Für manche Christen steht es fest: Homosexualität ist Sünde. Darf nicht sein. Wer so fühlt, sollte den Drang unterdrücken, kann eben keine Partnerschaft leben, schade, aber ist so. Wer so denkt, kann hier wegklicken. Denn in diesem zweiten Vortrag zur Homosexualität richtet sich Thorsten Dietz an jene Menschen, die sich zerrissen fühlen zwischen Toleranz und dem, was vermeintlich in der Bibel steht, zwischen moderner Weltanschauung und uralten Schriften. Die andere nicht für etwas ausgrenzen wollen, wofür sie nichts können, aber gleichzeitig christlichen Lehren treu sein wollen. Um dieses Spannungsfeld auflösen zu können, muss man verstehen, was in der Antike damit gemeint war, wenn „ein Mann bei einem Manne liegt“ oder wenn die Männer Sodoms zwei männliche Gäste vergewaltigen wollen. Und welche Vorstellung von Sexualität die Menschen der Antike teilten, wer mit wem Sex haben durfte. Und wer nicht.
Aber lassen sich die Vorstellungen der Antike auf die Gegenwart übertragen? Sollen wir Homosexuelle verurteilen, wo doch unsere Vorstellung von Partnerschaft, Liebe und Sexualität nur wenig mit dem zu tun hat, was unsere Vorfahren in der Antike dachten?
Dietz gibt eine klare Antwort. Und die führt aus dem Spannungsfeld und manchen sogar hin zu einem neuen Verständnis der Bibel.

Die Kirche hat sich im Laufe ihrer Geschichte schwer getan mit der Homosexualität. Die Kirche? Im Gegensatz zur katholischen Kirche scheint zumindest die evangelische Kirche das Thema inzwischen entspannt zu sehen. Da gibt es homosexuelle Pfarrerinnen, homosexuelle Paare werden gesegnet, Regenbogenfahnen hängen vor Kirchengebäuden. Alles Friede, Freude also? In seinem ersten Vortrag über Homosexualität erklärt Thorsten Dietz, wie beschwerlich der Weg der evangelischen Kirche zum heutigen Umgang mit Homosexuellen war. Es ist ein rascher Ritt durch sieben Jahrzehnte, angefangen bei den Jahren, in denen sich die Kirche überhaupt bewusst wurde, dass es Homosexualität als Neigung gibt. Über die Zeit, in der Homosexualität als böse galt, später als krank, schließlich als heilbar. Dietz erzählt von den Versuchen, Mensch und Tat voneinander zu trennen, spricht vom Leid des Versteckens und der Erkenntnis: Auch die evangelische Kirche hat eine große Schuld auf sich geladen. Die Einstellung, dass Ehe von Liebe geprägt sein soll, ist ein völlig neues Phänomen in der Menschheitsgeschichte. Sollten sich nur Mann und Frau lieben dürfen? Wer hat darüber zu urteilen? Dietz jedenfalls kommt zu einem eindeutigen Urteil. Aber kommt die Kirche damit klar?

Am 27. Januar 1945, kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs, befreiten russische Truppen das in Polen gelegene Konzentrationslager Auschwitz. Den russischen Soldaten bot sich ein Bild unvorstellbaren Grauens. Der 27. Januar ist zum Gedenktag geworden, nicht nur für die Erinnerung an Auschwitz, sondern für die Erinnerung an die Vernichtung jüdischer Menschen insgesamt. Im Blick auf diesen Gedenktag und seine Bedeutung für eine Kultur der Erinnerung beschäftigt sich Siegfried Zimmer in diesem Vortrag mit dem Gedicht »Todesfuge« von Paul Celan. Paul Celan hat dieses Gedicht im Mai 1945 verfasst.
Das Gedicht »Todesfuge« darf in mehrfacher Hinsicht als einzigartig bezeichnet werden. Das gilt sowohl für Form und Inhalt des Gedichts als auch für dessen Verbreitung. Kein anderes Gedicht deutscher Sprache hat nach 1945 eine solche Verbreitung gefunden. Zimmer nähert sich dem Gedicht schrittweise. Er wendet sich sowohl den grundsätzlichen Aspekten des Gedichts zu – beispielsweise dem Titel »Todesfuge« – als auch dessen eigentümlichen Rhythmus und den vielen sprachlichen Details. Zimmer erläutert die zahlreichen Bilder des Gedichts, die uns zunächst fremd sind. Wenn er dann am Ende seiner Interpretation das Gedicht noch einmal vorträgt, hört man es mit ganz anderen Ohren. Wohl kaum jemand, der Zimmers Interpretation der »Todesfuge« hört, wird dieses Gedicht jemals wieder vergessen können.
Zimmer geht es aber nicht nur um das Gedicht selbst, sondern auch um dessen Autor, den Juden Paul Celan (1920 -1970), sein Leben und sein Schicksal.
Das Gedicht »Todesfuge« stellt jeden von uns vor die Frage, wie wichtig ihm die Erinnerung an die Judenvernichtung (Shoa) ist, wie er mit dieser Erinnerung umgeht und was er aus ihr macht.

Full of verve dedicates the german professor of theology Siegfried Zimmer himself to the topic that has probably been, and still is, discussed within Christianity as intensely and controversially during the last years as hardly any other. And you can tell that the topic is not an easy one.
If you look back in history, you can clearly see that gays and lesbians have been exposed to marginalization and persecution as extremely in traditionally Christian societies as in almost all societies, according to the principle “outlawed by society, damned by religion”.

However, this historical review is also a sad example for how Biblical texts have widely been dealt with in a manipulative and biased manner. Siegfried Zimmer demonstrates this in an impressive way with the story of Sodom and Gomorrah. For centuries, in the Christian world this story served to underpin a homophobic view, while its actual content was completely faded out. But Siegfried Zimmer goes still further: All Biblical passages that might deal with homosexual love – and there are surprisingly few of them! – are examined both within their Biblical context and within the social context of their origin.

He finally asks the justified question whether it is an expression of God’s love for his creatures that during the last 1.800 years “his children” have silently stood by and watched the execution and outlawing of lesbians and gays? And if it is not about time to be ashamed of the fact that Christians have sacrificed the core message of Christian faith, the message of the loving God, in favor of their own discomfort towards human beings that are foreign to them?

Basketball legend Charles Barkley got to the heart of it during a debate on homophobia: “Conservatives hide behind the Bible. They just do not like gay people. And they should simply admit this fact.” If you follow the explanations of Siegfried Zimmer, it is hard not to agree with Charles Barkley, since, objectively considered, the rejection of gay and lesbian relationships is untenable from a Biblical perspective. Or to put it bluntly: Discriminating people due to a personal characteristic in the name of the Bible and the Man of Nazareth is not only dishonest, but is even a severe case of abusive behavior.

Wenn Menschen im Internet gegen Flüchtlinge schimpfen oder gegen »Überfremdung« auf die Straße gehen, dann stören sie sich nicht an atheistischen Schweden, evangelikalen Amerikanern oder buddhistischen Koreanern. Sie fürchten den Islam. Kaum eine Religion löst in Deutschland und anderen westlichen Ländern solch harte Reaktionen aus: Wut, Hass, Angst. Siegfried Zimmer konzentriert sich in diesem Vortrag auf den Dialog zwischen diesen beiden Kulturen und Religionen, die da oft unversöhnlich gegenüberstehen: Islam und Christentum, westliche und muslimische Welt. Die Grundlage für diesen Dialog sind Gemeinsamkeiten: Christen und Muslime glauben an einen Gott. Da hört es aber oft schon auf mit dem Wissen um Gemeinsamkeiten. Zimmer zählt auf, was Muslime und Christen (und Juden) noch gemeinsam haben, vieles davon ist sogar unter Religionswissenschaftlern noch kaum ergründet. Und dann widmet sich Zimmer zum Schluss noch einer geheimnisvollen Gestalt, die in der Bibel nur am Rande erwähnt wird und ohne die der Islam undenkbar wäre: jenem Sohn, den Abraham verstieß.

Die Menschheit ist bedroht. Nicht nur durch den Klimawandel oder die Machtspiele zwischen Atommächten. Auch jene, die sich eigentlich Höherem verschrieben haben, die ihren Blick auf das Göttliche und die Ewigkeit richten, drohen die Menschheit zu ersticken. Aus Sicht der westlichen Welt stehen sich vor allem Islam und Christentum feindselig gegenüber, in anderen Teilen der Welt sind es etwa Buddhisten und Muslime oder Judentum und Islam. Dabei sind wir doch alle miteinander verbunden, beeinflussen einander mehr denn je in der Geschichte der Menschheit. Wie wichtig es daher ist, dass Menschen aller Religionen miteinander in Dialog treten, das betont Siegfried Zimmer immer wieder. Er selber hat sich kaum für den Islam interessiert bis er schon über 50 war. Seitdem hat sich einiges geändert. Und nun weiß Zimmer, worauf es zu achten gilt, wenn Menschen verschiedenen Glaubens aufeinander treffen, wie man Vorurteile ausräumt und wie sehr ein Mensch strahlt, wenn er einen Menschen Freund nennen darf, obwohl der einer anderen Religion angehört.

Eigentlich veröffentlicht Worthaus »nur« Vorträge. Manchmal sind die Fragerunden im Anschluss aber genauso interessant. Deswegen ist dieses Hörstück eine Premiere. Zum ersten Mal veröffentlichen wir hier, was nach einem Vortrag passiert. Und das hätte sich Eugen Drewermann nach seinem Vortrag zu »Jesus aus Nazareth – von Krieg zu Frieden« kaum passender hätte wünschen können. Mit Fragen wie »Muss ich nun Angst vor dem Jüngsten Gericht haben?«, »Wie viel freien Willen haben wir denn?« oder »Ist es nicht eine zusätzliche Belastung, wenn Opfer den Tätern vergeben sollen?« tauchen die Zuhörer noch tiefer ins Thema ein. Für seine Antworten holt Drewermann weit aus, von der Opferpraxis der Juden bis zur zweifelhaften Annahme, dass Jesus selbst ein Opfer für die Sünden der Menschen war. Dabei nutzt er die Gelegenheit noch einmal für kritische Worte zu unserem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das wir viel zu selten infrage stellen. Zur Kirche, die viel zu oft noch unantastbar scheint. Und für den Frieden zwischen Menschen, der viel öfter das Ziel unseres Handelns sein sollte.

Vielleicht war es der Vater, der ständig unterwegs war und selten mal lobte, vielleicht später die Partnerin, die ständig unzufrieden ist, oder der Chef, der noch nie an eine Beförderung gedacht hat. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, nicht genug zu leisten, keine Anerkennung zu finden, kennt fast jeder Mensch. Ähnlich muss es auch Kain gegangen sein, bevor er Abel ermordete. Eugen Drewermann, Theologe und Psychoanalytiker, erklärt, was zu diesem ersten Mord in der Menschheitsgeschichte geführt haben mag. Er weckt Mitleid, nicht für das Opfer Abel, sondern auch für den Mörder Kain. Er erklärt, was Jesu Botschaft all diesen überwältigenden Gefühlen, die zu einem Mord führen können, entgegenzusetzen hat. Eine Botschaft, die heute wohl so aktuell ist wie nie in einer Zeit voller Kriege zwischen Ländern und Menschen, voller Angst und Selbstzweifel, in der sich so viele Menschen benachteiligt und nicht anerkannt fühlen. Wer nach diesem Vortrag nicht mehr Barmherzigkeit empfindet für Mörder, Zuhälter, sonstige Sünder – und sich selbst – klickt einfach noch einmal darauf.

Das fing ja bekanntlich nicht gut an mit der Krone der Schöpfung. Die ersten beiden Menschen werden aus dem Paradies geschmissen und dann wird ihr erstes Kind auch noch zum Mörder. Wenn man jetzt noch davon ausgeht, dass die ersten Kapitel der Bibel so gemeint sind, dass sowohl Adam und Eva als auch Kain und Abel für die gesamte damalige Menschheit stehen, bleibt ja nur ein Schluss: Der Mensch an sich ist böse. Oder? Siegfried Zimmer analysiert hier eine der bekanntesten Erzählungen der Bibel, eine urgeschichtliche Erzählung, die mehr über den Menschen und Gott sagt, als man zunächst glaubt. Sie erzählt von der Ungerechtigkeit der Welt, von Gottes Reaktion auf eine furchtbare Tat, warum Gott den Mörder schützt. Und wie letztendlich auch wir Menschen mit unseren Mitmenschen umgehen sollten, die Böses getan haben. Auch mit Mördern.

Durchdringt man Erdschichten und analysiert Baumstämme, dann wird recht schnell klar: Eine Überschwemmung, die die gesamte Erde erfasste und alles Landleben bis auf ein paar Menschen und einige Tierpaare dahinraffte – die hat es nicht gegeben. Trotzdem berichtet nicht nur die Bibel, sondern auch Babylonier, Sumerer oder Mesopotamier von einer gewaltigen Flut und einem Mann, der mit seinem Boot Tiere rettete. All diese Erzählungen sind älter als das Alte Testament. Haben die Verfasser der Bibel also nur abgeschrieben? Und was wollten sie mit dieser Geschichte sagen? Die Unterschiede zwischen der biblischen Sintflutgeschichte und den älteren Überlieferungen erklärt Thorsten Dietz. Und macht daran deutlich, was die Geschichte der Zerstörung der Welt mit unserem heutigen Leben zu tun hat. Denn Paläoanthropologen und Physiker mögen belegen können, dass es keine weltweite Sintflut gab und dass die Erde älter ist als ein paar Tausend Jahre. Was sie nicht können, ist diese eine große Frage beantworten: Warum leben wir eigentlich hier?

Kaum etwas ist dem modernen Menschen wichtiger als seine Freiheit. Sicherheit vielleicht, aber darüber streitet man sich ja. Was zur Freiheit überhaupt nicht passt, ist der Gedanke daran, dass jemand Macht über einen hat. Und dann gar Allmacht. Gott, der Liebe ist, wie Theologe Thorsten Dietz in einem anderen Vortrag erklärt, ist auch Macht. Das klingt gefährlicher und bedrohlicher als ein Gott, der Liebe verkörpert. Um zu verstehen, was Gott mit Macht zu tun hat, wagt sich Dietz an die Theodizee-Frage, jener großen Frage, auf die es nie eine wirklich befriedigende Antwort gibt, nämlich: Warum lässt Gott Leid zu? Für eine Antwort bemüht Dietz den russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski und „Die Brüder Karamasow“, Immanuel Kant und einen hypothetischen Agnostiker, der kritische Fragen stellt. Es ist eine lange Antwort, durchzogen von nachdenklichen Geschichten, vielen Denkanstößen und dem Versuch, jenen allmächtigen Gott des Alten Testaments und der blutigen Kirchengeschichte mit Liebe in Einklang zu bringen.

Wiedergeburt, Auferstehung, das unendliche Nichts – woran glauben Sie so? Wenn es Auferstehung oder Wiedergeburt sind, denkt in Deutschland immerhin ein Drittel der Bevölkerung wie Sie. Der Rest – also die Mehrheit – ist sich nicht sicher oder glaubt lieber an das Diesseits statt an das, was nach dem Tod kommen mag. Den Sinn ihres Lebens sehen die meisten im Hier und Jetzt. Sie meditieren oder pilgern, um zu sich selbst zu finden statt zu Gott. Sie lassen sich unter einem Baum bestatten oder ihre Asche zu einem Diamanten pressen, um nach dem Tod weiter zu existieren. Sie verwenden Begriffe wie „Sünde“ für das Schokoeis während einer Diät oder „Hölle“ für einen stressigen Arbeitstag. Und sie schauen nach Feierabend Hollywood-Filme über den Weltuntergang, der gerade noch von einem Helden aufgehalten wird. Obwohl in Deutschland in fast jedem Ort eine Kirche steht, ist das Jenseits fast vergessen. Der Theologe Patrick Becker erklärt dagegen, warum es so wichtig ist, trotz aller Diesseitsorientierung über die Botschaft vom Jenseits nachzudenken.