle wissen, was das ist. Ewiges Leben, total klar. Das heißt, es gehörte sozusagen zu seiner Grundverkündung. Vielleicht müssen wir uns noch mal klar machen, dass Sterben in der Antike ziemlich einfach war. Das gehörte dazu. Peter Arzt Grabner hat es erwähnt. Kindersterblichkeit war unglaublich hoch. Aber auch sonst, es gab Krankheiten, es gab Kriege, es gab willkürliche Herrscher. Wenn ich was Falsches gesagt habe, war ich ein Kopfkürzer.

77:15
Als Sklave, der in blöden Verhältnissen gelebt hat, konnte ich relativ schnell ans Kreuz genagelt werden, wenn ich öfter mal weggelaufen bin. Also Sterben war einfach. Aber auch die Sorge um den Tod und die Verstorbenen gehört zum griechischen und zum phrydischen Leben dazu. Also das ist nicht wie bei uns. Wir schieben das ab ins Krankenhaus und dann nach dem Begräbnis, dann liegt die Oma da auf dem Friedhof und vielleicht geht mal ab und zu einer vorbei. Aber so richtig kümmern, ach ja, sind alle weg. Das ist unvorstellbar im antiken Denken. Da werden die Toten besucht, da wird geopfert für die Toten, es wird sogar gegessen mit den Toten. Jetzt nicht im frühjüdischen Bereich, aber das müssen wir uns als Umfeld vorstellen. Die Toten gehören zentral zum Leben dazu. Manchmal denke ich, das wäre für uns auch ganz gut, so was ein bisschen wieder aufleben zu lassen.

78:12
Und wir müssen uns vorstellen, dass das Judentum in der Zeit, als Paulus gelebt hat, auch in Bedrängnis war. Also wir haben, vom Maccabea-Aufstand habe ich vorhin schon was erzählt, aber wir haben auch die ersten wirklich schlimmen Progrome. Ich weiß nicht, ob Ihnen das klar ist, aber Alexandria war eine unglaublich blühende Stadt zu der Zeit, das wissen Sie alle, aber Sie wissen wahrscheinlich nicht, dass ein großer Teil der Bevölkerung, wahrscheinlich sogar ein Drittel der Stadtbevölkerung jüdische Menschen waren. Und in den 30er Jahren kam es in Alexandria zu einem Progrom, den der Herrscher, der dortige Herrscher hat laufen lassen. Es sind unglaublich viele umgekommen, massakriert worden. Also wir haben dort Hunderte, Tausende Tote, schon in der Antike. Das jüdische Leben in Alexandria kam danach fast komplett zum Erliegen. Und das ist natürlich bekannt, das hat sich natürlich rumgesprochen.

79:09
Also das Judentum ist in Bedrängnis, jüdische Menschen sind in Bedrängnis. Und umso mehr müssen wir uns klarmachen, was es auch für ein Schritt war, in eine christusgläubige Gruppe überzutreten. Also das ist nicht nur, dass ich meine Götter verlasse, das ist schon wichtig genug, aber ich bin auch diesem Judenhass ausgesetzt. Also das ist wirklich eine krasse Sache. Und dafür muss ich natürlich was haben, was mir Hoffnung macht, warum ich das tue. Und es scheint so gewesen zu sein, dass dieses ewige Leben Menschen gezogen hat, dass das attraktiv war. Für die Menschen in Bedrängnis war es natürlich auch gut, diese Vorstellung zu haben, dass Gott in seinem Gericht dann alles wieder heil macht, alles wieder herstellt. Und die Gerechten belohnt und die Ungerechten sozusagen bestraft. Diese Belohnung ist in frühjüdischen Vorstellungen ganz häufig mit einem schönen Ort verbunden. Also der schöne Ort ist für uns natürlich klar, auch der Garten Eden, das Paradies.

80:15
Und das ist natürlich auch mit diesem Ruhezustand verbunden. Also Gott, der wandelt in der Genesis durch den Garten, der läuft da persönlich rum. Und das ist die Zeit der absoluten Gottesniel. Und so ein paradiesischer Garten, wenn Sie einmal im Nahen Osten unterwegs waren, drumherum Wüste, ist natürlich auch eine tolle Vorstellung. Wir hören von Paulus darüber natürlich nichts. Aber wir können uns das nochmal klarmachen, dass das nicht nur im Frühjudentum so eine Einzelvorstellung war, sondern dass solche Nachexistenzen es auch in der Umwelt gab. Also zum Beispiel in Ägypten. Die haben sich das vorgestellt, dass da so ein Nilufer ist und da sind so wogende Gräser, wo die Seelen dann einfach in Ruhe am Fluss liegen und sich sonnen können. In Griechenland gab es die Insel der Seligen. Wenn Sie darüber nichts wissen, dann schauen Sie ja mal Asterix. Aber es gab noch viel ältere Vorstellungen, zum Beispiel Dilmun.

81:12
Das war eigentlich tatsächlich ein Herrschaftsgebiet im Bereich des heutigen Arabischen Halbinsel. Das war eine Insel und die war unglaublich fruchtbar zu der Zeit. Und die haben dort ihre Toten hingebracht. Heute noch, bei Rhein ist das ganz viele Grabhügel, wo tausende Tote aus dieser Zeit liegen. Und das war damals ganz fruchtbar. Die hatten unterirdische Wasserquelle und haben die besten Datteln exportiert, die es zu der Zeit gab. Ein Garten mit Wasser. Aber wir haben fast keine weiteren Beschreibungen dieses Ortes. Christusgläubige lieben die Darstellung von Hüllensstrafen. Ich weiß nicht, ob Sie die ganzen Texte kennen, aber wenn Sie das noch nicht gelesen haben, lesen Sie mal die Petrusapokalypse.

82:11
Vielleicht sollte ich da noch eine Triggerwarnung davor hinstellen. Also für jede Sünde, die Sie tun können, wird da die Hüllensstrafe diskutiert. Aber am Ende, also das ist ein sehr früher Text, also Ende des ersten, Anfang des zweiten Jahrhunderts, Petrusapokalypse. Am Ende gibt es eine Szene, wo Petrus, Jakobus und Johannes zusammen mit dem Jesus auf dem Berg stehen. Und dann wabern diese Düfte des Paradieses zu ihnen herüber. Und dann fragt Petrus, ja, wo sind eigentlich die ganzen Gerechten? Und dann sagt Jesus, herr riecht doch mal, das ist das, was euch versprochen ist. Also diese Düfte des Paradieses. Vielleicht, wenn Sie mal wieder in einem schönen botanischen Garten sind oder in Ihrem eigenen Garten, schnuppern Sie mal die Düfte des Paradieses. Dieses Paradies hängt in frühtischen Vorstellungen ganz eng zusammen mit dem Zion. Jetzt werden Sie sich wundern, Berg, Tempel, irgendwie komisch. Aber tatsächlich wird das ganz eng zusammengedacht über diese Gottesnähe.

83:17
Also Gott ist im Paradies, ganz nah, aber Gott ist ja auch im Tempel. Komme ich morgen noch dazu. Das heißt, es wird ganz, ganz eng zusammengedacht um dieser Zionsberg. Das ist jetzt nicht der Hügel in Jerusalem, sondern der Zionsberg, der hat so eine überirdische Existenz. Der ist eigentlich riesig, der ragt in den Himmel. Und an diesem Zionsberg gibt es diesen Garten. Aber das heißt, wir erwarten auch ein neues Zion, ein neues Jerusalem. Und das ist natürlich auch was, was Paulus erwartet. Also jede frühjüdische eschatologische Erwartung, die wir haben, ist mit diesem neuen Tempel, dem neuen Zion, dem neuen Jerusalem verbunden. Kennen Sie Johannes Apokalypse? Auch dort finden wir das wieder. Und wenn dort kein Tempel eine Rolle spielt, dann nur, weil Gott dann keinen Tempel mehr braucht. Der ist ja da, also der braucht keine Hülle mehr, sozusagen kein Haus, sondern er ist einfach anwesend.

84:18
Der Gedanke vom himmlischen Jerusalem, den finden wir auch bei Paulus, so einem Galaterbrief. Und dieses himmlische Jerusalem, das ist schon jetzt da oben. Und es kommt dann in der Endzeit runter, es manifestiert sich sozusagen auf Erden. Und wir, die wir schon den Geist haben, die wir schon Engelexistenzen sind, die stammen natürlich schon aus diesem himmlischen Jerusalem. Wir sind ja schon wie die Engel, wir sind verbunden damit. Und wir werden natürlich auch damit verbunden sein, wir werden dort leben, wenn wir in der Endzeit uns befinden, so Paulus. Dann kommen die ganzen Völker natürlich auch dazu. Das ist eine Erwartung, die ich vorhin schon gesagt habe. Also irgendwie wird alles sich um diesen Tempel, um Jerusalem, um den Zion konzentrieren, so auch bei Paulus. Das war ein langer Ritt. Und nun? Also für diese antiken Menschen war das natürlich total attraktiv, der Garten Eden, das ewige Leben, eine ewige Existenz.

85:25
Wahrscheinlich so sehr, dass sie sich all dem ausgesetzt haben, Judenhass, Verlassen der eigenen Netzwerke und Gruppierungen. Aber für uns ist das zugegebenermaßen echt fremd. Aber solche Texte mit Hoffnung auf Wiederkunft waren in Zeiten von Not und Bedrängnis so Rettungsanker für Christusgläubige und auch für jüdische Menschen. Also die wurden gerne gelesen, zum Beispiel auch im 30-jährigen Krieg. Die Frage für uns ist natürlich, haben wir heute so Zeiten, können uns diese Texte auf irgendeine Art Hoffnung machen? Also ich denke schon. Denn für Paulus waren diese Bilder ganz starke Hoffnungsbilder.

86:13
Und die sind natürlich in ihrem Umfeld entstanden im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und hatten dort natürlich auch Hoffnung auf Wiederkunft. Und hatten dort natürlich auch eine politische Relevanz. Aber sie hatten für Paulus 200 Jahre später auch immer noch Relevanz. So können sie auch für uns heute noch Relevanz entwickeln. Vielleicht können wir den Garten Eden, die Gottesnähe in modernere Bilder packen. Oder uns andere Vorstellungen, die damit zu tun haben, machen, damit wir das wieder greifer für uns und für Menschen machen können, denen wir vielleicht von Christus und unserem Glauben erzählen wollen. Der Tod hat dann keinen Schrecken mehr. Und das ist auch für Paulus noch eine ganz wichtige Sache. Also der Tod hat seinen Schrecken verloren. Leid und Krankheit sind weg. Das Ganze hat natürlich auch eine moralische Komponente. Wenn das Gottesreich morgen, heute wiederkommen kann, wenn Christus wiederkommen kann, dann muss ich jeden Tag so leben, als wäre heute oder morgen schon die Chance des Gerichts.

87:21
Also das ist natürlich auch so ein bisschen ein Drohgerüst, aber das wollte ich gar nicht so drohend machen. Aber das ist ein Aufruf sozusagen an jede Christusgläubige und jeden Christusgläubigen. Lebe jeden Tag so, als wäre das Gericht morgen oder heute. Also bei allen apokalyptischen Texten, und das ist jetzt mein letzter Satz, gilt, Gott sagt uns ein gerechtes Gericht so. Ein gerechtes Gericht im Sinne von unparteiisch. Wir müssen niemanden überzeugen und gerecht heißt für mich auch schon Gnade. Und es wird einen Ausgleich geben für alles erlittene Leiden, den es hier auf Erden nicht geben kann.

88:11
Und wir sind der Ungerechtigkeit dieser Welt nicht auf ewig ausgeliefert.

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Hoffnung und Zukunft: Paulus’ Blick auf das Kommen des Reiches Gottes | 15.7.1

Worthaus 13 – Tübingen: 9. Juni 2025 von Dr. Nicole Oesterreich

Nicht mehr lange, dann sind wir durch mit dieser Welt, dann kommt der Messias wieder. Das jedenfalls glaubte Paulus. Wie er sich die Wiederkehr des Messias vorstellte, das schrieb er nicht. Vom Ende der Welt haben aber andere schon geschrieben: Daniel hatte Visionen, Hezekiel auch, oft hatten sich Menschen Gedanken über das Leben danach gemacht, ob ihre Kinder und Haustiere auch dabei sein werden und welcher Mann die eine Frau dann bekommt. Von diesen Schriften und Debatten war Paulus geprägt. Die Neutestamentlerin Nicole Oesterreich erklärt, welche Vorstellungen vom Ende der Welt es zu Paulus’ Zeiten gab, wie Paulus sich die Apokalypse und das Gericht Gottes vorstellte und ob uns diese Vorstellungen heute noch Hoffnung geben können.