Heute Weltreligion, damals eine Sekte unter vielen. Das Christentum hatte in der Antike harte Konkurrenz. Im riesigen Römischen Reich gab es Religionen ohne Ende. Wer Hilfe brauchte, konnte sich an Magier und Priester wenden, an Orakel und Zauberbücher. Und natürlich an diverse Götter. Wer Orientierung suchte, konnte fragen: Was habt ihr mir zu bieten? Was ist bei euch besser als bei den anderen? Glaubens-Shopping sozusagen. Wie sollte Paulus auf diesem Markt der Möglichkeiten mit seiner Botschaft vom Zorn Gottes und dem jüngsten Gericht Menschen für den Glauben gewinnen? Mit seiner Forderung nach Liebe, Vergebung und Unterordnung?
Damals Sekte, heute Weltreligion – Paulus hat es trotz harter Konkurrenz geschafft, den Glauben an Christus im riesigen Römischen Reich publik zu machen. Der Papyrologe und Theologe Peter Arzt-Grabner erklärt, wie die Welt damals aussah und was wir von Paulus’ Mission lernen können.

Als Gott noch mitten unter den Israeliten wohnte, in einem Zelt, später in einem imposanten Tempel, der in der ganzen damaligen Welt berühmt war, da war alles noch einfach: In Gottes Gegenwart wurden Opfer dargebracht, Steuern gezahlt, Testamente und andere offizielle Dokumente aufgesetzt, und darum, dass alles rund lief, dass Gott sich im Tempel wohl fühlte und alle Gläubigen sich an die Regeln hielten, darum kümmerten sich einige Auserwählte. Doch dann zerstörten die Römer den Tempel und nahmen den Juden ihren religiösen, politischen und gesellschaftlichen Mittelpunkt.
Was blieb war die Hoffnung auf einen neuen Tempel. Für die Juden.
Paulus aber brachte den christlichen Glauben auch zu Nicht-Juden. Für sie ging es nicht mehr um einen Tempel, den man betreten konnte. Der Tempel sollten sie jetzt selber sein, forderte Paulus. Und verlangte damit eine absolute Hingabe, die damals manche Gläubige die wirtschaftliche Existenz kosten konnte. Und heute? Würden wir heute schaffen, was Paulus von den ersten Christen verlangt hat?

Vielleicht war es nur ein kurzes Experiment, was wir in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben und das eine Frage beantworten sollte: Kommen Menschen damit klar, wenn sie fast alles tun können, was sie wollen?
Die Antwort steht für immer mehr Menschen fest und lautet: Nein. Der westliche Liberalismus hat uns in den Abgrund geführt. Der Mensch braucht Regeln, Grenzen und Strafen. So jedenfalls wird es von den USA bis Südamerika und in Europa diskutiert. Freiheit oder Gehorsam sind zwei Extreme, zwischen denen wir uns im Moment offenbar bewegen, die sich auszuschließen scheinen. Und dann kommt auch noch Paulus an mit einer völlig paradoxen Aussage: Wir seien befreit zum Gehorchen. Wie diese beiden Extreme zusammenpassen, erklärt Thorsten Dietz. Er zeigt, was die Liebe mit all dem zu tun hat. Und wie das Experiment ausgehen könnte, wenn wir uns nur genau an die Bibel halten.

Nicht mehr lange, dann sind wir durch mit dieser Welt, dann kommt der Messias wieder. Das jedenfalls glaubte Paulus. Wie er sich die Wiederkehr des Messias vorstellte, das schrieb er nicht. Vom Ende der Welt haben aber andere schon geschrieben: Daniel hatte Visionen, Hezekiel auch, oft hatten sich Menschen Gedanken über das Leben danach gemacht, ob ihre Kinder und Haustiere auch dabei sein werden und welcher Mann die eine Frau dann bekommt. Von diesen Schriften und Debatten war Paulus geprägt. Die Neutestamentlerin Nicole Oesterreich erklärt, welche Vorstellungen vom Ende der Welt es zu Paulus’ Zeiten gab, wie Paulus sich die Apokalypse und das Gericht Gottes vorstellte und ob uns diese Vorstellungen heute noch Hoffnung geben können.

Fragt man nicht-religiöse Menschen, wie sie sich einen gläubigen Christen vorstellen, dann haben sie meist eine klare und eher unsympathische Vorstellung: politisch radikal seien die, wissenschaftsfeindlich und ziemlich naiv. Fundamentalistisch eben.

Wenn man Paulus so liest, könnte man tatsächlich den Eindruck bekommen, die Gläubigen sollten ihr Gehirn an der Kirchentür abgeben. Er schreibt davon, dass die Nachfolger Jesu ihre Weisheit ablegen müssen, dass die frohe Botschaft den Nicht-Gläubigen albern vorkommt, er fordert Gehorsam und Unterordnung.

Gibt es also nur entweder – oder? Gläubig oder vernünftig? Torheit oder Weisheit? Thorsten Dietz erklärt, was Paulus unter Weisheit verstand, was die Bibel über Weisheit sagt und warum fundamentalistische Christen die Bibel verraten.

Irgendetwas ist in Rom passiert. Wir wissen nicht genau was, aber Paulus musste intervenieren, die Sache klären und entschuldigte sich gleichzeitig dafür, dass er noch immer nicht dort gewesen war, in der Hauptstadt des Reiches, bei den Juden, die dank ihm an Jesus als den Messias glaubten.
Er schreibt einen seiner berühmtesten Briefe, der später Geschichte gemacht hat. Kathy Ehrensperger führt durch diesen Brief wie durch ein Gespräch, das entscheidende Fragen klären muss. Wie ist das Verhältnis zwischen Gott, Israel und den Völkern, die Christus nachfolgen? Warum wurde Israel von Gott auserwählt? Was hat es mit den Nicht-Juden auf sich, die plötzlich einem jüdischen Wanderprediger aus der Provinz anhingen? Und wenn Jesus der Messias ist, warum folgen dann nicht alle Juden Seinem Ruf?

Wer damit aufgewachsen ist, findet den christlichen Glauben vielleicht recht einfach zu verstehen: Jesus kam auf die Erde, starb, erstand wieder auf, ist nun beim Vater – und den Heiligen Geist gibt es auch noch. Wer erst später zum Glauben kommt, mag an der ein oder anderen Stelle verwirrt sein.
Paulus war vermutlich der erste Mensch, der den christlichen Glauben erklärt hat, und zwar für Menschen, die natürlich nicht damit aufgewachsen sind, und die noch nicht einmal Juden waren. Thorsten Dietz beschreibt, wie Paulus den Menschen seiner Zeit den Glauben an Jesus als den Christus näherbrachte. Welche Hoffnung für Paulus selber und alle Menschen damit verbunden war. Und was Paulus auch uns damit zu sagen hat – selbst wenn wir mit dem Glauben an Jesus Christus aufgewachsen sind.

Paulus scheint es uns einfach zu machen: Wir müssen nichts tun, nur an Gott und Jesus glauben, dann passt das schon alles – egal wie wir leben, egal ob wir sündigen.

So einfach ist es natürlich nicht. Paulus war Pharisäer, untadelig nach dem Gesetz, wie er schreibt, mit Regeln kannte er sich aus. Und die hat er für Christen nicht außer Kraft gesetzt. Jens Schröter erklärt anhand verschiedener Paulus-Briefe, was der Apostel gemeint haben könnte, was es mit Gottes Gericht überhaupt auf sich hat, was es bedeutet, vor Gott gerecht zu sein, an welche Regeln sich Christen trotz – oder gerade wegen – ihres Glaubens halten sollen.

Jesus war Jude, seine Jünger, die Apostel, Paulus als erster Missionar, das Alte Testament besteht aus jüdischen Schriften, wir alle glauben an den gleichen Gott. Trotzdem war man lange Zeit überzeugt: Juden und Christen sind nicht kompatibel, sie gehören nicht zusammen.

Und dann gab es andere, die meinten: Juden und Christen gehören zusammen, die christliche Kirche ist das neue Israel, die Christen die neuen Juden, das auserwählte Volk.

Die Theologin Kathy Ehrensperger beleuchtet hier beide Positionen, erklärt anhand verschiedener Frage, worin sich der Bruch zeigt, woran sich eine Fortsetzung des Judentums im Christentum erkennen lässt. Und wie sich beides miteinander versöhnen lässt.

Was hat Worthaus nur immer mit Paulus? Dutzende Vorträge gibt es inzwischen über den Apostel. Ein kurzes Gedankenspiel erklärt es: Ohne Jesus gäbe es natürlich kein Christentum. Und ohne Paulus? Jesus zog durch Galiläa, wurde gekreuzigt, ist auferstanden, und die meisten Augenzeugen dieser Auferstehung blieben im Heiligen Land. Das Christentum blieb ein jüdisches Phänomen.

Und dann kam Paulus. Ehemaliger Christenverfolger, Schriftgelehrter, erster Missionar. Er dachte darüber nach, was das Kommen Jesu für die gesamte Menschen bedeutet. Er hat das Christentum, diese jüdische Glaubensströmung, für die Nicht-Juden der Antike zugänglich gemacht. Und hat damit auch entscheidenden Anteil am Glauben von Milliarden Christen der Gegenwart.

Ein guter Grund also, sich immer wieder mit Paulus und seiner Theologie auseinanderzusetzen. Der Theologe Jens Schröter gibt in diesem Vortrag einen Überblick über Paulus’ Denken und darüber, wie sich seine Lehre im Laufe seines Wirkens verändert hat.

Wir feiern den Advent nur nebenbei – wenn überhaupt. Es sind schließlich die hektischen Wochen vor Weihnachten: Geschenke kaufen, Feiertagsbesuche planen, Festessen organisieren, dazwischen Weihnachtsfeiern und bitte auch etwas Besinnlichkeit. Ach ja, und wieder eine Kerze anzünden, wie die Zeit vergeht! Dabei hat der Advent wenig mit Weihnachten zu tun. Und viel damit, wie wir durchs Leben gehen. In der Antike – und auch heute noch – schaute man auf das Bewährte, erklärt Siegfried Zimmer. Gut war, was schon lange funktionierte. Neues machte Angst, die Zukunft war ungewiss. Jesus aber war ein Revolutionär – er blickte nach vorn. Er versprach den Leidenden künftigen Trost und den Trauernden das Reich Gottes. Das Gute kommt noch. Und wer zurückblickt, so sagte es Jesus, der ist nicht geschaffen für das Reich Gottes, der erstarrt im Hier und Jetzt. Damit uns das nicht passiert, gibt es den Advent.

Bevor es Netflix gab, Fernsehen oder Radio, in einer Zeit also gar nicht so lange vor unserer Zeit, da war es eine große Kunst, Geschichten erzählen zu können. Siegfried Zimmer beherrscht diese Kunst und erzählt. Dieses Mal wendet sich der Theologe an Kinder ab etwa neun Jahren. Allerdings mit einer kleinen Warnung für die Eltern, denn die Geschichte könnte für manche Kinder zwischendurch unheimlich sein. Es geht um eine Krankheit und um eine Erzählung, die die meisten Christen längst kennen. Für viele Kinder mag es das erste Mal sein, dass sie diese Geschichte hören. Für Erwachsene ist es eine seltene Gelegenheit, einfach nur zuzuhören, so wie es die Kinder einst taten, vor Radio, Fernsehen und Netflix.