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Ohne Sem und Japheth kein Jesus – christlicher Antisemitismus | 12.2.1

Worthaus Pop-Up – Tübingen: 20. März 2022 von Dr. Michael Blume

Sem und Japhet kennt man vielleicht, aber eigentlich nur in einer Reihe mit Ham, allesamt Söhne Noahs, damit irgendwie Vorfahren aller Menschen. War da sonst noch was? Ja, sagt Religionswissenschaftler Michael Blume, und das wissen wahrscheinlich die wenigsten. Er erklärt, welche Bedeutung Japhet und Sem im Judentum zukommt, warum es Antisemitismus heißt und was ausgerechnet diese beiden damit zu tun haben, dass der junge Jesus Jahrtausende später in einer Synagoge mit Schriftgelehrten diskutieren kann. Denn Sem erfand etwas, was die Menschheit verändern sollte, was im Judentum Arme und Reiche einander gleicher stellte und was Menschen in Trance versetzen kann. Sein Bruder Japhet soll diese Erfindung noch weiter ausgefeilt haben, so dass die Trance ausblieb, aber Theologie und Bürokratie möglich wurden. Und Blume erklärt, was diese Erfindungen damit zu tun haben, dass Islam und Judentum keine Bilder brauchen, dass das Christentum dagegen ohne Bilder, Musik und Lichter im Gottesdienst nicht auskommt und dass gerade Juden so oft angefeindet und verfolgt werden. Dabei trifft der Antisemitismus auch ins Herz des Christentums und des Islams. Und bedroht schließlich uns alle.

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00:11:38»  Nach jüdischem Glauben sind wir alle in einem Bund. Der Schem ist nämlich der Sohn von einer ganz bestimmten Gestalt, die man auch in der christlichen Theologie gut kennt, die aber, das erlaube ich mir zu sagen, meistens unterschätzt wird. Noah ist keinesfalls nur ein netter, alter Mann in einer Kindergeschichte mit schönen Farben und Tierchen, sondern er hat in der jüdischen Tradition eine enorm große Bedeutung.00:13:20»  Warum? Weil es nicht nötig ist. Nach jüdischem Glauben können auch Nichtjuden Anteil haben an der kommenden Welt. Es gibt keinen Bedarf, uns Nichtjuden zu retten, sondern wir sind Kinder Noahs. Wir stehen bereits in einem Bundesverhältnis mit Gott. Und wenn gescherzt wird, dann wird zum Beispiel gesagt: "Na ja, du kannst schon auch zum Mosaischen Bund übertreten, dann hast du 613 Ge- und Verbote.00:13:42»  Und wenn gescherzt wird, dann wird zum Beispiel gesagt: "Na ja, du kannst schon auch zum Mosaischen Bund übertreten, dann hast du 613 Ge- und Verbote. Im noachidischen Bund, in dem du dich befindest, da hast du sieben. Also wähle weise!" Und das ist tatsächlich so. Also nach jüdischer Auslegung sollen sich die Kinder Noahs, also alle Menschen, an sieben noachidischen Geboten orientieren, und dann können sie Anteil haben an der kommenden Welt.00:14:00»  Und das ist tatsächlich so. Also nach jüdischer Auslegung sollen sich die Kinder Noahs, also alle Menschen, an sieben noachidischen Geboten orientieren, und dann können sie Anteil haben an der kommenden Welt. Das ist heute nicht mein Hauptthema. Allein das wäre ein ganz spannendes Thema, der noachidische Bund, das mir auch sehr wichtig ist. Aber ich kann das jetzt knapp abkürzen. Wenn Sie ein im guten Sinn aufgeklärtes christliches, muslimisches, humanistisches Leben leben, dann brauchen Sie keine Angst zu haben -00:21:24»  Es entsteht die verrückte Idee, dass wir einmal in einer Welt leben werden, in der alle Menschen lesen und schreiben können, in der alle Kinder Noahs, also alle Juden, aber auch alle Nichtjuden, lesen und schreiben werden können. Das haben wir noch nicht erreicht. Aber dafür steht Schem. Und da merkt man schon, das ist eine größere Bedeutung, als man sie sich vielleicht zunächst gedacht hat. Jesus selber ist der Sohn eines Zimmermanns, eines tekton, ein Bauhandwerker, eher ärmliche Verhältnisse.00:25:48»  Und tatsächlich, meine Damen und Herren, hat die jüdische Tradition das griechische Alphabet mit dem anderen Noah-Sohn verbunden, mit Japheth. Japheth ist der Bruder von Schem, daneben gibt es noch Ham, der mit keinem Alphabet verbunden wird. Und von diesem Japheth wird gesagt, dass er so seinen eigenen Segen bekommt. Es gibt sogar die biblische Voraussage, dass wir einmal in einer Zeit leben werden, in der Japheth in den Zelten Schems zu Hause sein wird.

Die Rolle des Satans in der Hiobnovelle und im frühen Judentum – Hiob Vorlesung Teil 2 | 10.9.1

Worthaus Pop-Up – Tübingen: 29. November 2020 von Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Es ist die sicherlich einfachste Erklärung auf die große Frage: Wenn Gott uns liebt, warum gibt es dann Leid? – Warum? Na, weil der Satan da noch mitzureden hat. Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, Gott und Teufel, er scheint das Dilemma der Frage nach dem Leid schnell zu lösen. Doch so einfach ist es natürlich nicht. Siegfried Zimmer dröselt anhand der Hiob-Geschichte diese große Frage auf. Und dafür muss man wissen, welche Rolle der Satan zur Zeit Hiobs – im frühen Judentum also – spielte. Und wie sich die jüdische Vorstellung vom allmächtigen Gott und der Ursache von Leid in einem einzigen Jahrhundert entscheidend verändert. In dem nämlich, als das jüdischen Volk zum ersten Mal in unvorstellbare Not geriet, als es kurz vor dem Untergang stand. In diesen Jahrzehnten des Exils in Babylon wandelte sich die Vorstellung der Gläubigen von ihrem Gott enorm. Und diese Wandlung hat ganz viel damit zu tun, wie wir heute von Gott denken. Und wie wir mit der Frage nach Ursache und Schuld umgehen, wenn wir selbst einmal unvorstellbar leiden müssen. Dieser Vortrag gehört zu der 10-teilige Hiob-Vorlesung von Prof. Dr. Siegfried Zimmer, die durch die Lesung des gesamten Hiobbuchs als Hiobnovelle (11.5.1) und Hiobdichtung (11.5.2) ergänzt wird.

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00:22:09»  Hesekiel 14, 14-20: "Und wenn in seiner Mitte diese drei Männer wären, Noah, Daniel und Hiob, nur sie würden um ihrer Gerechtigkeit willen ihr Leben retten, Spruch Gottes des Herrn. Oder wenn ich wilde Tiere gegen das Land loslasse, die es entvölkern, sodass es zur Wüste wird und angesichts der wilden Tiere niemand mehr hindurchzieht - und wenn diese drei Männer in seiner Mitte wären, so wahr ich lebe, Spruch Gottes des Herrn, weder Söhne noch Töchter würden sie retten.00:23:10»  und wenn diese drei Männer in seiner Mitte wären, so wahr ich lebe, Spruch Gottes des Herrn, weder Söhne noch Töchter könnten sie retten, sondern nur sich selbst könnten sie retten. Oder wenn ich die Pest in jedes Land schicke und meinen Zorn darüber ausschütte und Blut vergieße, um Mensch und Tier auszumerzen - und wenn Noah, Daniel und Hiob in seiner Mitte wären, so wahr ich lebe, Spruch Gottes des Herrn, weder Sohn noch Tochter könnten sie retten.00:23:42»  Nur sie würden um ihrer Gerechtigkeit willen ihr Leben retten." Ihr habt jetzt den ältesten Text der Menschheit gehört, der die Verantwortung unvertretbar auf die Person selber konzentriert. Die drei Männer Noah, Daniel und Hiob sind ja alles drei Nicht-Israeliten. Noah ist ja ein Nicht-Israelit, Israel gab es ja noch gar nicht. Hiob ist auch ein Nicht-Israelit und Daniel ist nicht der biblische Daniel, sondern es gab einen sehr hoch angesehen kananäischen König Daniel, der als Inbegriff der Gerechtigkeit galt.00:24:07»  Noah ist ja ein Nicht-Israelit, Israel gab es ja noch gar nicht. Hiob ist auch ein Nicht-Israelit und Daniel ist nicht der biblische Daniel, sondern es gab einen sehr hoch angesehen kananäischen König Daniel, der als Inbegriff der Gerechtigkeit galt. Der ist hier gemeint. Also drei sehr hervorragende Persönlichkeiten. Und jetzt wird gesagt: Wenn Noah heute leben würde, der könnte in die Arche nicht seine ganze Familie mitnehmen, alle Söhne und Töchter, denn er könnte sich nur selber retten.00:24:27»  Also drei sehr hervorragende Persönlichkeiten. Und jetzt wird gesagt: Wenn Noah heute leben würde, der könnte in die Arche nicht seine ganze Familie mitnehmen, alle Söhne und Töchter, denn er könnte sich nur selber retten. Also jetzt wäre in der Arche nur er drin. Man kann das so formulieren: Das ist in der Bibel eine Kritik an der Bibel - es gibt an vielen Stellen innerbiblische Bibelkritik -, denn in diesem Text wird ausgeführt: Die Sintflutgeschichte mit ihrem klaren Denken, dass Noah der Gerechte ist, der Gnade vor Gott gefunden hat, dass der seine ganze Sippe und Schwiegersöhne alle gleich mit retten kann -00:24:49»  Man kann das so formulieren: Das ist in der Bibel eine Kritik an der Bibel - es gibt an vielen Stellen innerbiblische Bibelkritik -, denn in diesem Text wird ausgeführt: Die Sintflutgeschichte mit ihrem klaren Denken, dass Noah der Gerechte ist, der Gnade vor Gott gefunden hat, dass der seine ganze Sippe und Schwiegersöhne alle gleich mit retten kann - das gilt jetzt nicht mehr. Diese Antwort des Hesekiel war deswegen damals im Exil von überragender Bedeutung, weil die jungen Leute, junge Erwachsene, den Untergang Jerusalems an ihrem Leib miterlebt haben, also erst einmal Tausende von Toten, alle Gebäude kaputt, das eigene Haus kaputt, Tempel kaputt, Königspalast kaputt.

Wie denkt Jesus aus Nazareth über die Auferweckung der Toten? (Lk 20, 27 –40) | 2.5.1

Worthaus 2 – Weimar: 10. Juni 2012 von Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Man könntes es als überraschend bezeichnen: Wenngleich sich im Christentum eine große Jenseitsfixierung entwickelt hat, äußert sich der Mann aus Nazareth zur Frage der Auferweckung nur ein einziges Mal. Ein guter Grund für Siegfried Zimmer an dieser Stelle etwas genauer hinzuschauen. Dabei bringt er allen, die die Vorstellung an ein jenseitiges Leben befremdlich finden, große Sympathie entgegen. Und trotzdem versteigt er sich zu der These, dass es niemals ein Argument gegen die “Auferweckung der Toten” geben wird – auch wenn diese sicherlich nicht so aussieht, wie man sich diese landläufig in den letzten Jahrhunderten ausgemalt hat. Denn der Nazarener hatte offensichtlich etwas anders im Blick, wenn er auf das Zentrum vom Zentrum des Zentrums des jüdischen Glaubens verweist.

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00:34:19»  Weil da waren sieben Brüder und so weiter. Also Jesus antwortet jetzt völlig anders, wie die Sadduzeer es gewohnt sind, gell? Da wackelt aber der Tellerrand. Er sagt, die Söhne dieser Welt heiraten und werden geheiratet. Diejenigen aber, die gewürdigt worden sind, an jener Welt teilhaftig zu werden, die heiraten nicht mehr und werden nicht geheiratet. Es gibt gute alte Handschriften, also das ist ungefähr halbe, halbe,00:54:20»  sind Söhne Gottes, heißt immer Söhne, nicht Kinder, sind Söhne Gottes, weil sie Söhne der Auferstehung sind. Das ist eine Zäsur. Ich muss euch diesen Satz mal nahebringen, weil der ist unglaublich. Jesu sagt, diejenigen, die gewürdigt worden sind, sind Söhne Gottes, weil sie Söhne der Auferstehung sind. Das bedeutet, wer ein Sohn der Auferstehung ist, der ist ein Sohn Gottes. Das ist praktisch das Gleiche.00:56:14»  Du Sohn eines Hundes, du Sohn einer Hure, du Sohn eines des Friedens. Wir sagen auch heute, wir sind Kinder unserer Zeit. Oder wir sagen, er war kein Kind von Traurigkeit. Und so weiter. Also ein Sohn des Friedens. Und so gibt es auch einen Sohn der Auferstehung. Ein Sohn der Auferstehung ist durch und durch von der Auferstehungswirklichkeit geprägt. Und der ist sofort ein Sohn Gottes. Wer von der Auferstehung geprägt ist, der ist von Gott geprägt.

Der literarische Charakter des Hiobbuchs – Hiob Vorlesung Teil 10 | 10.14.1

Worthaus Pop-Up – Tübingen: 14. Dezember 2020 von Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Der letzte Teil der Hiob-Vorlesung widmet sich der Frage: Hat das Buch Hiob einen historischen oder einen literarischen Charakter? Bei dieser Frage kommt es entscheidend darauf an, sie nicht nach eigenen Präferenzen zu beantworten, sondern nach klaren Indizien im Hiob-Text. Diese Indizien prüft Siegfried Zimmer sorgfältig und ordnet sie gewissenhaft ein. Und er zeigt: Der literarische Charakter des Hiob-Buchs bedeutet keineswegs, dass im Buch Hiob etwas »erfunden« ist. Denn in diesem plumpen Sinn ist im Buch Hiob überhaupt nichts erfunden. Zimmer weist darauf hin, dass der Inhalt des Hiob-Buchs aus dem Heiligen Geist, aus dem Gebet und aus einer weisen und reifen brüderlichen Beratung stammt. Ein literarischer, fiktionaler Text kann mehr historische Wahrheit enthalten, als ein historischer Text. So gehört das Buch Hiob zu den wertvollsten und tiefsten Büchern der Heiligen Schrift. Es kann uns Gott auf ungeahnte Weise näherbringen, gerade dann, wenn wir in Not sind und die alten, gelernten Antworten nicht mehr tragen. Dieser Vortrag gehört zu der 10-teilige Hiob-Vorlesung von Prof. Dr. Siegfried Zimmer, die durch die Lesung des gesamten Hiobbuchs als Hiobnovelle (11.5.1) und Hiobdichtung (11.5.2) ergänzt wird.

Folgende Stellen im Vortrag könnten interessant sein:

00:41:32»  nur sie würden um ihrer Gerechtigkeit willen ihr Leben retten, Spruch Gottes des Herrn." Ja, und dieser Vers wird dann wiederholt im Vers 20. Also wenn es diese drei Männer heute gäbe, zur Zeit des Hesekiel, dann würden sie nur noch sich selber retten und nicht ihren ganzen Clan. Und jetzt schauen wir mal diesen Text an. Es wird also Noah genannt, eine frühe biblische Figur, eine vorisraelitische biblische Figur.00:41:56»  Und jetzt schauen wir mal diesen Text an. Es wird also Noah genannt, eine frühe biblische Figur, eine vorisraelitische biblische Figur. Noah ist ja kein Israelit, es gibt ja Israel noch nicht. Dann kommt Hiob als Dritter. Zu Daniel: Also Noah ist ja aus der Frühzeit und Hiob ist ja wohl hier auch gemeint aus einer Frühzeit. Dann kann nicht der biblische Daniel gemeint sein. Der Punkt ist mir jetzt nicht wichtig, ich will es bloß nebenher sagen.00:42:20»  Zu Daniel: Also Noah ist ja aus der Frühzeit und Hiob ist ja wohl hier auch gemeint aus einer Frühzeit. Dann kann nicht der biblische Daniel gemeint sein. Der Punkt ist mir jetzt nicht wichtig, ich will es bloß nebenher sagen. Es gibt tatsächlich einen ugaritischen König Daniel aus dem zweiten Jahrtausend, 1800, 1700. Der muss so ein gerechter, barmherziger König gewesen sein, dass er jahrhundertelang als ein Vorbild, als ein besonders gerechter Mann in Erinnerung blieb.

Monismus und Dualismus – Unser Leben zwischen Liebe und Freund-Feind-Denken | 12.7.4

Worthaus 10 – Tübingen: 4. Juni 2022 von Dr. Michael Blume

Gut und Böse, Freund und Feind, Gläubige und Nicht-Gläubige – es ist so einfach, die Welt in uns und die anderen einzuteilen. Der Dualismus ist das Weltbild jener, die es sich leicht machen, die nicht tiefer über das Leben und die Welt nachdenken wollen, denen so christliche Werte wie Barmherzigkeit und Gnade fern liegen. Es ist auch das Weltbild vieler Christen. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter in Baden-Württemberg, christlich-islamischer Familienvater und verheiratet mit einer Muslimin kennt die Vorurteile gerade gegenüber dem Islam. Umso vehementer spricht er gegen den Glauben an eine schwarz-weiße Welt. Gegen den Dualismus und stattdessen für das dialogische Zusammenleben in Vielfalt. Er leugnet nicht, dass Menschen Böses tun, dass es das Böse gibt. Doch, so betont Blume, alles ist miteinander verbunden, und wer an eine Gottheit glaube, solle sie als Quelle der Liebe erkennen. Es klingt so einfach und ist so schwer. Doch diese Weltsicht, die niemanden zum Feind erklärt, lässt sich erlernen.

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00:41:30»  und Atrahasis, die uns in Keilschriften erhalten sind, wollen eigensüchtige und im Ergebnis dumme Götter die störenden Menschen durch eine Sintflut auslöschen. In der buchstäblichen semitischen Umarbeitung des Noahmythos, hier in diesem Buch, in der Thora, gibt es dagegen keine bösen Mächte mehr, nur noch einen eigentlich guten, aber bis zur Vernichtungswut enttäuschten Gott, der an und mit der noachidischen Urfamilie monistisch wird. Das ist so groß, dass es schwer zu erfassen ist.00:42:12»  ist sie so viel mehr, beispielsweise der Grund, warum das Judentum nicht missioniert. Nach jüdischen Glauben sind wir alle Kinder Noahs und können Anteil haben an der kommenden Welt. Als Kinder Noahs haben wir sieben Gebote einzuhalten. Die werde ich jetzt nicht ausführen, ist heute nicht das Thema, aber als Christinnen und Christen brauchen sie keine Angst zu haben. Wenn sie in den Mosaischen Bund eintreten, was möglich ist, haben sie 613 Ge- und Verbote, also wähle weise.

Die Bedeutung der Bibel für den christlichen Glauben – was Christen der Bibel verdanken | 4.4.1

Worthaus 4 – Heidelberg: 21. Juni 2014 von Prof. Dr. Wilfried Härle

Die Bibel ist merkwürdig. Wer das sagt, der mag es spöttisch meinen. Wilfried Härle sagt es voller Anerkennung. Denn das Buch der Bücher ist eigentlich gar kein Buch, sondern eine Bibliothek verschiedener Bücher in verschiedenen Sprachen, es ist innerhalb eines Zeitraums von 700 Jahren entstanden, ist verwirrend vielstimmig und vielperspektivisch, sich selbst widersprechend und bildet doch eine geheimnisvolle Einheit, ist nicht Alltagsgeschwätz und doch alltagstauglich. Wilfried Härle gibt einen eindrücklichen Überblick über die Bedeutung der Bibel für den Glauben, aber auch für Kultur und Gesellschaft.

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00:54:38»  was für schräge und problematische Typen da dabei sind. Das erste Brüderpaar, Kein und Abel. Das erste Brüderpaar wird zum Mörder und Opfer. Was für ein finsteres Bild vom Menschen oder welch Realismus hier darin zum Ausdruck kommt. Noah, der erste, der Wein anbaut und voll in den Rausch verfällt und dann nackt herumliegt und das von seinen Söhnen teils beschützt, teils spöttisch behandelt wird.00:54:59»  Noah, der erste, der Wein anbaut und voll in den Rausch verfällt und dann nackt herumliegt und das von seinen Söhnen teils beschützt, teils spöttisch behandelt wird. Abraham, der Vater des Glaubens, der offensichtlich ein ziemlicher Feigling war, vor allem wenn es für ihn gefährlich wurde und er die Tatsache, dass seine Ehefrau zugleich seine Cousine war, immer dann, wenn er den Eindruck hatte, dass irgendein mächtiger Mensch aus der Umgebung,

Frühchristliche Prophetie: Im Kontext des antiken Judentums – von Jesus zu Paulus | 5.5.2

Worthaus 5 – Heidelberg: 25. Mai 2015 von Prof. Dr. Marco Frenschkowski

Das Christentum ist eine Offenbarungsreligion. Das Wesentliche wird nicht durch das menschliche Erkenntnisvermögen erschlossen, sondern durch Offenbarungen Gottes enthüllt. Dabei spielen Propheten eine wichtige Rolle. Es ist spannend zu analysieren, wie sich Prophetie im Zeitablauf unterschiedlich intensiv und mit wechselnden Schwerpunkten darstellt. Dabei geht Marco Frenschkowski in seinem nicht ganz einfachen Vortrag folgenden Fragen nach: Was ist mit erloschener Prophetie gemeint? Wie kann vergangene Prophetie für die Gegenwart Identität stiften? Wie wirkt sich das prophetische Element in der entstehenden messianischen Atmosphäre des neuen Testamentes aus? Welchen Stellenwert bekommt Prophetie in den Gottesdiensten der ersten christlichen Gemeinden?

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00:44:47»  Denn wie Jona ein Zeichen war für die Leute von Ninive, so wird es auch der Menschensohn sein für dieses Geschlecht. Der Menschensohn, das ist Jesus selbst. Die Königin vom Süden wird auftreten beim jüngsten Tag mit den Leuten dieses Geschlechtes und wird sie verdammen, denn sie kam vom Ende der Welt zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe, hier ist mehr als Salomo. Die Königin des Südens, die kennen sie als die Königin von Saba, von der das alte Testament eine wunderbare Geschichte erzählt.

Der Heilige Geist – der geheimnisvolle Gott | 12.7.2

Worthaus 10 – Tübingen: 4. Juni 2022 von Prof. Dr. Thorsten Dietz

Christen werden getauft in seinem Namen, sie bekennen sich in fast jedem kirchlichen Gottesdienst zu ihm, und doch weiß kaum jemand mit ihm etwas anzufangen: dem Heiligen Geist. In Liturgie und christlichen Formeln wirkt er oft wie ein Anhängsel. Und das Fest, das allein der Ausgießung des Heiligen Geistes gewidmet ist, ist für die meisten doch nur ein Grund, an einem Montag ausschlafen zu können. Wer also ist der Heilige Geist? Ist er Gott? Eine Person? Und was hat es nochmal mit der Dreieinigkeit auf sich? Thorsten Dietz gibt in diesem Vortrag einen Überblick über das Thema und blickt dabei weit zurück in die Anfänge des Christentums, als im 4. Jahrhundert die Christen nicht mehr in Todesangst ihren Glauben lebten, sondern endlich vom römischen Kaiser anerkannt wurden. Der verlangte aber im Gegenzug, dass sie sich mal einig werden über das, was sie da glauben. Darum erzählt Dietz hier vor allem von Basilius von Caesarea und geht dabei den Weg ab, den die ersten Christen im Ringen um ein gemeinsames Bekenntnis zum Glauben zurückgelegt haben.

Folgende Stellen im Vortrag könnten interessant sein:

00:12:17»  Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten." Die Mega-Nerds unter euch haben gemerkt, ich habe bei der zweiten Zeile eine kleine Gedankenpause gemacht, wo man eine Fußnote einsetzen durfte. "Der aus dem Vater hervorgeht", so hieß es da, es hat sich im Westen eingebürgert, Jahrhunderte später, an der Stelle zu sagen, "der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht".

Trotzkraft | 13.7.2

Worthaus 11 – Tübingen: 29. Mai 2023 von Christina Brudereck

In einer Zeit voller Krisen, Kriege und Krankheiten brauchen Menschen nicht nur Hoffnung, sondern auch etwas, worüber in den vergangenen Jahren immer mehr Ratgeber und Artikel erschienen sind: Resilienz. Auch bekannt unter dem eher unbekannten Begriff: Trotzkraft. In der Bibel kommt das Wort kein einziges Mal vor. Trotzdem findet die Theologin und Autorin Christina Brudereck einige Beispiele trotzkräftiger Menschen und erzählt anhand von Noah, Jesus und Hesekiel, wie wir lieben statt zu hassen, uns von Gott bewegen lassen und anderen Menschen eine Arche bauen – mit Worten und Taten. Und fast nebenbei gerät Brudereck immer wieder ins Schwärmen über die Bibel, ein wahres Kunstwerk, in dem kein Buchstabe ein Zufall ist. Sie inspiriert nicht nur zu Trotzkraft, sondern ermutigt auch, sich müde und verletzlich zu zeigen, Räume zu schaffen für Tränen und Unsicherheit. Weil das Leben mehr Fragen aufwirft als Wünsche erfüllt. Und wir manchmal einfach trotzig weitergehen müssen.

Folgende Stellen im Vortrag könnten interessant sein:

00:16:34»  ist, dass die Noah-Geschichte aus der Zeit des Babylonischen Exils stammt. Einige Textelemente dürfen weit älter sein, und bei den Kirchenvätern ist zu finden, wie die Noah-Geschichte zwar auch wörtlich verstanden wird und wie man sogar versucht, ihre Glaubwürdigkeit zu verteidigen, und gleichzeitig findet sich reichlich Material von gleichnishafter Deutung. Bis dahin, dass erklärt werden muss, wie nach dem reinigenden Gewitter die Sünde wieder in die Welt kam,00:27:53»  Unterbrechung des Alltags. Eine Christenheit wie eine Arche ist da. Sie begleitet die Kalender des Alltags. Offen lädt sie ein, sich zu bergen. - Noch ein paar Worte zu Noah. Noah sagt in der ganzen Sintflut-Erzählung kein einziges Wort. Wir wissen nicht, was er denkt, was er fühlt. Einige Auslegungen haben ihm das vorgeworfen. Könnte er nicht wenigstens wie Abraham für Sodom und Gomorra fürbittend eintreten? Dieses Schweigen ist doch schwer zu ertragen. Ist Noah vielleicht stolz

Kann die Erzählung von Adam und Eva historisch gemeint sein? | 3.5.2

Worthaus 3 – Weimar: 2. Juni 2013 von Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Am Ende spricht Siegfried Zimmer über den Anfang. Er geht ans Eingemachte, macht sich ans Grundsätzliche, unternimmt einen sprachlichen Ausflug zu den Grundlagen der Welt. Ist die Geschichte von Adam und Eva, ist der biblische Schöpfungsmythos eine Abhandlung, die historisch-naturwissenschaftlich verstanden werden will? Oder geht es vielmehr um die Grundlage des menschlichen Lebens, um das grundsätzliche Verhältnis von Gott und Mensch und Welt? Zimmers These: Wie man diese Fragen beantwortet, ist entscheidend für das Verständnis der restlichen Bibel. Adam ist nicht Adam – Adam ist jedermann, ist jeder Mensch. Die Tür, die diese Erkenntnis öffnet, ist vielleicht erst einmal das Tor zu einer anderen Galaxie, aber letztlich das Tor zu unserer Galaxie und zu einem angemessenen Umgang mit den Texten der Bibel.

Folgende Stellen im Vortrag könnten interessant sein:

00:39:48»  Da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter Ha-Adam waren. Die Töchter Ha-Adam, also man muss übersetzen, die Töchter der Menschen. Und so übersetzt es auch jede Bibel und deswegen merkt ihr nicht, dass da Ha-Adam steht, gell. Da kam alles Fleisch um, das sich auf der Erde regte, an Vögeln, an Vieh, an wildem Getier und an allem, was da wimmelte auf Erden und alle Ha-Adam. 1. Mose 7, Vers 21.

Kain und Abel (Gen 4, 1–16) | 10.1.1

Worthaus Pop-Up – Tübingen: 29. Februar 2020 von Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Das fing ja bekanntlich nicht gut an mit der Krone der Schöpfung. Die ersten beiden Menschen werden aus dem Paradies geschmissen und dann wird ihr erstes Kind auch noch zum Mörder. Wenn man jetzt noch davon ausgeht, dass die ersten Kapitel der Bibel so gemeint sind, dass sowohl Adam und Eva als auch Kain und Abel für die gesamte damalige Menschheit stehen, bleibt ja nur ein Schluss: Der Mensch an sich ist böse. Oder? Siegfried Zimmer analysiert hier eine der bekanntesten Erzählungen der Bibel, eine urgeschichtliche Erzählung, die mehr über den Menschen und Gott sagt, als man zunächst glaubt. Sie erzählt von der Ungerechtigkeit der Welt, von Gottes Reaktion auf eine furchtbare Tat, warum Gott den Mörder schützt. Und wie letztendlich auch wir Menschen mit unseren Mitmenschen umgehen sollten, die Böses getan haben. Auch mit Mördern.

Folgende Stellen im Vortrag könnten interessant sein:

00:29:41»  Die beiden bringen Gott eine Gabe dar. Später sagt man dann, sie opfern etwas. Aber das Wort Opfern wird hier noch nicht verwandt. Sondern es heißt nur, sie bringen eine Gabe. Minchah heißt Gabe, Geschenk, heißt noch nicht Opfer. Bei Noah dann, da beginnen die Opferbegriffe. Noah hatte auch ein Altar. Aber hier ist von Altar nicht die Rede. Also es ist überhaupt nicht davon die Rede, dass irgendwie es Opfervorschriften gäbe oder dass Gott die Opfer eingesetzt hat. Davon ist alles

Die Gerichtspropheten und ihr Kampf um Recht und Gerechtigkeit | 5.3.2

Worthaus 5 – Heidelberg: 23. Mai 2015 von Prof. Dr. Simone Paganini

Simone Paganini präsentiert einen exegetischen Ansatz, der dem einen oder der anderen Zuhörenden durchaus »das Blut in den Adern gefrieren« lassen kann. Denn er negiert zunächst die historische Relevanz des Textes und konzentriert sich rein auf den literarischen Inhalt. Er macht klar, dass Propheten eigentlich immer ein ziemlich übles Los nach dem folgenden Muster gezogen haben: »Es gibt eine Notsituation. Deshalb beruft Gott einen Propheten. Der will aber nicht. Er bittet Gott dann aber um ein Zeichen, um den Job dann doch zu machen. Und am Ende scheitert er, weil niemand die Botschaft Gottes hören oder befolgen möchte.« Dieses Muster wird in der Regel mit den Worten »Und es erging das Wort des Herrn an« eingeleitet und der literarische Exeget weiß dann schon wie der Hase läuft – so ähnlich wie bei der Standard-Märchen-Eröffnung »Es war einmal«. Doch sind die prohetischen Erzählungen auch fiktive Geschichten? Und wäre es tragisch, wenn beispielsweise die Jona-Geschichte eine rein fiktive Erzählung ist? Steckt nicht auch in dem Text allein die entscheidende Botschaft? Diesen Fragen geht Simone Paganini nach und macht dabei deutlich, dass der »Gott der Propheten« eine klare Vorstellung davon hat, wie eine Gesellschaft sein sollte: Solidarisch. Es geht um die Unterstützung der Armen und Unterdrückten, um Kritik an den Mächtigen und der damit verbundenen Ungleichheit. Und die ist leider keine Fiktion, sondern knallharte Realität – damals wie heute.

Folgende Stellen im Vortrag könnten interessant sein:

00:35:53»  Amitai war der Papa von Jonah, Name, Familiennamen, Sohn von Aufhebrech, der Mann, Sohn von dem, wird genau identifiziert, wer der war. Das heißt, er ist ein Prophet, das Wort ist nicht sein Wort, das ist das Wort Gottes. Und das Wort, das Jonah bekommt, ist Geh nach Nineveh und prophezei in Nineveh. Die Geschichte mit den Assyrern ist eine sehr interessante Geschichte. Die Assyrern sind oder waren ein ganz wichtiges Volk in der Antike.

Der Beitrag der Hiobnovelle zur Theodizee-Frage – Hiob Vorlesung Teil 3 | 10.9.2

Worthaus Pop-Up – Tübingen: 29. November 2020 von Prof. Dr. Siegfried Zimmer

In diesem dritten Teil der Hiob-Reihe geht es um die Frage, die Menschen umtreibt, seit sie an einen liebenden Gott glauben und dennoch Hunger, Krieg und Krankheit erleben: Warum lässt ein liebender Gott große Not zu? Und wie kann man überhaupt an einen gütigen und gleichzeitig allmächtigen Gott glauben, angesichts der Not in der Welt? Die Antwort auf diese Frage sagt viel über unseren eigenen Glauben. Die Hiobnovelle bietet letztendlich keine Erklärung für das Leid. Trotzdem betont Siegfried Zimmer, dass Leid nicht sinnlos ist. Eine einzige Frage, die gleichzeitig eine Antwort ist, ist dafür wichtig: Warum glaubst du an Gott? Welche kühle Berechnung ist Grundlage deines Glaubens? Oder ist er vielleicht wirklich bedingungslos? Erst in größter Not lernen wir – wie Hiob – was der Glaube, was letztendlich Gott uns bedeutet. Und wie Hiob können wir aus der größten Not verändert hervorgehen. Dieser Vortrag gehört zu der 10-teilige Hiob-Vorlesung von Prof. Dr. Siegfried Zimmer, die durch die Lesung des gesamten Hiobbuchs als Hiobnovelle (11.5.1) und Hiobdichtung (11.5.2) ergänzt wird.

Folgende Stellen im Vortrag könnten interessant sein:

00:36:31»  Noch einmal der Teil, der diese Töchter betrifft, bis zum Schluss, dass wir es noch einmal im O-Ton hören: "Jahwe aber segnete die spätere Lebenszeit Hiobs mehr als seine frühere. Er besaß 14.000 Schafe, 6.000 Kamele, 1.000 Joch Rinder und 1.000 Eselinnen. Auch bekam er sieben Söhne und drei Töchter. Die erste nannte er Jemima, Turteltaube, die zweite Kizia, Zimtblüte, und die dritte Keren-Happuch, Schminkhörnchen.