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Das Thema heute Mittag lautet Der Mann als des Weibes Haupt Gottes Bild eines Ehebundes im 21. Jahrhundert. Dann steht auch ein Fragezeichen. Wenn man so Formulierungen hört, merkt man ja was. Man merkt, dass zwischen der Bibel und heute ein großer Abstand besteht. Und das merkt man bei vielen Aussagen, die so Themen schneiden, was wir gestern hatten. Die Frau Schweige in der Gemeinde, sie sei still, sie sei ruhig, sie soll zu Hause bleiben, sie kann ja ihren Mann fragen. Aber man könnte auch viel weiteres nehmen. Wenn du Kinder hast, schone die Rute nicht. Du musst sie züchtigen. Du musst sie schlagen. Nicht übertreiben, bitter werden sollen sie nicht. Aber an eine Abschaffung von Körperstrafen denkt kein biblischer Autor.

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Oder der Obrigkeit Untertan sein, den König Untertan nicht aufmucken, dulden, beten für die Obrigkeit, ruhiges, stilles Leben. Oder die Sklaven, gehorsam sein, auch den schwierigen Herren, wie Christus sich ihnen unterwerfen. Das ist ein großer Abstand zwischen der Bibel und unserer heutigen Zeit. Wie geht man mit diesem Abstand um? Da scheint mir eine Alternative sich aufzutun. Da gibt es die einen, die sagen, da gibt es einen großen Abstand. Und darum sind wir ja auch so Fremdlinge in dieser Welt, weil wir uns an die Bibel halten. Wir bleiben beim Wort. Und darum müssen wir weltfremd sein. Wir werden verachtet, wir werden verspottet. Wir werden in der Schule im Grunde unmöglich gemacht, lächerlich gemacht. Und das müssen wir tapfer tragen, weil wir bei der Bibel bleiben.

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Wenn da ein Abstand zwischen Bibel und heutiger Welt ist, dann ist das umso schlimmer für die heutige Welt. Aber wir wissen, auf welche Seite wir gehören. Dann gibt es die andere Alternative, die sagt, da ist ein riesiger Abstand zwischen der Bibel und dem heutigen Leben. Darum lese ich die Bibel auch gar nicht mehr. Was soll ich mit so einem Buch anfangen, wo es Körperstrafen in der Erziehung wie selbstverständlich gibt, wo Todesstrafe unhinterfragt wird, wo fremde Völker, Völkergruppen ausgerottet werden, bis hin zu Frauen und Kinder, wo sich Männer mehrere Frauen nehmen können. Was soll ich mit so einem Buch anfangen? Wenn ich die Menschenrechte gut kenne und dann die Bibel lese, muss ich nicht so viele 100 Seiten schaffen, um zu merken, passt nicht. Und das scheint für viele eine Alternative zu sein. Entweder ich bleibe bei der Bibel, dann ist die heutige Welt auf einem totalen Irrweg. Oder ich stehe so auf einem modernen Standpunkt,

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Menschenrechte, Demokratie, die Würde eines jeden Einzelnen, dann ist die Bibel ein antikes Buch, was mir heute in unseren Fragen nicht mehr hilft. Für viele scheint das die Alternative zu sein. Und das halte ich für eine Katastrophe. Für fatal, für total unglücklich, dass viele nur in dieser Alternative denken können, entweder bei der Bibel, dann gute Nacht, du schnöde Welt, oder moderner Mensch, dann brauche ich die Bibel nicht mehr. Und da braucht es schlicht einen 3. Weg, gern auch einen 4., 5., 6., was wir so finden. Aber diese Alternative ist katastrophal. Die meisten Theologie-Professoren dieser Welt arbeiten sich an dieser unglückseligen Alternative ab. Und die allermeisten haben eine klare Auffassung,

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was das größere Problem ist, die größte Herausforderung. Natürlich die Menschen, die sagen, die Bibel brauche ich gar nicht mehr, weil sie überhaupt nicht mehr zu unserer heutigen Welt passt. Und das ist die Aufgabe, die die allermeisten Theologen für sich sehen. Wie kann ich Brücken bauen, dass die Bibel verständlich wird? Wie kann ich Menschen, die heute leben, heute denken, heutiges Bildungsniveau durch ihre schulische Laufbahn haben, wie kann ich denen die Bibel erschließen? Dass sie die Bibel erfahren können als ein Buch voller Leben, voller Kraft, voller Trost, voller Ermutigung, voller Befreiung, voller Zurüstung in schwierigen Lagen, voller Verheißung, voller Glück. Wie können heutige Menschen die Bibel wieder lieben lernen und in ihr etwas finden, was sie stärkt, was sie nährt,

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sie tröstet und ihnen Kraft gibt? Damit beschäftigen sich die meisten Bibelforscher, die Bibel so auszulegen, dass sie Brücken bauen für Menschen heute. Jetzt gibt es die andere Alternative, und das Problem ist, Menschen, die die anderen Alternativen gewählt haben, die stehen nicht auf Brücken. Die sagen, Brücken führen immer ins Abseits. Brücken führen ja weg von der Bibel. Darum brauchen wir keine Brücken, darum brauchen wir Mauern. Wir müssen die Bibel davor schützen, dass sie angepasst wird an heutiges Denken. Wir müssen das, was die Bibel sagt, ganz klar und ganz reinhalten. Darum brauchen wir dicke Mauern, darum brauchen wir ein Wächteramt in der Gemeinde, was jede Anpassung an heutiges Denken von vornherein entlarvt. Brückenbauer sind Spalter. Keine Brücken, wir brauchen Mauern. Vielleicht kann man so sagen, zu Worthaus gehört diese Doppelaufgabe,

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Brücken bauen, aber auch Mauern einreißen. Denn das ist schon ein bisschen schlecht, wenn man Brücken baut und die Bibel heutigen Menschen erschließen will und dann der eine oder andere merkt, hey, die Bibel ist ja doch richtig interessant. Und er dann in eine Gemeinde kommt, wo Leute sich einig sind, Brücken sind doof. Brücken führen ja ins Abseits, sie führen so zu einem Leben und denken, wie du es hast, vergiss das mal alles. Wenn du bei uns mitmachen willst, musst du alles vergessen an moderner Bildung, dann musst du hinter unsere dicken festen Mauern kommen und dieser Welt absterben. Und da wir bei Worthaus finden, das ist keine Alternative, ist immer die Doppelaufgabe, Brücken bauen und auch die eine oder andere Mauer einreißen. Wir machen das durch historische Bibelauslegung.

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Was ist historische Bibelauslegung? Wir nehmen die Texte wahr in ihrer zeitlichen Umgebung, in ihrem historischen Kontext. Und das nicht, um diesen Texten irgendetwas drauf zu drücken, was ihnen nicht entspricht, sondern erst mal, um diese Texte zu verstehen. Und das kann man etwa damit vergleichen, dass man eine Art 3D-Brille aufsetzt. Ihr kennt so Teile, so 3D-Brille, dass man etwas sieht mit seinem Hintergrund, mit seiner Umgebung, mit seinem historischen Kontext. Die historischen Methoden und Fragestellungen der Bibelwissenschaft versuchen, diese Texte in ihrer Entstehungssituation zu lesen und zu begreifen. Jetzt gibt es manche, die sagen, ha, aber wenn du so eine Brille trägst, sieht man doch im Grunde schon, dann liest du doch nicht mehr das Wort,

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dann trägst du doch da irgendwas Komisches, irgendwas Modernes, Fremdartiges ran. Nein, es ist umgekehrt. Man guckt ja auch nicht im Kino auf einmal Filme mit 3D-Brillen, um da irgendwelche Geheimnisse drin zu sehen, sondern man guckt Filme in 3D mit 3D-Brillen. Weil man auf einmal merkt, bestimmte Filme sehen komisch aus, wenn man sie einfach so anguckt. Und wenn man bestimmte Filme mit einer Brille anschaut, sieht man, oho, aha, darum waren gerade die Farben so komisch, jetzt sehe ich wirklich das, was mir da gezeigt werden soll. Und so wie 3D-Brillen nötig sind für 3D-Filme, so sind historische Fragen und Methoden notwendig zum Verständnis historischer Texte. Was passiert, wenn man historische Texte unhistorisch liest?

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Ein Beispiel mal dafür. Ihr kennt vielleicht die Geschichte beim Apostel Paulus, wo er da mit dem Schleier Dinge erklärt. Das wird einen ganzen Vormittag füllen, dieses Kapitel auszulegen. Aber ihr habt vielleicht ne dunkle Erinnerung, dass Paulus so in Korinth merkt, da gibts Frauen, die mit unbedecktem Haupt prophetisch reden und beten. Und da sagt Paulus, das geht so nicht. Eine solche Frau schändet sich selbst, das ist unmöglich, das darf sie nicht, sie braucht eine Macht auf ihrem Haupt, sie muss mit bedecktem Haupt beten. Und da gibts Christinnen, die das für sich so übernommen haben, wenn sie in die Gemeinde gehen, wenn sie beten, dann haben sie so ein Schleierchen und da setzen sie sich auf. Und dann, wenn sie die Gemeinde verlassen, nehmen sie das Schleierchen wieder runter. Kennt ihr so Leute noch, gibts das noch?

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Oder ist das inzwischen verschwunden? Gibts, glaub ich, noch, das existiert. Das ist irgendwie zu traurig eigentlich, um da was Kritisches oder gar Lustiges zuzusagen. Weil das das Ergebnis ist, wenn man historische Texte unhistorisch liest. Was passiert denn, wenn man sich das anschaut, diesen Text mit 3-D-Brille? Also mit seinem historischen Hintergrund. Dann sieht man auf einmal, dass Paulus nicht will, dass Frauen in die Gemeinde kommen und dann zum Beten und zum Gottesdienst sich ein Schleier umstülpen, den sie nach dem Gottesdienst wieder wegtun. Das steht da gar nicht. Auf einmal sieht man, Paulus will, dass diese Frauen nicht zum Beten und Predigen den Schleier abtun. Darum gehts. Du sollst den Schleier nicht abtun. Das war das Problem, dass Frauen ganz normal mit Schleier gekommen sind und dann glaubten, im Gottesdienst könnten sie, wie die Männer,

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barhäuptig beten. Denn in der Antike war es völlig normal, dass die Frau ein Schleier trug. Immer guckt euch Statuen an von antiken Frauen. Ihr seht da irgendwas auf dem Kopf drauf. Sie hat diesen Schleier als Zeichen, dass sie eine verheiratete Frau ist. Die Frauen, die mit offenem Haar herumliefen, waren erkennbar als käuflich oder verfügbar. Es war eine klare Zeichensprache. Sie hat keinen Schleier auf dem Kopf, nichts, keine Macht. Sie steht nicht unter irgendeinem Mann. Sie ist verfügbar. Darum legt Paulus Wert darauf, in der Gemeinde nicht den Schleier abtun aufzulassen. Was würde Paulus sagen, wenn man ihn einfach hier so herbeamen würde und sagen, guck dir mal die Frau da an.

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Die kommt mit ihren offenen Haaren oder wie auch immer. In der Gemeinde tut sie auf einmal einen Schleier auf, wenn die Geschwister da sind. Danach tut sie ihn wieder ab. Apostel Paulus konnte ein cholerischer Mann werden. Ich glaube, der wird böse werden. Er wird sagen, was für eine Heuchlerin. Unmöglich. Wenn sie nicht gesehen wird von ihren Glaubensgeschwistern, läuft sie rum schamlos, barhäuptig. Und dann, wenn sie zu den lieben Geschwistern kommt, dann tut sie, als wäre alles in Ordnung. Man trägt das Häubchen und nimmt es wieder ab. Ich habe eine Heuchelei, die kaufe ich mir. Wir müssten dazwischen springen und sagen, lieber Bruder Paulus, beruhige dich, es ist ganz anders. Es ist eine ganz, ganz liebe Schwester. Sie hängt an deinen Lippen. Sie versucht einfach nur, total treu zu sein bei dem, was du schreibst. Sie ist halt in einer Gemeinde, wo 3-D-Bilden verboten sind. Das ist ihr einziges Problem. Es ist eine wunderbare Schwester.

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Aber man hat ihr irgendwie beigebogen, Blick niemals durch 3-D-Bilden, also Blick niemals historisch auf einen historischen Text. Und darum hat sie es einfach missverstanden. Ist aber keine Heuchlerin, keine schlimme. Ist einfach ein armes, irregeführtes Schwesterchen im Herrn Jesus. 3-D-Brillen, historischer Blick, haben nicht die Absicht, die Texte irgendwie zu verfälschen oder zu verdrehen, sondern wirklich zu lesen, was da gemeint ist. Das ist das Erste, was Bibelforscher machen. Oft auch das, womit man sich am meisten abarbeitet. Die zweite Frage ist natürlich, was bedeutet das für heute? Und das ist nicht so eine leichte Frage. Was bedeutet das denn für heute? Schleier, ja oder nein? Auch sehr, sehr viele konservative, auch extrem konservative Bibelforscher sagen heute inzwischen, dass mit dem Schleier passt heute echt nicht mehr so gut.

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Weil ohne Schleier wird man halt doch nicht in der Öffentlichkeit für käuflich oder schamlos gehalten. Im Gegenteil, ihr wisst alle, wofür man gehalten wird, wenn man als Frau heute mit Schleier rumläuft. Und ob da ganz bibeltreue Schwestern für gehalten worden werden wollen, ist die Frage. Eher nicht. So was auch ganz bibeltreue Brüder inzwischen ihren Glaubensschwestern sagen, dass mit dem Schleier ist mehr oder weniger damals so die antike Kultur. Es meint ja im Grunde was anderes. Es meint ja eigentlich, sei öffentlich erkennbar, als Frau, die zu einem Mann gehört, als Frau, die nicht schamlos ist. Vielleicht heißt es heute, wenn du verheiratet bist, dann tu den Ehering nicht ab, dann trage ihn.

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Wenn du dann auf einer Kegelfreizeit ohne deinen Mann bist und den Ring abtust, dann ist das vielleicht so was, wo der Apostel Paulus sagt würde, ja wie? Mit Gründen. Oder wenn du dich in einer Weise kleidest, dann wird es schon ganz schwierig, dann fangen Sie auch an zu eiern, was Sie irgendwie ahnen. Ein schwieriges Thema ist das noch so. Also einfache Beispiele. Aber dass man einen Schleier tragen muss. Diese Lehre wird seltener, weil auch ein gewisses historisches Wissen natürlich allmählich durchsickert. Nur eine Sache muss man dazu sagen. Warum ist das denn heute so, dass man den Schleier nicht mehr trägt? Das ist etwas, wo ganz konservative Christen nicht viel zu beigetragen haben. So, als das durch ist, die Frage, als man keinen Schleier mehr trägt, da finden auch konservativste Christen Bibelauslegungen, die sagen, na ja, ist gut, ist okay.

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Doch vor 50 Jahren war das mit den Hosen. Ganz klare Aussage in der Bibel, Frauen sollen keine Männerkleidung tragen. Aber vor 50 Jahren gab es da Bibelschulen, die gesagt haben, Rock für die Frauen. Rock. Keine Hose. Hose tragen wir nicht. Denn Hose ist Männerkleidung. Da gibt es ein ganz klares biblisches Wort zu. Inzwischen gibt es, glaube ich, keine Bibelschule mehr, in Deutschland zumindest, wo man Hosen nicht tragen muss. Konservativste Bibelausleger sagen heute, die Hose ist ja heute keine Männerkleidung mehr. Sie wird ja von Männern und Frauen getragen. Also dürfen Frauen das auch. Super, vielen Dank. Aber wie viel haben die dazu beigetragen? Wie viel haben die dazu beigetragen, Freiheit, Spielräume zu erweitern und Menschen schlicht die Freiheit zu geben, sich so anzuziehen, wie es für sie passt und wie sie sich wohlfühlen?

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Das mit dem Schleier ist ein Beispiel, dass wir in der Bibel alles eingebettet finden in antike Kultur, in antike Vorstellungen und das weiß ja im Grunde jeder. Ich nenne euch mal ein paar Beispiele, wo die Bibel ganz normale antike Vorstellungen hat. Nehmen wir die kosmologische Gedankenwelt. In der Bibel gibt es halt die Erde und um die herum drehen sich Sonne, Mond und Sterne. Und die sind da festgemacht und am Ende der Zeit, wenn alles ins Wanken gerät, fallen die runter. Dann fallen die Sterne auf die Erde, kawumm. So, das ist eine ganz normale kosmologische Vorstellung. Das sind astronomische Ideen, dass Sterne runterfallen können und auf die Erde aufkommen. Der chronologische Horizont des Weltalters ist halt so ungefähr bei 6000 Jahre.

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Da kann man ein bisschen feilschen, aber da kommt man nicht auf 10.000 oder 20.000 Jahre. Wenn man das wörtlich und ernst nimmt, ist der chronologische Horizont halt diese ungefähr 6000 Jahre. Und vor dem ersten Menschenpaar gab es kein Tod und Sterben auf dieser Welt. Das ist selbstverständlich für Jesus, für Paulus, so haben die das gesehen. Geografische Vorstellung. Ihr wisst vielleicht, Paulus wollte nach Spanien. Er schreibt das im Römerbrief. Nach euch muss ich noch nach Spanien kommen. Warum? Weil Paulus das Buch Jesaja über alles liebte. Und da gab es so die Verheißung, das Evangelium, die gute Nachricht, soll bis an die Enden der Erde. Und Paulus sah sich gesandt. Petrus für die Juden, die Urgemeinde, ich für die Heiden bis an die Enden der Erde.

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Wo ist das Ende der Welt? In Spanien. Da dachte er, ich muss mein Lauf voll enden, das heißt, ich muss nach Spanien. Nun ist das Ende der Welt erreicht und dann ist es durch. So, dann habe ich die ganze Welt mit dem Evangelium erfüllt. Biologische Vorstellung. Jesus sagt, in einem Gleichen ist das Senfkorn das kleinste Korn, was es gibt. Und dann sagt er da ganz heilige Dinge über große Bäume und Vögel und so weiter zu. Es gibt Orchideenkörner, die sind viel, viel kleiner. Das ist die spannende Frage, was ging in Jesu Kopf vor, als er das sagte? Ging in seinem Kopf vor, ich weiß, es gibt Orchideenkörner, die sind viel kleiner. Leider sind diese Gegenden noch nicht entdeckt. Das ist noch ein bisschen hin. Und was denken die nochmal? Senfkorn denken. Okay, Senfkorn. Kann man sich so vorstellen, ich empfehle es nicht. Das Wahrscheinlichste ist, Jesus war davon überzeugt, was kleineres als Senfkorn gibt es nicht. Jetzt können wir noch weitermachen von Hasen, die Wiederkäuer sind und so weiter.

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Die Ideen von Flora und Fauna, von der Welt, Geographie, Chronologie, Astronomie, Kosmologie. Das sind die Vorstellungen damals. Jeder weiß das. Das Interessante ist, Menschen setzen hier an verschiedenen Stellen Schnitt an. Es gibt bestimmte Dinge, dafür kämpft keiner mehr. Das mit Amerika, das ist praktisch wahr. Wir haben viele gemerkt, hinter Spanien geht es weiter. Und auch diese ganze Kreis- und Kugelförmigkeit der Welt, da gibt es richtig feste Gründe dafür. Hochmissionarische Christen fliegen sehr viel, da sagen die, das ist völlig okay. Und auch, dass das mit der Erde und der Sonne eine komplizierte Kiste ist, dass wir uns hier drehen und die Sonne sich irgendwie auch bewegt. Aber nicht um die Erde herum, da spricht auch extrem viel für inzwischen.

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Und dann machen die sich das irgendwie passend und sagen, naja, der Joshua sagt zwar, Sonne steh still. Aber der Heilige Geist, der alles viel besser wusste, hat hier im Grunde überhaupt nicht astronomisch reden wollen. Er hat im Grunde nur die Beobachterperspektive der Menschen ernst genommen. In Wirklichkeit hat Gott einfach die Erdrotation angehalten. Und danach ging die Erde wieder weiter ihre Wege. Und irgendwie passt das dann alles zueinander. Und das sind Punkte, wo alle, die ich kenne oder die es vielleicht gibt, sagen würden, irgendwie müssen wir damit klarkommen. Mit Adam und Eva wird es schon schwieriger. Da gibt es viele, die sagen, nee, an der Stelle kämpfe ich. Wenn die weg sind, wenn die nicht so existiert haben, wie wir hier gerade sitzen, dann woher weiß ich, dass es Jesus gab? Woher weiß ich, dass es diese Welt gibt, dass wir nicht alle in der Matrix stecken?

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Also gab es Adam und Eva. Und als Adam den Tieren Namen gab, hat er auch gesagt, dich nenne ich Tyrannosaurus Rex, weil du so böse und königlich mich anguckst. Das muss irgendwie dann passen. Und in der Arche, da wird es richtig schwierig, ehrlich gesagt. Aber das ist dann eine andere Frage. Da kann man sich auch was überlegen. Also da gibt es Christen, die sagen würden, da kämpfe ich. Nur warum kämpfen die da? Warum an der Stelle, wenn viele andere Punkte, Biologie, Geographie, Chronologie größte Mühe machen? Denn die, die sagen, Urgeschichte, Schöpfung ist doch historisch, geschichtlich, mit den Jahren merken sie auch, das ist ganz, ganz, ganz schwierig. Sämtliche Altersbestimmungsmethoden für Luk und Trug zu erklären, das funktioniert am besten an dem Tag, wo man noch keine Ahnung davon hat.

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Und das sollte man sich eigentlich behalten, dann, so diese völlige, selige Ahnungslosigkeit, dass man damit klarkommt. Wenn man ein bisschen auch nur in der Schule anfängt, schon aufzupassen, im Erdkundeunterricht und Biologieunterricht und viele gefährliche Fächer. Eine Halbwertzeit, Zerfall von Stoffen, Chemie, ganz viele gefährliche Fächer. So eine 6000 Jahre, das ist Höchstleistungssport. So das sind im Grunde absolute Helden, die das irgendwie mit sich hinkriegen. Es ist auch schwierig, jetzt noch Argumente zusammenkramen, wer 13 Jahre Schule und alles überlebt hat und sagt, warum soll die Welt älter sein? Gott kann das. Der hat da seine Überzeugungen gewonnen und man muss in Liebe und Frieden und Harmonie sagen, ein Jedersein seiner Meinung gewiss. Nur das ist eine riesige Mauer.

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Und fragt euch selbst oder fragt Menschen auf der Straße, ob das für sie ein attraktives Angebot ist. Zu sagen, durch könnt ihr eine Religion andrehen, die bietet ihr Liebe, Trost und Frieden und ein Weltbild ohne Evolution und mit einer so jungen Erde, dass die eigentlich noch in Windeln liegt. Ist das ein Angebot? Müsst ihr überlegen, ob das geht. Es gibt manche, die sagen, ja, manches ist historisch, manches ist Antik. Aber wo zieht man denn da die Grenze? Es muss doch Sachen geben, die ewig sind. Da würde ich sagen, die Wahrheit ist, es ist alles historisch. Alles, was in der Bibel steht, ist insofern zeitbezogen, bedingt durch antike Sprache, durch antike Kultur, durch antike Vorstellungen. Das gilt für die heiligsten Aussagen des Glaubens.

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Das Grundbekenntnis des Christentums war Jesus ist der Herr. Sag das mal einem Grundschüler. Ich habe den Glauben, dass Jesus der Herr ist. Wer wird fragen, der Herr Müller oder der Herr Meier? Der kennt keinen Herrn mehr. Wir leben nicht mehr in einer Welt, wo es Herrschaft gibt. Es gibt Autorität, die durch Demokratie, durch Wahl, durch Verwaltung, durch Leistung legitimiert ist. Aber absolute Herrschaft gibt es nicht mehr. Das musst du erklären. Wir müssen unser Grundbekenntnis erläutern. Es versteht sich nicht mehr von selbst. Wenn du in der Mittelstufe Unterricht machst und sagst, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ist das höchste Gebot neben du sollst Gott lieben. Dann gibt es kluge, agnostische Schüler, die sagen, was ist das denn für ein Käse? Man kann Liebe doch nicht befehlen.

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Oh, wenn ich jemanden nicht liebe, da kannst du doch nicht sagen, du sollst aber. Das ist doch keine Liebe. Liebe funktioniert einfach so, die stellt sich ein. Auch da musst du erklären. Wir haben heute einen romantischen Liebesbegriff und der wird erfahren als etwas Unverfügbares. Eine Attraktionserfahrung, ein Angezogensein, ein Hingerissen werden, gefühlsstark, intensiv, aber auch nicht zu steuern letztlich. Und wovon Jesus redet, das ist eine bedingungslose Bejahung von Menschen. Und das ist eine Haltung, in die kannst du hineinwachsen, wenn du dich für solche Liebe öffnest und du kannst sie lernen und du kannst sie üben und du sollst es. Also Nächstenliebe, Jesus ist der Herr. Alles, alles müssen wir übersetzen, erklären, erläutern. Darum feiern wir auch keine Gottesdienste, wo in der Ursprache heilige Texte rezitiert werden,

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sondern wir hören kleine Häppchen übersetzt und dann eine Predigt, dass wir alles verstehen, was gesagt wurde. Und so steht es bereits bei Esra und Nehemia. Das war damals schon so. Die Thora musste schon übersetzt und erklärt und erläutert werden. So war es damals in der Synagoge. So funktioniert Glaube. Und da kommst du nicht zurecht mit reinem Mauerbau, dass du diese Texte abschirmst von der Gegenwart. Du musst Brücken bauen. Das war die Einleitung. Ein bisschen Zeit habe ich noch. Das war die Einleitung und ich möchte das jetzt an einem praktischen Beispiel heute durchspielen. Das Thema habe ich genannt Mann und Frau und die Familie. Wie ist es denn mit so Aussagen Der Mann ist das Haupt der Frau und die Frau soll sich dem Mann unterordnen?

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Ihr merkt, ich werde da jetzt keine Mauer drum bauen und zehnmal lautstark betonen und so wahr ist und so ist es und so wird es sein in Ewigkeit. Amen. Sondern ich werde mich jetzt hier als Brückenbauer versuchen, als Pontifex, der das heute liest, der dabei immer wieder eine Brille aufsetzt und sagt Wie war es damals? Wie haben die das damals gehört? Und wie können wir das heute hören und verstehen? Ich lese dafür erst mal aus dem Epheser Brief einen kleinen Textabschnitt. Auch hier nur der Hinweis Die Mehrheit der heutigen Bibelforscher glaubt, dass das ein Text ist, der nicht direkt vom Apostel Paulus stammt, sondern der etwas später ist. Man kann sich dabei vorstellen, dass es noch eine ziemliche Nähe gibt. Einige sagen Eventuell war es ein Sekretär, eventuell im polnischen Auftrag.

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Andere sagen Es ist noch später. Das muss uns heute aber auch nicht so stören. Insgesamt ist es ein Text, der dem Paulus überhaupt nicht fremd ist, so der sehr gut reinpasst, der sehr gut anschließt. Für Epheser und Kolosser Brief ist das nicht so eine überragend wichtige Frage, zumindest nicht für das, was wir mit dem Text heute vorhaben. Epheser 5, die Verse 21 bis 33 lesen Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. Ihr Frauen ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als sein Leib erlöst hat. Weil wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männer unterordnen in allen Dingen. Ihr Männer liebt eure Frauen. Wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahin gegeben, um sie zu heiligen.

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Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadlich sei. So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen. Und die zwei werden ein Fleisch sein. Das ist das erste Text von Gaster Moose 2. Dies Geheimnis ist groß. Ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Darum auch ihr. Ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst.

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Die Frau aber fürchte den Mann. Es geht danach noch etwas weiter zum Verhältnis von Eltern und Kindern und von Herren und Sklaven. Aber dieser Text. Ja, so wird das hier beschrieben. Ich fange sofort mit der ersten Brillenoperation an und frage, wie wird dieser Text damals verstanden? Worauf spielt er an? Er spielt an auf die antike Institution des ganzen Hauses. Das erste, was man sich klar machen muss. Damals lebten die Menschen nicht in Kleinfamilie. Papa, Mama, Kind, sondern sie lebten in größeren Verbänden. Schwiegereltern waren dabei, unverheiratete Geschwistern nicht ein oder zwei Kinder, sondern mehr. Aber auch Knechte, Mägde, Gesinde. Über 90 Prozent damals waren ja Agrargesellschaft.

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So da war es sowieso so, das ganze Haus. Jetzt ist das Christentum eine ziemlich städtische Bewegung. Ist manchmal schon so ein bisschen ähnlicher mit heute, aber von der Tendenz her nicht an Kleinfamilie denken, sondern schon so unter einem Dutzend gibt es kein Haus. Das ist kein Haus, sondern ein Witz, wenn da so drei, vier Leute irgendwie sind. Und wenn man das jetzt so anschaut, im ersten, zweiten Jahrhundert ist dieser Text für die Christentumsgeschichte ein ganz zentraler Text. Ein Text von ungeheurer Wichtigkeit, weil dieser Text das ganze Haus, Mann, Frau, Kinder, Knechte, Sklaven in den Blick nimmt und es in gewissermaßen heiligt, es mit christlichen Werten deutet und beschreibt und im Grunde sagt, das Haus ist gut.

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So die Ehe ist gut, Familie ist gut. Das muss man heute sagen, denn es gibt viele Christen, die so ein bisschen das Gefühl haben, wir Christen haben doch die Familie, glaube ich, erfunden. So gäb es uns Christen nicht, dann würden die Menschen alle wild durcheinander und miteinander in Sünde und Unzucht und ständig wechselndem Verkehr und so. Wir Christen sind es ja im Grunde die den Menschen, die Familie und die Ehe und die Treue gebracht haben. Es gibt heute große christliche Organisationen in den USA, Focus on the Family, wo man so das Gefühl hat, Christen sind eine Familienreligion und in den USA für Familie und für Patriotismus und die Welt ist irgendwie dagegen. Die Welt ist gegen die Familie, die ist nur für freie Lust und Sex und so und wir halt und sieht man ja an diesem Text.

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Nun, das ist nicht so. Die Christen haben die Familie nicht erfunden. Man weiß gar nicht wer, aber überall gab so etwas. Auch die Ehe wurde nicht von Christen erfunden. Überall hat sich so etwas eingestellt. Insgesamt auch in Frühzeiten, häufig Polygam. Und so seht ihr es im Alten Testament auch. Kaum einer der großen Glaubensväter des Alten Testaments hat nur eine Frau. Das ist ein später Trend, so dass man sagt, naja, vielleicht reicht auch eine. Ein später Trend und dieser späte Trend setzt sich aber auch in vielen anderen Kulturen durch. Das Christentum wie das Judentum sind nicht der große Ausreißer der Kulturgeschichte. Sie sind eigentlich eingepasst in Menschheitsentwicklungen. Das frühe Christentum setzt ganz andere Schwerpunkte.

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Jesus war, man muss das mal so hart sagen, kein Family Man. Er lebt als Kind mit seinen Eltern und wird auch gesagt, er war ihnen untertan und so. Und das ist schon das Positivste, was man über sein Familienleben sagen kann. Der hat einfach nicht geheiratet. Und da kann man nicht sagen, naja, er war Single. Klar gibt ja viele Single, ist ja normal. War damals nicht normal. War ein extremes Statement nicht zu heiraten. Es war so ein extrem religiöser Weg. Es gab so diese extrem religiöse Ausnahmeexistenz. Die wählt Jesus für sich. Aber das ist extrem. Es gibt die schöne Geschichte im Markusevangelium, Kapitel 3. Da kommt seine Familie an, weil sie sagen, jetzt dreht er durch. Unser Jesus war ein lieber Kerl, aber der läuft amok. Was er jetzt hier vertritt und redet, der ist von Sinnen übersetzt, die Lutherbibel das.

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Und dann sagt man zu Jesus, du Jesus, gibt da glaube ich ein Problem. Deine Familie, die sind ganz aufgelöst. Geh die mal beruhigen. Und er sagt, was habe ich mit meiner Familie zu tun? Die, die Gottes Wort hören, die sind mir Mutter und Bruder und Schwester. Jesus war kein großartiger Family Man. Er hat Leuten gesagt, komm und folge mir nach. Wenn die gesagt haben, ich stehe bereit, lass mich zuvor meine armen alten Eltern noch beerdigen, sagte Jesus, lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber komm und folge mir nach. Jesus ist für Familienidyll ein auf Krawall gebürsterter Schocker. Mit Jesus kriegt man keine tolle Familienideologie gezimmert. Das ist mit den frühen Paulusbriefen nicht anders. Paulus 1. Korinther 7 kommt auf die Frage, soll man eigentlich heiraten? Jesus war nicht verheiratet. Paulus ist nicht verheiratet. Und da sagt Paulus, da habe ich eine klare Meinung zu.

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Also besser nicht, wenn er klare Ansagung wollte, nicht heiraten. Wer heiratet, der verstrickt sich in Sorgen und Frau und Kinder und so ist gebunden. Wer nicht heiratet, der ist ungebunden. Ich möchte, dass ihr ungebunden seid. Darum meine klare Empfehlung Nein. Und wenn du schon verlobt bist, so du musst nicht heiraten. Du kannst Jesus ganz gehören. Du kannst ihm ganz dienen und mit ganzer Kraft nachfolgen. Und dann sagt Paulus, okay, aber jeder hat so seine Gabe. Ich will jetzt auch nicht übertreiben. Ich habe die Gabe. Ich wünschte jeder. Aber ich kann verstehen, wenn der eine oder andere glaubt, das schaffe ich nicht. So da habe ich zu viel Sorgen. Dann bin ich alt und einsam und keine Kinder werden mich pflegen und sonst wie. Weil der Glaube an die Naherwartung fehlt. Darum sagt Paulus, okay, nicht heiraten ist besser. Heiraten ist okay.

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Wer sich nicht beherrschen kann, darf heiraten. Ist keine Sünde. Darf heiraten. So diese Linie Jesus Paulus ist die dominante Linie bis zur Reformation Zeit. Es ist die klare Überzeugung der christlichen Kirche, dass der ehelose Weg der höhere ist, der bessere, der heiligere Weg, die eigentliche Empfehlung. Und viele Kirchenvater, Väter sagen eindeutig nicht heiraten. Guckt euch die Welt an. Sie ist voll voller Menschen. Es gibt viel zu viele. Da willst du noch mehr zeugen. Es gibt Christen, die sagen, dass in einer Zeit, wo nach heutigen Schätzungen so 100 Millionen Menschen vielleicht leben in der ganzen Welt. Der Witz ist davon waren die meisten noch gar nicht entdeckt, was die kannten war viel weniger. Also sagen wir mal, die hatten eine Welt Überblick. Da gab es so viele Einwohner wie in Spanien so und in der ganzen Welt, die sie kannten und hatten das Gefühl, die Welt ist voll.

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Da muss ich doch nicht noch mehr Menschen hinzufügen. Wir sind nicht für diese Welt. Wir sind für Gottes Welt. Wir verzichten auf Nachwuchs. Und natürlich verzichten wir auch auf Sex. Es gab Christen, die zum Glauben kamen, waren schon verheiratet, lasen Paulus und weinten bitterlich und sagten, wir sind schon drin in der Nummer. Was machen wir denn jetzt? Denn scheiden darf man sich ja auch nicht. Dann wurden sie getröstet von christlichen Lehrern und sagte, ja, ihr müsst das jetzt tragen. Der höhere, bessere Weg ist vorbei für euch. Ihr seid verheiratet. Es ist zu spät. Aber ihr könnt ja wie Bruder und Schwester zusammenleben ohne Sex. Das ist das Bestmögliche für euch. Dann haben viele gesagt, das geht. Ja, klar, empfehlen wir. Und haben sie gesagt, ja, gut, das ist das Beste, was wir aus unserer Lage machen können. Das ist alte Kirche, altes Christentum. Das sind alte klassische Ideale in der ganzen Antike, in großen Teilen des Mittelalters.

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Und dieser Text spielt eine ganz wichtige Rolle zu sagen, Ehe ist nicht nur Murks. Es ist nicht nur ein Elend und ein Übel, sondern es ist ein Stand. Da kann man auch ein bisschen glücklich sein und das auch ein bisschen schön und das hat auch was mit Liebe zu tun. Das ist der Ehe- und Familienfreundlichste Text im ganzen Neuen Testament. Ohne diesen Text wären wir auch eine Religion, aber ein bisschen komische, vor der ich ehrlich gesagt Angst hätte. Und diesen Text verdanken wir es, dass überhaupt so Ehe, Familie, Kinder, dass man irgendwie sagt, ist halt schon schön. So, also insofern ein ganz wesentlicher Text. Und das muss man sich historisch erst mal bewusst machen, dass es völlig unselbstverständlich ist, sondern wieder Anknüpfung ans alte Testament, wieder neue Würdigung der Ehe nach dem Weg Jesu und den frühen Paulusbriefen.

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Schauen wir uns dann diesen Abschnitt etwas näher an und wir machen das so jetzt nach gewohnter Sitte. Wir wissen, es ist ein historischer Text. Der Film ist in 3D gedreht. Durch die Brille sehen wir mehr. Wir sehen nichts Falsches. Wir sehen mehr Dinge, die wirklich da sind in diesem Text drin. Wenn wir das so machen, fällt uns zunächst mal dies auf. Es werden in diesem Text ausschließlich die Männer angeredet. Jetzt möchte man sagen, ne stimmt ja gar nicht. Du hast doch gerade selbst vorgelesen. Ich mach's nochmal. Ihr Frauen ordnet euch euren Männern unter. Ihr Männer liebt eure Frauen. Werden doch beide angeredet. Ne, stimmt nicht. Das ist Luther 84. Die meisten Übersetzungen machen das so. Das ist im Urtext nicht so. Im Urtext ist es so. Es heißt erst mal ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

42:02
Die Frauen sich ihren Männern wie dem Herrn und dann geht das so weiter. Über die Frau wird geredet in dritter Person Plural. Die Frau wird nicht angesprochen. So, sie, es wird über die Frau gesprochen. Die Männer werden dann ausdrücklich in der zweiten Person Plural angesprochen. Die meisten Übersetzungen kaschieren das. Es ist aber für die damalige Zeit, naja, normal. Das haben wir in vielen biblischen Texten so, dass von Männern zu Männern geredet wird. Manchmal, an wenigen Stellen, Gott sei Dank, wird die Gegenrechnung aufgemacht. Oft nicht. Es geht um die Männer und dann die Verteilung ist ja auffällig. Erst heißt Überschrift über alles ordnet euch einander unter. Und dann im Detail ihr Frauen ordnet euch unter. Fertig. Und dann die Männer. Zehn Verse. Und dann ganz am Ende darum. Ein jeder habe liebt seine Frau wie sich selbst. Die Frau aber fürchte den Mann. Fertig.

43:10
Das kann man als Schieflage empfinden. Und da würde ich auch ermutigen, empfinde das als Schieflage. Gebe dem Gefühl, es ist ungerecht, dass das so schlecht verteilt ist, nicht frühzeitig zunder und dämpfe ist und sage, so darfst du nicht denken. Es ist ein Apostel. Der Heilige Geist hat es so gewollt, dass es genau so klingt. Das ist antik normal. Paulus schreibt als Mann für Männer, die sind ihm ungefähr vor Augen Frauenleben, Frauenperspektive, Frauenwahrnehmung ist etwas wenig Bekanntes. Etwas, was sehr, sehr im Hintergrund steht in der ganzen Antike. Das ist das erste, was man hier mal wahrnehmen muss.

44:04
Auch natürlich die Aufforderung selbst von den Männern werden Handlungen erwartet. Sie sollen lieben, sich hingeben, nähren und pflegen. Die Männer sind Handlungssubjekte. Von den Frauen werden Haltungen erwartet. Sie sind nicht Handlungssubjekte, sondern sie sollen die Haltung der Unterordnung und der Furcht einnehmen. Aber Handlungssubjekte werden sie hier nicht. Das zweite, was uns hier auffällt, die soziale Ordnung, die hier vor Augen geführt wird, ist durchweg hierarchisch. Es wird das Verhältnis von Mann und Frau beschrieben, von Eltern und Kindern, von Herren und Sklaven. Und jedes Mal gibt es ein oben und ein unten. Jedes Mal gibt es jemand, der das Sagen hat und jemand, der gehorcht.

45:00
Das ist die grundsätzliche Ordnung in all diesen Texten. Und mit unserer schönen Brille sehen wir, dass das für keinen antiken Leser ein Anstoß gewesen wäre. Das ist für die normal. Diese antike Hausordnung ist nicht typisch paulinisch, nicht typisch biblisch, kein geheimes Offenbarungswissen, sondern so ist das Haus in der Antike. Da gibt es ein oben und ein unten. Da gibt es Befehl und Gehorsam, Über- und Unterordnung. Es ist Normalität. Diese Normalität wird hier nicht offenbart erfunden, erstmalig überhaupt als Premiere oder Uraufführung vorgestellt, sondern im Grunde ist es eine Art Kulturzitat. So verhält es sich. So ist die Ordnung, die ihr kennt.

46:00
Und dann wird diese hierarchische Ordnung mit einem Bild verbunden, dem Bild, dass der Mann das Haupt der Frau sei, so wie Christus das Haupt der Gemeinde ist. Und so wie die Gemeinde sich Christus in allem unterordnet, weil er ihr Herr ist, soll die Frau sich dem Mann in allem, heißt es, unterordnen, weil auch er ihr Herr ist. All das, was dazu gesagt wird, ist Antik, ist selbstverständlich, ist normale Kultur. Das mit dem Haupt ist ein Bild, was Paulus hier verwendet, um das Verhältnis Mann-Frau und Gemeinde Christus miteinander zu verbinden. Jetzt ist die spannende Frage, was heißt denn Haupt? Was ist das für ein Bild? Was bedeutet es? Denn auch ganz konservative Christen haben manchmal so ein kleines Unbehagen, wenn sie ihren Frauen oder ihren Töchtern ein bisschen erklären wollen, wie wir Christen so leben.

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Man wird so etwas vorgelesen, manchmal ja auch gern zur Hochzeit. Und dann sehen auch ganz gläubige Christen manchmal irritierte Blicke und möchten das erklären und sagen, na ja, eigentlich ist das ganz liebevoll gemeint. Was der Apostel sagen möchte, ist, dass Mann und Frau so eng miteinander verbunden sind wie Kopf und Körper. Das ist eigentlich so die Bedeutung. So ist das gemeint. Es ist ein Bild der Verbundenheit. Naja, und der Mann ist in gewisser Hinsicht oben. Aber das ist jetzt nicht, dass er besser ist, sondern das soll er ja als liebevolle Verantwortung ausleben. Und das ist überhaupt nicht schlechter als die Frau, die in hingebender Hilfestellung und Fürsorge sich zusammenbringt. Und das ist im Grunde so ähnlich wie linke Hand, rechte Hand. Das gehört zusammen. Ist halt ein Bild der Verbundenheit.

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Ich freue mich, wenn konservative Auslegungen das so machen. Ich habe eine ganze Reihe Bücher, ältere und neuere, gelesen. Es ist mir oft aufgefallen, dass man so versucht, es so zu drehen, dass man die Chance hat, als Mensch von heute nicht gleich tot umzufallen, nach den ersten Erläuterungen dazu. Muss jetzt aber leider dazu sagen, wenn wir unsere böse Brille aufsetzen, das haut so nicht hin. Das wäre ja schön, so. Aber dafür hat Paulus andere Bilder entwickelt. Das Bild vom Leib, wo alles miteinander verbunden ist, der hatte andere Bilder dafür drauf. Das mit dem Haupt ist ein ziemlich eindeutiges Bild. Und man kann Bilder auch nicht so gut gegen die normal eingeführte Bedeutung verwenden. Wenn man zu einer Frau sagt Du Kuh und die dann anfängt, sich zu ärgern und sagt Was beleidigst du mich so?

49:02
Dann ist es keine Rettung in letzter Sekunde, wenn du sagst Wieso? Kühe sind meine Lieblingstiere. Ich verehre Kühe. Ich finde sie großartig. Das wird sie dir nicht abkaufen. Weil das Bild der Kuh in der Regel nicht steht für sensibel, schlau und wunderbar. In der Regel nicht. Das weiß jeder. Rettet euch nicht raus mit Kuh ist mein Lieblingstier. Und so ist es auch mit Haupt. Das ist eine eingeführte Metapher. Jetzt kommen nicht zehn Zitate von gestern wie aus der ganzen Antike, aber erlaubt mir zwei. Von Philo von Alexandrien und von Tacitus. Einfach beispielhaft. Hellenistisches Jugendtum. Philo sagt, wie nämlich beim Lebewesen das Haupt das erste und beste ist. Auf die gleiche Weise wird das Haupt des Menschengeschlechts der weise Mann sein.

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Alle anderen werden nur Teile des Körpers sein, die erst beseelt werden durch die Kräfte in dem Haupt über ihm. So mehr Macht, mehr Autorität, besser Vorrang. Und das ist auch in der römischen Kultur ganz ähnlich bei Tacitus. In den Analen findet man Senatsgespräche und so weiter. Caesar wird aufgerufen, Caesar, wie lange willst du es dulden, dass dem Stab das Haupt fehlt? Gemeint ist jetzt nicht jemand, der sagt, ich bin mit meinem Volk so verbunden wie, was weiß ich, linker und rechter Finger Harmonie. Nein, es geht um einen Herrscher, um einen Imperator, um einen Führer, um einen, der sagt, so ja, so nein. Haupt ist ein Herrschaftsbild. Es geht um das Herrsein, sonst wird der ganze Vergleich mit Christus ja auch komisch. Ein Mann zu Frau wie Gemeinde zu Christus und die Gemeinde ordnet sich Christus unter als ihrem Herrn.

51:02
Und so soll die Frau sich dem Mann unterordnen. Und so wie es am Anfang heißt, ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, Furcht im Sinne von Gottes Furcht heißt es am Ende. Der Mann liebe die Frau, die Frau fürchte den Mann. Die meisten Übersetzungen schreiben da übrigens Ehre, weil sie gleich schon merken, das mit dem Fürchten kommt noch weniger gut. Da steht fürchten, ist in diesem Sinne gemeint wie Gottes Furcht. Man kann ruhig sagen, er fürchte dich. So, du Frau habe er Furcht vor deinem Mann. So, aber das ist dann schon absolut wörtlich so, das ist gemeint. Es geht nicht darum Respektiere ihn. So wie man in jeder Gang sagt Respekt. Es geht schon umher. Nicht so einfach Respekt. So fürchte, er fürchte. Also es ist etwas, wo dieses Gefälle drin ist. All das, was ich bisher gesagt habe, hat vielleicht nicht jedem Spaß gemacht.

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Das war bis jetzt das ganze Antike, was wir hier sehen, was so gemeint ist, was hierarchisch gemeint ist, was herrschaftlich gemeint ist und was man da auch nicht einfach so rausoperieren kann. Jetzt muss man aber sehen, das ist ja nicht die ganze Geschichte. Paulus macht mit dem, was wir bis jetzt hatten, dann doch etwas sehr Interessantes. Alles bisherige war nicht typisch Paulus, nicht typisch biblisch, zwar typisch Antik. Und es wird hier einfach beschrieben, wie es ist. Und dann kommen aber sehr typisch paulinische, biblische Akzentsetzungen. Das erste natürlich sofort am Anfang. Bevor Paulus das ganze antike Haus durch alle Etagen hindurch verfolgt, sagt er, ordnet euch einander unter. Und das ist jetzt extrem.

53:02
Das liest man so mit heutigen Augen, Wiener ist ja das Mindeste. Aber für die Antikezeit ist das ein extremer Ausreißer. Wenn du das mit so einer Brille anschaust, dann ist das im Grunde so der Pfeil, der fast deine Nase trifft. Das springt raus aus dem Bild. Das ist nicht so das normale Antike, was du so erwarten würdest und was Tacitus und Sueton und Plutarch und Plinius und Musonius und all die sagen würden. Nein, das ist extrem auffällig, dass hier jemand sagt, ordnet euch einander unter, dann über Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Herren und Sklaven redet. Die Ehe ist hier nicht einfach Sach- oder Besitzrecht, sondern Gemeinschaft von Zweien, die zueinander gefügt werden. Und hier muss man schon auch noch mal ein kleines hohe Lied auf den Apostel Paulus singen. Er ist manchmal so mit diesen Hammersprüchen so im öffentlichen Gedächtnis.

54:02
Manche sagen Paulus der Frauenfeind. Das ist total ungerecht. Paulus sagt an vielen Stellen Dinge, die alle antike Menschen so gesagt haben, weil er sein Leben lang so gedacht, es so gehört und so auch verstanden hat. Aber Paulus sagt auch eine Reihe von Dingen, die man fast nicht findet in der Antike und wo man heute in vielen Kulturen noch suchen muss. Etwa ersten Gründer 7, wo Paulus sagt, die Frau verfügt nicht über ihrem Leib, sondern der Mann. Total Antik. Und dann sagt er und der Mann verfügt nicht über seinem Leib, sondern die Frau. Ein Riesenausreißer. Darum leiste der Mann der Frau, was er ihr schuldig ist und die Frau leiste dem Mann, was sie ihm schuldig ist. Diese egalitären Aussagen, dieses er ihr so wie sie ihm, das ist total extrem.

55:03
Das ist ein Riesenausreißer. Und Paulus hat so Sachen immer wieder. Paulus kann ersten Gründer 11 sagen. Die Frau ist um des Mannes Willen geschaffen und der Mann nicht um der Frau Willen. Darum ist der Mann das Bild Christi und die Frau ist eben so eine Art Abglanz des Mannes. Das ist ein Text, wo wir modern alle so ein bisschen dran leiden. Es gibt es im Judentum der Zeit damals auch, dass manche gesagt haben, nur der Mann ist im Vollsinn Ebenbild Gottes und die Frau im abgeleiteten Sinne. Das ist nicht das, was 1. Mose 1 steht. 1. Mose 1 ist es so nicht gemeint. Paulus sagt es aber so und das ist eine ganz schöne Kante für uns heute. Nur paar Verse später, als ob er sich ins Wort fällt, sagt er aber der Mann ist nichts ohne die Frau und die Frau ist nichts ohne den Mann, denn der Mann ist durch die Frau und die Frau ist durch den Mann und beide von Gott.

56:03
So lest mal 1. Gründer 11 im Zusammenhang so und das Interessante ist, uns fallen da Sachen auf, die wir total schräg finden und andere, die wir normal finden. Und das ist in der Antike genau umgekehrt. Die finden manches total normal und anderes total schräg. Und diese schrägen Ausreißer, die sind typisch neutestamentlich, typisch ein Widerschein des Evangeliums. Da kommt etwas ganz Neues in die Antike Kultur hinein, was in Ansätzen hier und da bei dem einen oder anderen lieben Stoika aber so konsequent dann doch nicht. Also Paulus bringt in die Antike Hausordnung eine ganz neue Gegenseitigkeit. Zweitens, er verändert das Dienen. Für die Antike ist Dienen etwas Niedriges. Wer es sich leisten kann, lässt arbeiten. Die Füße müssen gewaschen werden, aber natürlich von Sklaven.

57:05
Dienen ist etwas Erniedrigendes. So das ist für die, die dazu eben da sind. Dass Jesus die Füße wäscht von seinen Jüngern, ist eine extreme Zeichenhandlung. Da wird eine ganze Weltanschauung auf dem Kopf gestellt. Und dann bläst Johannes 13, was für ein Schrecken Petrus und die Apostel kriegen. Und nicht weil es kitzeln könnte, sondern weil es ein totaler Bruch ist mit allem antikem Ordnungsdenken. Und das zieht sich durch das Neue Testament. Das Dienen wird geheiligt. Wer der Größte sein will, der sei euer aller Diener. Sich unterordnen ist das, was Jesus getan hat. Sein Leben opfern, sich zurücknehmen, dem anderen dienen, dem anderen Gutes tun. Das ist das Licht in diesem Buch. Das ist das Licht des Evangeliums.

58:04
Das ist das Göttliche an Jesus. Das Einzigartige, das ist die Mitte der ganzen Bibel. Dass Jesus hoch und niedrig umdreht, dass er Herrschaft und Ohnmacht auf dem Kopf stellt, dass er Hingabe und Dienen heiligt. Und darum wird Paulus hier nicht bei der Frau ausführlich. Du Frau, ordne dich dem Mann unter, das heißt bediene ihm, trag die Pantoffeln ihm nach, mach ihm Essen, wenn er Hunger hat. Wein nicht, wenn es ihm nicht schmeckt und er dich schlägt. Gib dir mehr Mühe. Viel sagen so und für die antike Frau gab es viele, sehr viele Anweisungen, wie man den Mann besser bedienen könnte. Da waren Männer oft einfallsreich. Dass das dann nicht mehr steht, muss man im Grunde ganz positiv werden. Die Männer kriegen jetzt Bescheid, denn das ist ja nun wirklich auffällig.

59:02
Es heißt, die Frau ordnet sich dem Mann unter. Der Mann müsste ja weitergehen und du Mann übernimm Führung und Verantwortung und bleib ein anständiger Kerl dabei. Das wäre ja die logische Komplementarität. Du ordne dich unter und du übernimm weise, liebevolle Führung. Unzählige christliche Bücher machen das heute so. Die merken es nicht. Die denken, das ist christliches Familienbild. Der Mann als Haupt, die Frau als Hilfe. Die merken es nicht, dass es hier von Paulus nicht so gemacht wird, sondern ihr Männer liebt. So wie Jesus sich hingegeben hat, so gebt ihr euch hin, um ihret Willen, um sie zu heiligen, um sie zu reinigen, dass sie herrlich und schön dasteht, liebt. Gebt euch hin, dient ihr, nehmt euch zurück. Nehmt sie so wichtig wie euch selbst, liebt sie so wie ihr euch liebt.

60:07
Das ist das Revolutionäre, auch Unfassbare, was Paulus mit diesem Text macht. Und was er hier im Grunde macht, ist Anwendung christlicher Ethik. Tut nichts aus Eigennutz. In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. So beschreibt das Paulus für alle Christen. Und das wendet er auf die Ehe an und sagt es den Männern. In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Und es gibt keine positive Aufnahme des Herrschaftsgedankens. Das ist die Revolution. Das Hauptsein wird genannt und dann bleibt es in der Luft hängen. Keine Haupttätigkeit wird erwähnt. Kein Führen, kein Leiten, kein Befehlen, kein Herrschen, nichts.

61:03
Sondern Liebe, Hingabe und Dienst. Wie können wir dieses Gesamtbild deuten? Ein Gesamtbild, wo manches typisch antik ist und manches sehr speziell christlich. Jetzt noch mal ein bisschen Mauern einreißen. Es gibt konservative Deutungen, die versuchen das so. Und sagen der Apostel Paulus in seiner Weisheit, hat hier eine Wesensverschiedenheit von Mann und Frau vor Augen, die ganz wichtig ist und das bräuchten wir heute alles ganz unbedingt. Haupt und Hilfe, das sind so die Wesenseigenschaften von Mann und Frau. Das ist gar nicht abwertend gemeint. Es ist im Grunde genial von Paulus, dass er jedem seine eigene Versuchlichkeit vor Augen führt und jedem das befiehlt, was besonders wichtig ist. Den Frauen sagt er im Grunde, ihr dürft eure armen Männer nicht verachten.

62:01
Die Männer sind doch ein armes, schwaches Geschlecht, darum müsst ihr sie bestätigen. Ihr müsst sie ermutigen. Ihr müsst sie anerkennen. Ihr müsst sie respektieren. Das ist die Hilfe, die ihr euren Männern leisten könnt. Stärkt ihnen den Rücken. Sagt ihnen, wie toll ihr sie findet, dass sie tolle Kerle sind, dass sie Großartiges für euch tun. Wenn ihr die Männer stark macht, dann erfüllt ihr euren schöpfungsgemäßen Auftrag. Die armen, verunsicherten Männer, die brauchen das, dass sie geehrt und respektiert werden. Wenn ihr an denen rummäkelt und rumkritisiert und nörgelt, dann werden das arme Würmer, dann werden die auch irgendwie, dann motzen sie, dann werden sie stoffelig, hören nicht auf, am Computer rumzuspielen. Seid ihr schuld, weil ihr sie nicht genug geehrt, gestärkt und respektiert habt. Und ihr Männer, ihr sollt lieben. Das heißt, die Frauen, das sind so Gefühlstierchen.

63:00
Die haben so Gefühle, so ganz tiefe und komische auch. Aber wir Männer, wir sind ganz anders als ihr. Aber so ein bisschen auf die Gefühle einer Frau eingehen, so ein bisschen Intimität, so ein bisschen Romantik, so ein bisschen Nähe zulassen, das braucht die auch, die Frau. Sonst friert sie im Grunde. Also so ein bisschen Werbe könnt ihr Männer auch. So Bücher gibt es viele. Habt ihr so was noch kennengelernt? Einige nicken, also eine Reihe so Bücher gelesen. Jetzt würde ich mal sagen, totaler Mist ist das gar nicht. Man kann sich Familien vorstellen, wo das der Burner ist. Wo die Frau überlegt, was hat der Mann alles gut gemacht? Und ich lobe ihn dafür. Und der Mann sagt, jawohl, Nähe, Gefühle zulassen mit meiner Frau, Liebe gebe ich mir Mühe. Das kann total helfen. Und wenn Leute sagen, das ist doch das, was der Text sagt, das ist doch super, das ist doch seine Wahrheit. Da gibt es Leute, wo ich sagen würde, ist alles gut.

64:03
Super, das passt für dich. Es gibt so Männer- und Frauentypen, wo das passt. Ich würde aber auch sagen, das sind Zufallstreffer. Denn das ist nicht dieser Text. Das meint dieser Text so nicht. In einem antiken Text hat man nicht Männer vor Augen, die sehnsüchtig darum betteln, dass eine Frau ihn auf die Schulter klopft. Antike Männer, wenn die nach Hause kommen und ihre Frau sagen würde, mein lieber Mann, ich finde es großartig, wie du in deiner Senatsrede heute argumentiert hast. Oder du hast im Gespräch mit dem Pharisäer von nebenan also ganz wunderbar den religiösen Standpunkt unserer Familie erläutert. Die würden denken, ihre Frau dreht durch. Weil woher will die das denn wissen? Das, was ein Mann wirklich tun muss, wenn ein Mann tun muss, was ein Mann tun muss,

65:03
dann kann die Frau das gar nicht beurteilen, weil die da keine Ahnung von hat. Ein Mann, ein antiker Mann blüht auf, wenn die Ältesten sagen, das war gut. Wenn der Vater zum Sohn sagt, das war gut, dann blüht er auf. Wenn seine Verlobte ihm sagt, hast du gut gemacht, sagt er, jaja, jaja, was weißt du schon. Also gute Idee, man kann so Texte so verdrehen. Man kann mit falschen Auslegungen der einen oder anderen eher Gutes tun. Man ist dann aber nicht bei diesem Text. So und mit den Frauen umgekehrt ist es ähnlich. Ich denke, wir müssen insgesamt ernster werden. Dieser Text spielt in der Antike und vieles daran ist typisch Antik.

66:00
Das ist die antike Ordnung des Hauses. Und wenn du die für verbindlich erklären willst, dann sei auch konsequent. Du kannst die antike Ordnung des Hauses nicht für verbindlich erklären, ohne auch den traditionellen Ständestaat und eine autoritäre Staatsform zu bejahen. Denn im Neuen Testament hängt das zusammen. Ehre wem Ehre gebührt. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, ein Jeder sei Untertan der Obrigkeit. Diese Verse wurden in Europa jahrhundertelang benutzt, um jeden Gedanken an Demokratie und Gleichheit aller Menschen zu unterdrücken. Ähnlich die Ständegesellschaft, ein jeder Bleibe in der Berufung, in der er berufen wurde. Bist du als Sklave berufen, so sei Sklave und versuche nicht frei zu kommen. Ihr Sklaven, gehorcht euren Herren mit Furcht und Zittern, auch dem Wunderlichen und dient ihnen wie den Herrn.

67:06
Das ist der Zusammenhang dieses Textes. Die Obrigkeit ist über den Menschen, der Freie ist über den Sklaven, der Mann ist über der Frau. Und das ist Rosinenpickerei. Wenn Männer sagen, Monarchie finde ich auch doof, ich bin schon für Demokratie, kann ich mehr mitbestimmen, Sklaverei muss ich kurz überlegen, aber nee, ich könnte selbst Sklave sein, also nee, bin ich eigentlich auch nicht mehr für, Sklaverei gar nicht, schaffen wir auch ab. Aber der Mann als Haupt der Frau finde ich gut. Das ist eine Schöpfungsordnung. Das ist so eine ewige Ordnung, die Gott in seiner Weisheit gegeben hat und die müssen wir wahren. Dieser Begriff Schöpfungsordnung steht für das Gesamtpaket. Und in der gesamten frühen Neuzeit wurde an all diesen Fronten gekämpft.

68:00
Da war es eine Schöpfungsordnung, das Macht von oben ist. Dass Autorität von Gott verliehen ist und dass nicht alle Gewalt vom Volk ausgeht. Das hielt man für Lästerei, für Ketzerei in der Kirche und im Staat. Macht ist von oben. Dass es Menschen gibt, die von Natur Sklaven ist, war Schöpfungsordnung. Das war eine natürliche Ordnung der Dinge, so stand es bei den griechischen Philosophen, so hat man es gesehen. Das war natürlich, das hat man sich daran gewöhnt. Und so war es auch mit Mann und Frau. Herrschaft des Mannes über der Frau. Jetzt könnte man sagen, passt das, kann man das so zusammenstellen? Oder ist das jetzt so eine neumodische Idee, die Emanzipation quasi drauf zu schubsen auf dem Zug der Modernisierung? Diese Zusammenstellung ist nicht neu. Ich nehme einen Kirchenvater mal als Beispiel, Chrysostomos.

69:02
Müsst ihr nicht kennen, ist schön, wenn man ihn kennt, sonst ist es auch egal. Lebte vor 1600 Jahren, einer der allerwichtigsten. Der hat in seiner Auslegung der Urgeschichte festgestellt, mit dem Sündenfall sind drei große Knechtschaften über die Menschheit gekommen. Die erste Knechtschaft ist die Unterjochung der Frau unter dem Mann anstelle der ursprünglichen Ebenbürtigkeit. So wie es ersten Mose 3 heißt. Straffolge der Sünde zur Frau. Der Mann soll dein Herr sein. Das hat Chrysostomos damals schon so gelesen. Es ist eine der drei großen Knechtschaften. Die zweite war die Sklaverei, die Unterdrückung der unfreien Menschen durch die Freien. Das dritte ist die Zwangsherrschaft der Mächtigen, die Unterdrückung der Armen und Ohnmächtigen durch die Reichen und durch den Staat. Chrysostomos sagte, Christus ist gekommen, um diesen drei großen Knechtschaften die Macht zu nehmen.

70:07
Nicht in dem Sinne, dass wir jetzt eine Sozialrevolution machen, das alles abschaffen. Wir üben keine Gewalt aus, keinen Zwang. Das ist nicht unser Weg. Wir verkünden das Evangelium von Jesus Christus. Aber in Christus sind diese drei Knechtschaften gewissermaßen bloßgestellt. Und wir versuchen in eine Richtung zu gehen, diese Knechtschaften abzuschleifen. Darum machte Chrysostomos so Vorschläge und sagte, man muss vielleicht auch mal Sklavendienst, dreckig geht, freikaufen, in eine Ausbildung geben. Man kann nicht sofort als freier Bürger leben. Also sie abkaufen, in eine Ausbildung geben mit dem Ziel, sie irgendwann freizulassen. Oder wir müssen gegen Unterdrückung, gegen wirtschaftliche Ungerechtigkeit protestieren. Wir müssen als Kirche auch den Mächtigen ab und zu mal eine rote Karte zeigen.

71:04
Leider, muss man sagen, ist Chrysostomos zum Thema Mann und Frau am wenigsten eingefallen. Wäre jetzt auch schön, da hätte ich gerne noch paar Zitate gebracht. Da ist aber leider vielen in der Christentumsgeschichte am wenigsten zu eingefallen. Nur die grundsätzliche Ausrichtung ist ganz eindeutig. Es ist eine der drei großen Knechtschaften. Und so empfehle ich diesen Text zu lesen. So, dass wir auf der einen Seite eine antike Situation haben, die beschrieben wird, wie sie ist. Und dann fällt ein christliches Licht auf diese antike Situation und gibt dem Leben in der Familie zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Freien und Sklaven eine neue Richtung, eine neue Perspektive. Und ich möchte an der Stelle grundsätzlich mal sagen, wie kann christliche Ethik funktionieren?

72:03
Wie können wir von der Bibel her Leitlinien für unser Handeln gewinnen? Ich denke, eine Grundunterscheidung kennen viele. Viele kennen die Grundunterscheidung. Es gibt Bibelgebote. Die sind für einen bestimmten Einzelfall und andere nicht. Und die, die für einen Einzelfall sind, die sind halt für diesen Einzelfall verbindlich. Naja, und dann gibt es noch verbindlichere. Klar, der reiche Jüngling bekommt gesagt, geh hin und verkaufe alles, was du hast. Da sagen wir Einzelfall. Das ist nicht für alle verbindlich. So und bei anderen Dingen sagen wir, das gilt für alle. Dieses Schema ist schon Fortschritt. Man könnte selbst das nicht hinkriegen. Aber es ist zu wenig. Man braucht mindestens ein dreistufiges System. Und ganz kurz gefasst, ein dreistufiges System sieht so aus. Die Bibel hat Anweisungen, Werte oder Vorbilder für ganz spezifische Einzelfälle.

73:03
So, für eine bestimmte Situation ist das so. Nach dem Exil, Esra kommt nach Hause, lauter Mish'een. Und er sagt, Zwangsscheidung für alle, löst das auf. Extremer Einzelfall. Sehr schwierige Situation. Mish'een gibt es ja sonst in der Bibel. Das ganze Buch, Ruth, handelt im Grunde von Mish'een. So, mit der Scheidung sagt Jesus noch was sehr deutliches zu. Aber Esra macht Zwangsscheidung für alle in einer ganz bestimmten extrem politischen Situation des Neustarts des Wortes Gottes. Also ein Beispiel extremer Einzelfall auf nichts zu übertragen. Dann gibt es viele allgemeine Regeln und Leitbilder und Vorbilder in der Bibel, die gelten allgemein. Nehmen wir von Mose das Wort. Wenn ein Mann sich von seiner Frau scheiden lassen möchte, um etwas Schändliches willen, gebe ihr einen Scheidebrief gut und aus.

74:02
Das war allgemein verbindlich. Das haben alle so gelebt im orthodoxen Judentum. Ja, bis heute. So, nur der Mann kann sich scheiden lassen. Die Frau hat da keine Rechtsgleichheit. Es war allgemein gemeint, teilweise bis heute. Jesus hebt das auf und sagt, das hat Mose geboten um eures Herzens, Herdigkeit, Willen. Von Anfang an war es nicht so und sagt, der eigentliche Sinn der Ehe ist im Grunde nicht so, dass der Mann jederzeit seine Frau loswerden kann. Das ist eine Schieflage, eine Ungerechtigkeit. Jesus wird deutlich, das war eine allgemeine Regel. Aber sie ist in einem bestimmten kulturellen Kontext so gewesen. Sie ist auch nicht unumstößlich. Vieles in der Bibel bezieht sich auf eine bestimmte Situation, dass die Sklaven ihren Herren gehorchen sollten, weil damals allgemein gemeint.

75:01
Und es gibt gute Gründe, daraus keine ewige Ordnung zu machen. Und das ist das große Problem dieses Gedankens der Schöpfungsordnung. Das tut so, als gäbe es ewige Ordnung, unveränderliche Raster, in die alles passen muss. Im Grunde gibt es in der Bibel nur einige wenige universelle Prinzipien. Das wäre meine Dreiteilung, Einzelfall, Anweisungen, allgemeine Regel und Ordnung und universelle Prinzipien. Und das sind ganz wenige. Sicher dazu gehört liebt einander, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Sicher dazu gehört, seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Sicher dazu gehört auch Gerechtigkeit. Trachtet nach der Gerechtigkeit des reichen Gottes, lebt in Gerechtigkeit. Das sind die universalen Prinzipien.

76:01
Wenn ihr euch Epheser 5 anschaut, wir haben diesen Abschnitt über Mann und Frau. Das Kapitel beginnt erstmal mit universalen Regeln. Und die lauten lebt in der Liebe, wie Christus euch geliebt hat. Dann geht es weiter, lebt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts aber sind Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Das ist christliche Ethik. Das sind Maßstäbe, das sind Leitlinien, die soweit wir sehen können für alle Zeit gelten. Wir müssen schon erklären, was ist Liebe, was ist Gerechtigkeit, was ist Güte. Also auch hier, wir müssen die Worte verstehen, wir müssen es erklären und erläutern. Das ist kleine Verschiebung zu heute, aber es sind universelle Grundlinien. Und nach diesen universalen Grundlinien wendet Paulus das an auf das antike Haus. Und meine Deutung ist nun die, das antike Haus hat seine bestimmte Ordnung.

77:05
Und das wird von Paulus nicht einfach gelöscht, wie auch. Soll er denn sagen, ihr lieben Christen lebt in einer parlamentarischen Demokratie ohne Sklave mit Gleichberechtigung. Du kannst bei jeder Entwicklung immer nur den nächsten Schritt tun. Und Paulus geht hier den nächsten Schritt. In dieses antike Haus, wie es ist, zeichnet er die universalen Leitlinien ein. Liebe, Gerechtigkeit, Gegenseitigkeit. Wie gehen wir damit um? Wenn ihr an einer Tafel seht 1, 2, 4, 8, kann man verschieden damit umgehen. Man kann sagen, diese vier Zahlen verkünden die Botschaft, dass es nur vier Zahlen gibt und die höchste davon ist die 8. Wenn du ein bisschen nachdenkst, sagst du, ah ne, 16, 32, 64.

78:07
Weil du auf einmal verstehst, hier wird eine Richtung angedeutet. Hier wird ein Prinzip sichtbar. Wenn du 1, 2, 4, 8 sagst, wird damit eine Entwicklungsrichtung beschrieben. Es geht weiter. Und 8 heißt nicht, 8 ist die höchste Zahl, die es gibt, sondern dann kommt 16, dann kommen 32. Dann gibt es manche, die sagen, ja Moment mal, aber wenn wir Sachen weiterentwickeln, wo kommen wir dahin? Wir können das doch nicht immer weiter steigern. Ich weiß nicht, hättet ihr Angst vor einer Gesellschaft, in der Liebe und Gerechtigkeit immer weiter gesteigert werden? Hättet ihr Angst vor einer Ehe, wo die Liebe immer tiefer wird? Geht so, ne? Es gibt Dinge, die kann man unendlich steigern. Das Wesen Gottes, Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit kannst du unendlich steigern.

79:06
Das ist die Entwicklungsrichtung der Bibel. Und darum würde ich sagen, Paulus hat das antike Haus mit seinem 1 und 2 und er sagt jetzt 4 und 8. Und wenn wir Paulus treu sein wollen, dann können wir nicht sagen und Schluss und aus, Hermann am Mauer. Dann müssen wir sagen 16, 32 und so weiter. Und ich deute nur an, wie ich mir das vorstelle. Wie lese ich diesen Text dann weiter? Ich lese diesen Text dann so. Ordnet euch einander unter, liebt einander, dient einander, gebt euch füreinander hin, so wie Christus sich für euch hingegeben hat. Seid miteinander ein Bild der Liebe Christi für uns. Und ja, ich würde sagen, Paulus nimmt das Bild des Haupts und er versetzt es aber im Grunde durch das, was er damit macht, in ein künstliches Koma.

80:09
Und zwar in ein solches, was irreversibel ist, was Paulus mit dem Hauptgedanken gemacht hat. Sich aufopfern, sich erniedrigen, sich zurücknehmen, wie Christus sein Leben geben für die Frau. Daraus kannst du kein Patriarchat mehr machen. Dieses Haupt lebt in einem irreversiblen Koma. Und da würde ich sagen, lasst uns den Stecker ziehen. Wir brauchen das nicht mehr. Wenn wir den Weg weitergehen, brauchen wir nicht mehr die Hierarchie des antiken Hauses. Genauso wenig, wie wir Sklaven brauchen. Genauso wenig, wie wir einen autoritären monarchischen Staat brauchen. Das ist die christliche Linie. Das ist Christentum als Salz, als Licht.

81:04
Jesus sagte, die Herrscher dieser Welt unterdrücken die Völker. So soll es nicht unter euch sein. Was haben wir damit gemacht? Wir werden immer kritischer gegen Herrscher, die ihr Volk unterdrücken. Wir wollen die wählen. Und wenn die uns nicht gefallen, wollen wir andere. Und wir sind damit Jesus nicht ungehorsam, sondern wir gehen den Weg weiter. Kein neustestamentlicher Autor kam auf die Idee, die Sklaverei schon abzuschaffen. Sie wird vermenschlicht. Sie wird humanisiert. Das Gefälle wird etwas abgemildert. Und irgendwann sagte man, es wird Zeit für 16. Es wird Zeit für 32. Wir brauchen keine Sklaven. Und so würde ich sagen, wir brauchen auch keine patriarchalische Eheordnung mehr. Wir gehen diesen Weg weiter. Und das ist erst der Anfang.

82:03
Was Paulus mit diesem Text macht, ist ja, dass er christliche Prinzipien anwendet auf eine ganz bestimmte Situation. Das ist doch unser Auftrag, zu sagen, was ist denn heute unser Haus? So, und dann kann man auf die Idee kommen, es gibt nicht nur Haus mit Männern, Frauen, Kinder und Sklaven. Es gibt auch Alleinerziehende. Es gibt auch Singles. Es gibt auch Menschen, die gar nicht in einer klassischen Beziehung leben. Es gibt viel mehr. Das gibt es. Und da kann ich nicht wieder in meine Bibel gucken und sagen, das gibt es da alles nicht, also darf es das gar nicht geben. Dann muss ich auch auf das, was es alles gibt, wirklich die christlichen Prinzipien anwenden und sagen, liebt, erbarmt euch, vergebt, tröstet, seitlicht, lebt in Gerechtigkeit. Das muss doch der Weg sein, mit Dingen umzugehen, die es in der Bibel so noch nicht gibt.

83:07
Ich möchte zum Abschluss kommen. Wer von euch kennt den Film Leben des Brian? Es sind doch noch einige. Schön. Ich bin ja spätberufen zum Glauben gekommen. In meiner artistischen Jugend war das einer meiner Lieblingsfilme. Ich habe den mindestens zehn Mal gesehen, ich konnte den auswendig. Irgendwann bin ich zum Glauben gekommen, dann hatte ich da ein kleines, bulmiges Gefühl, lange nicht gesehen. Jetzt hat meine Tochter den im Schulunterricht, so kurz vor den Ferien sind die Eltern, die Lehrer ja alle der Verzweiflung nahe zeigen, lauter Filme, hat sie Leben des Brian gesehen. Jetzt habe ich den noch zweimal mit angeguckt und dachte, ist schon geil auch. Muss man zugeben. Paar Stellen kann man diskutieren, aber es ist intelligente Religionskritik. Man darf sich über Sachen ärgern, alles Menschen. Aber ich würde doch sagen, habt keine Angst vor intelligenter Religionskritik.

84:02
Vielleicht habt ihr die Szene vor Augen, wo Brian inzwischen von der Menge für ein Viziers gehalten wird und eine Rede halten soll und seine urige Mama ihn da nach vorne schiebt und der dann irgendwann sagt, ich habe euch ein oder zwei Dinge zu sagen. Und die Menge ruft, sag sie uns, sag uns beide Dinge. Und er sagt dann, ihr seid doch alles Individuen. Und das Volk ruft, ja, wir sind alles Individuen. Und er sagt, und ihr seid doch alle völlig verschieden. Und alle rufen im Chor, ja, wir sind alle völlig verschieden. Einer aus der Menge ruft, ich nicht. Und Brian fährt fort, ja, genau, darum sollte jeder doch von euch versuchen, es für sich selbst herauszufinden. Und das Volk ruft im Chor, ja, wir sollten es für uns selbst herausfinden. Gucken sich an, sag uns wie, Herr.

85:00
Intelligente Religionskritik. Christen sind Kinder der Freiheit. Sie bekommen kein Regelkorsett aufgezwungen. Sie bekommen Lichter gezeigt, Liebe, Erbarmen, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit. Und dann den Auftrag, geht, geht als Kinder der Freiheit in diese Richtung. Und als Mann und Frau haben wir da echte Schwierigkeiten. Für die Frauen ist es so, sie finden sich in einer geschichtlichen Situation vor, für die es in der Vergangenheit oft kaum Vorbilder gibt. In der Bibel gibt es großartige Frauen, nichts gegen diese großartigen Frauen. Aber halt keine berufstätigen, studierten Mütter, die ihre Ehe, ihre Beziehung, ihre Netzwerke und ihre Karriere stemmen. Und auch in der Kirchengeschichte nicht. Und das ist nicht leicht, damit umzugehen ohne Leitbilder, ohne Vorbilder.

86:06
Und es gibt keinen Rückweg. Es gibt keinen Weg zurück in das, was mal war. Bei den Männern ist es umgekehrt. Sie sind umzingelt von Leitbildern, an denen zu glauben, ihnen immer schwerer fällt. Wenn sie hören, ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss, klingt das immer noch cool, aber man weiß nicht mehr, was es ist. Einige Männer-Workshops versuchen Männer dazu zu animieren, dass sie halbnackt ums Lagerfeuer tanzen und Zugang kriegen zum Krieger in sich, zum Jäger in sich, zum König, zum Helden. So, und dann sitzen sie zu Hause bei ihrer Familie und schütteln ihr armes kleines Kind, was nicht schlafen will, und tragen es herum und sagen, warum gibt es keine historischen Vorbilder für Männer, die Helden sind, weil sie mit ihrem Kind eine schlaflose Nacht hatten und trotzdem am nächsten Tag am Schreibtisch überleben müssen und das sogar können.

87:03
Das ist unser Leben. Wir sind alle aus der Rolle gefallen. Wir alle haben unsere Verunsicherungsanfälle, weil wir uns auf ungebahnten Wegen widerfinden. Und da kann ich jetzt auch nicht einfach aus der Bibel etwas rausstanzen und sagen, so genau geht's, sondern nur sagen, habt keine Angst vor der Freiheit, sondern lebt als Kinder der Freiheit in Liebe und Gerechtigkeit und Barmherzigkeit und lebt es miteinander als Männer und Frauen und dann können und werden wir Wege finden. Vielen Dank.

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Der Mann des Weibes Haupt – Gottes Bild eines Ehebundes im 21. Jahrhundert? | 6.8.2

Worthaus@Freakstock 2016 – Allstedt: 30. Juli 2016 von Prof. Dr. Thorsten Dietz

Die Vorstellung, dass die Frau dem Mann zu gehorchen und der Mann das Sagen hat, die kennen wir eher aus einer anderen Zeit oder aus anderen Kulturen. Wir in der aufgeklärten westlichen Gesellschaft sind natürlich alle völlig gleichberechtigt. Wenn man dann doch versehentlich mal die Bibel aufschlägt, die Heilige Schrift des Christentums, auf dem unsere moderne westliche Gesellschaft unter anderem gründet, dann wird es schwierig. Dann steht da im Epheserbrief: „Die Frau sei dem Mann untertan.“ Da lässt sich schnell sagen: Die Bibel passt eben nicht mehr in unsere Zeit. Tatsächlich sind viele Weisungen in der Bibel für die Menschen der Antike geschrieben, erläutert Thorsten Dietz. Dass die Frau dem Mann, der Sklave seinem Herrn und Kinder ihren Eltern gehorchen sollen, hätte damals niemand infrage gestellt. Doch nach diesen ersten Worten formuliert Paulus Ideen , die in der Antike eigentlich unvorstellbar waren. Geradezu revolutionär. Ideen, die uns heute zum Teil selbstverständlich scheinen. Aber bei diesen Anweisungen, die sich nur an Männer richten, sollte mancher Ehegatte auch heutzutage nochmal ganz genau hinhören. Aber Achtung: Das könnte nämlich ungemütlicher werden, als Paulus Worte vom Mann als Haupt der Frau im ersten Moment klingen!