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Und jetzt geht es zum Thema der Trennung von Juden und Christen in der Spätantike. Und damit Sie ein bisschen wissen, was Sie erwartet und damit ich auch die Zeit einhalte, habe ich es in fünf Punkte untergliedert. Da wissen Sie ein bisschen, wo ich jeweils bin. Erstens, Nichtjuden und Juden auf getrennten Wegen, der Beginn eines gemeinsamen Weges oder Streit auf dem Weg? Und da beginne ich mit einigen Bibelstellen aus dem Neuen Testament, um uns ein bisschen aufzuwärmen. Ich vermute, dass das für viele, vor allen Dingen für die Christen unter Ihnen, unter

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uns ein leichterer Part ist. Da wärmen wir uns ein bisschen auf und gucken auf das Thema drauf. Dann ein zweiter kurzer Teil zum Begriff Trennung der Wege mit einigen historischen Wegmarkungen. Wenn man von einer Trennung der Wege spricht, dann stellt man sich vor, da ist so eine Hauptstraße und da biegen dann Leute ab. Vielleicht gibt es zwei Abbiegungen oder auch eine. Manchmal wird so herausgesetzt, es gibt da so eine Hauptstraße und das ist die jüdische Hauptstraße und da sind die Christen irgendwann abgebogen. Das wird manchmal mit bedauerndem Unterton gesagt. Wir werden mal schauen, was daran genau zu bedauern ist und wo das Bedauern vielleicht auch nicht so am Platze ist. Die Frage ist aber, wo war die Abbiegung oder welche Möglichkeiten kommen historisch im

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Betrag? Das ist der zweite Punkt. Dann drittens die Trennung der Wege vom Christentum ausgesehen. Da habe ich auch noch zwei, drei Bibelstellen und dann Kirchenväterzitate, die ich Ihnen vorlesen möchte und die ich kommentiere. Und dann der interessanteste, würde ich sagen, Hauptpunkt Nummer vier, die Trennung der Wege vom Juden ausgesehen. Da erzähle ich Ihnen eine Geschichte aus dem Talmud. Ich habe es bei Dialogveranstaltungen von Juden und Christen manchmal erlebt, dass da saß ein christlicher Dogmatiker, der hat theoretisch gesprochen und Theorien entwickelt über die Rechtfertigung und über dogmatische Fragen. Und der jüdische Gesprächspartner hat eine Geschichte erzählt von Rabbinen, von denen

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die meisten Zuhörer noch nie was gehört hatten. Und dann sitzt man da so ein bisschen, rutscht auf dem Stuhl hin und her. Was kommt da denn zur Sache? Ging mir früher auch so. Und dann hat man nicht gemerkt, dass der jüdische Gesprächspartner bei der Sache war. Er redet nämlich von oder auch Sie oder er redet von der Thora, nämlich der mündlichen Thora, also eine Geschichte aus der mündlichen Thora. Da möchte ich ein bisschen länger bei verweilen. Und diese vier Punkte möchte ich Ihnen so präsentieren, dass ich beanspruche, Religionshistoriker zu sein. Also geschichtlich möchte ich Ihnen was entwickeln. Und im fünften letzten Teil, ich bin natürlich auch Theologe oder erste eigentlich Theologe, Theologe, der sich die Geschichte der Beziehungen von Juden und Christen zum Gegenstand seines Berufslebens gemacht hat. Aber am fünften Punkt möchte ich dann ganz besonders nochmal darauf eingehen, auf die

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Frage, was das, was wir gehört haben, eigentlich für den christlichen Glauben bedeutet oder bedeuten könnte. Am fünften kurzen Teil. Also fünf Teile. Ich beginne mit eins, Bibelstellen zum Thema Juden und Nicht-Juden aus dem Neuen Testament. Nun wird häufig gesagt, das Neue Testament ist ein jüdisches Buch. Lassen wir mal die Frage der Autorschaft des Lukas-Evangeliums und der Apostelgeschichte außen vor. Dann waren nach allem, was wir wissen, große Wahrscheinlichkeit alle Autoren des Neuen Testaments Juden. Und von einem Teil der neuestemtlichen Wissenschaft wird das heute auch so gesehen, dass man sagt, das Neue Testament ist insofern ein jüdisches Buch. Nur wie kommt es dann, dass Juden es nicht lesen? Ja, sie es zum Teil für verboten halten, dieses Buch zu lesen.

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Was heißt hier eigentlich jüdisch? Wenn wir sagen, das Neue Testament ist ein jüdisches Buch, dann setzen wir einen Begriff vom antiken Judentum voraus. Nicht ein Begriff vom rabbinischen Judentum. Das rabbinische Judentum entsteht unter anderem oder entsteht durch den Prozess, der mit der Trennung der Wege zu tun hat. Und diesen Prozess der Trennung der Wege können wir an einigen Texten im Neuen Testament schon ein bisschen ahnen. Und ich habe jetzt sechs kurze Bibeltexte. Vielleicht sind sie Ihnen bekannt. Möglicherweise haben Sie diese Texte aber noch nie unter diesem Gesichtspunkt gehört.

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Und wenn wir diese Texte dann ein bisschen gleich mitlaufen lassen im Gedächtnis durch den weiteren Vortrag, dann werden wir verstehen, was für ein Prozess hier eigentlich abläuft. Also ich nenne als erstes die Geschichte der syrophönizischen Frau in Markus 7. Jesus ist auf dem Weg, es passt zum Bild der Wege, er ist im Ausland unterwegs, im nördlichen Ausland, vom Land Israel aus gesehen und ist in dem Gebiet von Thürost, im heutigen Libanon. Und es heißt dann im Markus-Evangelium, er wollte es niemandem wissen lassen. Also irgendwie reist er da in Kognito. Und es konnte doch nicht verborgen bleiben. Also augenscheinlich war ihm das unangenehm. Und dann kommt eine syrophönizische Frau, die hat aller Wahrscheinlichkeit nach Griechisch

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mit ihm gesprochen. Die Spannung ist schon da. Jesus wollte das eigentlich nicht und sie möchte, dass ihr Kind geheilt wird. Griechenland ist eine fremde Kultur. Aus Syrien heraus war das Volk Israel unterdrückt worden. Wenn Juden Syrien gehört haben in dieser Zeit, haben sie möglicherweise gedacht an die Maccabea Aufstände, an die Unterdrückung etwa 200 Jahre vorher zur Zeit von Judas Maccabeus. Also ist nicht so ein angenehmes Stichwort. Und dann kann man sich fragen, warum wird das im Neuen Testament überliefert? Jesus sprach zu ihr, lass zuvor die Kinder satt werden. Also die Söhne Israels, die Kinder B'nai Israel, ja die Kinder, lass die satt werden. Denn es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot nehme und werfe es vor die Hunde.

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Das sagt Jesus einer Frau, die Hilfe sucht wegen ihres Krankenkindes, Vater Tobak. Der Evangelist zeigt mit seiner Geschichte, dass das mit Miteinander die Weggenossenschaft von jüdischen und nicht jüdischen Jesus Anhängern noch alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Diese Frau war natürlich noch keine Christin. Aber im Evangelium wird diese Geschichte erzählt, weil die Leser des Markusevangeliums, kurz nach 70 nach Christus geschrieben, dieses Problem vor Augen haben. Also die Frage war noch aktuell, wie sieht es mit dem Miteinander von jüdischen und nicht jüdischen Jesus Anhängern aus? Wie geht das? Und in dieser Zeit waren einige Fragen noch nicht geklärt. Es war noch nicht endgültig geklärt, können wir zusammen essen?

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Also können wir nachher zusammen da oben Kaffeepause machen oder links oder rechts? Können wir unsere Kinder gegenseitig in die Ehe geben? Also darf eine Nichtjüdin einen jüdischen Jesus Anhänger heiraten? Und umgekehrt. Es war noch nicht mal geklärt, wie diese Jesus Anhänger sich nennen. Im Neuen Testament wäre das überliefert in der Apostelgeschichte, dass zu einem bestimmten Punkt zum ersten Mal das Wort Christen erwähnt wurde. Als Paulus schreibt, etwa in die Gemeinde in Korinth, schreibt er nicht Paulus, Apostel Jesum Christi, an die Christen in Korinth, liebe Brüder und Schwester.

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So schreibt er nicht. Er schreibt an die Gemeinde Gottes, an die Heiligen. Dass das Christen sind oder waren, das musste sich erst herausstellen. Man musste das mal definieren. Wo ist denn, wer gehört dazu und wie nennt man die? Und was ist das eigentlich für eine Gruppe? Also bei der Vorbereitung habe ich mich bei dieser Geschichte von der syrophönischen Frau immer wieder gefragt. Also dieses Schreibt, also nehmen wir mal unabhängig von der Frage, ob diese Geschichte so historisch passiert ist. Warum schreibt der Evangelist Markus das auf? War das für griechisch lesende Christen in Syrien nicht vielleicht eine Beleidigung? Und was ist das mit den Hunden, das Geben? Sie sprach, Herr, aber doch essen die Hunde unter dem Tisch von den Brotsamen der Kinder.

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Und er sprach zu ihr um dieses Wortes Willengehin. Der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren. Und so ging in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen. Und der Dämon war ausgefahren. Das ist eine Zeit, in der Nichtjuden nicht zum Volk Gottes gehörten, es aber Bestrebungen gab, sie in die Weggenossenschaft aufzunehmen. Und das Problembewusstsein war noch da. Jetzt einige kurze weitere Bibeltexte, nur stichwortartig. Sie erinnern sich an die Geschichte im Markusevangelium, Kapitel 15, wo der Hauptmann, ein Römer, der Jesus gegenüberstand. Jesus am Kreuz sterben sieht und sagt wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn. Das wird berichtet, weil der Evangelist Markus das vor Augen hat, dass Menschen aus dem Bereich der nichtjüdischen Völker zum Glauben an den Messias Jesus finden.

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Oder ein anderer Text. Ich gehe ein bisschen Kreuz und Quer. Den Missionsbefehl geht hin in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Völkern. In der Bibelwissenschaft wird heute kontrovers darüber diskutiert, wer mit diesen Völkern gemeint ist. Es gibt heute viele Kollegen, die sagen, predigt das Evangelium allen Völkern. Da sind alle nichtjüdischen Völker gemeint, gerade das jüdische Volk nicht. Da drehte sich schon ein bisschen rum. Ich habe einen vierten Bibeltext. Ein Text aus der ersten Schrift, die überhaupt im Neuen Testament steht, chronologisch, historisch. Der erste Text, geschrieben vom Apostel Paulus an die Gemeinde in Saloniki, an die Thessalonicher, ersten Thessalonicher 2. Und diesen Brief, diese Stelle kann man auch nicht ohne Beklemmung lesen.

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Und es gibt Kollegen, die sagen, das ist der erste Text, der deutliche Zeichen gibt der Trennung von Juden und Christen. Paulus schreibt nämlich von seinen Landsleuten, von Juden, die den Herrn Jesus getötet haben und die Propheten getötet haben und die uns verfolgt haben. Und die Gott nicht gefallen und allen Menschen Feind sind. Juden sind Feinde aller Menschen. Man kann diesen Satz auch nicht ohne Beklemmung lesen. Der Bibelwissenschaftler diskutiert, ob diese Formulierung allen Menschen Feind eine Anleihe ist an das Motiv, das wir auch bei dem lateinischen Schriftsteller Tacitus finden, der davon redet, Juden sind Menschenfeinde.

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Und es gibt einige Bibelwissenschaftler, die sagen, dieses Wort können wir dem Apostel Paulus nicht zutrauen. Das schreibt der Paulus nicht. Das kann er nicht schreiben. Deswegen sei dieser Satz oder dieser Halbsatz später eingefügt worden. Das ist sekundär. Das ist so ein Teil der Diskussion in der kritischen Bibelwissenschaft. Also wenn man sagt, ich möchte Paulus gerne in Schutz nehmen vor diesem schrecklichen Verdacht, dass so was Schlimmes gesagt zu haben. Also ich nehme an, dieser Satz gehört gar nicht ursprünglich zu Paulus dazu, das ist später dazu gekommen. Es gibt andere, die sagen wie der Tübinger Theologer Gerhard Kittel, der gelebt und gewirkt hat in der Zeit, von der vorhin die Rede war, in den 1930er Jahren.

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Der sagt, dass der Apostel Paulus in diesem Wort bewusst ein Motiv antiker Judenfeindschaft aufnimmt. Er hat das also zitiert. Antike, nicht Jude, also Judenfeindschaft unter Heiden der damaligen Zeit, dass er das zitiert und verkristlicht. Und damit den christlichen Antisemitismus begründet, der nach Gerhard Kittel, einem der großen, Anführungszeichen, Tübinger Neudestamentler des vergangenen Jahrhunderts, den Antisemitismus damit rechtfertigt. Antisemitismus ist eine richtige Sache, wenn Christen es betreiben. So Gerhard Kittel. Es ist ganz schrecklich, das auch nur zu sagen an dieser Stelle. Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen.

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Die heutige Forschung tendiert dazu anzunehmen, dass Paulus hier in der Tat ein Motiv aufgreift, aber nicht ein Motiv antiker Judenfeindschaft, sondern das Motiv der Verfolgung der Propheten. Der Verfolgung der Propheten schon im Alten Testament. Die Remier wurde verfolgt. Auch andere Propheten wurden verfolgt, jeweils von ihren Gegnern im jüdischen Volk. Und dass Paulus hier eine Kritik übt, die man als innerjüdische Kritik bezeichnen kann. Also eine scharfe innerjüdische Auseinandersetzung. Das ist die Annahme, die die meisten Neutestamentler nach meiner Kenntnis heute bevorzugen. Dennoch die Frage, wie passt dieses Bild, dieses Paulus-Wort von den Juden als Feinden aller Menschen zusammen mit dem berühmten Paulus-Wort, das wohl die meisten von ihnen kennen,

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in dem Text Römer 9 bis 11, vor allen Dingen Römer 11 von dem Ölbaum und den wilden Zweigen, die auf den Ölbaum eingepfropft werden, die nicht Juden sind. Die wilden Zweige, also die nicht jüdischen Christus-Anhänger werden auf den Ölbaum aufgepfropft. Und Paulus warnt dort vor dem Hochmut der nicht jüdischen Jesus-Anhänger und schreibt, ganz Israel wird gerettet werden. Also ein ganz tröstliches Wort auf die Juden bezogen. Ein Text, der heute viel genommen wird als Ausgangspunkt für den jüdisch-christlichen Dialog, sofern Christen ihn betreiben.

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Wie lässt es sich vereinbaren? Ich lasse die Frage jetzt mal offen stehen und nenne noch schnell als sechstes im Johannesevangelium zwei Stichworte. Wir haben im Johannesevangelium eine ganz interessante Spannung zwischen dem Satz einerseits in Kapitel 4. Das Heil kommt von den Juden. Das Heil kommt von den Juden. Und andererseits einer ganz harten Kritik an den Juden. Vor allen Dingen in Kapitel 8, wo der johannesche Jesus, wo ihm in den Mund gelegt wird, dass er von den Juden sagt, ihr seid Kinder des Teufels.

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Und besonders eindrücklich ist, dass der Evangelist Johannes ein griechisches Wort erfindet, das es nach meiner Kenntnis sonst nirgendwo gibt. Das Wort heißt Aposynagogos. Also Synagoge hören Sie schon. Ja, und dieses griechische Wort, das nur hier belegt ist, heißt aus der Synagoge ausgeschlossen. Jesus spricht zu seinen Jüngern und die Jünger rechnen damit, dass sie aus der Synagoge ausgeschlossen werden. Also hier deutet sich schon etwas an von der Trennung der Wege. Und wenn man jetzt diese neutezermännlichen Stellen vor Augen hat, die ich Ihnen vorgeführt habe, dann sollte man denken, ist irgendwie klar. Also am Ende des Neuen Destamens gehen Juden und Christen auseinander. Und dann wäre ich jetzt mit meinem Vortrag fertig.

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Das wäre vielleicht auch schön, aber das Spannende würden Sie jetzt vermissen. Und ich möchte jetzt Sie ein bisschen einführen in neuere Forschung. Ich komme zum zweiten Abschnitt, zum Begriff der Trennung der Wege und einige mögliche Abbiegungen von dieser Autobahn, von dieser Highway, wo man dann abbiegt. Also ich beginne mit der Herkunft des Begriffs. Der Begriff wird sehr häufig auf Englisch zitiert. Man spricht von dem sogenannten Parting of the Ways. Das geht zurück auf eine Schrift von einem britischen Theologen, einem britischen Neu-Destamentler auf einer Tagung, die gemeinsam von der Universität Tübingen und Großbritannien veranstaltet wurde.

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Jews and Christians Parting of the Ways 70 bis 135 n. Chr. Also die setzen diese Parting of the Ways auf diese Zeit an, 70 bis 135. Da wären wir ja so etwa in der Neu-Destamenten-Zeit ein bisschen später. Warum 135? Weil das Jahr 135 steht für den zweiten großen Aufstand der Juden gegen die Römer im Heiligen Land. Der erste große Aufstand endete im Jahre 70 n. Chr. mit der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels. Und der dritte Aufstand, der sogenannte Bar Kochba Aufstand, war eine runde noch vernichtendere militärische Niederlage der Juden. Hat zu einer Entvölkerung Judäers von seinen jüdischen Einwohnern geführt und wurde als riesengroße Katastrophe empfunden. Und man könnte überlegen, ob diese Katastrophe dazu geführt hat, dass Juden und Christen sich endgültig trennen,

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weil die Christen ein Interesse daran gehabt haben könnten, nicht zu denen zu gehören, die da gegen die Römer wieder den Stachel locken und einen Aufstand machen. Ja, da gehören wir nicht dazu. Wir sind andere. Dieser Zeitabschnitt 70 bis 135 n. Chr. wurde in der späteren Forschung aber infrage gestellt. Und es gibt heute Kollegen, die sagen, dass die Trennung der Wege möglicherweise erst im vierten Jahrhundert n. Chr. Also nochmal 300 Jahre später oder vielleicht sogar zu Beginn des fünften Jahrhunderts n. Chr. stattfand. Wie ist das möglich? Das möchte ich Ihnen im Folgenden zeigen.

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Und vielleicht noch der Hinweis auf einen zweiten Buchtitel von einem Kollegen mit dem Namen Adam Becker. 2003, der hat das Buch geschrieben The Ways that Never Parted. Also auf der einen Seite Parting of the Ways, also das Auseinandergehen der Wege und dann die Gegenthese ist Die Wege haben sich nie getrennt. Ja, das hätte man vielleicht in Görlitz vor 1933 auch denken können. Also das ist irgendwie, läuft das immer wieder parallel und dann kommt man wieder zusammen. Und wie auf einer Autobahn, wo man vielleicht mal kurz abnurzt, weil dann Stau ist und dann fährt man wieder drauf. Also ja, The Ways that Never Parted. Im Grunde waren wir zusammen. Dies ist historisch so nicht der Fall. Und ich möchte jetzt kurz Ihnen einen Überblick geben über ein paar historische Wegmarken,

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wo man überlegen kann, dass da die Ausfahrt war. Also Ausfahrt 1, 2, 3, 4, 5 oder 6. Also 70 nach Christus, die Tempelzerstörung, ja, könnte eine Ausfahrt gewesen sein, weil die nicht jüdischen Jesusanhänger auch da Grund hatten zu sagen Wir gehören nicht dazu. Ja, 96 nach Christus ist ein interessanter Termin, ein interessantes Datum. 70 nach Christus wurde ja der Tempel zerstört. Und die Juden konnten zu diesem Zeitpunkt keine Tempelsteuer mehr zahlen. Beziehungsweise das Zahlen der Tempelsteuer war sinnlos geworden, weil es keinen Tempel gab. Und die Kirchensteuer oder die Abgabe für die Priester am Tempel war nicht mehr nötig und nicht mehr sinnvoll.

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Ja, und da haben die Römer die frühere Tempelsteuer ersetzt durch den sogenannten Fiskus Judaicus. Also eine Steuer, eine Strafsteuer, die die Juden zu entrichten hatten für die Römer. Und diese Steuer wurde 96 nach Christus nochmal verschärft durchgesetzt. Und man kann überlegen, dass Christen einfach aus oder nicht jüdischen Jesusanhänger aus fiskalischen Gründen. Ja, die sind zum Steuerberater gegangen und haben gesagt Also wie kann ich meine Sache irgendwie optimieren? Und dann haben die gesagt, dann geht zur Behörde und sagt, Judeus nun summen. Also ich bin kein Jude. Und da war die Steuer weg. Eine Möglichkeit. Von dem Jahr 135 haben wir schon gesprochen. Es gibt die Möglichkeit zu überlegen 212 nach Christus. Da wurde das römische Bürgerrecht allen Bürgern im Römischen Reich gegeben, auch den Juden.

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Und die Juden hatten in dieser Zeit ein gewisses Privileg. Das Judentum galt nämlich als religio licita, als erlaubte Religion. Dieses Privileg hatten die Jesusanhänger nicht. Sofern die Jesusanhänger Juden waren. Ja, da waren die möglicherweise da ein bisschen aus dem Schleider raus. Also man kann überlegen, ob dieses Jahr 212 da geht es um Staatsbürger Recht. Ja, Staatsbürger recht. Rechtliche Fragen werden ja auch gerade bei uns wieder diskutiert. Also das kann eine Trennungslinie gewesen sein. Jüdische Gemeinden wurden als anerkannte Kultgemeinschaften behandelt. Das Christentum war weiterhin ein verbotener Aberglauben, Superstition.

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Der große Punkt, ein wichtiger Markierungspunkt ist das Jahr 313. 313, die sogenannte konstantinische Wende. Konstantin, den man später Konstantin in Großen genannt hat, führt einen Kampf. 313 in Rom an der Milwischen Brücke. Er hat dann eine Vision. In diesem Zeichen wirst du siegen. Er sieht da die Sonne und über der Sonne ist ein Kreuz aufgemalt. Ja, ein christliches Symbol. Wir kennen, einige kennen von uns das Kirchenlied Sonne der Gerechtigkeit. Also Sonne, Christus, die Sonne. In diesem Zeichen wirst du siegen. Und dann toleriert er das Christentum mit dem Edikt von Mailand und so weiter und so fort. Jetzt passiert für die Juden in der römischen Provinz Palästina ganz Wichtiges.

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Es beginnt eine gewaltige Bautätigkeit im Heiligen Land. Es werden Kirchen gebaut. In Jerusalem, in Nazareth, in Hebron, in Bethlehem. Es kommen Pilger ins Land. Die ziehen da singend da ihrer Straße und die singen Psalmen. Lesen die Bibel, von denen die Juden denken, es ist ihre Bibel. Also aus jüdischer Perspektive was ganz komisches. Eine kleine Gruppe, die man bisher gar nicht so richtig wahrgenommen hatte. Die wird nun immer größer und verändert auch die physische Gestalt des Landes. Da werden Straßen gebaut und dann gibt es christliche Namen. Und wo vorher mal ein jüdischer heiliger Ort war, wird von den Römern was draufgesetzt.

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Also das muss eine gewaltige Veränderung gewesen sein. Und könnte man ja sagen, gut, also Eroberer und so Fremde gab es immer. Aber wir müssen davon ausgehen, dass diese religiöse Bewegung für Anhänger des Judentums attraktiv war. Sehr, sehr attraktiv. Viele Christen können sich heute nicht mehr vorstellen, wie attraktiv mal der christliche Glaube war. Ja, ja. Und sich dann vorstellen die Angst der Autoritäten, der Chefs, der rabbinischen Gelehrten, der rabbinischen Weisen, dass die ihre Leute verlieren. Die Besten gehen weg und schließen sich denen an und sagen, wir können das ja vereinbaren.

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Das ist ja von unserer Bibel her, das passt ja alles zusammen. Und außerdem hat man natürlich dann auch bessere Aufstiegsmöglichkeiten in der römischen Staatsverwaltung und so weiter. Das ist der Geist der Zeit. Ja, da passiert unglaublich viel. Also diese Christianisierung des Reiches hat sicherlich viel bewegt. Und dann noch ein Punkt, der vielleicht noch eine Abbiegung gewesen sein könnte. Ein besonders wichtiges Ereignis findet in den Jahren 361 bis 363 statt. Ist den wenigsten von uns wohl bewusst. Es kam ein Kaiser nochmal auf den Kaiserthron. Ein entfernter Vorwander und Nachkomme von Kaiser Konstantin dem Großen, nämlich mit Namen Julian.

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Als neutraler Religionshistoriker würde man nicht sagen Julian der Abtrünnige. Aber in der christlichen Sprachregelung wird er so genannt. Julian Apostata. Das war ein Kaiser, der christlich erzogen war, aber vom Christentum nichts wissen wollte. Und zurück wollte zum Heidentum. Aber das Christentum war in den vergangenen 50, 60 Jahren schon so prägend und auch so kulturprägend gewesen. Und hatte gewisser Hinsicht auch seine Überlegenheit bewiesen, dass der Kaiser Julian sich eine Rückkehr zum Heidentum nur so vorstellen konnte, dass man eine Art heidnische Kirche gründet. Mit einer entsprechenden Organisation und einem regulierten Kult. Wo alles zentralisiert und reguliert ist und seine Ordnung hat.

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Und im gleichen Zug war Kaiser Julian der Meinung, muss das Judentum rehabilitiert werden und das Judentum muss wieder seinen Platz bekommen. Warum? Weil der Kaiser Julian hat das gemacht, weil er die Christen ärgern wollte. Und die christliche Meinung zum Judentum ging weithin so, der Tempel in Jerusalem ist zerstört worden als Strafe dafür, dass die Juden Jesus als Messias nicht angenommen haben. Also die Strafe Gottes für die Juden. Die Stürmer des Tempels, die noch da lagen in Jerusalem, sind sozusagen der steinerne Beweis, dass das Christentum Recht hat. Dass die Juden zu Recht in der Diaspora leben und keinen Tempel mehr haben. Und weil er den Christen was auswischen wollte, hat er gesagt, okay, sorgen wir dafür, dass der Tempel wieder gebaut wird.

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Und dann gab es, es gibt Berichte, dass es tatsächlich dazu kam. Man hat einen Architekten beauftragt, weiß nicht welchen. Der kam mit Sicherheit nicht aus Dresden, aber wie auch immer. Und die haben den Tempel angefangen zu bauen und dann habe es, so wird berichtet, ein Erdbeben gegeben und hat das ganze Ding wurde zerstört. Und zu allem Unglück ist der Kaiser Julian noch im Kampf gegen die Perser. Wir sind mit 363 gestorben und wir haben das Juden und Christen verstanden, diese Ereignisse als Gottesurteil. Und wir können davon ausgehen, dass dieser letzte Versuch in der Antike noch einmal einen Jerusalemer Tempel zu bauen, auch von den Menschen, die den Talmud geschrieben haben, die dafür verantwortlich sind, dass der Talmud seine Gestalt bekam, die er heute hat, als Zeichen gesehen wurde.

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Es gibt in der rabbinischen Literatur kleine Anzeichen dafür. Es gibt meiner Meinung nach eine wichtige Stelle, die darauf hinweist, dass sie davon wussten. Dieses Geschehen wird aber nicht mit Namen genannt, weil es was Heikles ist, ja, was sehr, sehr heikles. Also diese Geschichte, den Tempel wieder aufzubauen. Ja, und das ist gescheitert und seitdem ist es ein Tabu. Und an der ganzen Tempelgeschichte zu rütteln, ist nach jüdischem Recht bis auf den heutigen Tag verboten und darf nicht sein. Man darf als Torah-haltender Jude noch nicht einmal den Tempelberg betreten. Und die Extremisten im heutigen Israel, die das tun, tun das nach meinem Dafürhalten gegen geltendes Torah-Recht, gegen geltendes talmudisches Recht. Ich muss aber einschränkend sagen, über das jüdische Recht zu entscheiden, haben natürlich jüdische Rechtsgelehrte und jüdische Richter.

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Ich kann das nur aus meiner Außenperspektive sagen. Ich komme zum dritten Punkt. Die Trennung vom Christentum aufgesehen. Es ist vielleicht schon deutlich geworden, dass ich mit unterschiedlichen Begriffen davon arbeite, was Parting of the ways, was Trennung eigentlich heißt. Es gab schon in neudestamentlicher Zeit, also zur Zeit der Abfassung der späteren neudestamentlichen Schriften, ganz eindeutig Gruppen von Menschen, die an Jesus glaubten, von denen ganz klar war, dass sie keine Juden waren. Jeder Einsichtige wusste, dass wenn er in Rom oder in Korinth mit den Menschen zu tun hat, an die Paulus geschrieben hat, dass da Leute dabei waren, die keine Juden waren.

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Das geht ja auch aus den Paulusbriefen hervor. Das heißt, da war schon eine Differenzierung da und es gab dann auch früh schon Juden, die sich ganz eindeutig zu den nicht-jüdischen Jesus-Anhängern hinzugesellt haben und dann schon recht früh eine Trennung haben sichtbar werden lassen vom Mehrheitsjudentum. Dies ist die Trennung vom Christentum ausgesehen. Besonders interessant, für mich interessanter als Judaist, ist die Frage, wie sich die Trennung vom Judentum, und zwar vom rabbinischen Judentum, ausdarstellt.

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Das ist gleich mein vierter Punkt. Aber ganz kurz zum dritten Punkt, vom Christentum ausgesehen, das fängt damit an, dass wir Stellen im Neuen Testament haben, die vor der Beibehaltung jüdischer Praktiken warne. Im Kolosserbrief, Kapitel 2, 16, schreibt der Schreiber dieses Briefes an die Gemeinde in Kolossä, lasst euch kein schlechtes Gewissen machen, wenn ihr den Sabbat nicht haltet. Kein schlechtes Gewissen. Man kann überlegen, ob es in der Gemeinde in Kolossä Menschen gab, die nicht-Juden waren und die es irgendwie interessant und toll fanden, den Sabbat mitzuhalten. Ich kann es bestätigen, dass es sehr schön ist, den Sabbat mitzufeiern. Ja, also das ist ja auch attraktiv.

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Also, so, man feiert mit. Soll man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man den Sabbat nicht feiert? Soll man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man in Israel am Yom Kippur ist und als Christ und die ganzen jüdischen Freunde fasten und man selber bringt die Kraft zum Fasten nicht auf und dann greift man zum Sandwich, also frecklicherweise noch zum Wurst-Sandwich. Soll ich da ein schlechtes Gewissen haben? Paulus sagt nein. Ich finde auch nein übrigens. Aber Paulus sagt nicht nur, also der Schreiber dieses Briefes geht nicht nur darum zu sagen, hab kein schlechtes Gewissen, sondern es geht dann bald darum, auch zu sagen, haltet diese Praktiken nicht. 1. Timotheus 4, Vers 3, ja, geht es um Speisen. Das braucht ihr nicht. Ihr braucht diese koschere Küche nicht. Ja, haltet euch davon fern.

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Und dann einige Texte, die besonders eindrücklich sind von Ignatius von Antiochia. Ignatius von Antiochia, da sind wir in der Gegend so ein bisschen von der syrophoenischen Frau, die wir vorhin hatten. Ja, also im antiken Syrien, Antiochia gehört heute zur Türkei. Das ist so dieser Zipfel, der von der kleinen asiatischen Halbinsel so nach Süden reinreicht, Richtung Syrien und dem Libanon. Und der warnt hier, der Ignatius, der war Bischof der Stadt, ist dann als Märtyrer gestorben und der schreibt in seinem Brief an die Philadelphier, also nicht Philadelphia in Pennsylvania, sondern in der antiken Stadt in Kleinasien. Wenn aber einer von euch jüdische Lehren verkündigt, so hört nicht auf ihn.

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Es ist besser von einem Beschnittenen das Christentum zu hören als von einem unbeschnittenen christliche Lehre. Also es gab unbeschnittene, das heißt Männer, die hatten ihre Vorhaut noch auf ihrem Penis und die haben es gut gefunden, jüdische Lehren zu verkünden. Also die haben, das muss attraktiv gewesen, es ist ja auch attraktiv, finde ich. Also wie das geht, jüdische Gebote und die Feiertage und Laubhüttenfest ist hier auch schön und so weiter. Das sollen wir auch machen in der christlichen Gemeinde. Und da sagt der Ignatius Nein, hört nicht auf die. Den Judaismus soll man nicht erklären.

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Da wird ein interessantes Wort verwendet, Judaismus. Also steht nicht jüdische Religion da, also jüdische Lebensweise. Und es gibt aber auch Beschnittene, die den Christianismus, die das Christentum verkündigen. Also sehr interessant. Ignatius verbietet hier etwas. Und das ist ein Zeichen dafür, dass es dieses Phänomen gab. Ähnlich in seinem Brief an die Magnesia. So und jetzt komme ich zu meiner talmudischen Geschichte. Viertens, also die Trennung von Juden und Christen vom Judentum aus gesehen. Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, eine Agadar. Eine Erzählung. Agadar heißt im Neuebräschchen Märchen.

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In der talmudischen Literatur wird mit Agadar einfach eine Geschichte bezeichnet. Agadar ist eigentlich alles, was erzählend ist. Der Gegensatz zu Agadar ist im Talmud die Halacha, das Religionsgesetz. Ich werde nachher auch noch kurz eine Halacha erwähnen. Aber jetzt erst mal die Agadar. Und ich erinnere mich noch mal daran. Jüdisch gesehen sind wir hier nicht auf einem Nebengleis. Ich zitiere hier einen Text, der für glaubende, praktizierende, toralschreue Jugend zur mündlichen Toral gehört. Also ein relevanter Text, nicht irgendwie eine Anekdote. Witzler aus dem Ostjudentum oder irgendwas. Sondern das hat eine Bedeutung. Aus dem Traktat über den Götzen isch, im babylonischen Talmud.

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Eine Begebenheit betreffend Rabbi Elazar bin Dama, den eine Schlange gebissen hat. Eine Schlange. Wenn wir von Schlange hören, dann kommen Erinnerungen. Da kam Jakob aus Quaresama. Quar heißt Dorf. Capernaum. Capernaum ist Quarnachum. Also Capernaum ist das Dorf von Nachum. Quaresama ist eigentlich, wenn man das übersetzen wollte, das Drogendorf. Also Sie dürfen an das Marihuana-Gesetz der verflossenen Bundesregierung denken.

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Quaresama, also Quares aus Drogendorf, um ihn im Namen des Jesu ben Pantera zu heilen. Also einer wird von der Schlange gebissen. Und dann kommt einer und sagt, ich weiß, wie man mit Bissen umgeht und ich kann dich heilen im Namen eines gewissen Jesu ben Pantera. So und jetzt kommt ein Dritter ins Spiel, also der kranke Gebissene, der Heilungskundige und Heilungswillige und der Dritte, Rabbi Yischmael, erlaubt es nicht. Es ist verboten, du darfst nicht. Es ist dir verboten, die Heilung durch Jakob zuzulassen. Der Kranke erwiderte ihm jetzt, also typisch, die fangen sofort an zu diskutieren. Und zwar religionsgesetzlich zu diskutieren, sofort darüber, was man darf und was man nicht darf.

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Also es kommt also nicht vor, dass einer was sagt, ohne dass sofort die Gegenmeinung kommt. Doch ich werde dir beweisen, dass er mich heilen darf. Und jetzt sind wir gespannt, wie die Diskussion geht. Darf er ihn heilen oder nicht? Aber es heißt jetzt, er hatte keine Zeit mehr, es zu beweisen, denn er starb. Was macht Rabbi Yischmael? Rabbi Yischmael antwortet mit einer Seligpreisung. Selig bist du, Ben Dahmer, dass du in Frieden die Welt verlassen hast und nicht den Schutzwall oder den Zaun, den die Weisen, die jüdischen Gelehrten aufgestellt haben, durchbrochen hast. Denn jeder, der den Schutzwall durchbricht, erhält schließlich seine Strafe.

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Denn es heißt, wer einen Zaun durchbricht, wird von einer Schlange gebissen. Also eine komische Geschichte. Wir müssen die Geschichte jetzt analysieren, so wie man das im Talmud auch macht. Geschichten analysieren, das ist jetzt so ein bisschen wie Literaturkundegeschichte interpretieren. Aber wir fangen mal an. Also der Name Jesu. Wie hieß Jesus auf Hebräisch? Wie hat ihn Maria genannt, wenn sie ihn in den Schlaf geworfen hat? Also sie hat sicherlich nicht Jesus gesagt, sie hat auch nicht Lyses gesagt. Sie hat auch nicht Jésus gesagt, Französisch, oder Jesu auf Italien. Jesus wäre griechisch. Wie heißt er auf Hebräisch? Es gibt eine Möglichkeit, auf die Spur zu kommen im Matthäusevangelium, wo der Engel sagt, du sollst seinen Namen Jesus nennen,

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denn er wird sein Volk erlösen von seinen Sünden. Also Jesus steht da natürlich auf Griechisch. Und er wird sein Volk erlösen von seinen Sünden. Das deutet auf eine hebräische Sprachwurzel. Und diese Sprachwurzel kann heißen, dass er hieß Hosea oder Hoschea, Joshua, Jehojua, Jeshua. Das Buch Joshua, gleich nach den fünf Büchern Mose, heißt im griechischen Buch Jesus. Ja, das ist schon mal eine Andeutung. Also wir haben vier oder fünf mögliche Sprachformen. Hier wird er Jesu genannt. Und das ist wahrscheinlich schon eine polemische Bezeichnung, vielleicht auch ein Spitzname oder so.

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Ja, man kann mit jedem Namen Spitznamen machen, aber möchte ihn nicht Jesua nennen, weil man diese Rettung, diese Erlösung nicht will. Und die Heilung durch den Jakob ist auch eine fragwürdige Sache. Und es scheint kein Zufall zu sein, dass dieser Jesus Anhänger Jakob heißt. Es gab ja einige Jakobi im Umfeld von Jesus. Jetzt, der ist der Sohn Panteras. Auch ein bisschen rätselhaft. Es gab eine Legende in der Antike, der zufolge ein römischer Soldat namens Pantera, der leibliche Vater Jesu Christi war. Dieser Pantera ist höchstwahrscheinlich eine ganz fiktive Person. Diese Legende ist greifbar bei einem heidnischen antikristlichen Philosophen, der zitiert wird bei Eurigenes. Also wir haben das Ganze nicht im Original. Und das wird in jüdischen Texten aufgegriffen und ist auch wieder polemisch gemeint.

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Also wenn die Maria mit dem Josef nicht verheiratet war, woher soll das Kind kommen? Also die gucken sich an und sagen, da ist jemand schwanger und das Kind kommt ja nicht vom Himmel. Also da war jemand im Spiel und das hat dann gleich eine polemische Komponente. Jetzt heilen im Namen Jesu. Was ist damit gemeint? Behauptete Jakob nur im Auftrag Jesu zu heilen oder wollte er den Namen Jesu als magisches Zauberwort verwenden? Die Möglichkeit der Heilung wird nicht in Frage gestellt. Rabbi Yusmael hätte ja sagen können, ach fall doch nicht auf den Quacksalber rein.

50:03
Der murmelt etwas und redet dann und das hilft doch sowieso nicht und geht zum richtigen Arzt. Und wir glauben doch an Schulmedizin. Heilung gibt es, aber es wird verboten. Im Übrigen wird dem Jesus Jünger hier etwas Positives nachgesagt. Er will heilen. Also der Rabbi Yusmael sagt nicht, lass dich auf den nicht ein, der macht die Sache noch schlimmer. Ja, der gibt noch Gift dazu und dann wird er mit Sicherheit sterben. Der Schlangenbiss. Im Markusevangelium am Schluss Vers 18 ist von den Zeichen die Rede, die den Jüngern Jesu nachfolgen werden. Wenn sie das Evangelium verkündigen, dass wenn der Schlangen kommen, dass sie mit den Schlangen fertig werden.

51:03
Das ist eines der Zeichen. Ganz interessant. Man kann auch sonst an Schlangen denken. Wenn Jesus geheilt hat, haben seine Gegner nicht gesagt, das sind Fake Heilungen. Wenn der Blinde sehen konnten und lahmekonnten gehen, haben die nicht gesagt, okay, das kannst du gehen, aber pass mal auf, nach 50 Metern fällst du wieder hin. Sie haben das nicht infrage gestellt, sondern sie haben gesagt, du heilst mit Hilfe der Unterwelt. Und Jesus hat seine Gegner dann oder bei Johannes der Täufer ist das und von der Welt von Jesus übernommen. Ja, ihr Schlangenbrot, Ottern gezücht, also Schlangen spielen da eine Rolle. Von der Paradies Schlange will ich jetzt gar nicht reden.

52:04
Und jetzt ganz typisch rabbinisch. Darüber gibt es jetzt eine Diskussion und zwar keine Medizin theoretische Diskussion. Also welche Heilungen helfen und welche Impfung ist am besten angebracht und welches Gift soll man nehmen? Sondern eine religionsgesetzliche Diskussion. Was ist erlaubt und was wird verboten? Diese ganze Sache wird Gegenstand der rabbinischen Lehre und wir werden sehen, was bei der Lehre rauskommt. Wenn Damer meinte, Rabbi Ishmael überzeugen zu können, es ist erlaubt, die Heilung anzunehmen. Aber wir erfahren leider nicht, an welchen Beweis er dachte. Er starb, bevor er es beweisen konnte. Daraufhin preist ihn Rabbi Ishmael. Wie haben wir es schon gehört? Selig bist du. Man kann an die Seligpreisung denken. Du bist in Frieden gegangen, weil du den Schutzwall nicht durchbrochen hast.

53:07
Also da ist anscheinend so ein Bild von getrennten Bereichen schon im Spiel. Das erinnert an getrennte Wege oder an so einen Zaun, der zwei Wege unterscheidet. Und er ist dann nicht durch, er ist nicht durchbrochen. Denn über jeden, der den Schutzwall der Weisen durchbricht, kommt die Strafe Gottes. Und dann wird ein Zitat aus dem Buch der Prediger, wer den Schutzwall durchbricht, wird von einer Schlange gebissen. Wie? Der war doch gebissen von einer Schlange. Heißt das, dass der Gebissene tatsächlich einen solchen Zaun niedergerissen hatte? Rabbi Ishmael preist ihn jedoch und er betonte, er habe keinen Wall niedergerissen.

54:01
Wie sind diese gegensätzlichen Aussagen zu vereinbaren? Schon der Talmud sah Schwierigkeiten. Und im Anschluss wird dann in der Diskussion der Gelehrten darüber die Frage gestellt, aber die Schlange hat ihn doch gebissen oder etwa nicht? Die Antwort entnimmt Rabbi Ishmael dem zitierten Vers aus dem Prediger Salomos, Kohelet 10, Vers 8. Und er deutet diesen Vers sehr eigenwillig. Wir haben jetzt hier rabbinische Bibelauslegung. Und die rabbinische Bibelauslegung funktioniert nicht so, wie Christen normalerweise die Bibel lesen. Und die funktioniert auch nicht so, wie man also im Literaturunterricht in der Schule oder so Texte lesen würde. Sondern es wird versucht, etwas im Text zu finden, was über den normalen, über den Literalsinn hinausgeht.

55:04
Und der Text wird in eine bestimmte Richtung gepusht. Der Vers will sagen, dass er künftig von einer Schlange gebissen wird. Demnach spricht der Vers nicht von einer irdischen Schlange, wie das Vieh, das den Armen gebissen hat, sondern von der Strafe Gottes in der kommenden Welt. Wir haben nun zwei Deutungsmöglichkeiten für die Schlange. Also Schlange kann einmal reale Reptil sein oder eine Otto oder was auch immer. Oder die Schlange als Strafe Gottes in der künftigen Welt. Aber Bendama starb in dieser Welt. Er beging keine Sünde, weil er nicht den Zaun der Gelehrten abriss oder überstieg. Daher vermied er die Strafe, wie sie nach Pdeg. 10 vorausgesetzt worden wäre.

56:02
Diese Interpretation erklärt, dass ergehen in der künftigen Welt für wichtiger als das Schicksal in dieser Welt. In den Blick kommt jetzt noch eine dritte Möglichkeit. Es könnte nämlich sein, dass der Schlangenbiss gerade die Verbundenheit mit den Jesus-Anhängern ist. Bendama, der Kranke, irrte oder er war sogar im Begriff zu sündigen, als er den Beweis bringen wollte, dass man medizinische Hilfe von Jesus-Nachfolgern annehmen darf. Sein plötzlicher Tod bewahrte ihn davor, diesen Zaun tatsächlich niederzureißen und zu übersteigen. Dann wäre er nämlich wirklich von einer gefährlichen Schlange gebissen worden,

57:03
nämlich von der verbotenen Beziehung zu den Jesus-Jüngern. Wie sollen wir dieses Bild der Schlange im Zusammenhang mit den Jesus-Anhängern verstehen? Ich habe vom Bild der Schlange im Neuen Testament schon gesprochen. Und ich will noch hinzufügen, dass man bei Schlangen natürlich an Verführung denkt, sinnliche Verführung. Und man kann meiner Meinung nach daran denken, dass das Christentum in dieser Zeit wirklich attraktiv war. Es konnte nicht nur materielle Vorteile für sich bringen im Römischen Reich, sondern es war auch attraktiv, weil man das Versprechen bekam, zum Bund zu gehören, Anhänger Jesu von Nazareth zu sein, in eine Beziehung zu dem Gott Israels zu treten, ohne bestimmte schwierige Gebote halten zu müssen.

58:06
Also jüdische Gebote zu halten, ist nicht immer so einfach. Und um jüdische Gebote zu halten, muss man viel studieren. Also Christ werden kann man, wenn man Katechismusunterricht hat. Also wie lange sollte ein Katechismusunterricht dauern, wenn jemand gar keine Ahnung hat? Ich würde sagen, notfalls nach einer Woche Unterricht, wenn er sagt, ich glaube an Jesus, würde ich ihn taufen. Ja natürlich, why not? Und würde ihm oder ihr empfehlen, weiter Bibel zu lesen und sich kundig zu machen. Aber Jude zu werden, ist kompliziert. Man muss viel lernen und man hat viel zu tun. Es ist attraktiv, also Christ zu sein. Also finde ich übrigens auch heute, aber vielleicht auch aus anderen Gründen. Also wir haben hier ein Motiv für jüdische Weise, vor dieser Verführung zu warne.

59:00
Weil sie ihre eigenen Leute beisammenhalten wollen und weil hier etwas geschieht in ihren Augen, was den Bestand des Volkes Israel in Frage stellt. Klar ist also, dass das Ungeheuer, vor dem Rabbi Yishmael warnt, keine eigentliche Schlange ist, wie die Schlange, die Ben-Dama gebissen hatte. Vor diesem Missverständnis will uns die Erzählung warnen. Die Erzählung will uns bewegen, über das Wesen der Dinge nachzudenken. Sie will uns zeigen, dass zwischen einer Schlange, die nichts als eine irdische Schlange ist und einer geistlichen oder religiösen Schlange, also einer wirklich gefährlichen Schlange, unterschieden werden muss. Es sind die Sozialkontakte mit Jesusnachfolgern, die hier als besonders problematisch gelten. Und wenn der Rabbi Yishmael hier gewesen wäre, zu Beginn des 20. Jahrhunderts und er hätte das gesehen, was uns berichtet wurde von dieser Synagoge, hätte er es nicht gut gefunden.

60:02
Also dass da in einem Chor in der Synagoge Juden und Christen und dann auch sogar Männer und Frauen miteinander singen und so, das entspricht nicht diesem Ideal von arabischem Judentum, das dieser Text hier uns zeigen will. Der israelische Talmud-Wissenschaftler Adiel Schremer, dem ich wesentliche Einsichten zu dieser Geschichte verdanke. Also Adiel Schremer hat gezeigt, dass damals Nachfolger Jesu nicht von anderen Juden zu unterscheiden war. Der Talmud geht dagegen vor und will eine Unterscheidung erzwingen. Der Talmud will zeigen, dass die Anhänger Jesu kein Teil der jüdischen Gemeinschaft sind. Wie wollte der Rabbi El Azar Ben-Dama, also der Kranke, der Gebissene, denn beweisen, dass er dennoch das Angebot der Heilung annehmen durfte?

61:07
Und hier müssen wir ein bisschen spekulieren und jetzt wird es juristisch. Also die Wissenschaft, die der Judaistik oder der Talmud-Wissenschaft am nächsten steht, ist die Juristerei. Also ich freue mich über jeden Juristen, der hier da ist. Es geht jetzt also um Auslegung. Welcher Paragraf ist einschlägig? Einschlägig ist hier Leviticus 18,5. Ihr sollt meine Satzungen und Rechte halten, sodass ein Mensch sie tut und durch sie lebt. Zu diesem Satz gibt es in der jüdischen Interpretation drei mögliche Deutungen. Also ihr sollt die Satzungen tun und leben. A. Eine übliche Interpretation versteht den Schluss dieses Verses durch sie lebt als Wiederholung der vorhergehenden Formulierung.

62:07
Sie tut, also tun Leben oder als deren Resultat. Wer Gottes Weisung befolgt, wird leben. Abweichend davon versteht ein rabbinischer Kommentar diesen Vers als Eingrenzung. Der Vers fordere, Gottes Satzungen und Rechte zu befolgen, falls und nur falls sie nicht lebensbedrohlich sind. In einer Konfliktsituation darf man die Gebote übertreten. In der jüdischen Rechtswissenschaft ist ein bekannter Satz. Lebensrettung verdrängt den Sabbat. Wenn es um eine Rettung von Menschenleben geht, dann darf man das höchste aller Gebote übertreten. Man darf den Sabbat entweihen. Horrible Diktatur. Also eine schlimme Übertretung den Sabbat entweihen. Aber man darf es, man muss es sogar, um ein Menschenleben zu retten.

63:10
Aber c, jetzt nach den meisten jüdischen Gelehrten, gab es drei Ausnahmen von dieser Regel. In drei Fällen muss nach dieser Auslegung eine Jüdin oder eine Jude bereit sein, den Tod in Kauf zu nehmen. Und darf selbst unter Todesgefahr diese Gebote nicht übertreten. Nämlich Götzendienst, Unzucht und blutvergessen Mord. Also man darf nicht jemanden morden, um dadurch am Leben zu bleiben. Man darf nicht Götzendienst treiben und sexuelle Unsittlichkeit nicht begehen. Diese drei Verbrechen galten als so schwerwiegend, dass die Rabbinen diese Regel nicht auf sie anwenden wollten. Hier kommt jetzt etwas bekanntes ins Spiel. Gerade Rabbi Yishmael war der Meinung, dass diese Einschränkung unter c nicht galt.

64:12
Der Rabbi Yishmael, das wissen wir aus anderen Texten, hätte die Erlaubnis in jedem Fall gegolten. Er hätte das Gesetz übertreten dürfen, auch an diesem Punkt, um am Leben bleiben zu können. Allerdings wurden die drei davor verschont, in dieser Frage wirklich entscheiden zu müssen, denn der Gebissene starb ja. Wir wissen nie, wie die Unterhaltung ausgegangen wäre. Ben-Dama verließ diese Welt, bevor er den Schriftbeweis bringen konnte. Das ist kein Zufall, denn der Autor dieser Erklärung wollte den Schriftbeweis nicht bringen. Rabbi Yishmael verbot seinem Kollegen im Namen Jesu geheilt zu werden.

65:08
Im Widerspruch zu seiner eigenen Regel, die den Wert des Lebens über alle Gebote stellt. Einschließlich des Verbots, andere Götter anzubeten. Also nach Rabbi Yishmael hätte man selbst vor der Jupiter-Statue oder sonst was niederknien dürfen und Götzen opfern dürfen, um das Leben zu retten. Aber in diesem Fall von einem Jesus-Anhänger mit Namen Jakobus geheilt zu werden, das hätte er verboten. Die Antwort auf diese Frage hat mit dem erwähnten Zaun zu tun, also diesem Schutzwall. Diesen Schutzzaun hatten die Rabbinen errichtet und der gebissene Ben-Dama war im Begriff, diesen Zaun abzureißen. Das wäre passiert, wenn er sich hätte im Namen Jesu heilen lassen.

66:03
Der Zaun, das sind die Regeln zu Sozialkontakten mit Heretikern, die in einem Text dieser Erzählung und zwar in einer Fassung, die Tosefta heißt, unmittelbar vorher stehen. Ich sagte schon, diese Erzählung wird mindestens dreimal in der rabbinischen Literatur erwähnt. Und in einem dieser Texte geht dieser Erzählung etwas Interessantes voraus. Und da heißt es in dieser Fassung, da sind wir wieder im jüdischen Recht, die Schlachtung durch einen Heretiker ist wie Götzendienst. Ihr Brot gleicht Samariterbrot. Ihr Wein gleicht Trankopferwein. Man lässt sich von ihnen nicht heilen, weder Heilung von Besitz, also man darf auch nicht zur kranken Kuh kommen und den Namen Jesu über der Kuh aussprechen, damit die gesund wird, noch eine Heilung von Menschen.

67:11
Medizinische Hilfe von Heretikern ist also verboten. Dieses Verbot meinte Rabbi Yishmael als der Ben-Samar-Selig-Priest. Rabbi Yishmael kannte dieses Verbot und erlaubte Ben-Dama deshalb nicht die Heilung von Jakob anzunehmen. Es heißt in diesem Text nicht, dass die Heretiker, also diese Fremden, diese Anhänger Jesu von Panthera, dass sie keine Juden sind. Dass sie keine Juden sind. Es heißt, dass sie wie nicht Juden behandelt werden sollen. Man soll sie so behandeln, dass wenn sie eine Schlachtung vornehmen, dass sie darüber über der Schlachtung, über dem Vollzug den Namen eines fremden Gottes auch sprechen. Das ist die Diskussion über Götzenopferfleisch, die einige von Ihnen vielleicht kennen aus dem Römerbrief, Römer 14.

68:13
Man soll davon ausgehen, dass wenn sie eine Weinflasche aufmachen und vor dem Genuss des Weins vielleicht ein Dankgebet sprechen, dass da irgendwas Hokus Pokusmäßiges passiert. Also vielleicht ist es ja so Messopferwein oder ist es, jedenfalls ist es das Verbotene. Juden trinken es nicht. Es heißt nicht, dass diese Heretiker keine Juden sind. Es heißt, dass sie wie nicht Juden behandelt werden sollen. Deshalb gilt die Schlachtung eines Heretikers wie die Schlachtung, die nach Anrufung eines Götzen vorgenommen wurde. Es ist zu behandeln wie Götzenopferfleisch. Es wird nicht behauptet, dass die Heretiker ihren Wein tatsächlich Götzendienerisch nutzen.

69:08
Aber um Menschen, die unter diese Kategorie fallen, von der jüdischen Gemeinschaft auszuschließen, legen die jüdischen Weisen fest, dass ihr Wein zu behandeln ist. Als ob er für das Trankopfer eines götzendienerischen Rituals genutzt würde. Wer auch immer als Heretiker gilt, kann nicht in der Gemeinschaft bleiben. Dieses Verbot schließt einige Mitglieder aus der Gemeinschaft des Judentums aus. Rabbi Ismael, Herr Brejic Jismail, Frau Meckler, Herr Falk. Herr Brejic Jismail verbietet Ben Dahmer, Hilfe von Jakob aus Drogendorf anzunehmen, Quasama. Er wendet damit diese Regel auf den vorliegenden Fall an. Er ordnet die Nachfolger Jesu in die Kategorie der Heretiker ein, konstruiert das sozial andere und schließt sie aus der jüdischen Gemeinschaft aus.

70:17
Das war die Geschichte, die Agadar. Es folgt jetzt ein kurzer Passus, den ich abkürzen möchte, zu einer religionsgesetzlichen Diskussion über den Genuss von Wein. Also Weingenuss, Alkoholgenuss kann man nicht nur behandeln unter dem Gesichtspunkt des Straßenverkehrsrechts, sondern auch unter anderen Gesichtspunkten. Und da gibt es in der jüdischen Literatur eine breite Diskussion. Die hat im Mittelalter einen gewissen Höhepunkt. Und da wird von den Teilmut-Kommentatoren eine Regel aufgestellt. Die Teilmut-Kommentatoren, um die es mir geht, das sind die sogenannten Tosa-Fisten.

71:14
Das sind die Kommentatoren, die in jeder Teilmutseite rechts und links am Rand hinzugedruckt sind. 11.12.13.Jh. und es ist wichtig für unser Verständnis zu verstehen, dass das, was diese Teilmut-Kommentatoren sagen, Teil der mündlichen Thora ist. Das Judentum folgt hier nicht der guten evangelischen oder protestantischen Regel Sola Scriptura oder zurück zu den Adventis, zu den Grenzen, zu den Quellen zurück und so weiter. Ja, so nur der Urtext gilt oder so, sondern es ist eine Traditions-Religion. Das heißt, diese Texte sind relevant. Das heißt nicht, dass sie immer das letzte Wort haben, denn nach den mittelalterlichen Autoren gibt es weitere Kommentatoren.

72:08
Und letztlich entscheidet die große halachische Gelehrsamkeit im Zweifel ist es ein Rabbiner in entweder in Nebrack oder in Jerusalem oder in New York. Aber besonders wichtig hier, Kommentatoren im Mittelalter, die sagen, Wein, der nicht Juden gehört hat, ist für Juden zur Konsumation verboten. Und das gilt auch für Juden, für nicht Juden, Entschuldigung, das gilt auch für den Fall, dass man nicht Juden vor sich hat, die ansonsten fromm sind, weil sie die sieben nurachidischen Gebote halten. Es wird einfach als strenges Regel aufgestellt. Dieser Satz gilt und es gibt dann Literatur, die das erörtert und Fragen stellt, was davon zu halten ist. Es gibt eine einzige Autorität, die bestreitet, dass Christen Götzendiener seien.

73:02
Das war der Provinzialische Rabbi Menachem Hameiri 1249 bis 1327 aus der Provinz der Nebel. Seine Position ist im gesetzestreuen Judentum bis in die Gegenwart aber minoritär geblieben. Wer sich heute darum bemüht, die Schärfe des religionsgesetzlichen Verdicts abzumildern, beruft sich in der Regel auf ihn. Also die Frage, was nun eigentlich Götzendienst ist, ist eine ganz interessante Frage. Hameiri ist der Meinung, dass es eine Art von milderem Götzendienst gibt, die den Noachiden erlaubt ist. Er nennt es Beigesellung, Schituf. Also wenn fromme Noachiden, also Menschen, die die sieben Gebote nurachisch erlaubt haben, irgendwie neben Gott noch eine weitere göttliche Person verehren, dann ist das nicht so schlimm.

74:00
Und meistens denken die dann auch, naja, die Christen werden ja zumindest den Anstand haben, dass sie sagen, also die zweite göttliche Person ist zumindest niederrangig, die steht nicht auf einer Ebene mit Gott. Das ist eine ganz andere Frage. Ja, also wenn man mal eine Umfrage heute machen würde, nicht nur unter Christen, sondern auch unter evangelischen Pfarrern, wer würde nun wirklich sagen, also Jesus von Nazareth und Gottvater sind absolut gleichrangig und gleichen Wesens, also welche Antworten man bekommen würde, weiß ich, ich ahne es, ich bin mir nicht so ganz sicher. Aber jedenfalls die jüdische, die ist ja auch ein bisschen anders, die ist ja auch ein bisschen anders, aber jedenfalls die jüdische Seite möchte hier das zum Guten interpretieren, also dass Jesus richtig Gott ist, das glauben die ja selber nicht. Und dann ist es nicht so schlimm. Also für Nicht-June ist es erlaubt, aber für Junen ist es natürlich streng verboten.

75:00
So, und dann gibt es eine Reihe von Texten im Talmud, in denen von einem gewissen Jesu berichtet wird. Um die Proportionen einmal klarzustellen, möchte ich nun mal andeuten, also der Tal, also die Bibel, davon ist etwa so vieles als Testament, also roughly, im Großen mit der jüdischen Bibel vergleichbar, und der Talmud, so, ich kann es nicht allein trauen. 63 Traktate. In diesen 63 Traktaten gibt es so etwa ein Dutzend, auf ein bisschen weniger sogar, so Stellen, an denen auf wenigen Zeilen von Jesu die Rede ist. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als sei das ein Thema, das die Juden obszessiv immer behandelt hätten. Es ist ein Nebenthema.

76:05
Aber in diesen Texten wird behandelt, was mit diesem Jesu war und warum und unter welchen Voraussetzungen er vom Wege abgekommen ist. Und besonders wichtig scheint mir zu sein, dass in einigen dieser Texte ein leichtes Bedauern mitschwingt. Und ich finde auch ein Bewusstsein darüber, dass die jüdische Botschaft da etwas verloren hat. Also wir haben da ging was verloren. Ich bin in der Interpretation dieser Texte nicht ganz einig mit einigen meiner Fachkollegen. Das beste Buch, aber das ich empfehlen kann auf dem deutschen Buchmarkt ist die schöne Studie von Peter Schäfer, Jesus im Talmud. 2007, glaube ich, ist es erschienen in Tübingen. Als Resultat sehen wir jetzt, dass es zwei unterschiedliche Partings of the ways gibt, also Wegtrennung.

77:16
Früher gab es schon Menschen, von denen man ganz eindeutig sagen konnte, sie sind Jesus Nachfolger, Jesus Anhänger und sie sind keine Juden. Das haben wir schon im Neuen Testament. Aber im Laufe dieses Prozesses und greifbar in der rabbinischen Literatur, das heißt im Talmud und im Midrash, meiner Meinung nach bis ins frühe fünfte Jahrhundert. Also ich setze als wichtigen Terminus das Konzil von Ephesus an. 531. Das ist sehr spät, aber das ist auch nicht unumstritten. Ich verkünde Ihnen hier nicht, worüber ich mit allen Kollegen einig bin. Aber das ist meine Meinung. Jedenfalls findet ein Prozess statt, wo die Rabbinen einem Phänomen ein Ende setzen.

78:08
Wir müssen damit rechnen, dass es im vierten Jahrhundert noch in den jüdischen Gemeinden und die jüdischen Gemeinden waren viel größer als man so heute denkt, relevante Gruppen gab von Menschen, die gingen in die Synagoge und hielten die jüdischen Geburt und haben Sabbat und Yom Kippur und alles gehalten und haben zugleich an Jesus von Nazareth geglaubt. Und wenn da einer kam und sie im Namen Jesus von Nazareth heilen wollte, dann war das unproblematisch. Ja, warum sollte man dagegen sein, dass einer einen gesund machen will? Diesem Phänomen machen die Rabbinen, die jüdischen Gelehrten im Laufe des vierten bis sozusagen die letzten Ausläufe Anfang des fünften Jahrhunderts ein Ende. Und das ist das Auseinandergehen der Wege, das Judaisten meinen. Wenn Sie vom Parting of the ways vom Auseinandergehen der Wege sprechen.

79:04
In der Wissenschaft gibt es darüber manchmal Konfusion. Ja, christliche Theologen, wenn sie das Parting of the ways meinen, meinen das Auseinandergehen im ersten und zweiten Jahrhundert. Meine Spezialität oder mein Steckenpferd ist das Untersuchen des Auseinandergehens der Wege innerhalb der Synagoge, wo also der historische Punkt, wo das Juden Christentum dann aufhört, also wo Juden innerhalb der Synagoge nicht mehr existieren können, wenn sie an Jesus von Nazareth glauben. So, ich möchte im fünften und letzten Punkt jetzt aus meiner Rolle als Velionshistoriker schlüpfen und ein paar versuchen, ein paar theologische Schlussfolgerungen zu ziehen, die mir eigentlich ganz wichtig sind. Wir haben einen weiten Weg durchschritten und dabei gesehen, dass die Wege von Juden und Christen sich im Laufe der Geschichte tatsächlich deutlich und voraussichtlich unwiderruflich getrennt haben.

80:10
Ist eine Wiederannäherung möglich? Und was heißt Wiederannäherung? Was würde das überhaupt heißen? Können wir die Möglichkeit einer Heilung ins Auge fassen? Als christlicher Theologe und als religionswissenschaftlich arbeitender Jude ist, der die Beschäftigung mit der rabbinischen Literatur und Tradition zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, müsste ich, würden Sie vielleicht meinen, persönlich ein großes Interesse daran haben, dass es irgendwie zusammengeht. Dennoch bin ich skeptisch, ob ein wieder zusammenführender Weg möglich ist. Ich glaube, dass man als christlicher Theologe Thalmut Texte konstruktiv lesen kann und interpretieren kann, ohne ihnen die gegen das Neue Testament gerichtete Spitze zu nehmen.

81:16
Ich glaube, dass man von herausfordernden Texten, kontroversen Texten immer was lernen kann. Meinen Studenten gebe ich immer Texte zu lesen, sage ihnen vorher, lesen Sie das, der Autor gibt nicht meine Meinung wieder. Aber lesen Sie es trotzdem. Das ist eine Herausforderung. Man kann nur profitieren. Ich bin auch davon überzeugt, dass man sich persönlich freundlich und in aller Zuneigung begegnen kann, ohne den Zaun zwischen uns in Frage zu stellen. Sollte man auf eine Korrektur des religionsgesetzlichen Verbots hoffen? Also sollte man darauf hoffen, dass sich das Verbot, dass das Verbot mal aufgehoben wird und dass man im Namen Jesu heilen kann?

82:05
Also jetzt abgesehen davon, dass ich offengestanden eine gewisse Reserviertheit gegenüber bestimmten Heilungspraktiken habe und eigentlich lieber zum Arzt gehe, obwohl ich natürlich glaube, dass wir beten können und damit rechnen können, dass ein Vater im Himmel uns hört oder hilft. Aber als alternative Heilungsmethode nehme ich das nicht ins Auge. Also abgesehen davon glaube ich auch nicht, dass hier Neuerungen zu erwarten sind. Große religionsgesetzliche Neuerungen in der Geschichte des rabbinischen Junitums hat es gegeben. Nach der Bibel, nach der Bibel des alten Israel und noch nach dem Talmud ist die Mehr-Ehe, die Polygamie nicht verboten, sondern erlaubt.

83:01
Dennoch hat der große Rabbi Gershom Ben-Judah vor etwa 1000 Jahren die Mehr-Ehe verboten, ohne sich darauf, ohne sich explizit auf den Talmud stützen zu können. Also man kann ganz revolutionäre Rechtsnormen auch in der jüdischen Tradition setzen. Es ist also nicht ganz undenkbar, dass ein jüdischer Gelehrter es in Zukunft einmal gestatten könnte, dass ein Christ einem Juden im Namen Jesu die Hände auflegen und ihn heilen darf. Die jüdische Rechtsgeschichte zumindest des vergangenen halben Jahrtausends zeigt aber, dass ein solcher Schritt gegenwärtig und in naher Zukunft unwahrscheinlich ist. Nach der Staatsgründung Israels sind alle Ansätze einer Neubegründung eines Hohen Rates, eines Sanhedrins im Sande verlaufen.

84:00
Nur ein solcher Sanhedrin hätte vermutlich die Autorität, eine solche Neuerung zu beschließen. Sollen wir im jüdisch-christlichen Dialog also auf ein Wunder hoffen? Der Talmud rät davon ab. Talmud heißt, man verlässt sich nicht auf Wunder. Ja, also nicht auf Wunder verlassen, sondern ernsthaft arbeiten, sich auf den Rosenboden setzen und Talmud lernen. Nicht auf Wunder hoffen. Der Talmud ermutigt zu intensiven Lern, zu Genauigkeit und kritischer Prüfung. Das ist ja das, was bei Worthaus auch passiert. Deswegen bin ich so froh und glücklich bei Ihnen zu sein. Und zum Schluss ein Plädoyer aus christlicher Perspektive. Ich rate zu drei Dingen. Das Verbot im Talmud in Ruhe und Besonnenheit zur Kenntnis nehmen. Zweitens alles zu tun, dass diese Normen nicht missverstanden werden und nicht zum Anlass neuerlichen Juden Hasses werden.

85:02
Wenn ein Jude oder eine Jüdin keine Weintrinkt, den ein Christ vorher geöffnet hat, dann tun sie es ja nicht, weil sie Christen missachten. Ganz im Gegenteil, sondern weil sie ihrer Tradition treu sind, weil sie das Gebot beachten. Nur aus dem Grund. Und drittens den Rat des jüdischen Theologen und Jesus an Hinweis Paulus zu folgen und den Glauben an Jesus zu verstehen von einem seiner wichtigsten Texte in 1. Korinther 1, Vers 23. Die Botschaft vom Gekreuzigten ist den Griechen eine Torheit, den Juden ein Ärgernis. Also das, was wir glauben, ist für Juden mindestens ein so großes Ärgernis, wie dass wir uns vielleicht wundern, warum Jüdinnen und Juden die eine oder andere Regel befolgen.

86:03
Aber da gilt einfach vive la petite différence. Wir müssen Unterschiede wahrnehmen und wertschätzen können und wir brauchen nicht alles gleich zu machen. Wenn wir es so sehen, sollten wir uns nicht darüber wundern, dass es Menschen gibt, die diese Botschaft tatsächlich dumm und ärgerlich finden, die vom Kreuz, und die etwas tun, um sie einzuhägen, einzugrenzen, abzuwehren. Ich rate also dazu, als Christ mit der Halacha, also dem jüdischen Gesetz, Frieden zu schließen und alles weitere dem kommenden oder wieder kommenden Herrn zu überlassen. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

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Die Trennung der Wege: Wie Juden und Christen sich entfremdeten | 15.15.1

Worthaus Herbstsymposium 2025 – Görlitz: 31. Oktober 2025 von Prof. Dr. Matthias Morgenstern

Es kommen seltsame Menschen ins Heilige Land. Gruppen von Fremden, manche zerlumpt und armselig, andere wohlhabend, sie singen, beten, bauen Kirchen. Und sie zitieren Verse aus ihrer Heiligen Schrift! Das muss für die Juden des 4. Jahrhunderts in der römischen Provinz Palästina eine verwirrende Zeit gewesen sein. Spätestens da war klar: Irgendetwas hat sich aus und neben dem Judentum entwickelt, was größer gewachsen war, als es Jesu Zeitgenossen der jüdischen Sekte der Christusanhänger wohl zugetraut hätten.
Auch heute dürfte für die meisten Menschen klar sein: Judentum und Christentum, das sind zwei getrennte Religionen. Sie bauen irgendwie aufeinander auf, haben Gemeinsamkeiten, aber zusammen gehören sie nicht.
Was ist aber mit Juden, die an den Christus glauben und die es heute noch gibt? Was ist mit den jüdischen Jesus-Anhängern der Antike? Wann haben sich die Wege von Judentum und Christentum getrennt? Oder haben sie das jemals? Matthias Morgenstern, Professor für Judaistik und Religionswissenschaft, erklärt aus christlicher und jüdischer Sicht die Wege beider Religionen. Er beschreibt, welche Gedanken sich die Juden in den Jahrhunderten nach Jesu Tod schon dazu machten und wie Anhänger beider Glaubensrichtungen gemeinsam ihren Weg gehen können.