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Der Heilige Geist, der geheimnisvolle Gott: Darum soll es heute in diesem Vortrag gehen. Ja, der Heilige Geist, reicht das Thema für 90 Minuten, kann einem da so viel einfallen? Ja, man könnte auch 90 Vorträge halten, ehrlich gesagt. Aber ich nehme einfach mal die Challenge an. Kann man einen Gesamtüberblick geben zum Heiligen Geist? Theologie des Heiligen Geistes, was ist da wichtig, theologisch, dogmatisch? Was kann man in einem Vortrag sagen? Ich werde dabei mich konzentrieren tatsächlich auf das, was man, ja, das Dogma nennt, das Dogmatische, das Theologische. Ich setze voraus: Der Heilige Geist in der Bibel, gibt es einen Vortrag, Siegfried Zimmer,

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der Heilige Geist im Alten Testament [11.7.1 Was wir aus dem Alten Testament über den Heiligen Geist lernen können], von Volker Rabens, der Heilige Geist im Neuen Testament [12.8.2 Begeisternde Spiritualität – Der heilige Geist im neuen Testament], kenne ich. Was ungefähr gesagt ist und gesagt werden wird, setze ich alles voraus, werde ich nicht wiederholen, wirklich arbeitsteilig: Was ist Theologie, Dogmatik vom Heiligen Geist? Ja, was soll man denn da sagen? Was sind denn da so Fragen, die Menschen stellen? Ich habe so den Eindruck, es sind vor allem so, ja, ein, zwei, drei Fragen, die Menschen da immer wieder mal beschäftigen. Frage: Ist der Heilige Geist Gott? Ist der Heilige Geist eine Person? Wie ist das mit der Trinität? Und dann fällt es vielen, glaube ich, schon schwer, noch weitere Fragen zu finden, so auf dieser Ebene, dann wird es schnell praktisch. Und überlegen wir mal so ganz grundsätzlich: Wer interessiert sich für solche Fragen? Es ist Pfingsten. Deutschland zittert vor Vorfreude,

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vor Begeisterung, die Pfingstgottesdienste zu stürmen. Ein ganzes Land steht Kopf voller Vorfreude, die Wahrheiten über den Heiligen Geist zu feiern. Nein, fast keiner, fast keiner. Das ist doch die harte Wahrheit: Wer interessiert sich für die Theologie des Heiligen Geistes in der Gesellschaft, im Allgemeinen? Fast kein Mensch. Das ist kein Naturgesetz. Es gibt ja ganz viele Menschen, die sagen würden, ich bin jetzt weder Hindu noch Buddhist, aber Karma, Reinkarnation, Gelassenheit, Yoga, finde ich total spannend. Also es ist ja kein Naturgesetz, dass man sich nur interessiert für das, was man zufällig glaubt. So ist es eigentlich eine sehr besorgniserregende Anomalie, dass so etwas Großes und, wie ich finde, Wunderschönes, wie der christliche Glaube heutzutage in einer krassen Resonanzlosigkeit fast erfriert, weil für die meisten das wirklich,

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ja, abgestorbenes Holz ist, irgendwelche Restbestände aus der Geschichte, aus der Tradition. Mitgliedschaftszahlen sind noch einigermaßen stattlich, aber das innere Interesse an diesen Themen ist gering. Ja, das ist eine harte Wahrheit. Kann man drüber nachdenken? Steht da irgendwas im Weg? Wo ist das so abgetötet worden, das Interesse? Werden wir heute nicht klären. Es sind im Grunde innerste Kreise, die sich dafür noch wirklich interessieren, aber diese innersten Kreise - ja, wir, die wir hier sind, kennen uns da ein bisschen aus. Wir wissen auch, ja, da gibt es auch Spannung. Da gibt es Spannung, da, sag ich mal, grob gibt es zwei Pole. Die einen finden, man muss

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wieder klar Bekenntnis, klar Lehre, klar ausformulieren. Es muss wieder viel wuchtiger auch eingeschärft und nachgekartet werden, worum es wirklich geht, was theologische Lehre ist zum Heiligen Geist, so bekenntnisgebundener Glaube. Dann gibt es andere, die sagen, nee, nee, nee, nee, nee. Also ja, ich habe meinen Glauben, ja, ich bin unterwegs, ja, vielleicht ist mir Kirche sogar wichtig, aber undogmatisch. Ich möchte undogmatisch glauben, dogmenfrei, ohne Dogmenzwang, ohne irgendwelche dogmatischen Dinge. Und das Wort "dogmatisch" hat keinen guten Ruf. Die letzten, die das noch so halbwegs ohne, was weiß ich, Schnauben ertragen können, sind manchmal JuristInnen, weil für die ist Rechtsdogmatik noch was Seriöses, aber für viele Menschen ist "dogmatisch"

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irgendwie was Schlechtes, was Gefährliches, was Bösartiges, was irgendwie Bedrohliches. Und dazwischen ist immer so die Frage: Brauchen wir klarere Bekenntnisse, müssen wir die Dogmen wieder ernst nehmen oder müssen wir uns davon befreien, brauchen wir ein undogmatisches Christentum, eine dogmenfreie Frömmigkeit? Ich gehöre zu denen, die so sagen würden, ich bin auf beiden Seiten so ein wenig der Jein-Sager, weil: Ich kann mich so gut rein fühlen. Also wenn Menschen sagen, kein Dogmenzwang, würde ich sofort sagen, ja, I feel you, weil: Wie viel Unheil kann man damit anrichten, Menschen unter Druck zu setzen, irgendetwas zu bejahen und zu bekennen, was ihnen entweder nichts sagt oder im schlimmsten Fall sogar unheimlich oder fremd oder anstößig ist.

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Versuche, Menschen, irgendwelche Glaubenssätze abzufordern, haben in der Geschichte viel Schaden angerichtet. Und dann würde ich umgekehrt aber auch sagen: Also wenn Menschen sagen, ich bin undogmatisch gläubig, ja, wer kann denn damit was anfangen? Also das ist ja nur in einer ganz kleinen Blase überhaupt halbwegs sinnvoll, wenn du irgendeinen hast, der in dritter Generation konfessionsfrei ist und dem irgendwie durch übernatürliche Einwirkungen auf einmal jemand die Frage stellt: Sag mal, was glaubst du eigentlich? Und der sagen würde: Ja, ich glaube undogmatisch. Das ist ja keine Antwort, da musst du ja ganz lange erklären erstmal, was du nicht mehr glaubst, warum nicht oder so. Ja, wer will das alles wissen, das ist ja gar nicht interessant. Also undogmatisch glauben ist auf Dauer nicht abendfüllend. Da musst du ja selbst

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dafür sorgen, dass die Leute wenigstens wissen, wovon du dich abgrenzen willst. Da brauchst du ja fast den Feind, um zu sagen: So bin ich nicht. Und hat das Zukunft? Irgendwie auch nicht. Also ich glaube, irgendein Profil, irgendeine Substanz braucht es halt. Also doch: Bekenntnisgebunden - ist das ein großer Eigenwert? Ja. Man müsste halt wissen, was man bekennt. Man müsste es verstehen, man müsste es irgendwie mit Herz und Leben füllen. Und das ist doch so meine Sorge, dass für, ja, für einige, sage ich mal, der Akt des Bekennens, der Drang nach Klarheit, der Wille zur Eindeutigkeit, das Verlangen nach Profil, nach Zugehörigkeit sehr viel größer und gewichtiger ist als die Kenntnis dessen, wozu man sich da so positiv verhält. Das ist halt schwierig, schwierig, wenn Leute mit

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Feuereifer auf die Dreieinigkeit schwören, aber keine drei richtigen Sätze dazu fabrizieren können. Das ist schwierig. Und dann müsste man ja erst mal gucken, was ist denn eigentlich das Dogma, was ist das Bekenntnis? Und dann kann man ja überlegen, wie bekenntnisfrei oder freudig will man sich damit beschäftigen. So, das war eine klitzekleine Vorrede. Und jetzt gehen wir gleich steil. Jetzt schauen wir mal: Ja, was ist denn das Dogma vom Heiligen Geist? Was wird denn da so bekannt? Was ist wichtig? Und also jetzt: Dogma in Geschichte, riesengroßes Thema. Es gibt aber einen Sockel, den die Christenheit irgendwo miteinander teilt. In der Alten Kirche gab es eine Reihe von ökumenischen Konzilien. Und ja, das hört ihr jetzt nicht zum ersten Mal bei Worthaus. Ich bin ganz

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sicher, viele, vorm Einschlafen, üben es bereits: Nicäno-Konstantinopolitanum, Nicäno-Konstantinopolitanum, Nicäno-Konstantinopolitanum, Transsubstantiation. Ihr übt das? Nein, macht ihr nicht, weiß ich. Aber ihr habt es gehört. Ihr erkennt es wieder, wenn andere es sagen. Also es gibt diese großen Bekenntnisse. Und in der Tat, das, das Bekenntnis der Christenheit ist das in Konstantinopel, heutigem Istanbul, dazwischen Byzanz, beschlossene Bekenntnis zur Dreieinigkeit Gottes von 381 nach Christentum, ehem nach Christus. Hatte eine Vorgeschichte. Nach Christentum - Ja, noch sind wir mittendrin, die Geschichte ist da noch gar nicht aus. Also 381, so war das, das zweite ökumenische Konzil war das Ganze. Und da

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hat man auch was zum Heiligen Geist formuliert. Es gab 325 in Nicäa bereits ein erstes Bekenntnis zum dreieinigen Gott. Da war ganz wichtig Gott Vater und Jesus Christus, da hat man diese Formel entwickelt des Homoousious, eines Wesens. Christus ist mit Gott, dem Vater, eines Wesens. Und da gab es ein Bekenntnis, und das endet einfach mit: "Wir glauben an Gott, wir glauben an Jesus Christus", viel Wichtiges, "und wir glauben an den Heiligen Geist", Punkt. Und die nächsten 55 Jahre hat man überlegt, was haben wir da eigentlich bekannt, was haben wir da eigentlich gesagt und diskutiert. Und 381 war es dann den meisten ungefähr klar, also es gab eine Mehrheit für ein Bekenntnis. Und da hat man dann diesen Satz, "wir glauben an den Heiligen Geist", ergänzt. Es kommen vier Zeilen

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dazu. Und diese vier Zeilen sind das ökumenisch Bedeutendste, Substanziellste und Wichtigste, was zum Heiligen Geist je formuliert wurde. Die weitere Bekenntnisbildung dann in Ephesus und Chalcedon und so weiter hat dann Fragen zu Jesus Christus vertieft, wahrer Gott, wahrer Mensch, und dann irgendwann in der Reformationzeit blüht das Bekenntnisgewerbe nochmal richtig auf. Dann geht es aber um Rechtfertigung, um Kirche, um Taufe und Abendmahl und all solche Sachen. Und jetzt aber hören wir uns an: Heiliger Geist, was ist das Dogma? Ja, wollen wir es zusammen sprechen, wollen wir es zusammen bekennen? Ich glaube die meisten täten sich schwer, ich habe jetzt hier keine Begeisterung gesehen, dass alle aufgestanden sind und "natürlich, da sind wir dabei" und so und nee, das war jetzt nicht der Effekt, dass alle gesagt haben: "Klar, dreimal täglich spreche ich das."

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Ich trage es euch echt vor, also könnte nötig sein: "Wir glauben an den Heiligen Geist", dazu jetzt vier Zeilen, "der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten." Die Mega-Nerds unter euch haben gemerkt, ich habe bei der zweiten Zeile eine kleine Gedankenpause gemacht, wo man eine Fußnote einsetzen durfte. "Der aus dem Vater hervorgeht", so hieß es da, es hat sich im Westen eingebürgert, Jahrhunderte später, an der Stelle zu sagen, "der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht". Wir werden darauf zu sprechen kommen. Aber ich habe zunächst mal, ja, habt ihr alle gemerkt, na klar, das ist euch, boah, das war irritierend und so, dass ich hier nicht in ... Ja, also dieser Text,

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der euch allen hoch vertraut ist - nicht -, werden wir jetzt ein wenig bedenken, werden wir jetzt ein wenig auslegen. Ich könnte jetzt einfach anfangen, das zu erklären und sagen, der Heilige Geist ist Herr und ist lebendig, er ist eine Macht und gleichzeitig eine Gabe, und er ist eingefügt in die Heilige Trinität, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ein Wesen, drei Personen, ich könnte das jetzt ein bisschen auslegen. Ja, ja, das wäre auch spannend, wäre auch spannend, aber nein, ich möchte es ein bisschen anders machen, ich möchte es für euch nochmal ein bisschen greifbarer machen, so, dass wir uns auf eine kleine Geschichte einlassen, eine Geschichte, mit der wir uns ranrobben, eine Sequenz aus der Entstehungsgeschichte. Und ich möchte da an einem Theologen Maß nehmen, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Bekenntnis so lautet, wie es ist. Dazu auch nur

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kurz der Hinweis: Da werden ganze Vorlesungsreihen drüber gehalten, Pneumatologie, Lehre vom Heiligen Geist in der Alten Kirche. Ihr kriegt eine Schneise, eine Schneise, vielleicht besteht man damit sogar ein Examen, wenn man das alles weiß, aber nicht gut, weil es nicht reicht, weil es nicht reicht, das ist jetzt eine, und man müsste viele Stimmen und so - aber ein bisschen was kann ich, glaube ich, doch euch jetzt hier bieten. Ich werde einen der bedeutendsten Väter dieses Bekenntnis euch ein bisschen nahe bringen, Basilius von Caesarea. Ich weiß nicht, ob irgendjemand sagt: "Ich liebe ihn, ich schlafe in Bettwäsche mit einem Foto von ihm" oder so, weiß ich nicht, ist ja alles möglich, das kann alles sein, dass er sagt, Basilius von Caesarea ist mein Lieblingskirchenvater oder so, also schön, Glückwunsch, guter Geschmack. Aber ich hätte auch hier wieder den Eindruck,

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viele würden sagen: Wie heißt der Kerl? Kann man den googeln oder so? Basilius von Caesarea - nein, ich habe echt Lust darauf, das so zu machen -, großer ostkirchlicher Theologe, Ostkirche, wir schreiben das Jahr 2022, Probleme, Probleme, Probleme. Und ich glaube, bei allen Problemen muss man auch ganz dringend und notwendig schauen, dass man nicht immer nur vom Sog der Schwierigkeiten sich erdrücken lässt und verwirbeln lässt, sondern auch einfach mal schaut, wo ist das Große, wo ist das Schöne, wo ist das, wo ist der unersetzliche Beitrag der ostkirchlichen Tradition für die Weltchristenheit. Und es gibt so viele Schätze der griechischsprachigen orthodoxen Theologie aus der alten Kirche. Ich fühle die Mission im Herzen, Menschen damit viel

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vertrauter zu machen als sie sind, ich habe da echt Lust und fange jetzt einfach mal an mit diesem Basilius. Ja wo kommt der her? 330 ist er geboren, ungefähr 330, man weiß ja bei denen früher nie so genau, große Familie, neun oder zehn Kinder, eine Familie, die teilweise schon auf eine lange Christenheitsgeschichte zurückblickt. Und das ist schon so ein Ding. 330, ihr wisst so irgendwas, Kaiser Konstantin ist Anfang des vierten Jahrhunderts der Game Changer, der aus dem Christentum, aus einer verfolgten Religion eine erlaubte Religion macht, dann eine privilegierte Religion, mit der Zeit daraus wird die normative Religion und schließlich die einzig erlaubte. Und mehr oder weniger passiert das alles in diesem Jahrhundert. Als Konstantin Kaiser wird, ist der Anteil der Christenheit im römischen Reich bei zehn Prozent, zehn Prozent. Man kann ein bisschen

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feilschen, heißt, es gab Regionen, da waren das 30, 40, 50 Prozent, Römisches Reich war groß. Da gab es aber auch Gegenden, die wussten nichts, irgendwie so, also wirklich eine andere Zeit. Und in dieser Zeit ist dann natürlich, so irgendwann müssen ja alle drin sein - müssen, schwierige Geschichte -, aber es war dann echt auch was wert, wenn du sagen konntest: Meine Familie, wir waren dabei, als es noch teuer war. Sein Großvater ist als Märtyrer gestorben. Das war Familie, die war lange dabei, ist durch die Verfolgung gegangen, als man eine kleine Minderheit gewesen ist. Und die Familie ist groß, haben wir gehört. Wir kennen da Einzelne von. Ein Bruder heißt Gregor. Die hatten damals keinen Nachnamen, der hieß nicht Basilius Caesarius oder so. Der war in Caesarea Bischof, darum sagt man

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Basilius von Caesarea. Der Bruder heißt dann Gregor von Nyssa, ja da ist er halt irgendwann mal gelandet. Nachnamen ist neumodischer Kram, gibt es gar nicht lange, ist irgendwann Spätmittelalter, wo die Leute irgendwie sagen, kann man noch zwei Namen irgendwie, das entsteht lange, darum heißt er so. Wir kennen auch eine Schwester gut: Makrina, heilige Frau, große Beterin, sehr tief geistlich. Und jetzt, die ganze Familiengeschichte ist so verzweigt und verstreut, viel Herzblut, und überall sind die mit drin, und ja, leben in einer harten, schwierigen Zeit für die Christenheit, weil diese ganzen Glaubensfragen und diese politischen Machtfragen eine immer schwierigere Konstellation damals hervorgebracht haben. Christenheit war erlaubt, war legitim und ja,

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das war erstmal Riesenparty, Riesenhalleluja, also die absolute Gewissheit, dass Gott wunderbar eingegriffen hat in die Geschichte. Man beweinte die Märtyrer und strahlte gleichzeitig vor Glück, dass Jesus so das Blatt gewendet hat, dass er die Stärksten bezwungen hat, dass die Größten auf einmal für den Glauben offen sind, und jetzt natürlich viele kamen. Dass viele kamen, wurde hier und da auch erlitten, weil: Viele kamen auch, man konnte jetzt da Karriere machen, war karrierefördernder Faktor. Gerade im Kaiserhaus war Christsein so ein Ding, also die Karriereleiter ging entsprechend leichter, wenn man dieser Burschenschaft angehörte. Das waren so die Seilschaften, wo die Fahrstühle auch bis ganz oben führten. Ja, das war für manche Alteingesessene

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auch ein bisschen schwierig. So, und dieser neue Status, Reichsreligion mit kaiserlichem Siegel, hatte aber auch den Druck zur Folge: Ihr müsst euch jetzt auch mal einigen. Ihr müsst euch jetzt mal einig werden, ich brauche irgendwie auch halbwegs Klarheit. Wenn ihr jetzt reinwachst in die Religion des Reiches, erwarte ich eine gewisse Stabilität. Das ist jetzt nötig. Das Römische Reich hatte sehr viel Instabilitätserfahrung gemacht, sehr viele Bürgerkriege, sehr viele Auseinandersetzungen, Soldatenkaiser noch und noch, alles super spannende, schöne Geschichten. Und es war auch der menschliche, der imperiale, der kaiserliche Wunsch, die Christenheit möge ein neues Ferment sein, eine neue Gesamtfassung, etwas, was uns verbindet, etwas, was die Einheit und Stärke

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des Reiches stützt. Das geht nur in relativer Geschlossenheit, sodass die Dogmengeschichte davon nicht zu trennen ist, von diesem Druck: Einigt euch und legt fest wofür ihr steht. Das muss klar sein, es kann nicht sein, dass jetzt überall einander bekämpfende sektiererische Christenheiten entstehen und am Ende das Reich wieder ins Chaos mit runterziehen. Darum, 325, da steckten ernste wirklich theologische Fragen drin, die seit Generationen diskutiert worden sind - Jesus und Gott Vater, wie kriegt man das zusammen -, und es ist aber auch wahr, dass der Kaiser und sein Berater ein bisschen geschoben haben und gesagt haben: Kriegt es hin, einigt euch. Homoousious ist es: Gut, sagt zu. Das ziehen wir jetzt durch. In den nächsten Jahrzehnten

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brachen aber dann Spannungen, Auseinandersetzungen auf, man zerfiel in verschiedene Lager. Ich möchte euch jetzt mal ein bisschen was von Basilius beschreiben, wie er das so erlebt hat, aus seinem Buch. Ich halte das mal hier hoch, das ist ja Video, nicht nur Podcast, kann man nicht nur im Auto hören, Worthaus, man kann es sehen. Ich halte hier ein Buch hoch: Basilius von Caesarea über den Heiligen Geist. Die haben richtige Bücher geschrieben damals, fast 400 Seiten. Gut, ist zweisprachig, also nur die Hälfte. Aber damals ging es richtig los, kaiserzeitliche Theologie, dass Theologie zentrale Wissenschaft war, von Reichsinteresse, von höchst allgemeinem Interesse, da musste man sich für interessieren, was die Gläubigen so rauskriegen. 374 ist das erschienen. Jetzt mal ein paar Zitate, wie fein und lieblich es war, als die alte Kirche noch in großer Einheit

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beieinander war. Basilius schreibt, langer Abschnitt, ich zitiere nur Ausschnitte: "Womit sollen wir den gegenwärtigen Zustand der Kirche vergleichen? Er gleicht wahrlich einer Seeschlacht, die sich Leute liefern, die auf Krieg zur See lüstern sind. Überall Getöse, wo nicht mehr deutlich zu erkennen ist und alles miteinander vermischt ist. Es herrscht ein entsetzliches Drunter und Drüber. Das Übermaß an Unglück führt sie aus Verzweiflung am Leben zu einer vollständigen Hemmungslosigkeit gegenüber Verfehlung. Nimm noch hinzu die Krankheit der Ehrsucht, gegen die auch kein Kraut gewachsen ist. Selbst wenn das Schiff schon in die Tiefe sinkt, gibt die Besatzung untereinander den Streit um den ersten Posten nicht auf." Diese neue Zeit, also es wird auch ein Karriere-Ding, und ein Bischof ist jetzt nicht mehr der Erste, der den Löwen zum Frass vorgeworfen wird. Das war so drittes Jahrhundert, wenn du da Bischof

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wurdest, da hast du feste gebetet vorher, weil du wusstest, wenn die dich alle wieder giftig angucken: du brennst als erstes, oder mit Löwen kämpfen hat man ja auch keinen Bock. Aber jetzt, in dieser Zeit, war Bischof - ja selbst der Kaiser hat Respekt, wenn du irgendwie vergewissern kannst, da stehen viele hinter dir. Bischof, das war inzwischen und das hat natürlich aber auch Ehrgeiz geweckt. Weiteres Zitat: Der zersplitterte Krieg. "Der Krieg zersplittert auf tausenderlei Weise in unzählige einzelne Waffengänge, so dass aufgrund der allgemeinen Feindseligkeit ein unversöhnlicher Hass entstand. Gemeinschaft haben wir insoweit miteinander, als wir die gleichen Feinde hassen. Sobald die gemeinsamen Feinde weg sind, betrachten wir uns sofort wieder gegenseitig

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als Feinde. Wer könnte die Menge der Schiffbrüchigen zählen? Die einen versinken im Ansturm der Feinde, andere durch den heimlichen Anschlag der Mitstreiter, wieder andere durch die Unerfahrenheit ihrer Führer. So gingen Kirchen mit der ganzen Mannschaft unter, nachdem sie an den Hinterhalt der Häretiker wie an im Wasser verborgenen Klippen zerschellt waren. Andere unter den Feinden des heilbringenden Leidens griffen nach dem Steuerruder und erlitten Schiffbruch im Glauben. Eine wirklich traurige, finstere, mondlose Nacht hat sich über die Kirche ausgebreitet. Ein wildes Schreien von Leuten, die sich gegenseitig widersprechen und miteinander im Streit liegen, ein unverständliches Lärmen, ein Schall von ununterbrochenem Getöse von solchen, die die Glaubenslehre entweder durch Übertreibung oder durch Auslassung verdrehen, hat fast die ganze Kirche erfüllt. In den Meinungen

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nicht übereinzustimmen genügt als Anlass für Feindschaft. Für solche, die sich gemeinsam im Aufstand befinden, ist die Gleichheit des Irrtums eine zuverlässigere Bürgschaft als jeder gemeinsame Schwur." Ja, war super Stimmung damals. Möchte man gleich wieder dabei sein, so die die frühe Christenheit, die noch so ungetrennt und ungeschieden unter ein Bekenntnis und noch keine Konfession - ja, so. Nee, es war hart, war wirklich hart. Man könnte jetzt das lange ausmalen, ich hau euch nur so paar Stichworte in den Raum. Also 325, homoousious war die Formel. Und manche sagten: Das war auch wirklich vom Heiligen Geist. Das ist die Wahrheit und dabei bleiben wir. Aber, in den nächsten Jahrzehnten, die Mehrheit ging eigentlich auf Abstand und sagte, Nicäa, Konstantin

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ist ja jetzt auch tot, seien wir ehrlich - wir haben alle nicht kapiert, was das soll. Das Wort gibt es gar nicht, eigentlich. Wir kapieren das gar nicht. Und es entstanden verschiedene Positionen. Homoousious heißt eines Wesens, Christus und Gott Vater eines Wesens. Man muss für die Zeit sagen, keiner, keiner hat damals gedacht: Jesus war ein Mensch wie du und ich. Sowas gab es gar nicht, gar nicht. Sondern alle in der Christenheit gingen davon aus, ja natürlich ist er von einer Jungfrau geboren. Was denn sonst? Steht doch da. Und natürlich gab es den schon vor seiner Geburt. Und natürlich ist der göttlich. Ja lauf doch übers Wasser, wenn du es nicht glaubst, sieh zu. Also da gab es viele Dinge, wo die alle sagten: Aber, ja, wie verhält sich Jesus zu Gott? Das war eine Riesenfrage. Und man kann sehr grob sagen: Es gab die einen Richtungen, die gesagt haben,

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Jesus ist Sohn Gottes, sowieso, Messias, göttlich, alles super. Aber, ja Gott ist Gott. Gott ist Gott. Und Jesus als der Sohn, ja ist der Sohn, Punkt. So, aber er ist nicht Gott wie der Vater, weil, ja der lief hier rum, und abends ging der aufs Klo. So, und das, das, das, das, das, das, das kann nicht Gott sein. Der ist gestorben und hat geschrien, der hatte Hunger und Durst und so. Nein, nein, der, ja Gottes Sohn, irgendwie auch göttlich, wundertätig und so. All das, aber kein Gott geht aufs Klo. Das machen die alle nicht, auf keinen Fall. Die Vorstellung ist lästerlich. Gott ist allmächtig und ewig und unveränderlich. Und wir müssen einfach unterscheiden, Gott ist Gott, so, und wir verehren Jesus Christus auch. Wir beten ihn an als den Sohn, Punkt. So, und

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Heiligen Geist ist es auch so. Und da gab es dann auch so verschiedene Richtungen. Manche sagten, also ja, Jesus ist Gottes Sohn, aber er ist Gott ähnlich. Er ist Gott ähnlich. Er tut Wunder, er weiß Dinge vorher, er ist ihm wirklich ähnlich. Aber er ist nicht Gott wie Gott der Vater Gott ist. Manche sagten, wir sind bereit zu sagen, er ist ein zweiter Gott. Okay, aber er ist eben nicht der erste Gott. Wir gehen nicht weiter, weil wo steht das denn? Wo ist es denn ganz klar so? Also das waren die einen, die nannte man Homöer. Also wir nennen die heute in der Forschung, die haben sich damals noch mal immer anders genannt, in der Regel nach irgendwelchen Anführern. Manche gingen dann noch weiter und sagten, ja, aber er ist ihm auch irgendwie unähnlich, weil er stirbt. Gott kann nicht sterben. Es gab Homöer und Anhomöer, die gesagt haben,

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er ist Gott ähnlich oder unähnlich. Und die hatten dann zwischenzeitlich die Mehrheit. Dann gab es die Altgläubigen, Homoousianer. Athanasius ist da der bedeutendste. Die waren oft auf der Flucht. Athanasius wurde in seinem Leben fünfmal verbannt. Der wurde dann immer wieder Bischof, weil er Leute auch bearbeiten konnte, und der würde heute auch was werden irgendwie. Der hatte da auch manchmal verminderte Skrupel, sich wieder irgendwo an die Spitze zu setzen. Zack, war er wieder verbannt. So, und übers ganze Reich. Der saß auch jahrelang in Trier rum. Und das war damals nicht so der Traum aller Menschen, eine Klassenfahrt nach Trier. Das ist es glaube ich heute auch noch nicht unbedingt. War eine wichtige Stadt, aber dann saß er da und guckte und hatte Wut, weil Trier war nicht Mittelpunkt der Welt. So ähnlich wie heute, ehrlich gesagt wieder. So, das war so damals die Lage. Und dann gab es aber noch so andere, die gesagt haben, ja muss man immer so

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radikal sein? Muss man immer homoousia überschätzen, das ist gar nicht klar definiert worden. Und die anderen, diese Neoarianer - Arius galt so als der Erzfeind, der gesagt hat, für mich ist Jesus nicht Gott wie der Vater -, und diese Homöer und Anhomöer, die nannte man Neoarianer teilweise auch, da sagte so eine Mittelpartei, ist auch übertrieben. Und wir halten uns dazwischen. Und im Zweifelsfall sind wir sehr schlau und sagen, wir glauben, dass Jesus so war, wie die Bibel das sagt. Wir sind einfach bibeltreu. Wir bleiben einfach bei der Bibel. Und im Zweifelsfall zitieren wir 10, 20 Verse und strahlen wie ein Honigkuchenpferd und sagen, wir glauben das alles. Und ja, das war den anderen aber nicht genug. Die haben gesagt, wir kennen die Verse sehr gut, aber du musst sie auslegen. Wie

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verstehst du sie? Wie deutest du sie? So, und diese Mittelpartei hat sich dann auch irgendwie bemüht und so. Wenn man einen Namen braucht, Homoiousianer. Also Homoios, er ist ihm wesensähnlich. So, das war das Schlachtfeld. Und ja, wir finden das auch irgendwie ganz witzig. Manche haben vielleicht so Erinnerungen an das Leben des Brian. Guck mal, da drüben sitzt die judäische Volksfront. Nein, das ist die Volksfront von Judäa. Die judäische Volksfront sitzt da drüben. Kennt ihr? Und ja, ist witzig, solange man nicht dazugehört. Ganz witzig so, man kann das so. Leider kriegt das ja jede menschliche Gesellschaft hin, sich bis an den Rand des Atomkerns zu spalten, wenn nötig. Das geht schon ganz gut. Für Basilius schnitt das ins Fleisch, weil Familie, Freunde und so weiter. Er selbst wurde zum Beispiel stark geprägt von einem Mann namens Eustatius. Eustatius, ja, das war ein sehr

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frommer Mensch. Das war ein großer Beter, ein großer Schweiger. Und Basilius, seine ganze Familie, die hatten eine Neigung wirklich zum kontemplativen Leben, haben Ordensgemeinschaften gegründet oder waren ganz in der Wüste, ganz für den Herrn, und haben mit Eustatius da Großes erlebt. Er hat sie wirklich animiert, sich Jesus ganz hinzugeben, ganz zu öffnen. Und ja, Menschen, mit denen du viel gebetet hast, mit denen du viel gesungen hast, da passiert mehr als Chemie. Da passiert was im Herzen. Da entstehen Herzensbande, da bist du verbunden. Und dieser Eustatius aber, so hatte dann irgendwie auch so Anwandlungen zu sagen, ja, und der Heilige Geist ist Gottes Kraft, Gottes Gabe, aber nicht Gott, nicht Gott wesensgleich. Und für Basilius war das so ein

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Ding, weil er den sehr liebte. Basilius war aus dieser ursprünglichen Mittelposition der Homoiousianer. Und er näherte sich aber der der altgläubigen Fraktion um Athanasius immer stärker an. Im Grunde war er auch bei denen. Im Grunde wollte er schon dann auch Nicäa hochhalten, aber war im Herzen auch so gespalten. Jetzt könnte man lange, lange Geschichten erzählen. Er sitzt tagelang mit Eustatius. Man schreibt zwei Sätze Seiten auf. Am Ende ist man sich einig. Halleluja. Messe wird gefeiert. Man singt, man betet, man umarmt sich, verabschiedet sich unter Tränen. Er kommt in die nächste Stadt, hält das hoch und sagt, ich habe einen Bruder gewonnen, wir sind wieder versöhnt. Dann kommt irgendwie ein Brief. Nee, der hat gerade alles widerrufen, der sagt, nee, der hat sich da was, der sieht das gar nicht mehr so. Meine Güte, er fährt da wieder hin, versucht. Das geht mehrfach hin und her. Zwischenzeitlich kommt er in einer Synode an. Da sind die anderen, ein Theodotus, die sind jetzt alle sehr rechtgläubig. Und die sagen,

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Basilius, du hast die falschen Freunde. Und wir - Synode - wir werden jetzt hier singen und beten. Du machst nicht mit. Wir können nicht mit einem Menschen zusammen beten, dessen Rechtgläubigkeit uns nicht klar ist. Ja, und jetzt, wenn er nicht dazugehört, kannst du sagen, ja hab' dich nicht so, dann gehst du halt in Sauna und machst einen Wellnesstag oder so. Nein, aber es tat ihm weh wie Sau. Also es schmerzte ihn wahnsinnig, dass Menschen, die er ja irgendwo liebte, ihm sagen: Basilius, wir beten nicht mehr mit dir gemeinsam. Wenn du mit uns betest, kann Gott uns nicht hören. Du verunreinigst unsere Anbetung Gottes. Du bist da der Giftspritzer in unserer Mahlzeit, wenn du dabei bist. Darum halte dich fern von uns.

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Wir wollen dem Herrn mit reinem Herzen dienen. Du würdest unseren Gottesdienst kontaminieren. Wenn du mit dem Herzen da investiert bist, sind das scheußliche Gefühle. So ging das hin und her, viele Jahre lang. So und Basilius hat sich inhaltlich mehr und mehr auf die nicänische Seite gestellt, aber intensiv gerungen, mindestens um den Nahbereich. Er wollte im Grunde viele, die er kennt, die auch noch so ein bisschen anders aufgestellt waren, dafür gewinnen. Und gleichzeitig war ihm aber auch irgendwo bewusst, das ist jetzt hier nicht nur intellektueller Sport, hier geht es nicht nur so um Richtigkeiten, das ist auch eine Herzensfrage. Er schreibt: Warum geht es uns so? Wo liegt unser Problem? Und er antwortet: "Weil die Liebe überall erkaltet ist,

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ist die brüderliche Übereinstimmung zerstört, von der Eintracht nicht einmal mehr das Wort bekannt. Aus Liebe hervorgehende Ermahnung gibt es nicht mehr. Nirgends mehr christliche Liebe, nirgends mehr mitleidige Tränen." Und in diesem Geist schreibt er seine Bücher. Und er sagt, wir müssen uns jetzt diesen Fragen stellen, weil sie überall im Grunde Unruhe stiften. Aber es wird nichts gelingen, wenn wir das hier als intellektuellen Kampfsport betreiben. Es ist auch eine Herzensfrage, ob wir zueinander finden, ob wir miteinander irgendwo auch im geistlicher Eintracht unterwegs sind. Was sollen wir sonst über den Heiligen Geist sagen?" Ja, was sagt er zum Heiligen Geist? Ja, was sagt er? Ich versuche es mal so zusammenzufassen: Basilius ist es sein ganzes

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Buch hindurch wichtig, über den Heiligen Geist ganzheitlich zu denken, ganzheitlich zu glauben und eine ganzheitliche Lösung zu präsentieren, die eben nicht nur Dogma ist. Ich vereinfache natürlich, ist ein ganzes Buch, ich vereinfache, aber ich bringe es mal auf drei Stränge, von denen Basilius immer wieder betont: Das gehört dazu, das ist ganz wesentlich. Die drei Stränge sind die Gotteserfahrung, die Gotteserkenntnis und, ja, die Verwandlung, die Heiligung. Die damals hätten jetzt ohne zu zucken gesagt, Gottwerdung. Das klingt aber gleich ein bisschen dumm, aber für die war es normal. Die sprachen von Theosis, Gott ähnlich werden, vergöttlicht werden. Also wenn man so

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will, Gotteserfahrung, Gotteserkenntnis, Gottwerdung, Göttlichwerdung, ist uns ungebräuchlich, war für die total rechtgläubig und wichtig. Was man manchmal vielleicht noch als Heiligung kennt - hört aber auf, dass man das kennt, glaube ich -, geht eigentlich in eine ähnliche Richtung. So, gucken wir uns diese drei Stränge an. Das erste, was auffällt, ist: Basilius fängt immer wieder an mit der Gottesdiensterfahrung. Er ist davon überzeugt, was wir glauben und was wir beten und was wir singen und was wir erleben, ist ein Zusammenhang. Man darf das nicht auseinanderreißen, das ist ineinander verzahnt. Es gibt kein "Gott denken" ohne singen und beten und erfahren. Und er bezieht sich immer wieder dann auf Liedtexte, auf Liturgien, das spielt bei dem

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eine riesige Rolle. Und Liturgie ist nicht nur - es hat heute so einen kleinen abtötenden Sound bekommen, aber es war damals ein Riesending, liturgisch, das heißt in geprägter Form, zu beten. Und da war jeder Gottesdienst Endkampf, wie es heißt, wie man sagt, wie es klingen muss. Der ganze Streit hat sich da mal entzündet, dass er gesagt hat: "Und wir beten dich an, Gott Vater, wir beten dich an, Jesus Christus, wir beten dich an, Heiliger Geist, wir beten den Geist an mit dem Vater und dem Sohn." Und da sind manche wie von der Tarantel gestochen nachher auf ihm zugekommen und haben gesagt: "Nein, so darfst du das nicht sagen, wir können durch den Heiligen Geist Gott anbeten, aber nicht den Heiligen Geist mit Gott, Vater und Sohn." Und er bezieht sich darauf. Und was für ihn einfach entscheidend ist: Eine Liturgie, dass sie funktioniert, dass sie gelingt, dass sie angenommen

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wird, das ist ein zutiefst geistliches Geschehen. Das wird nicht einfach von irgendeiner Behörde produziert. Und dann ist das da, und dann machen das alle so im Halbschlaf durch, weil das so sein muss, sondern das ist der Gottesdienst. Und dass es gelingt, dass der Gottesdienst tatsächlich dazu beiträgt, dass die Herzen in die Höhe erhoben werden und dass man sich mit der Heiligen Liturgie Gott zuwendet, mit ihm vereint und in der Heiligen Feier die Präsenz Gottes erfährt: Das ist was Heiliges, das ist ein Wunder, das ist geistgewirkte Erfahrung. Und darum ist dieses gemeinsame Einstimmen in die Liturgie total bedeutsam. Und da kann keiner sagen, ich knack da immer bei ein, ich weiß nicht, nein, nein, da bist du voll bei. Und das es gelingt,

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dass die Herzen tatsächlich gemeinsam sich in die Höhe erheben und mit Gott vereinigen, ist für ihn, ja, die Grunderfahrung von Christsein. Darin zeigt es sich, dass man wirklich Kirche ist. So, und das ist das eine, die Gottesdienstsprache, die Tauffeier, er bezieht sich immer wieder darauf, er beruft sich darauf. Bei ihm aber gehören auch selbstverständlich dazu, ich sag mal, charismatische Erfahrungen, charismatische Erfahrungen. Er nennt einige, er sagt, die Vorausschau des Zukünftigen, das Begreifen der Geheimnisse, die Ausstrahlung der Gnadengaben, der Wandel im Himmel, der Reigentanz mit den Engeln, die unendliche Freude, das Bleiben in Gott und das Höchste Erstrebbare, vergöttlicht zu werden, Theosis, das ist im Grunde das, was wir miteinander teilen.

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Wir sehen, Sprachengebet ist in dieser Zeit auch nicht mehr üblich oder Standard oder selbstverständlich, für die hier gerade nicht. Aber ja, es sind eben diese Dinge, also Vorausschau des Zukünftigen, Erkenntnis des Geheimnisses, Wandel im Himmel, Reigentanz mit den Engeln, finde ich allerliebst. Aber so fanden die das. Das war für sie normal. Sie lasen die Johannes-Offenbarung. Und was ist der Sinn in diesem Buch? Unten auf Erden ist Gottesdienst. Und wenn es fluppt, geht dir der Himmel auf, und du siehst, du bist da mit Engelmächten und Gewalten, und im Grunde klinkst du dich nur ein. Und diese Erfahrung zu machen, dass dir in der Gottesdienstfeier der Himmel aufgeht und du auf einmal merkst, unser bisschen Singsang ist Teil eines brausenden Chores, ist voller, durchströmt von der Begeisterung unendlich vieler Stimmen, und es gibt ein Halleluja,

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was das ganze Universum durchtönt. Und das erleben wir, und die Engel tanzen. Die Engel singen und die Engel tanzen und die Engel machen Musik. Und wenn es gut läuft, hören wir den Zusammenklang. Dann sind wir Teil dieses himmlischen Gottesdienstes. Das ist natürlich eine Gabe des Heiligen Geistes. Aber du kannst da auch jetzt nicht sagen, ja fünf Minuten Andacht, Losung, Lied, Gebet. Da geht dir der Himmel nicht von auf. In der Regel, wenn Gott nicht in mega Gönnerlaune ist oder so, also da machst du schon so, also richtig Gottesdienst wie Podcast voll mit Überlänge oder so. Also unter drei Stunden ist es nicht ernst, dann geht der Himmel auch nicht auf, in der Regel. Und das ist bei Basilius der Erfahrungsraum, aus dem er denkt

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und schreibt, auf den er sich immer wieder bezieht, wo für ihn auch klar ist, es macht keinen Sinn, Worte zu diskutieren, solange wir nicht angedockt sind an diese Erfahrungsräume des Herzens, das gemeinsame Singen und Beten und uns mit Gott verbinden. Darum wollen wir auch gemeinsame Worte finden. Also Erfahrung, geistliche Erfahrung, Liturgie, charismatische Erfahrung ist ihm wesentlich und dann eben auch Erkenntnis. Es gab damals auch Leute, die gesagt haben, muss das so genau gesagt werden? Mir reicht der Gottesdienst total, mit den Engeln unterwegs und so, dies ganze Denken zieht mich raus, es zieht mich runter, es turnt mich ab. Dieses ganze Worte drechseln, da kriege ich Lust zu sagen, ich kann das Wort unmöglich so hochschätzen. So,

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das ist, Worte sind Schall und Rauch, das vernebelt doch eigentlich nur die Himmelsglut, es vernebelt im Grunde die tiefsten Erfahrungen. Und das steht Basilius vor Augen, dass es da welche gibt, die längst den Stecker gezogen haben. Und denen sagt er aber: Es gibt keine Gottesgemeinschaft ohne Erkenntnis. Gott offenbart sich in Worten, er offenbart sich in Sätzen, er offenbart sich in Gedanken, wir können es nicht auseinanderreißen. Wir sind eben nicht nur Erfahrung, wir sind nicht nur Erlebnis, wir sind auch ja sprechende Wesen, wir haben Sprache, wir können denken, wir müssen daran arbeiten und wir müssen diese Dinge zusammenhalten. Es ist richtig, sagt er, dass die Güte Gottes uns im Grunde vom Vater durch den Sohn zum Geist hin zuteil wird.

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Aber wir können diese Selbstmitteilung der Güte und Freundlichkeit Gottes nicht davon trennen, dass wir dann eben auch im Geist Erkenntnis Gottes gewinnen durch den einen Sohn zum einen Vater. Und er macht da so Ketten auf, wo das notwendig zusammengehört, die Gnade, die Freundlichkeit, das Erfassen der Liebe Gottes, aber eben auch das Sagen, das Bekennen, das Verstehen, mit wem ich es zu tun habe. Es ist nicht einfach das Rauschen eines unsagbaren Ozeans, in das ich mich einfach so reinklinke. Gott spricht, und wenn er spricht, ja man will verstanden werden, es ist wirklich wahr, man will irgendwie, dass es einen Unterschied macht zu, was weiß ich, ich mache jetzt ein paar Klatschrhythmen, macht ihr mit oder so. Das ist super, damit kann man sowas wie "We Will Rock You" starten, aber eine richtige Religion, dafür reicht es nicht, dafür ist eben der bloße Sound,

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das bloße Klatschen und Trommeln nicht hinreichend. Es ist nicht möglich, sagt er, das Bild des unsichtbaren Gottes zu sehen, außer im Licht des Heiligen Geistes. Wer das Bild anschaut, kann nicht das Licht vom Bild trennen. Und Licht ist eben Inbegriff auch von Erkenntnis, von Erleuchtung, von Verstehen, und das gehört dazu. Und das Dritte, was dann aber auch dazu gehört, ist, ja, verwandelt werden, Gott ähnlich werden. Das Ziel, das uns gesteckt ist, ist es, soweit es der menschlichen Natur möglich ist, Gott ähnlich zu werden. Wie Jesus sagt: "Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist". Da hat man sich irgendwann nach der Reformation angewöhnt zu sagen: Sagt Jesus nur, dass du merkst, geht ja gar nicht,

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und dich dann mit der Vergebung tröstest. Nein, aber die damals haben gesagt, wie bist du denn drauf? Das steht da, das steht da: "Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist." Und ja, wie geil ist denn eine unvollkommene Welt? Wie schön ist es denn mit Menschen, die nicht richtig ticken und die ständig eifersüchtig und neidisch und ehrsüchtig und so weiter. Jeder Chor, jedes Orchester will am Ende des Tages, ja, dass es maximal gelingt. So und wenn irgendwie Tante Käthe dann zu früh einsetzt, verzeihen wir ihr, weil sie eine ganz liebe ist. Aber am schönsten ist es eigentlich, wenn die auch auf dem Punkt da ist. Und wir probieren das einfach so. Das ist das Ziel. Wir wollen, dass es stimmt. Und wir haben Lust darauf, in vielen Dingen, die wir machen, vollkommen zu sein. Wir kennen alle Tische, die so ein bisschen wackeln. Ja, schön ist es nicht. Ein

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guter Tisch wackelt nicht. Da sind die alle gleich lang. Und es ist normal, nach Vollkommenheit zu streben, in tausenderlei Handwerk, Musik und in vielen Dingen. Und als Mensch ist die Gleichgestaltung mit Christus unser Ziel. Wir wollen lieben wie Gott, barmherzig sein wie Gott, gerecht sein von Gott. Wir wollen auf diesem Weg vorankommen. Und Basilius sagt, so, und das bitte nicht abkoppeln. Es ist eine Schande, wenn Menschen das Ringen um Verständnis abkoppeln von dem, um den es geht, dem Gott der Liebe und des Erbarmens. Das geht nicht. Wenn wir klären wollen, wer der Gott ist, der sich als Liebe offenbart, kann das nur so passieren, dass wir

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auch im Denken, auch im Umgang miteinander liebevoller werden. Wir dürfen im Streit nicht härter, kälter, rücksichtsloser und durchsetzungsorientierter werden. Das ist für ihn zentral, und das ist gerade auch für die Erkenntnis des Heiligen Geistes für ihn notwendig. Er sagt: "An diesen Heiligen Geist wenden sich alle, die der Heiligung bedürfen. Nach ihm streben, die ein sittliches Leben führen. Von seinem Anhauch gleichsam erfrischt, wird ihnen geholfen, ihr ureigenes Ziel zu verwirklichen. Durch den Heiligen Geist werden die Herzen erhoben, die Schwachen bei der Hand genommen, die Fortschreitenden zur Vollendung geführt. Indem er die von der Sünde Gereinigten erleuchtet, macht er sie durch die Gemeinschaft mit sich zu geistlichen Menschen. Wie helle und durchscheinende Körper unter einfallendem Strahl selbst zu leuchten beginnen und aus sich

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heraus ein eigenes Licht werfen, so strahlen die geisttragenden Seelen, die vom Heiligen Geist Erleuchteten, die jetzt selbst geistlich geworden sind, diese Gnade nun auf andere Menschen aus." Das ist das Ziel. Das ist das Ziel, durchleuchtet zu werden, um selbst Licht sein zu können, Segen zu erfahren, um Segen sein zu können, die Liebe Gottes zu ergreifen, um Liebe schenken zu können. Das ist das Ziel. Und daher auch sein Schmerz, dass er sagt, das nimmt alles eine ganz, ganz, ganz betrübliche Richtung. Wir müssen es beieinander behalten. Die Gotteserfahrung, die Gotteserkenntnis und die Gottwerdung, die Vergöttlichung, dieser Weg, Gott auch ähnlich werden. So, das ist in seinem Buch, finde ich so ein Art Grundmatrix. So, so müssen wir denken,

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können, aber eben auch leben und erfahren. Klammer auf, wir leben in einer Welt, wo das nicht selbstverständlich ist. Wir leben in einer Welt, wo die Dinge in der Regel sich verselbstständigen und wo man sagt, wenn ich denke, dann denke ich. Wenn ich Gottesdienst feiere, dann feiere ich Gottesdienst. Wenn ethisch und moralisch, dann so. Und das ist irgendwie Spezialisierung, Ausdifferenzierung, ist typisch modern. Ich glaube, dass die christliche Religion ohne diese Ganzheitlichkeit nicht funktionieren wird. Eine Theologie, die reine Theologie ist, die abgekoppelt ist von Gotteserfahrung oder dieser Gottverähnlichung, ja, ist eine reine Theologie. Der Kreis der total Interessierten ist dann überschaubar einfach so. Und ich denke aber auch, dass die Gemeinschaft

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der Gott Suchenden und Gott Erfahrenden ohne eine gewisse Sprachfähigkeit nicht auf Dauer klar wird kommen. So, also ich finde das anregend. Wir leben in einer anderen Welt. Ich stelle es vor, zur Nachahmung empfohlen. So, was kriegt Basilius in diesem Spirit denn nun raus für die Theologie vom Heiligen Geist? Was kriegt er raus? Und das müssen wir jetzt auch, ganz holzschnittartig und so, müssen wir mal schauen, wie wir das runterbrechen. Die große spannende Frage damals war ja der Heilige Geist. Wir haben bereits ein Bekenntnis, wo wir sagen, Vater, glauben Jesus Christus, Gott von Gott, Licht von Licht, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesen mit dem Vater und an den Heiligen Geist. So, und jetzt war das Bedürfnis da: Können wir da mehr zu sagen, weil das so ein

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bisschen übersprang. Manche sagen Gott ist Gott, und Jesus - wir sagen ganz viel, aber nicht, nicht Gott wie der Vater -, und manche sagen, beim Heiligen Geist auch. Der Heilige Geist ist meinetwegen auch göttlich, aber er ist Gabe, er ist Kraft, er ist Wirkung. Er ist nicht Gott wie der Vater. So, und da ist Basilius bei denen, die dann doch sagen, Moment, wenn das so ist, dass wir durch den Heiligen Geist überhaupt Jesus erkennen, wenn das so ist, dass wir durch die Kraft des Heiligen Geistes überhaupt Gott ähnlich werden können, dann ist der Heilige Geist keine Kreatur. Das war das Allerwichtigste für sie. Das war auch wirklich die Grenze. Wenn jemand sagte, der Heilige Geist ist ein Geschöpf, eine Kreatur, dann war es irgendwann der Konsens der Altnicäner und der

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neuen kirchlichen Mitte, zu sagen, das ist nicht mehr bei uns vertretbar. Das geht nicht. Also da erwarten wir ganz klar Distanzierung. Der Heilige Geist ist keine Kreatur. Er ist kein Geschöpf. Interessant ist nun, wie rücksichtsvoll Basilius an der Stelle sich weiterarbeitet. Er sagt, der Heilige Geist ist göttlich. So, und in seinem ganzen dicken, fetten Buch sagt er an keiner Stelle: Sprecht es mir nach, ihr Lehrer, der Heilige Geist ist Gott, homoousius, eines Wesens mit dem Vater und dem Sohn. Die, ich sag mal, die Ultra-Rechtgläubigen, für die war das nämlich längst klar, zu sagen: Wir müssen sagen, der Heilige Geist ist Gott, und er ist eines Wesens, das alles andere ist Häresie. In seinem ganzen Buch macht Basilius das gar nicht, weil er Menschen gewinnen will.

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Er ringt um Leute, er ringt um dieses ganze Mittelfeld, er bemüht sich immer wieder um einzelne Menschen, die da wirklich struggeln, und sagt es so: Der Heilige Geist gehört nicht auf die Seite der Schöpfung, er gehört auf die Seite Gottes, er ist aus Gott - Johannes-Evangelium -, er geht aus Gott hervor, er ist göttlich, und er wird mit dem Vater und dem Sohn angebetet. Das ist ihm eigentlich das Entscheidende, dass wir im Gottesdienst die Heilige Trinität anbeten und verherrlichen. Und ansonsten ringt er und überlegt er, wie kann man das jetzt in Worte gießen, wie kann man das klar kriegen. Und das Spannende bei Basilius ist, dass er sehr

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zurückhaltend ist, er will möglichst wenig sagen. Es gab nämlich Leute, die gesagt haben, wir haben das nicänische Glaubensbekenntnis. Nach 50 Jahren Streit müssen wir sagen, es war zu kurz, wir waren zu lieb, es war nicht scharf genug, wir müssen sehr viel mehr Klarheit, wir müssen alles ganz deutlich und alle zwingen zu unterschreiben. So, und Basilius sagte, bloß nicht, bloß nicht, so, wir haben damals doch auch - er lebte noch gar nicht -, aber trotzdem sagt er: "Wir haben damals doch auch alles, was unser Begreifen übersteigt, weder behandelt noch akzeptiert, weil wir wissen, wenn wir von der Einfachheit des Glaubens einmal abgehen, überhaupt kein Ende der Diskussion mehr finden werden, da stets der Widerspruch uns weiter vorantreibt, so dass wir die Seelen der einfachen Gläubigen durch die Einführung solcher Dinge nur noch verwirren." Also, er legte maximalen Wert auf

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einfach, klar und wenig, wenig, wenig. So, und insofern hielt er auch nichts davon, jetzt wirklich zu sagen, und wir wollen jetzt bekennen die Gottheit des Geistes und das Homoousius des Geistes und so weiter. Nein, er wollte die Menschen gewinnen, die da kämpften, und er hat ein paar Sachen vorgeschlagen, die da jetzt echt hilfreich waren. Es gab damals einen klassischen Streit, wie das Wesen Gottes beschaffen ist. Und im Griechischen gab es zwei verschiedene Möglichkeiten, vom Wesen Gottes zu sprechen, ousia und hypostasis. Man denke sich bei beiden einfach mal Wesen, ousia und hypostasis, man kann es nicht gut übersetzen, es ist ein bisschen traurig. So, und da gab es die einen, die gesagt haben, Gott ist eine Hypostase, eine Hypostase, die, Vater,

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Sohn, Heiliger Geist, so in drei Gesichtern erscheint. Und die anderen sagten, nein, der eine Gott ist in drei Hypostasen, Vater, Sohn, Heiliger Geist sind drei Erscheinungen des einen Gottes. Das war ein Riesenstreit im zweiten Jahrhundert, und man wurde da nicht so ganz einig und kam nicht ganz klar. Und Basilius hat das ganze Problem sich angeguckt und gemerkt, man kann da unterschiedlich für argumentieren, wofür verwenden wir das Wort Hypostase? Und er schlug irgendwann eine Lösung vor, die hatte lateinische Vorläufer, das ist alles viel zu kompliziert leider, sorry, aber die hatte so Vorläufer, aber er hat das dann noch mal so durchdacht und gesagt, wir können unterscheiden - doch einfach mal machen - zwischen ousia und hypostasis. Und zwar so, dass wir sagen: Wir glauben an Gott, so an das Wesen Gottes, ein göttliches Wesen in drei Hypostasen. Und das war jetzt ein interessantes Angebot, weil er den

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eins oder drei Gegensatz unterläuft und zwei Begriffe nimmt, die eigentlich ähnlich waren, wo man früher gesagt hat, ist Jacke wie Hose. Und er hat zwei sehr ähnliche Begriffe mal so als Vorschlag genommen, ein Wesen und drei, ich sag für Hypostasen jetzt mal Erscheinungen, das ist schlecht, eigentlich muss man im Griechischen bleiben, oder Seinsweisen, das ist alles schwierig, ein Wesen und drei Seinsweisen. Das hatte große Vorteile nun, weil er sagen konnte, lasst uns ehrlich werden, begreifen wir Gott? Ist Gott für uns durchschaubar und begreiflich? Klare Antwort, nie und nimmer. Gott selbst, Gottes Wesen ist für uns Menschen ewig unbegreiflich und Gegenstand reiner Anbetung. Was wir verstehen können, ist Gottes Wirken an

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uns. Was wir nachsprechen können, ist, was wir in der Bibel bezeugt haben, Gottes Sichoffenbaren als Vater, Sohn, Heiliger Geist. Also auf der Ebene der Hypostasen, wie er es nannte, können wir Dinge über Gott sagen. Und das, was wir über Gott bekennen, unterscheiden wir von dem, was Gott in sich ist. Und wir schließen im Grunde zurück, das was wir von Gott sehen, hören, in der Schrift bezeugt finden, das sind die Hypostasen des einen göttlichen Wesens. Wir können sie ansatzweise verstehen, und wir glauben, dass Gott in sich so ist, wie er uns erscheint, und gleichzeitig all unserem Verstehen nochmal entzogen ist, weil er in sich Geheimnis ist und bleibt. Und da war ein breiter Konsens, da waren alle für, zu sagen, natürlich begreifen

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wir Gott nicht, aber wir bekennen uns zu dem, was uns von Gott offenbar wird. Und mit dieser Einführung der Unterscheidung, ein Wesen und drei Hypostasen, war jetzt aber was Raffiniertes gelungen. Es war für die damalige Mehrheit, für die Gegner von Nicäa, immer der Punkt, Gott ist Gott, Gott ist Gott, wir wissen doch was Gott ist, der Allmächtige, Ewige, Ungeschaffene, Unsichtbare und so weiter. Und Jesus und der Heilige Geist sind da ganz close, völlig klar, aber spielen nicht in dieser Liga. Warum? Der Heilige Geist ist eben eine Gabe, wir empfangen den Geist als Gabe von Gott, der Heilige Geist gibt uns aber nicht Gott, ist eine andere Liga, ist eine andere Hierarchie. Jesus leidet, weint, schreit, stirbt, ist eine andere Liga, ist nicht Gott. So und das war immer ihr Punkt,

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wo sie festhalten wollten, Gott ist Gott, das Wesen Gottes ist nicht vereinbar mit dem, was wir bei Jesus und dem Geist sehen. Und Basilius nimmt diese Sprache auf, das Wesen Gottes, und sagt, Gottes Wesen, ja, ist für uns unbegreiflich, und Gottes Wesen zeigt sich uns auch überhaupt erst wirklich in Jesus durch den Heiligen Geist. Wir können nicht so tun, als wüssten wir, was Gott ist. Diese ganze Gott-ist-Gott-Fraktion tut so, als wäre klar, wer oder was Gott ist, um dann sagen zu können, wir wissen auch was Gott ist, und Jesus, super Typ, ich glaube ja auch an ihn, aber er ist das nicht. Das ist aus Basilius' Sicht die Illusion, als hätte man bereits Gott, den Gottesbegriff, das Wesen Gottes, und hätte jetzt die Aufgabe, da Jesus und den Heiligen Geist irgendwie so dran

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zu pappen. Und indem er diese beiden Wesensbegriffe jetzt aufteilt, Ousia und Hypostasis, macht er deutlich, naja, wer Gott eigentlich ist, zeigt sich uns in Jesus und dem Heiligen Geist. Das ist eine Standleitung zum Herzen Gottes, was wir in diesem Jesus finden. Der Heilige Geist verbindet uns mit Gott, wie er ist. Das heißt, wir lernen im Heiligen Geist, in Jesus Christus überhaupt erst wirklich, was Gott bedeuten kann. Gott erschließt sein Wesen, erschließt sich selbst so, so wie er sich in Jesus zeigt und wie er sich im Heiligen Geist uns mitteilt, so ist er auch. Und das war ein Lernschritt, rauszukommen aus Gott-ist-Gott, was Gott ist, ist ja schon völlig klar, und jetzt wird

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nur so dran gepappt, hin zu sagen, wir denken Gottes Gottheit neu. Wir denken Gottes Gottheit vom Heiligen Geist in Jesus Christus und Gott dem Vater trinitarisch. Und das war Basilius' großer Beitrag. Sein Bruder Gregor von Nyssa, sein Freund Gregor von Nazianz haben das dann alles noch mal ein bisschen verfeinert. Man hat dann mit der Zeit da sehr genau Wert drauf gelegt, zu sagen, wir reden von dem einen Gott, dem einen göttlichen Wesen, und dann müssen wir in Gott diese Relationen beschreiben, und zwar so, dass wir sagen, der Ursprungslose ist der Vater, der anfangslos Gezeugte ist der Sohn und der nicht Gezeugte, Hervorgegangene ist der Heilige Geist.

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Klingt jetzt nicht so geil, wenn man einen Vortrag so anfängt, denkt man da mal hin, ihr habt doch alle den Schuss nicht gehört. Nein, aber das war damals also nach jahrzehntelangem Kampf wirklich eine Lösung, zu sagen, Gottes Wesen ist trinitarisch, und es gibt diese Gemeinschaft des göttlichen Wesens, und wir denken Gott jetzt aber relational, wir denken Gott in Beziehungen und definieren jetzt auf der Ebene der Hypostase diese Beziehungen, so dass der Sohn gezeugt, nicht geschaffen, ist, er ist kein Geschöpf, sondern er ist gezeugt, eine ewige Zeugung, maximale Nähe zu Gott und Differenz, der Heilige Geist ist hervorgegangen, gehaucht, hervorgegangen, eine

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andere Relation zum Vater, weil wir Verschiedenheit wollen, drei auf der Ebene der Hypostasen und eins auf der Ebene des Wesens. Und diese Begriffe klopfte man jetzt fest. Das ist in den 70er Jahren so passiert, und dann war man am Ende am Start und konnte unter Einwirkung anderer Tradition das Bekenntnis von Konstantinopel formulieren. Das heißt: Was hat man für die Trinitätslehre gewonnen? Ich fasse das in drei Sachen nochmal kurz zusammen. Das erste: Gott wird in Christus offenbar. Das ist eine wesentliche Erkenntnis, dass man auf der Ebene des Gottesbegriffs noch einmal sagt: Wer Gott ist, erkennen wir nur in Jesus Christus. Jeder Versuch, den Gottesbegriff vorher schon als gegeben anzunehmen, wird eigentlich unserem Glauben nicht gerecht. Die

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Frage, war Jesus Gott oder war der Heilige Geist Gott, kann eben total irreführend sein, wenn man so tut, als wüsste man, was Gott ist. Die Fragen sind regelrecht dumm, weil man noch nicht angefangen hat, sich wirklich zu fragen und sich zu wundern, was meinen wir mit Gott? Und dieses trinitarische Reden von Gott hat tatsächlich die Gottesfrage nochmal neu beantwortet, eben so, dass man sagt, in Christus, im Heiligen Geist, erschließt sich doch überhaupt erst, was wir Gott nennen können. So und was kann man dann Gott nennen, das Trinitarische? Ja, es ist ein beziehungsreicher Gottesbegriff. Gott ist der ewig Beziehungsreiche. Gott ist in sich in Beziehung, das heißt, er ist nicht abstrakt, das eine, er ist nicht der Ursprung, sondern er ist immer schon im Gegenüber dieser Personen. Der Vater ist nicht Gott, der Vater ohne diese Beziehung zum Sohn, der Sohn ist nicht Sohn

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ohne diese Beziehung zum Vater, der Heilige Geist ist nicht für sich etwas oder jemand, sondern als der, der aus Gott hervorgeht, der von Jesus gesandt wird. Diese Beziehungen, diese Relationen, Gott ist sie. Was wir Gott nennen, ist uns nicht anders gegeben als in diesem Beziehungsreichtum. So und drittens, von diesem Gott zu reden, heißt ganz schlicht, Teil dieser Geschichte zu werden. Teil dieses beziehungsreichen Geschehens, das Gott in sich ist und das er auf die Welt hinaus erweitert. Und in dieser Geschichte, in der Nachfolge, im Wachsen, in der Liebe macht es Sinn, sich diese Gedanken zu machen. So, jetzt möchte ich mit euch den Text noch mal durchgehen, mit dem wir angefangen

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haben. Und ich glaube, wir werden jetzt ein bisschen mehr verstehen, hoffe ich, das war jetzt der Zweck der ganzen Übung. "Wir glauben an den Heiligen Geist", so hieß es in Nicäa, "Wir glauben an den Heiligen Geist". In Konstantinopel hatte man Bock, zu sagen, nein und jetzt sagen wir mehr. Vier Zeilen: "Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht." Und ja, wir sehen, der basilianische Geist hat sich hier am Ende durchgesetzt. Man hat nicht die Spitzensätze formuliert - wir glauben an den Heiligen Geist, der auch Gott ist, eines Wesens mit dem Vater. Manche hätten da Lust drauf gehabt. Nein, aber man bleibt auf einer vorsichtigen Ebene. Er ist Herr und macht lebendig. Es war für Basilius und für andere auch tatsächlich auch das Anliegen zu sagen,

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möglichst nicht über das hinaus, was die Schrift sagt. Dass der Heilige Geist Herr ist, steht im 2. Korinther. Und da haben sie gesagt, lass uns dabei bleiben, er ist Herr. Und im Grunde ist damit auch klar, wir glauben an den dreieinigen Gott. Wir glauben, der Heilige Geist ist göttlich. Und jeder darf ihn Gott nennen. Das ist alles super. Aber in diesem verbindlichen Text bleiben wir vorsichtig und formulieren diese beiden Flügel: "Er ist Herr und macht lebendig." Deutsch ist es übrigens ein bisschen schäbig. Ich weiß nicht, ob euch das flasht, dass ihr sagt, wow, es wird mein Morgengebet: "Er ist Herr und macht lebendig." Also schon Latein ist es viel schöner. Da heißt es: "Credo et in spiritum sanctum, dominum et vivificantem." Das ist doch viel schöner. Oder auch nicht. Man kann es nicht so - sagt es siebenmal, dann fängt es an zu blühen. Dominum et vivificantem.

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Griechisch auch schön, to kyrion kai zoopoion, also der Herr, der Leben lebendig macht, Leben bewirkt. Und ich finde die Spannung, die da drin steckt, jetzt wirklich auch ganz reizvoll, weil es ist ja so zwei Pole. Auf der einen Seite Kyrios, der Herr. Da kann man heutzutage schnell auch mal Schnütchen ziehen und sagen: Ja, aber wollen wir uns nicht so hierarchische Herrschaftsstrukturen abgewöhnen? Das kann ich sehr gut verstehen. Ich bin in vielerlei Hinsicht antipatriarchalisch, antihierarchisch, und meine Sicht des christlichen Glaubens ist, ich finde es einfach hammer genial, einen Gekreuzigten, der die letzten Tage seines Lebens unter Folter, mit Weinen und

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Angstattacken verbracht hat, als "Herr" anzusprechen und vor ihm niederzuknien, weil damit alles neu definiert wird, was Herrschaft zu heißen verdient. Der, der sich zum Knecht macht, der der gering wird, der Leiden, Schmerz und Ohnmacht teilt, der in äußerste Ohnmacht hineingeht, gefesselt, gegeißelt, gefoltert, ans Kreuz genagelt. Die äußerste Ohnmacht ist der Ort, wo Gott seine absolute Macht zeigt. Darum finde ich persönlich es sehr schön und unverzichtbar auch zu sagen, wir nennen ihn "Herr". Und wenn wir ihn "Herr" nennen, wenn wir ihm Herrschaft zusprechen und von seiner Macht reden, machen wir etwas mit den Konzepten Herrschaft und Macht. Das macht uns herrschaftskritisch, den "Herrn" zu nennen, der in Ohnmacht aus Liebe gelitten hat. Ja, insofern bin ich an der Stelle

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Fan davon, ich bin sonst gern für Abbau von Herrschaftsideologie. Ich finde halt, der christliche Glaube ist ein fantastischer Beitrag dazu, Herrschaftsideologie zu hinterfragen. Und er wird "Herr" genannt, und darin steckt ja nun doch auch etwas Wichtiges: Es ist unverfügbar. Es ist auch ein Bekenntnis zur Unverfügbarkeit Gottes, zur Unverfügbarkeit wahren Lebens. Diese Angewiesenheit auf, finde ich ganz zentral. So jetzt kann man das als kränkend empfinden und sagen, ja aber wollen wir nicht Menschen zur Selbstwirksamkeit erziehen und zur Selbstständigkeit? Und ich sage: Ja, wollen wir, und ich glaube nicht an beziehungslose Selbstständigkeit. Jede Selbstständigkeit, jedes Selbstbewusstsein, jede innere Stärke wächst nicht irgendwie so aus dem

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Boden heraus oder so. Du erlangst sie in Beziehung. Du erwirbst sie in Beziehung, wo dir Vertrauen und Güte und Liebe erwiesen wird. Stärke wächst nicht auf Bäumen. Menschliches Selbstbewusstsein fällt nicht vom Himmel. Sie wird ermöglicht, sie wird zugesprochen in Gemeinschaft. Und Sünde so zu verstehen als Gemeinschaftsunfähigkeit, als isolationistische Selbstständigkeit, finde ich angemessen. Und das Wissen um Unverfügbarkeit, das Wissen, ich brauche Beziehung, ich kann nur ich sein mit allem Selbstbewusstsein und jeder Ich-Stärke, die ich brauche, in Beziehung, ist Einklingen in das, ja was Gott ist, sein in Beziehung. Darum diese Anerkenntnis: Wirkliches

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Leben ist unverfügbar. Ich bekenne, dass es Macht, dass es Herrschaft gibt, die ich brauche, ist dem Menschen heilsam. Und dann aber kommt sofort hinzu, dass es keine Macht ist, die einfach regieren will. Es ist keine Macht, keine Herrschaft um ihrer selbst willen, sondern diese Herrschaft wird sofort weiter definiert. Es ist "dominum et vivificantem". Es ist die Herrschaft, die lebendig macht, die Leben möglich macht, die aufblühen lässt, die gedeihen lässt. Und beides mit dem Heiligen Geist zu verbinden, seine Macht, seine Stärke, seine Unverfügbarkeit, aber eben auch das Lebensdienliche. Er ist Gabe und gibt, er ist Geschenk und beschenkt, er schenkt Gaben und Früchte, er lässt wachsen, er lässt aufblühen, und es ist ein Kriterium für geistliches Wirken,

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dass Menschen darin nicht verdorren, sondern aufblühen, dass sie lebendig werden, dass sie vor Lebendigkeit vibrieren, dass sie leuchten, so dass Leben, dass Wärme stattfindet und sich ereignet. So ein Kriterium für geistige Wirken, ich glaube, damit kommt man ziemlich weit. Das war die erste Zeile. Wir glauben "Heiligen Geist, Herr, macht lebendig". Jetzt kommen diese Formulierungen mit Vater und Sohn und Filioque, ja oder nein. Ich sage mal da kurz meine Meinung. Er geht aus dem Vater hervor und wird mit dem Vater und Sohn angebetet und verherrlicht. Das war die ursprüngliche Formulierung. Ich finde sie genial. Es sind biblische Formulierungen. Der Geist geht aus dem Vater hervor, Johannes-Evangelium, so man bleibt da nah dran, und man bleibt bei Verben. Man setzt

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auf Verben, geht hervor, anbeten, verherrlichen, und es sind Beziehungsverben. Gott wird beschrieben als Beziehungsgefüge in sich. Gott ist in sich beziehungsreich, und Gott erschließt sich uns in der Beziehung, wo wir ihn anbeten und verherrlichen. Es gibt kein sinnvolles Reden von Gott und Gottheit außerhalb dieser Beziehungsrealität. Das finde ich eine sehr, sehr große Stärke dieser Formulierung. Jetzt haben die im Westen später irgendwann gesagt, wir finden es ein bisschen schade, diese Asymmetrie, dass es heißt, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird. Wird das Ganze nicht noch schöner, und vielleicht kann man es noch cooler singen, wenn es heißt, der aus dem Vater und dem Sohn hervor geht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet wird, wird es nicht trinitarischer? Und im Westen hat sich das durchgesetzt, und im Westen sagte man auch, die im Osten sind da so traditionsverhaftet, und ja,

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die haben da, bei denen ist die Gefahr, dass Jesus nicht mehr so im Zentrum steht. Wir wollen völlig klar haben, dass der Heilige Geist nicht so Gottes linke Hand und Jesus Gottes rechte Hand, wir wollen da nicht so ein Dreieck, sondern wir wollen wirklich das gleichmäßige Gefüge in unserem trinitarischen Bekenntnis, darum knallen wir da ein "filioque" - und aus dem Sohn - rein. Das ist ökumenisch lang umstritten. Meine persönliche Meinung ist, man sollte einfach mal anerkennen, es war so, wie es war. Das ist der Text. Man kann ja im Fußball auch nicht sagen, wir haben jetzt den Videobeweis, Endspiel 1966 ist ungültig, da gibt es gar keinen Weltmeister, weil ist so, haben wir einfach, jetzt hat in Köln irgendwer entschieden. Das macht man nicht. Das macht man, auch wenn man Bock hätte und vielleicht rennt, aber man macht es einfach nicht. Irgendwie ist es jetzt so entschieden. Und ich glaube, man kann nicht sagen, dass der alte Text falsch ist. Im

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Bekenntnis ist Jesus doch wirklich das Zentrum. Es ist das Zentrum, eigentlich ist der Text gut. Man könnte dann vielleicht auch zugestehen, da muss man die im Osten fragen, ob die westliche Idee, hier das Christuszentrum nochmal zu betonen, nicht auch eine schöne Auslegung ist, also eine schöne Fortführung und schöne Auslegung. Und dafür aber auch nur eine einzige Freundschaft zu verlieren, wäre reiner Wahnsinn, fände ich. Ganz ehrlich, könnte man komplett lassen. Nein, es ist so gelungen, wie es ist, weil hier Gott als Beziehung bekannt wird, die sich uns in Beziehung erschließt. Und so dogmatisch zu denken, das ist die richtige Spur. Und dann heißt es am Ende schlicht und feierlich, der gesprochen hat durch die Propheten. Ich muss gestehen, ich hatte da, ich weiß auch nicht,

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so eine Zeit, wo ich gedacht habe, das ist jetzt kein Höhepunkt mehr, "der gesprochen hat durch die Propheten". Es ist die einzige Stelle, wo in den alten Texten die Bibel mal ins Bekenntnis reinkommt. Ich muss sagen, ich feiere das immer mehr. Ich finde es inzwischen richtig, richtig, richtig schön. Ich finde es super. Ich finde, ehrlich gesagt, reicht das auch als Bekenntnis zur Bibel. Gibt es so Menschen, die heute wahnsinnig Bock haben zu sagen, wir müssen uns im Bibelverständnis einigen und so. Ich habe da echt Lust, ganz traditionell zu sein und zu sagen, können wir uns darauf einigen, dass wir alle das Nicäno-Konstantinopolitanum mitsprechen und dass das wirklich hinreichend ist. Ich glaube, das wäre ein Riesengewinn, zu sagen, wir beerdigen komplett alle Bibeldiskussionen und sagen, zum christlichen Glauben gehört das Bekenntnis, dass der Heilige Geist durch die Propheten gesprochen hat, Punkt. Das finde ich wirklich ganz schön irgendwie. Mir reicht das total. Und ich finde es auch wirklich genial gelöst

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in gewisser Hinsicht. Hier wird deutlich, die Bibel gehört dazu. Die Bibel gehört zum christlichen Glauben wie die Kirche. Halt auch nicht mehr. Es gehört zum Glauben wie die Kirche dazu. Sie spielt nicht in der Liga von Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ist in diesem Bekenntnis einfach nicht so. Es wird "Vater, Sohn und Heiliger Geist, glauben wir". Und es gehört zum Bekenntnis, zum Heiligen Geist, Unterpunkt drei, dass er durch die Bibel redet. So, ich finde, das ist der angemessene Ort der Bibel im christlichen Glauben. Die Bibel dem ganzen christlichen Glauben vorzuordnen und zu sagen, du musst erst glauben, dass die Bibel wahr und in jeder Hinsicht, und dann kannst du aufhören - das ist irgendwie, stiftet viel Unglück. Basilius wäre da auch nicht für gewesen. So und natürlich machst du das alles mit der Bibel. Das ist ja völlig klar. Woher denn auch sonst? Wo ziehst du dir sonst einen

84:01
Heiligen Geist aus der Rippen, wenn nicht aus der Bibel? So, aber es reicht eben an der Stelle. So und dann finde ich auch schön, "der gesprochen hat". "Der gesprochen hat." Der Heilige Geist begegnet uns personal. So und das finde ich jetzt ein schöner Kontrapunkt. Er ist Herr und macht lebendig. Er ist Kraft. Er ist Macht. Er ist Lebensspender. Und es gehört zum Glauben dazu, finde ich, so dieses Moment von ergriffen werden, von ergriffen werden, erleuchtet werden. Glaube ist eine Passivitätserfahrung, etwas, was wir nicht in Gedanken produzieren, etwas, was wir nicht erfinden, sondern etwas, was uns ergreift. Er ist Herr und macht lebendig. Aber der Glaube ist eben auch nicht etwas, was von anonymen, abstrakten, totalen Mächten abhängt. Er spricht, er spricht uns an, nimmt uns darin auch

85:01
als sprachliche Wesen ernst, nimmt uns als vernünftige Wesen ernst. Und es braucht diesen persönlichen Kontrapunkt zu diesem einen Pol Macht und Gabe. Es braucht auch diesen rationalen Kontrapunkt. Wer spricht, will verstanden werden. Glaube hat diesen kleinen Überschuss der Ergriffenheit, was du nicht produzieren kannst. Aber ich glaube nicht an eine Christenheit, die in Machterfahrung ihr Wesen erlebt, sondern echter Glaube lebt im Menschen nicht am Denken vorbei, nicht an der Vernunft vorbei. Ein irrationaler, antivernünftiger Glaube ist ein unmenschlicher Glaube, der immer Unmenschliches hervorgebracht hat. Glaube will verstanden werden, will besprochen werden, ist kommunikativ. Über Glaube wird nachgedacht, wird gesprochen,

86:00
wird gerungen. Man will es verstehen. Und Dinge bekennen, die man nicht versteht, ist jetzt nicht gleich Sünde gegen den Heiligen Geist, aber eine Stufe tiefer schon. Es ist eine Vergewaltigung des menschlichen Wesens, am Verstehen, am Denken vorbei, Dinge aufoktroyieren zu wollen. Darum, ja, super, "der gesprochen hat durch die Propheten". Gott ist kommunikativ und Glaube ist rational. Und beides zeigt sich uns im Heiligen Geist und durch den Heiligen Geist. Das war ein kleiner Versuch, über den Heiligen Geist alles Wichtige zu sagen - kleiner Scherz -, ein bisschen was Wichtiges, ein bisschen was, einen ersten Einstieg. Und das Schöne dabei finde ich, man könnte jetzt auch drei Stunden reden, fertig ist man nie. Man ist nie fertig. Karl Barth hat das mal sehr schön gesagt. Zur Theologie gehört wie

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zum Glauben am Ende von allem immer die Bitte: "Komm Heiliger Geist, komm Heiliger Geist, entzünde unsere Herzen, wirke in uns Glauben, stifte Verständnis, erhalte uns Gemeinschaft und führe uns voran auf dem Weg, dir ähnlich zu werden." Das gehört dazu. Und das ist jetzt kein krampfiges Gebet, wo man sich irgendwie den Heiligen Geist runterziehen will. Wir haben ihn. Der Heilige Geist ist uns gegeben, wir sind mittendrin. Und wir haben ihn zugleich aber nie als Besitz. Wir haben ihn, und er bleibt doch unverfügbar. Darum ist die Bitte, "komm Heiliger Geist", das Zeichen dafür, wirklich den Geist zu haben.

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Der Heilige Geist – der geheimnisvolle Gott | 12.7.2

Worthaus 10 – Tübingen: 4. Juni 2022 von Prof. Dr. Thorsten Dietz

Christen werden getauft in seinem Namen, sie bekennen sich in fast jedem kirchlichen Gottesdienst zu ihm, und doch weiß kaum jemand mit ihm etwas anzufangen: dem Heiligen Geist. In Liturgie und christlichen Formeln wirkt er oft wie ein Anhängsel. Und das Fest, das allein der Ausgießung des Heiligen Geistes gewidmet ist, ist für die meisten doch nur ein Grund, an einem Montag ausschlafen zu können. Wer also ist der Heilige Geist? Ist er Gott? Eine Person? Und was hat es nochmal mit der Dreieinigkeit auf sich? Thorsten Dietz gibt in diesem Vortrag einen Überblick über das Thema und blickt dabei weit zurück in die Anfänge des Christentums, als im 4. Jahrhundert die Christen nicht mehr in Todesangst ihren Glauben lebten, sondern endlich vom römischen Kaiser anerkannt wurden. Der verlangte aber im Gegenzug, dass sie sich mal einig werden über das, was sie da glauben. Darum erzählt Dietz hier vor allem von Basilius von Caesarea und geht dabei den Weg ab, den die ersten Christen im Ringen um ein gemeinsames Bekenntnis zum Glauben zurückgelegt haben.