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Unser Thema abschließend die Relevanz des Glaubens an die Auferstehung Christi. Und ich möchte mit einer doppelten These beginnen und die dann erläutern. Die doppelte These lautet, der Glaube an die Auferstehung Christi hat keine Relevanz für unser Wissen über das Jenseits. Das ist die erste These. Und die zweite These, der Glaube an die Auferstehung Christi hat zentrale Bedeutung für unseren Glauben an Gott und seinen Christus und für unser Leben als Christ.

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Wussten Sie schon, dass Abraham sich unsterblich gemacht hat? Abraham, denke ich, ist doch allen bekannt. Ja, kennen wir doch. Wie hat er sich unsterblich gemacht? Ich wusste es eigentlich auch noch nicht. Ich habe es in der Zeitung gelesen, dass Abraham sich unsterblich gemacht hat. Es ist eine Meldung aus dem September 2006. Abraham macht sich unsterblich. Arthur Abraham hat sich unsterblich gemacht. Blut auf der Brust, das Gesicht zugeschwollen, den Kiefer gleich doppelt gebrochen und doch den IBF-Gürtel verteidigt. Mit dieser Energieleistung ist Boxerkönig Arthur in den erlesenen Kreis der härtesten Sportler aller Zeiten gerückt. Abraham hat sich unsterblich gemacht. Wussten Sie gar nicht mehr, oder? Da können Sie mal sehen, wie schnell man sich unsterblich machen kann, wie schnell man diese Unsterblichkeit auch wieder verlieren kann.

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Der Mensch kann sich nicht unsterblich machen. Der Mensch möchte gerne unsterblich sein. Und weil er das nicht kann, versucht er es ersatzweise über Ruhm. Aber wir sehen, wie schnell Ruhm verblasst. Die Sehnsucht nach Unsterblichkeit hat viel, ich drücke es jetzt mal bewusst auch negativ aus, viel auch mit Egozentrismus zu tun. Und der Glaube an ein Leben nach dem Tod steht auch immer in dieser Gefahr. Sehr auf sich selbst fixiert zu sein und darauf, wie man sich seine eigene Bedeutsamkeit in Ewigkeit vorstellt.

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Paulus bindet im ersten Korintherbrief in seinem berühmten 15. Kapitel die Auferstehung Christi und die Auferstehung der Toten allgemein sehr eng zusammen. Wenn es das eine nicht gibt, gibt es auch das andere nicht. Also, wir können die Hoffnung auf Auferstehung haben. Aber wir sollten sie nicht haben im Sinne einer egozentrischen Hoffnung. Und hier knüpfe ich mal an, an den Vortrag, den Siegfried Zimmer eben gehalten hat. Auferstehung bedeutet kein weiter Leben nach dem Tod. Es gibt kein weiter Leben nach dem Tod.

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Es gibt vielleicht ein Leben nach dem Tod, aber es gibt kein weiter Leben nach dem Tod. In allen Umfragen, die immer gemacht werden in Deutschland, wenn man sehen will, was glaubt die deutsche Bevölkerung, gilt es als sozusagen Kriterium, ob man noch dem christlichen Glauben anhängt. Die Frage, glauben Sie an ein weiter Leben nach dem Tod, muss sagen, nein. Nein, ich glaube nicht an ein weiter Leben nach dem Tod. Ich glaube nicht daran, dass es so weiter geht wie bisher, nur noch schöner und so weiter. Aber so in der gleichen Weise. Ja, natürlich, ich habe ein bisschen Hemmungen, das so auszusprechen, weil für manche ist das ja auch ein großer Trost. Wenn sie sterben und sagen, ja, ich sterbe, und ich nehme das sehr ernst. Wenn die Leute diese Überzeugung haben, sage ich auch nicht, wenn das existenziell ist, du darfst aber so nicht glauben, du darfst so nicht denken.

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Mir geht es hier um eine theologische Klärung und nicht um eine seelsorgerliche Betreuung gerade. Also, mein eigener Großvater, der ist auch, wenn man so will, eit- und lebenssatt gestorben. Und er hat seine Frau, meine Oma, um viele Jahre überlebt. Und irgendwann hat er dann mal gesagt, so, jetzt kann ich auch sterben, dann sehe ich auch die Oma wieder. Da habe ich auch nicht gesagt, nee, Opa, das kannst du dir abschwingen. Also, das Jenseits ist eben nicht einfach nur sozusagen unser Diesseits überhöht und es geht irgendwie so weiter, nur ohne die Lästigkeiten, die wir hier haben. Und wer so dann denkt, naja, im Himmel sehe ich dann meine Lieben wieder, den muss man dann vielleicht sagen, aber auch den Nachbarn und den bösen Kollegen.

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Ob es dann immer noch so groß die Freude ist, weiß ich nicht. Also, gut. Aber das sind, wie wir eben gehört haben, ja ohnehin falsche Vorstellungen. Wir können nicht einfach unsere Erfahrungswelt, die wir haben, hier ins Jenseits hinein projizieren. Und genau das ist aber immer passiert. Und dadurch ist der Eindruck entstanden, wir Christen und dann die Berufskristen, also wir Theologen im Speziellen, seien Experten fürs Jenseits. Ja? Jetzt kommen auch immer wieder Fragen von Studierenden auf mich zu. Herr Breuer, sagen Sie mal, wie ist das denn dann? Ja, ich sag, ich hab keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Ja?

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Ja, aber natürlich, der christliche Glaube hat sich entwickelt über die Jahrhunderte hinweg als ein Glaube, der sehr stark aufs Jenseits bezogen ist. Denken Sie mal an die Zeit Luthers, ja, die ganzen Ängste, die damit verbunden waren. Der strafende Gott im Weltgericht, die Angst vor Hölle und Fegefeuer. Das hat das Leben bestimmt, ja, das hat Leben kaputt gemacht. Und ich fürchte, diese Angst kann auch noch heute Leben kaputt machen. Dabei ist die Botschaft der Auferweckung, wie wir eben so eindrücklich gehört haben, ja eine Botschaft von der Treue Gottes. Das ist ja keine Drohbotschaft. Es ist eine Botschaft des Gottes des Lebens. Aber im Laufe der Kirchengeschichte ist daraus geworden, bei vielen wenigstens, eine Botschaft der Angst.

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Was ist, wenn ich es nicht schaffe in den Himmel? Ja, gut, wir wissen alle, Reformation und so weiter, den Himmel kann man sich sowieso nicht verdienen, das bekommt man geschenkt, aber es hängt doch am Glauben. Das glauben aber nicht alle. Das glauben aber nicht alle. Was muss ich dann machen? Muss ich vielleicht möglichst viele zum Glauben bringen, damit wenigstens die nicht in der Hölle schmoren? Also, Pfadfinder-mäßig jeden Tag einen bekehrt, ja, ein paar errettet vor der Hölle.

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Kann ich das? Das geht ja nicht. Wenn der Glauben ein Geschenk ist, also ich habe es ja nicht verpackt, das Geschenk, man kann es auch nicht aushändigen. Also ich rette niemanden, indem ich ihn zum Glauben bringe. Kann ich gar nicht. Ich kann vielleicht so leben, dass da mit Fragen angestoßen werden und mein Mitmensch, der mir begegnet, nicht vom Glauben abgeschreckt wird. Das will ich hoffen, dass ich das kann. Aber den Glauben in ihm bewirken kann ich ja nicht. Die ganzen Bilder, die wir haben über das Jenseits, sind ja sehr spekulativ. Ich möchte an dieser Stelle nur sagen, das ist ja nicht unser eigentliches Thema hier, aber es hängt eben damit zusammen und viele Menschen haben auch diese Frage.

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Haben Sie keine Angst vor der Hölle? Haben Sie keine Angst vor der Hölle? Warum nicht? Es gibt keine jenseitige Hölle. Aber redet nicht Jesus davon? Ja, im Neuen Testament wird zweifelsohne vor etwas gewarnt, was wir im Deutschen mit Hölle übersetzen. Nur, wenn das Jenseits nicht einfach eine Fortsetzung ist in Raum und Zeit, gibt es auch keinen jenseitigen Ort. Es gibt keinen Ort namens Hölle. Kann es gar nicht geben. Weil das wäre ja wieder ein Geschehen in Raum und Zeit. Fegefeuer erst recht nicht in dem landläufigen Sinne, wie man sich das vorstellt.

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Also in der katholischen Lehre, vor allen Dingen natürlich in der Zeit Luthers, die ist aber offiziell bis heute so. Fegefeuer als eine Reinigungszeit. Also eine bestimmte Zeit, durch den Ablass konnte man die verkürzen und dann geht es zum anderen Ausgang. Im Jenseits gibt es ja keine Zeit mehr. Es gibt keine Zeit und keinen Raum. Also kann es auch nicht diese Orte geben. Haben Sie also keine Angst vor dem Feuer. Trotzdem wird natürlich manches damit richtig ausgedrückt. Was heißt richtig ausgedrückt? Es wird nur dann richtig ausgedrückt, wenn man es eben als Metapher versteht und nicht sozusagen das Bild nicht als Bild erkennt, sondern als Info, eins zu eins. Wie wird es sein? Dann wird es grundverkehrt aus meiner Sicht.

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Aber die Lehre vom Fegefeuer, diese urkatholische Lehre, die aus dem Mittelalter stammt, hat meines Erachtens nach einen durchaus positiven Sinn. Ich bin ein Fan der Lehre vom Fegefeuer. Warum? Das überrascht Sie jetzt wahrscheinlich. Ja, das dachte ich mir. Ich sage, es gibt keine Hölle, aber ich bin ein Fan der Lehre vom Fegefeuer. Super. Das ist auch völlig abwegig auf irgendwelchen Gleisen. Warum? Ich will es Ihnen erläutern. Fegefeuer ist ja eine deutsche Übertragung, über deren Wertigkeit man sich streiten kann, eines lateinischen Wortes, das heißt Purgatorium. Und das ist abgeleitet von dem lateinischen Verb purgare und das heißt reinigen.

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So, und die Idee, die dahinter steckt, ist, wir alle, die wir in Gott aufgenommen werden, und wie wir gehört haben, ist das jenseits eigentlich nichts anderes als Gott. Also wir werden nicht an andere Orte geschafft, sondern wir werden in Gott aufgenommen. Wir bedürfen der Reinigung, denn wir sind alle nicht so, wie Gott uns gedacht hat. Wir sind nicht so, wie wir sein sollten. Und das wird uns in diesem Moment klar werden. Ich rede aber immer noch metaphorisch, nicht, dass Sie denken, da ist immer noch ein Gehirnapparat oder so was rein materiell gesehen, der uns irgendwas klar macht.

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Wir können nicht anders als in unserer Sprache sprechen. Das ist ja das Problem. Aber eigentlich ist unsere Sprache, die wir haben, unsere Begriffe, ist im Jenseits nicht angemessen. Das ist ein ganz großes Problem. Unsere Sprache ist aber an sich auch Gott nicht angemessen. Das ist eben das Gleiche, ehrlich gesagt. Das Jenseits ist eigentlich nichts anderes als Gott. Das heißt, wir wissen alle, die Bilder, die wir haben, sind Gott nicht angemessen, aber wir haben nichts anderes als Bilder. Um darüber zu sprechen, müssen wir uns aber immer bewusst sein, es sind Bilder. Wir werden in Gott aufgenommen, wir begegnen Gott und sehen in diesem Moment – alles metaphorische Sprache – wir sehen, wir sind nicht so, wie wir eigentlich sein sollten, aber jetzt können wir so sein. Jetzt bin ich ich. Ich bin geliebt und ich sehe es. Ich bin bis auf den Grund meiner Persönlichkeit geliebt.

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Das sagt uns auch diese schöne Geschichte von der Begegnung des Auferstandenen mit Maria von Magdalene im Johannesevangelium. Sie erkennt ihn daran, dass sie beim Namen gerufen wird. Und das ist eine Anspielung auf eine Stelle im Jesaja-Buch. Ich habe dich beim Namen gerufen. Wir werden beim Namen gerufen, das ist mehr als nur, ich heiße zufällig Thomas, ich könnte aber auch Willi oder Dennis heißen, sondern meine Identität wird damit ausgedrückt, meine Personhaftigkeit. Ich bin es und kein anderer. Und ich werde geliebt. Es bin ich austauschbar. Ich bin eben keine Nummer. Das erkenne ich hier durch und durch. Und insofern brauche ich diese Art Reinigung, das was Positives. Das ist nicht sozusagen eine zeitliche Strafe. In dem Sinne glaube ich natürlich nicht an Zweigefeuer, aber zeitliche Strafe, aber im Sinne einer solchen Reinigung.

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Und ich glaube nicht an die Hölle. Weder im wörtlichen Sinne noch in meinem übertragenen Sinne. Warum? Obwohl die Rede von der Hölle vorkommt, sie ist aber nicht zentral im Neuen Testament, muss man hier jeweils sehen, in welchem Kontext sie steht. Sie steht im Kontext von Gerichtsrede. Und das ist eine Rede, die in prophetischer Tradition steht und nicht bestimmte Informationen über das Jenseits vermitteln will, sondern den Ernst einer Entscheidung den Hörern vor Auge führen will. Wenn wir jetzt aber darüber nachdenken, Hölle im Jenseits, wie sinnhaftig das ist, auf der Basis des Gottes, den wir biblisch gesehen erfahren und gerade auch durch die Person Jesus Christus erfahren,

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dann denke ich, passt diese Vorstellung von der Hölle mit diesem Gott nicht überein. Denn dieser Gott ist, wie ich schon mehrmals betont habe, ein Gott der Liebe, was hier auf Erden vielleicht nicht von jedem so erfahren werden kann. Und deswegen gibt es durchaus Menschen, die an diesen Gott nicht glauben, aber nur, würde ich mal sagen, weil sie sich andere Vorstellungen von Gott machen. Ich glaube nicht, dass irgendein Mensch bewusst die Liebe ablehnt. Wenn mir jemand sagt, ich glaube an Gott, kann ich fragen, sagt mir, ich glaube auch an Gott, an welchem Gott glaubst du denn?

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Mit der Aussage, ich glaube an Gott, ist noch nicht viel gewonnen. Wenn jemand sagt, ich glaube nicht an Gott, kann ich genauso gut fragen, an welchem Gott glaubst du denn nicht? Gott, der die Liebe ist, ist auch ein Gott der Feindesliebe. Gott, der die Gottlosen rechtfertigt, wird die Gottlosen auch rechtfertigen, also auch die Ungläubigen. Denn sonst hing es ja doch wieder irgendwie von uns ab. Und Paulus schreibt im Korintherbrief im 15. Kapitel, dass am Ende Gott über allem und in allem sein wird. Ja, das ist die Vision. Es gibt ja im Jenseits nicht einen Ort außerhalb Gottes. Wenn das Jenseits Gott ist, dann kann man nicht sagen, die einen sind da und die anderen sind woanders.

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Ja, wo sollen sie denn sein? Es gibt nicht Orte. Das Jenseits ist Gott. Deswegen ist das Leben nach dem Tod kein Weiterleben nach dem Tod. Es ist auch nicht einfach die Unsterblichkeit der Seele. Es ist keine quantitative Verlängerung unseres Lebens, sondern eine qualitative Erfüllung unseres Lebens. Ausdruck stammt leider nicht von mir. Finde ich trotzdem gut. Ist von Wilfried Herle. Jetzt zur Bedeutung des Glaubens an die Auferstehung Christi für unseren Glauben an Gott und seinen Christus und für unser Leben als Christ.

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Jesus hat sich nicht unsterblich gemacht, im Gegensatz zu Arthur Abraham, der längst vergessen ist. Jesus war sterblich. Er ist gestorben. Wir haben darüber gesprochen, dass sein Sterben zentral ist. Der Glaube an die Auferstehung, an die Auferweckung verdrängt nicht das Sterben. Es ist eine tiefen Dimension dieses Sterbens. Jesus stirbt und das ist ernst zu nehmen. Er stirbt wirklich. Aber wir sagen im Glauben, er stirbt in Gott hinein. Deswegen ist es eben auch hier nicht zeitlich zu verstehen. Ich habe das schon versucht auszuführen mit den drei Tagen. Und ich finde wenigstens ein Zeichen dafür, dass es nicht zeitlich zu verstehen ist mit den drei Tagen, ist auch dieses Wort Jesu am Kreuz im Lukasevangelium,

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in dem er zu dem einen Mitgekreuzigten sagt, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein. Ich sage nicht jetzt, warte mal drei Tage, da wird alles gut. Dann hole ich dich ab. Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein. Also es ist ein Sterben in Gott hinein. Wenn die Auferweckung was ist, was jenseits von Raumzeitlichkeit ist, dann können wir nicht sagen, das findet irgendwann nach einer bestimmten Zeitspanne statt. Es findet im Tod statt oder gar nicht statt. Der Glaube an die Auferweckung bedeutet Jesu Leben, Jesu Tod anders zu sehen, in einem neuen Licht zu sehen.

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Jesu Tod nicht als Scheitern, als letztendliches Scheitern anzusehen, dem Tod das Deuterecht über das Leben Jesu zu nehmen. Das letzte Deuterecht über das Leben Jesu hat nicht der Tod, hat nicht das römische Imperium, das ihn ans Kreuz bringt, sondern hat Gott selbst, der ja sagt zu Jesus und ihn aus dem Tod errettet. Damit wird aber auch gesagt, die Botschaft, die Jesus hatte, ist nicht vom Tisch. Es gibt so eine Strömung gerade in der evangelischen Theologie, die ist heute nicht mehr ganz so stark wie früher, aber die hat es gegeben, die hat gesagt, wir können eigentlich die Verkündigung des irdischen Jesus mehr oder weniger außen vor lassen.

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Das ist alles so vorgeplänkelt. Für uns entscheidend ist nur Kreuz und Auferstehung Jesu Christi. Das ist bei uns im Zentrum des Glaubens der irdische Jesus, der historische Jesus mit seiner Verkündigung. Der kann uns eigentlich mehr oder weniger egal sein, wir können ja eh nicht alles richtig rekonstruieren. Wir konzentrieren uns auf Kreuz und Auferstehung. Ich denke, dass das nicht die richtige Botschaft ist, denn Auferweckung bedeutet wohl Bestätigung des Gekreuzigten. Der Gekreuzigte aber ist ja niemand anders als der, der hier gelebt hat. Das bedeutet deswegen auch Bestätigung seines Lebens, das bedeutet Bestätigung seiner Verkündigung. Und das möchte uns meines Erachtens auch unter anderem Markus sagen in seinem Evangelium.

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Deswegen heißt es, nachdem der Engel den Frauen die Botschaft verkündigt hat, er ist nicht hier, er ist auferweckt worden, sagt er zu den Frauen, sie sollen den Jüngern sagen, sie sollen nach Galilea gehen. Also sie sollen dorthin gehen, wo ja die Jesusgeschichte begonnen hat. Sie sollen dahin gehen, wo er gewirkt hat, wo ihr Alltag ist, wo sie ihn erfahren haben, wo sie ihn gehört haben. Es ist nicht bedeutungslos, das Leben Jesu ist nicht bedeutungslos. Gerade das Gegenteil ist richtig. Die Auferweckung ist der Glaube daran, dass Jesu Leben bedeutsamer nicht sein könnte. Durch die Auferweckung, durch den Glauben an die Auferweckung, sagen wir jetzt natürlich oder können wir sagen,

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dieser Jesus hatte eine ganz überragende Bedeutung für unseren Glauben. Und das haben die frühen Christen ausgedrückt in allen möglichen Sätzen, in allen möglichen Titeln. Man spricht in der Theologie hier von sogenannten Hoheitstiteln. Also Messias ist ein Hoheitstitel, Sohn Gottes ist ein Hoheitstitel, Menschensohn ist beispielsweise ein Hoheitstitel. Also solche Hoheitstitel, da kann man eine eigene Christologie dran hängen. Der Herr beispielsweise auch ein Hoheitstitel. Ich denke, dass diese Hoheitstitel-Christologie durchaus ihr gutes Recht hat. Damit kann was Richtiges ausgedrückt werden. Wir dürfen nur nicht zu sehr an den Titeln an sich hängen, sondern müssen fragen, welcher Glaube, welche Erfahrung sollen in diesen Titeln, in diesen Begriffen verdichtet werden.

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Denn das Plappern irgendwelcher Titel sagt ja noch gar nichts aus. Also ich kann nur dann mich zu Jesus als dem Messias, als dem Sohn Gottes, als dem Herrn bekennen, wenn es auch Auswirkungen hat auf mein Leben. Es geht nicht darum, irgendwas nur zu bekennen mit den Lippen. Es sind existenzielle Bekenntnisse, es sind existenzielle Erfahrungen. Niemand kann an die Auferstehung Jesu Christi glauben und praktisch derselbe bleiben, als ob er nicht daran glauben würde. Ein solcher Glaube verändert. Es hängt nicht an irgendwelchen Titeln. Und wir sollen auch nicht irgendwie nur da hingucken und sagen, jetzt sind wir eben auf den Himmel bezogen, weil Christus ist im Himmel. Ich finde, es ist zwar hier erzählerisch eingebettet, aber ich finde diesen Satz, man darf manchmal auch,

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um zu rhetorischen Zwecken mal, ein bisschen aus dem Kontext lösen. In der Apostelgeschichte heißt es auf die Jünger bezogen, ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Ja, wir sollen auch nicht zum Himmel empor schauen und nur auf den Himmel konzentriert sein, sondern unser Glaube an die Auferweckung Jesu soll uns zurückführen auf die Erde. Geht wieder nach Galiläa, geht in euer Leben. Ich sage es nochmal, Christen sind keine Experten fürs Jenseits, sondern der Glaube an die Auferweckung verändert unsere Existenz im Diesseits.

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Wenn das nicht passiert, glauben wir auch nicht. Ich möchte hier mal Dietrich Bonhoeffer zitieren. Unser Motto hier von Wothaus, ich muss alles neu überdenken, war auch eine Erfahrung, die Dietrich Bonhoeffer gemacht hat. Sicherlich eine an sich schon bedeutende, sehr beeindruckende Biografie dieser Mann hat. Ich denke, dass den Zuhörern Dietrich Bonhoeffer grundsätzlich bekannt sein wird, möchte ich das nicht weiter ausführen. Dietrich Bonhoeffer war ja Theologe, Christ, Zeitgenosse, wie ein schönes Buchtitel heißt. Und als Theologe hat er natürlich auch schon sehr viele interessante Dinge zu Papier gebracht. Aber in der Zeit des Dritten Reiches macht er existenzielle Erfahrungen,

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nämlich dass er nicht Christ sein kann und einfach so alles laufen lassen kann. Er sagt, ich kann mich nicht in meine Studierstube zurückziehen und gucken, wie die Welt draußen vor die Hunde geht. Das geht nicht. Ich kann nicht in meinem Studierzimmer, an meinem Schreibtisch schreiben, wie lebendig der Herr ist und welche gute Botschaft da ist. Und draußen, da ist das Elend. Und ich mache einfach die Gardinen zu, habe ja Licht, Künstliches und kann meine schönen Bücher schreiben. Das geht nicht. Also hat er Konsequenzen daraus gezogen. Und er hat sich engagiert im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, im Widerstand gegen Hitler. Und das hat ihn ins Gefängnis gebracht. Letztendlich ja aufs Schaffort, er ist kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs noch hingerichtet worden.

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In seiner Zeit im Gefängnis in Berlin-Tegel hat er viele Notizen gemacht, Briefe geschrieben. Sie sind später von seinem Freund Eberhard Bethke veröffentlicht worden unter dem Titel Widerstand und Ergebung. Und in diesen Aufzeichnungen merkt man deutlich, in dieser Zeit der Gefangenschaft im Gefängnis Berlin-Tegel, im Nazi-Gefängnis, durchdenkt Dietrich Bonhoeffer die ganze Theologie und den ganzen Glauben nochmal neu. Natürlich kommt er nicht dazu, im Gefängnis jetzt ein systematisches Lehrbuch zu schreiben. Der schreibt keine Dogmatik mit Paragraph 1, 2 und so weiter. Aber er kommt zu grundlegenden Erkenntnissen. Unter anderem zu dieser.

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Ich möchte von Gott nicht an den Grenzen, sondern in der Mitte. Nicht in den Schwächen, sondern in der Kraft. Nicht also bei Tod und Schuld, sondern im Leben und im Guten des Menschen sprechen. An den Grenzen scheint es mir besser zu schweigen und das Unlösbare ungelöst zu lassen. Der Auferstehungsglaube ist nicht die Lösung des Todesproblems. Gott ist mitten in unserem Leben jenseitig. Und an anderer Stelle. Die christliche Auferstehungshoffnung unterscheidet sich von der mythologischen darin, dass sie den Menschen in ganz neuer Weise an sein Leben auf der Erde verweist.

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Ein Auferstehungsglaube, der uns nicht auf die Erde verweist, nicht auf unser Leben im Hier und Jetzt, ist letztlich ein Lehrerglaube. Der Auferstehungsglaube ist kein Glaube an diesen Gott Jahwe. Er ist kein Glaube an den Vater Jesu Christi. Wenn er sich abfindet mit Ungerechtigkeit in dieser Welt, dann ist es reine Jenseitspekulation. Der Glaube an die Auferweckung heißt auch, Glauben daran, dass Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort hat. Glaube daran, dass es eine Gerechtigkeit gibt, die letztendlich hergestellt wird, dass die Täter nicht auf Dauer ihre Opfer triumphieren.

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Und derjenige, der sich nicht in diesem Leben berufen fühlt, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen, einen Widerstand gegen die Kräfte des Todes zu entwickeln, glaubt auch nicht an diesen Widerstand Gottes gegen die Kräfte des Todes, glaubt letztendlich nicht an die Auferstehung. Man kann das eine nicht ohne das andere haben. Es ist aber nicht so, dass ich einen neuen moralischen Impetus aufbauen möchte, einen neuen moralischen Druck, sondern das ist eine Konsequenz. Wir haben es vom Tatfolgedenken gehabt, das hängt unmittelbar zusammen.

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Also es ist nicht so, du glaubst an die Auferstehung, jetzt musst du auch noch daran glauben, dass du gegen Ungerechtigkeit sein musst, sondern das hängt unmittelbar zusammen. Das eine folgt aus dem anderen oder es ist eben gar nicht. Das Schöne ist, dass wir auch mitten im Leben Auferstehungserfahrungen machen können und das zeigen uns auch die Evangelienschriften. Wenn Markus sagt, es geht wieder nach Galiläa, dann lässt er es praktisch nicht nur den Jüngern ausrichten, sondern auch uns als Lesern. Wir sollen jetzt das Markus-Evangelium nochmal neu lesen mit der Botschaft der Auferweckung.

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Und wir werden sehen, dass viele Geschichten, die hier im Markus-Evangelium stehen, Auferweckungsgeschichten sind. Und zwar besonders die sogenannten Wundergeschichten. Wundergeschichten sind auch Auferweckungsgeschichten. Das Wort im Griechischen, das benutzt wird für Auferstehung, ist das gleiche, das benutzt wird in den Wundergeschichten für die Aufforderung an Gelähmte wieder aufzustehen. Das ist genau das gleiche Wort. Nehmen wir also nochmal die Geschichte, auf die wir hier schon verschiedentlich zu sprechen gekommen sind. Auch ich musste gerade wieder aufstehen. Aus dem Markus-Evangelium, zweites Kapitel, die Heilung eines Gelähmten.

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Jesus ist also in Caffana um und er ist in einem Haus. Er ist offenbar in einem Haus, in dem er öfter war. Er steht praktisch, er war wieder zu Haus. Er ist ja viel unterwegs. Aber irgendwie hat er so eine Anlaufstelle in Caffana um gehabt, wo er öfter gewesen ist. Er ist also wieder da, das spricht sich schnell rum und wie ein Lauffeuer und die Leute kommen und sie belagern das Haus. So ist ja die Situation. Und man kommt praktisch hier nicht mehr rein. Naja, und da ist eben ein Gelähmter. Und wie das mit Gelähmten so ist, die können schlecht selbst laufen. Folglich muss der Gelähmte getragen werden. Glücklicherweise hat er Freunde.

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Die Freunde tragen ihn also. Und wie ernst es ihnen ist und wie groß der Glaube ist, wird damit zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht einfach sagen, Platz da, seht ihr nicht, hier kommt ein Gelähmter. Sondern dass sie diesen Weg nehmen über das Dach, dass sie praktisch keine Mühe scheuen, das Dach aufgraben und den Gelähmten jetzt hier herunterlassen. So, jetzt müssen wir uns mal vorstellen. Der ist auf seiner Tragbarem. Dann lassen sie den Gelähmten durch diese Öffnung des Daches hinab. Hier steht also Jesus, der redet gerade was. Was wird hier nicht gesagt? Aber er wird irgendwie seine Botschaft vom Reich Gottes verkünden. Vielleicht wird er gerade ein Gleichnis erzählen. Wir wissen es nicht. Es wird ja nicht ausgeführt. Auf jeden Fall wird auf einmal hier der Gelähmte herabgelassen. Jetzt sagt Jesus auch nicht, jetzt mal stößt mich gerade meine Rede.

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Oder wie auch immer, sondern er wendet sich sofort ihm zu. Der Gelähmte, der hat sofort seine Aufmerksamkeit. Und er sagt zu dem Gelähmten, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und wenn wir jetzt mal den späteren Einschub, die Sache mit den sogenannten Schriftgelehrten weglassen, dann geht die Geschichte weiter. Folgendermaßen, also mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Ich sage dir, steh auf, auf Erstehe könnte man auch sagen, auf Erstehe, nimm deine Tragbare und geh. Ja, der Glaube kann uns Beine machen.

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Der Glaube kann uns Beine machen. Die Zusage, dass unsere Sünden vergeben sind, kann uns Beine machen. Kann eine Erfahrung von Auferstehung sein. Und jetzt kommt natürlich alles darauf an, dass wir Sünde jetzt nicht hier so im Sinne einer Normenübertretung verstehen. Nach dem Motto, wir listen mal auf, ja, Sündenkatalog, ja, der eine hat ein bisschen mehr, der andere weniger. Ja, und so sozusagen, wie so Tarife. Also es gab es im Mittelalter so Tarifbuße. Also je nachdem, wie viel Sünden man, welcher Schwere man auf sich geladen hatte. Ja, da hat der Beichtvater sozusagen ja so ein Zettel gehabt und hat gesagt, das macht jetzt drei Vater, unser sieben, Ave Maria und so weiter. Also so eine Verrechnung. Nein, also an solche Sündenaufstellungen, darum geht es hier nicht.

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Kind, deine Sünden sind dir vergeben. Das ist keine irgendwie Beichtstuhlszene. Was ist Sünde? Sünde ist eine Entfremdung. Eine Entfremdung des Menschen von Gott. Gleichzeitig Entfremdung des Menschen vom Mitmenschen. Und dritte Dimension, eine Entfremdung des Menschen von sich selbst. Denn man kann nicht vom Mitmenschen und von Gott entfremdet sein und mit sich selbst im Reinen. Das geht nicht. Also drei Dimensionen hat Sünde immer. Das deutsche Wort Sünde kommt von Absondern. Wer entfremdet ist, der ist abgesondert.

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Und ich finde Augustinus hat das mal sehr schön gefasst. Ich bin sonst kein großer Augustinus-Fan. Ich finde, er hat auch viel Unsinniges geschrieben. Aber das hat er wirklich, finde ich, sehr schön auf den Punkt gebracht. Er beschreibt nämlich die Sünde, ich sage es mal gleich auf Deutsch, als ein in sich verkrümmtes Herz. Ein in sich verkrümmtes Herz. Das ist ein sehr schönes Bild. Da ist jemand, der mit seinem ganzen Fühlen und Denken nicht über sich selbst hinaus gelangt. Ein verkrümmter Mensch. Ein Mensch, der nicht aufrecht gehen kann. Ein Mensch, der gelähmt ist vor lauter Angst. Und das ist ja auch das Bild, was wir hier in dieser Wundergeschichte haben. Wir wissen nicht, welche konkreten Erfahrungen dieser Gelähmte konkret gemacht hat.

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Das wird uns nicht überliefert. Aber es gibt ja Verschiedenes, was uns lähmen kann und wie lähmend Angst sein kann. Das hat, glaube ich, jeder von uns schon erfahren. Aber auch Schuldgefühle können unglaublich lähmend sein. Das, so ist die Botschaft, wird hier uns in der Begegnung mit Jesus Christus weggenommen. Und das lässt uns auferstehen. Auferstehen auch schon mitten im Leben. Wundergeschichten sind also Hoffnungsgeschichten. Sie nehmen praktisch die Erfahrung von Auferweckung schon vorweg in unser Leben hinein. Sie verändern uns, diese Erfahrungen. Und so können wir nicht die Gleichen bleiben.

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Karl Barth hat es einmal so ausgedrückt. Wer wirklich an die Osterbotschaft glaubt, sagt er, kann nicht mehr mit tragischem Gesicht umherlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat. Ja, Auferstehung ist Glaube verändert. Es geht um Wirklichkeitsveränderungen. Wir lassen uns erfüllen von Gottes Geist. Wir glauben daran, dass Gottes Geist nicht an der Macht des Faktischen scheitert. Auch nicht an dem, was uns als Sachzwänge eingeredet wird. Wir sind nicht mehr Advokaten des Status quo. Wir sind nicht mehr Anwälte, so war es, so ist es und so wird es bleiben. Nein, der Möglichkeitssinn kann in uns wachsen. Die Welt kann auch anders sein und mein Leben kann auch anders sein.

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Der Schweizer Pfarrer und Dichter Kurt Marti hat mal, vielleicht kennen manche das von Ihnen, das so ausgedrückt. Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge? Genau darum geht es. Nicht den falschen Propheten des Status quo trauen, nicht denen, die sagen, es muss einfach alles so sein, nicht diejenigen, die sagen, das hier ist jetzt alternativlos. Nein, es gibt eine Alternative. Es ist die Alternative Gottes, es ist die Alternative der Liebe, es ist die Alternative der Gerechtigkeit. Wir können sie leben. Und Jesus ist diesen Weg gegangen und insofern wird er auch zu Recht der Anführer des Glaubens, der Anführer des Lebens genannt.

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Und in der Nachfolge Jesu Christi können wir, wie es auch in den Evangelien steht, auch selbst Wunder tun, nicht im Sinne von Zaubern. Ja, aber wir können auch die Dämonen der Angst, des Hasses und der Ungerechtigkeit in diesem Glauben, in diesem Geist vertreiben und so ein Fest der Auferstehung feiern, um es mit Marie-Louise Kaschnitz zu sagen, mitten am Tag. Und wenn Sie jetzt doch fragen, und wie wird es sein, wenn wir im Tode, nicht nach dem Tode, im Tode auferstehen, dann sage ich Ihnen, lassen wir uns doch überraschen. Aber eine Gewissheit habe ich und die möchte ich mit den schönen und gleichfalls berühmten Worten des Apostels Paulus ausdrücken aus dem Römerbrief. Ich bin mir gewiss, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten,

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weder Hohes noch Tiefes, noch irgendein anderes Geschöpf vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist und samm her.

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Was geschieht nach dem Tod? – die christliche Erwartung einer Auferweckung der Toten | 2.5.2

Worthaus 2 – Weimar: 10. Juni 2012 von Dr. Thomas Breuer

Was nach dem Tod passiert, ist schon immer ein intensiv bespieltes Feld menschlicher Spekulation gewesen und wird es wohl auch immer bleiben. Diese Frage nach dem “Danach” ist natürlich auch der christlichen Welt alles andere als fremd. So scheint die Hoffnung darauf, dass “nach dem Horizont alles weiter geht” elementarer Teil der biblischen DNA zu sein. Doch das Jenseits ist da nicht ein Ort, sondern mit Himmel und Hölle sind es mindestens zwei Orte. Je nach Traditionsentwicklung gibt es mit dem Totenreich und dem Purgatorium noch weitere, wenn auch nur vorübergehende, Optionen.

In seiner Vorlesung hinterfragt Thomas Breuer aus seiner historisch-kritischen Sicht die verschiedenen Jenseits-Spekulation, indem er klar stellt, dass es nicht einfach weiter geht, sondern dass das Jenseits weder durch Raum noch durch Zeit limitiert ist. Es ist ein Vortrag, der durch seine überraschenden Wendungen zur Kontroverse anregt. So outet sich Thomas Breuer beispielsweise als Fan des Purgatoriums und zeigt auf, dass die Antwort auf die Frage nach dem Jenseits letztlich nicht eine tröstliche Spielerei ist, sondern eine Wirklichkeitsveränderung im Diesseits bewirken kann – wenn nicht sogar muss! Vor dem Hintergrund der Auferweckung entstehen neue Relationen. Alles muss neu bewertet werden. Es scheitert nichts an der Macht des Faktischen.