Die unerschöpfliche Weisung: Interpretation und Kreation in der rabbinischen Hermeneutik | 15.15.2
Die meisten wissen wohl, dass die christliche und die jüdische Bibel mit den gleichen Geschichten beginnen. Die wenigsten wissen wohl, dass es noch eine dritte Sammlung dieser Geschichten gibt. Diese dritte Sammlung – die mündliche Thora – entwickelt sich unaufhörlich weiter. Und sie beantwortet Fragen, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie haben können: Warum wurde Abraham von Gott als Stammvater Israels ausgewählt? Wie hält man den Shabbat? Was soll dieses brutale »Auge um Auge«? Und warum beginnt die Thora mit einem Grammatikfehler? Der Tübinger Rabbiner Asher J. Mattern stellt Fragen und gibt Antworten, die zu neuen Fragen führen. Er macht Mut, den Text, den wir kennen, rücksichtslos zu hinterfragen. Einen biblischen Text nicht nur als das zu nehmen, was dort steht, sondern Fragen zu stellen, zu forschen, Gott Raum zu geben. »Es gibt keine langweiligeren Texte als religiöse Texte«, sagt Theologe Mattern, »Sie können aber auch ungeheuer belebend sein.«