Ja, bin ich noch ganz bei Trost, auf so ein Thema zu kommen? Wir sind doch hier gerade in Stimmung mit Zukunft und Hoffnung, progressiv, leidenschaftlich, geisterfüllt glauben. Ja, ich meine das tatsächlich ernst. Trost klingt ja nicht supermodern, superprogressiv, super fortschrittlich. Das ist Absicht. Ich meine dieses Thema tatsächlich als Kontrapunkt, als komplementären Gesichtspunkt, der hinzugehört zu einem Glauben an den Gott der Hoffnung. "Gott der Hoffnung", so habe ich meinen ersten Vortrag hier begonnen. Hoffnung als ein Wesensmoment des Glaubens selbst. Warum? Weil biblischer Glaube immer aus der Verheißung entsteht, aus dem Zuspruch,
aus der Zusage, mit Abraham angefangen: "Geh in ein unbekanntes Land, geh los, Abraham." Was erwartet mich da? Kommt später. Also Aufbruch, Aufbruch leben aus der Verheißung - so eine Haltung der Hoffnung, haben wir gesehen, erweist sich grundsätzlich als Offenheit. Offenheit dafür, dass Gott immer wieder neue Wege geht. Dass zum Glauben neue Wege notwendig dazugehören, dass Glaube nicht ein einziger Weg ist, für alle Zeiten festgeschrieben und normiert, sondern dass neue Entdeckungen, neue Lieder, neue Gedanken, neue Überzeugungen, neue Werte zur Geschichte des Glaubens gehören und wohl auch zu seiner Zukunft. Eine solche hoffnungsorientierte Glaubensweise ist
geschichtlich bewährt. Witzigerweise kann man sagen, wer hat es erfunden? Pietisten. Das haben einige von denen vergessen heutzutage; zum Glück wissen es noch manche. Der Pietismus begann im 17. Jahrhundert mit einer Programmschrift, da ging es um die Hoffnung besserer Zeiten. Und es ist heute allgemein anerkannt, auch ganz unumstritten, dass es in Mitteleuropa der Pietismus war und verwandte Reformbewegungen, die an einer entscheidenden Stelle etwas Neues ins christliche Denken hineinbrachten, nämlich die Erwartung einer besseren Zukunft. Das war in der Reformation kein Thema, da war es nicht nur fünf nach zwölf, sondern fünf Sekunden vor zwölf oder so und es kamen nur noch Apokalypse und Endgerichte und so. Da gab es keine Erwartung, dass irgendwas
besser wird, darum hatte man auch keinen Sinn für Mission, für gar nichts. Das war in weiten Teilen des Mittelalters keine großartige Sache. Einzelne Stränge könnte man jetzt ausführen, aber im Großen und Ganzen nicht. Der Pietismus war es, der dieses Leben mit Zukunftssinn in die Christenheit hineingebracht hat. Das hat eine große Karriere gemacht in der Aufklärung, in vielen Reformbewegungen, in vielen Formen des Linksprotestantismus, der religiös-sozialen Bewegung, des religiösen Sozialismus, der Befreiungstheologie. Das ist eine lange Geschichte. Hoffnung ist biblisch verwurzelt, aber auch geschichtlich bewährt als eine Neuausrichtung des christlichen Glaubens. Und zum Glauben an den Gott der Hoffnung gehört auch die Einsicht: Hoffnung ist nicht machbar. Hoffnung kann man nicht sich per Schluckimpfung verpassen oder mit irgendeiner Dröhnung sich irgendwie einspritzen oder so. Hoffnung entsteht, Hoffnung wächst,
Hoffnung wird da möglich, wo man sich in Hoffnungsgeschichten verstricken lässt, wo man Erinnerungen, die Hoffnung wecken, pflegt und die Erfahrung macht, dass Gott Neues beginnt. - So, das war jetzt wie in modernen Serien der Abschnitt "Was bisher geschah". Soll sich ja vertraut anfühlen, hier so auch bei einem Vortrag ... So, und das möchte ich jetzt nicht nochmal steigern und sagen: Erstens - gestern: Wir brauchen Hoffnung, zweitens - heute - wir brauchen noch mehr Hoffnung, wir brauchen stärkere Hoffnung. Nein, ich möchte bewusst einen Kontrapunkt, einen anderen Akzent setzen: Trost. Ja, was meine ich mit Trost? Das Wort klingt ja so leicht grenzwertig, so milde, veraltet. Das Wort "Vertröstung" wird, glaube ich, öfter gebraucht als Trost. Steigen wir
zunächst mal ein bisschen schön ein, wie ich es so liebe, in ein bisschen Wortgeschichte und Theoriegeschichte. Trost als Konzept ist alt. Das ist etwas, was die Zeitgenossen der biblischen Schriften beschäftigt hat, durchaus auch außerhalb der Bibel. Wir springen gleich in die Phase, wo das eine besondere Rolle spielt. Kaiserzeitliche Philosophie, römische Stoa, da hat das eine große Rolle gespielt. Jetzt muss man für die Philosophie damals wissen: Es ging um Lebensweisheit, es ging um eine Art intellektuell-spirituelle Lebensberatung. Es ging um Lebenspraxis, es ging um sehr konkrete Fragen, wie ich mein Leben überleben kann, wie ich - wir würden modern sagen - Resilienz entwickle, Standhaftigkeit, Trotzgeist, Trotzkraft, Mut, wie ich Haltung bewahre in einer Welt, die ist, wie sie ist: hart. Trost war da ein großes Thema. Trost war im Grunde das, was Menschen
brauchen angesichts des Leidens. Trost war eine Art kompensatorischer Umgang mit Leid, es war eine Weise, Leid zu stillen, Leid in irgendeiner Weise zu mildern oder eine sanfte Landung anzubahnen, eben zu trösten. Und wir haben viele Texte, Schriften überliefert von kaiserzeitlichen Philosophien, wo es darum ging: Wie tröstet man Menschen? Wie tröstet man Menschen in Trauer, die einen Verlust erlebt haben, denen die Ehefrau gestorben ist oder ein guter Freund oder die in ihrer Berufslaufbahn gescheitert sind, die kaltgestellt worden sind oder in irgendeinen doofen Krieg geraten sind, den sie wollten oder nicht, und nicht mehr rauskommen aus dem, was sie sich oder andere ihnen eingebrockt haben? Was hilft angesichts des Leidens?
Denn man kann die Erfahrung machen - ja, was probiert man? Man probiert, wütend zu sein und so oder sich in Panik zu steigern, und macht die Erfahrung: Das macht einem erst mal Luft, also man fühlt sich wieder lebendig. Das ist ja besser als erst freeze und dann stirb oder so. Also immerhin, wer wütend wird, lebt noch. Aber man wird heiser, wenn man Menschen anschreit und so, ist ja nicht gut und kann auch nicht gesund sein und irgendwann wird mit der Verdauung auch alles immer schwieriger ... Was hilft denn noch? Ich möchte ein paar Linien von Seneca folgen. Seneca, die Stoiker, das sind die, die die Coolness erfunden haben, also cool bleiben. Ein bisschen komplizierter ist es bei ihnen schon, aber ja, mehr oder weniger geht es schon darum, die Seelenruhe aufrechtzuerhalten, nicht Opfer der eigenen Affekte zu werden. Das war für
sie immer die Grundfrage. Grundfrage bei ihnen war immer: Was passiert, wenn die Dinge mich erschüttern, wenn sie an mir rütteln, wenn sie mein Lebenshaus zum Einsturz bringen? Was genau passiert dann? Und sie sagten: Dass das Leben dir übel mitspielt, dass es dich überrollt, dass es Dinge zerstört, die dir wichtig sind - kannst du das immer ändern? Kannst du es immer verhindern? Nein, kannst du nicht. Das ist Leben. Das gehört dazu. Aber wie du dich dazu verhältst, da hast du einen Einfluss drauf. Und wenn äußerlich Dinge in deinem Leben zerstört werden, ist das das eine. Wenn du selbst daran zerbrichst, wenn du völlig broken bist oder hysterisch oder außer Rand und Band oder zum Racheengel wirst oder sonst wie - das muss nicht sein. Und wenn du glaubst, das Leben in seiner
Härte mit deiner Härte bekämpfen zu können: Das Leben ist härter. Du kannst es probieren, aber die meisten haben es gemerkt: Das Leben ist härter. Es wird nicht gelingen. Das Leben, das Schicksal hat dich an der Leine. Manchmal führt es dich auf grüne, saftige Wiesen, und es ist eine Lust, dabei zu sein. Und manchmal zieht dich das Leben durch düstere, schmerzhafte, eiskalte oder glühend heiße Zonen. Und du stehst jetzt nicht vor der Alternative, da mitzugehen oder einfach auf den schönen grünen, saftigen Wiesen zu bleiben. Deine Alternative ist, durch diese Eiswüsten oder Todeskraterlandschaften vom Leben geschleift zu werden oder mitzugehen. Und der Rat der Stoiker ist:
Geh lieber mit, willige ein. Es wird etwas weniger an dir selbst kaputtgehen, wenn du lernst, dein Schicksal anzunehmen. Versuche nicht, das Schicksal herauszufordern, werde ein Ja-Sagender, übe dich in Ergebung, in Einwilligung, in Haltung. Dafür wird ausführlich argumentiert. Und Seneca macht das nicht abstrakt. Die haben sehr gerne Philosophie in Briefen betrieben - ganz wie das Neue Testament, nur so nebenbei. Vielleicht sollte man mehr Briefe irgendwie als heutige Schriftform entdecken. Vielleicht ganz reizvoll. - Also Briefe an Trauernde, an Frustrierte, an Enttäuschte. Und er sagt ihnen: Weißt du, du hast Wut, du hast Angst. Ich verstehe das auch, es ist menschlich. Wir sind nicht so unmenschlich, wir Stoiker, dass wir verlangen, dass du gar nichts fühlen darfst. Das erste Reingerissenwerden ist menschlich,
es ist die Natur. Aber dann pass auf, dann pass auf, dass du die Fassung wiedergewinnst. Und wie passt man auf? Geh ins Denken. Geh ins Denken, das ist Philosophie, das ist die Lösung. Lass dich nicht treiben, sei nicht ein Blatt im Wind, lass dich nicht mitreißen, werde kein Spielball der Emotionen. Mach das nicht mit. Werde wach und sage: "Halt, stopp. Was kann ich tun? Was sind wirklich meine Optionen?" Geh ins Denken und lass dich nicht von deinen Gefühlen überwältigen. Lass dich nicht von Angst überwältigen. Den ersten Schrecken kannst du nicht ausweichen, es ist, wie es ist. So, aber dann, ob die Angst sich in dir breitmacht, ob du katastrophischen Gedanken in dir Heimatrecht gibst, ob du dich von einer Kaskade zur nächsten jagen lässt, ob du andere in Angst versetzt und ihr so eine Angstgemeinschaft werdet und euch mit Horrorgeschichten gegenseitig füttert, dass ihr bloß nicht zur Ruhe kommt, dafür hast du die Verantwortung.
Tu es nicht. Geh ins Denken, geh in den Geist und verweigere dich. Und wenn du dich fragst: "Warum?", denke darüber nach: "Wo führt es denn die Menschen hin? Wo landen denn die Mitgerissenen? Die, die sich gehen lassen, die, die sich dem einfach unterwerfen, was in ihnen an Racheleidenschaft, an Wut, an Enttäuschung oder so rauskommt?" Heute wäre das vielleicht ganz gut, sich so einen stoischen Berater zu gönnen, so für den einen oder anderen, der in sozialen Netzwerken nachts am Computer sitzt. Da wäre es gut, wenn ein Philosoph sagen würde: "Ich sehe, du willst gerade was schreiben - halte einen Moment inne. Du bist doof angegangen worden von irgendwem. Ja, ich kann das lesen, also das war nicht schön. Und jetzt ist es so naheliegend, du hast auch schon
eine Idee, die ist witzig und gemein, dass du dem einen reinwürgst. Aber überlege, wie es sich anfühlt, das morgen zu lesen, und nächste Woche, in einem Monat überlege noch ein bisschen, ob es gut ist. Vielleicht gehst du jetzt einfach ins Bett, vielleicht sitzt du hier schon zu lang." Ja, wäre eigentlich schön, man müsste mehr so Stoiker haben, vielleicht auch als KI oder so - was soll man die da alle quälen und um den Schlaf bringen irgendwie ... Also, das wäre ganz schön. Der erste Punkt ist also: Nutzt es denn? Die zweite Linie der Argumentation bei Seneca ist immer: Du machst jetzt was, du tust, du lässt es raus, du bist ganz bei dir, du lässt deinen Gefühlen freien Lauf. Frage dich, wie die Menschen dich dabei sehen werden. Wie werden sie dich wahrnehmen? Was macht es mit deinem Ruf? Was wird aus deinem Ansehen, wenn du der Stimmung des Augenblicks jetzt einfach so Raum gibst? Und da sind die Stoiker sehr modern, sie sagen: Das Wichtigste,
was ein Mensch hat, das ist nicht sein Besitz, das sind nicht seine Fähigkeiten. Das Wichtigste ist der soziale Ruf, das öffentliche Ansehen. Du kannst sehr viel haben, sehr viel Begabung, sehr viel Geld, sehr viele Fähigkeiten, sehr viel Witzigkeit. Aber wenn die Leute dich irgendwann für einen Idioten halten oder für einen Rechtsextremisten oder für einen Linksradikalen oder so, also wenn du so einen Ruf hast, wenn das so quasi irgendwann an dir klebt wie so ein Gesichtstattoo, dass alle das immer zuerst sehen - es wird nicht leichter, es wird nicht schöner. Der Ruf, der ist sehr, sehr, sehr wesentlich. Jetzt könnte man sagen: Das ist aber gemein und das ist ja blöd und ich will gar nicht mit so einem sozialen Ruf behängt sein und so. Dann würden die Stoiker sagen: Ja, aber überlege, geh ins Denken. Kannst du was daran ändern, dass die
soziale Welt so funktioniert? Natürlich kannst du sagen: "Ich möchte gar nicht irgendwie geframed werden, möchte gar nicht mit irgendeinem Label versehen sein, ich möchte eigentlich jeden Tag neu die Chance bekommen, als wäre ich gerade geboren." Ja, schöne Gedanken, Applaus, wunderbar, auch süß irgendwie. Aber schau in die wirkliche Welt, es ist anders. Dein Ruf, dein Ansehen, die Art und Weise, wie du eingeschrieben oder abgeschrieben bist, ist total real, und das Wünschen einer besseren Welt und das Klarkommenmüssen in dieser ist zweierlei. Und da waren die Stoiker ziemlich streng und sagten: Das Ganze "Wünsch dir was" ist halt so für Kinder. Wenn du erwachsen bist, nimm es ernst. Dein Ruf, dein Ansehen, deine Ehre zählt mehr als alles
Kapital und alle Fähigkeiten, die du hast. Achte darauf bei allem, in jedem Interview, bei jedem Posting, bei was es auch immer so gibt. - Dritter Punkt: Du bist in Auseinandersetzung, du hast Stress mit anderen, du wirst - was weiß ich - verfolgt, du wirst beleidigt, du stehst in irgendwelchem Hin und Her. Überlege, was am Ende zählt. Wird es für dich selbst am Ende entscheidend sein, diesen oder jenen Krieg gewonnen zu haben? Dass du in dieser Auseinandersetzung oder dieser Nickligkeit die Oberhand behalten hast? Oder wird es am Ende für dich zählen, dass dein Charakter sich entwickelt hat? Dass du in deinem Charakter gewachsen bist, im Verständnis für andere, in Selbstbeherrschung, in der Fähigkeit, dich auf unterschiedliche Situationen einzustellen,
in Impulskontrolle, in der Fähigkeit, zu Impulsen nochmal innerlich auf Kontakt zu gehen und zu fragen: Ist es gut, bin ich mir ganz sicher, schlafe ich vielleicht nochmal drüber oder nicht? Am Ende ist der eine Sieg, den dir in dieser Welt keiner nehmen kann, wirklich deine Charakterentwicklung. Dein Ruf kann dir auch aus Pech und totaler Ungerechtigkeit abhandenkommen. Man kann viel tun, das zu verhindern, aber alles nicht. Du kannst da viel Pech haben. Vermögen, Ansehen, Position, alles ist im Grunde nicht so sicher, wie man denkt. Aber der eigene Charakter, dass du es mit dir gut aushältst, dass du in den Spiegel gucken kannst und nicht nur dein Äußeres siehst, sondern dich selbst mit deiner Geschichte, und dass du es ertragen kannst, wie du mit Krisen umgegangen bist, wie du mit Triumphen umgegangen bist, wie du in Beziehungen
dich verhalten hast, dass du mit dir klarkommst, ohne dich beschönigen, verherrlichen zu müssen, aber auch ohne dich verdrängen zu müssen, das ist sehr, sehr wesentlich. Und dann sagt Seneca auch - er hat männliche Leser: "Ich habe dir gesprochen von dem Nutzen, was bringt es wirklich, wie du dich verhältst, wie du dich hängen lässt in Traurigkeit oder Wut. Ich habe von deinem Ruf gesprochen, deinem Ansehen, von der Charakterentwicklung. Ich muss dir auch ein bisschen hart sagen: Jetzt einfach weinen oder kreischen, das ist wie Mädchen sein. Das ist für dich als Mann unwürdig. Du verhältst dich wie ein Mädchen, wenn du dich so hängen lässt, wenn du dich gehen lässt, wenn du dich einfach so treiben lässt von Gefühlen, wenn du - was weiß ich - nicht mehr aufhören kannst zu weinen und so. Man wird sagen: Heul doch - wie so ein Mädchen. Kein
Charakter, keine Standhaftigkeit." Ah, ich hoffe, ihr merkt was. Ich habe mich bemüht, Seneca so positiv, so verständlich, so ansprechend wie möglich darzustellen. Ich hatte so das Gefühl, beim vierten Punkt, da hat manche was gemerkt, die Stimmung ist ein bisschen gekippt im Raum. Ja, weil man spürt das so ein bisschen als Redner ... Ja, so ist es bei den Stoikern gewesen. Das war für sie die Weise zu trösten, dass sie sagen: Sei mannhaft. Sei mannhaft. Ja, von einer Frau kannst du es nicht erwarten. Aber von einem Mann - also man wird männlich geboren. Aber ein Mann zu werden, ist was ganz anderes, als männlich geboren zu sein. Das eine ist Natur. Aber Mann sein, das hat zu tun mit Charakter. Das ist das, was du aus dir machen musst. Männlich geboren werden ist Geschick, ein Mann sein, das ist eine moralische Aufgabe.
Und wahrlich getröstet bist du, wenn du sie annimmst und dich männlich hältst und dich durch Gedanken tröstest und dich nicht deinen Gefühlen hingibst. Ich könnte das jetzt noch variieren, Boetius, christlicher Philosoph, hat viel über den Trost nachgedacht, als er dessen bedürftig war. Der war auch christlicher Theologe, ist auch ganz interessant. Er ist am Ende nah bei Seneca, nah bei dieser kaiserzeitlichen Philosophie, bisschen platonischer. Diese Stoiker machen Karriere, dass viele christliche Autoren das im Grunde auch gut und richtig finden und sagen: Genau, die Stoiker waren schon echt vernünftige Leute, da war Gottes Geist irgendwie auch in denen wirksam. So ist es. Bei Augustin gibt es so ein Beispiel, also ein Freund stirbt und er muss
weinen und er kann gar nicht mehr aufhören und er ist wirklich broken, und es tut ihm so weh, bis ihm das peinlich wird. Und er sagt: Das war zu viel. Ich habe für ein Geschöpf Tränen vergossen. Das ist doch eines Mannes unwürdig. Und Augustin hat so Momente, wo er echt was merkt und sagt: Die Stoiker, die hätten auch den Herrn Jesus nicht gemocht, weil der geweint hat. Und dann kann doch mit den Stoikern was nicht stimmen, denn Jesus kann ja keine Fehler gemacht haben. Also er hat schon ein bisschen was gemerkt, dass irgendwas bei den Stoikern auch komisch ist. Aber dann am Ende setzt es sich doch sehr stark durch, nicht nur bei dieser griechisch-römischen Intelligenzia, sondern auch in der christlichen, dieses Ideal: Das Höchste, was es gibt, ist Selbstbeherrschung. Das Höchste ist ein vernunftbestimmtes Leben, wo man sich von seinen Gefühlen niemals überwältigen lässt. Und Augustin zieht nach diesem Trauerfall daraus die
Schlussfolgerung: Ich habe jetzt zu viel geweint, ganz sicher. Ich werde mich einfach nicht mehr so an Menschen binden. Das ist übertrieben. Es sind ja nur Menschen. Gott hat ganz viele gemacht. Aus vielen wird in der Ewigkeit auch nichts und so. Das macht verletzlich, das macht vulnerabel. Das möchte ich nicht mehr und so. Ich möchte eigentlich bei Gott sein. Gott ist Geist, Gott ist Denken. Ich bin dazu bestimmt. So, und das ist eigentlich der wahre Trost, sich nicht mitreißen zu lassen von diesem und jenem und allerlei, was uns so unsere fleischliche Natur ankitzelt. Getröstet sind wir im Geist. Für diese Zeit war das so ein bisschen eine Mixtur aus Gottes Geist, aber auch Intellekt, Vernunft, vernünftiger Trost. - So, was machen wir heute
mit dieser Trostgeschichte, mit dieser Trosttheorie? Jetzt könnte man sagen, alles auf den Müll, abfackeln, brennt es nieder. Warum ist so ein Mist überliefert worden? Ja, aber das wäre jetzt auch übertrieben. Also, da ist was dran. Ich glaube, dass manche Menschen in bestimmten Lebenssituationen in stoischen Texten mal was mitnehmen können, dass der Geist Gottes einen auch bei den Stoikern etwas finden lässt. Das denke ich schon. Das möchte ich nicht weiter vertiefen, kann ja jeder schauen. Und gleichzeitig möchte ich sagen: Das christliche Angebot ist nochmal anders. Ich möchte es jetzt mal auf folgende Begriffe bringen: Der antike Trost, der philosophische Trost, vor allem der stoische, aber auch andere Schulen, platonisch, mittelplatonisch, anders inspiriert - für die war Trost immer ein
Höhengewinn. Höhengewinn heißt: Man spürt, es zieht an einem, es tut weh, es schmerzt, Gefühle, Körper, Leidenschaften, Wut. Und Getröstetwerden ist, dass das Ich, das im Grunde so runtersinkt ins Herz, in den Bauch, in die Eingeweide, in die Gefühle, wieder hochgesaugt wird in den Kopf, in das Gehirn, in den Verstand, in die Vernunft und dass man auf Abstand geht. Höhengewinn im Sinne von einem Abkühlmechanismus: Kühle deine Gefühle runter. Sie schaden dir nur. Sie sind irgendwie das, was dich zum Tier macht. Du teilst deine Gefühle mit den Tieren. Die Tiere, die verspüren Gier, die Tiere, die verspüren Wut, und manchmal hüpfen sie sinnlos rum, als würde das Spaß machen. Die Vernunft teilen wir mit Gott. Der macht so komische Sachen nicht. Das war
ein Denken und es ist problematisch. Es ist problematisch, weil es zwischen Gefühlen und Verstand eine sehr, sehr klare und steile Hierarchie aufrichtet. Was in dieser alten Trosttheorie passiert, ist immer diese Anweisung zum Höhengewinn. Geh in deine Vernunft. Lass Gefühle, Leiblichkeit los. Lass deine Verletzlichkeit los. Die menschliche Verletzlichkeit, Berührbarkeit wird im Grunde als schlecht, als problematisch, als schwierig, als "das muss man in den Griff kriegen" geframed. Und ich würde umgekehrt sagen: Biblischer Trost im Alten Testament, im Neuen Testament funktioniert so nicht, ist nicht verletzlichkeitsaversiv, ist nicht kritisch
feindselig eingestellt dagegen, dass wir berührbar sind, verletzlich, traumatisierbar, dass wir in irgendeiner Weise ergriffen und gepackt werden können. In der Theologie nehmen wir dafür das schöne Wort Vulnerabilität. Theologie ist auch immer so eine Art Höhengewinn. Wenn man erst mal ein Fremdwort hat, hat man Höhengewinn. Das tut gar nicht mehr so weh. Vulnerabilität, da spürt man den Schmerz nicht. Nein, das ist ja auch gut. Also ich finde es eine super Theorie, fantastisch, schön. Vulnerabilität. Aber heute meinen wir das positiv. Wir meinen, zum biblischen Menschenbild gehört eine positive Sicht menschlicher Verletzlichkeit, Berührbarkeit, Vulnerabilität. Und wir sollten lernen, vom Trost, vom guten Umgang mit Leid so zu reden, dass wir dabei vulnerabilitätssensibel sind. Die ganze
Menschheit beneidet uns um so schöne deutsche Wörter. Ist ja irgendwie auch geil. Ist ja irgendwie auch eine Lust zu denken. Aber ist ganz ernst gemeint. Vulnerabilitätssensibel denken heißt Trostperspektive, die nicht darauf hinausläuft, sich das Fühlen abzuklemmen, sich aus Empathie, Mitgefühl rauszuwinden, sondern es ernst zu nehmen. Das gehört zur Geschöpflichkeit. Es gehört zu uns. Das war jetzt so ein bisschen Überschrift, ein bisschen Plakat, also Höhengewinn. Das ist antiker Trost. Christlicher Trost ist vulnerabilitätssensibel. Gegenüberstellend würde ich sagen, es ist eine Form von Tiefengewinn. Die vermeintliche Tiefe aus der philosophischen Sicht, die Verletzlichkeit,
das, was uns in Empathie, in Gefühl, in Emotionen berührt, packt, gehört dazu. Es kann nicht darum gehen, diese Tiefe abzuschneiden, sich von dieser Tiefe des Lebens abzukoppeln. Denn da, wo wir fühlen, da sind wir nicht in den tierischsten Ausläufern unserer Existenz. Da sind wir oft unserem Herzen sehr viel näher als in abstrakten Begriffswelten. Das ernst zu nehmen, ist für das biblisch-christliche Trostdenken sehr wesentlich. Ich möchte das jetzt ein bisschen ausführen: Trost in der Bibel. Jetzt müssen wir ein bisschen wieder die alten Sprachen mitklappern und so, ist ja auch schön und das macht auch Vergnügen. Es ist an dieser Stelle besonders putzig. Es gibt eine hebräische Wortwurzel "nacham", die hat ein verblüffend weites Umfeld. Jetzt
ist es im Hebräischen so - ich will da nicht ins Detail gehen. Die haben so ganz komische Weisen, wie sie das konjugieren. Ist eine eigene Welt, aber so ein allgemein verständlicher Vortrag dazu wäre irgendwann mal ganz schön. Also je nach Form, in der das steht, kann das Wort verwendet werden als "aktiv trösten" oder als "getröstet werden". Jetzt könnte man sagen: Ja, Aktiv - Passiv, wunderbar, Hebräisch kann ich. Aber es ist ein bisschen komplizierter bei denen. Die haben nicht nur so Aktiv und Passiv, die haben in derselben Achse weitere Formatierungen des Wortes. Also, du kannst aus diesem Wort machen "trösten", in einem etwas anderen Arrangement ist es "getröstet werden". Wenn du denselben Wortstamm nochmal so ein bisschen arrangierst, heißt es auf einmal "bereuen" oder "sich etwas gereuen lassen". So, wenn du es dann nochmal ein bisschen weiter drehst, heißt es "Mitleid haben",
"um jemanden trauern ", "sich erbarmen" oder "sich rächen". Das ist der Punkt, wo so mancher gesagt hat: "Ich wollte Theologie studieren, aber das war eine Schnapsidee, ich bin raus, mein Gehirn ist dafür nicht geboren, ist auch krank und kann man nicht machen. Lernt erst mal Chinesisch, also, das ist alles harmlos." Also es gibt dieses Bedeutungsspektrum. Und nein, die sind nicht verrückt, die haben nicht gesponnen. Man kann das ungefähr ableiten. Was in diesem Wortstamm drinsteckt, ist so ein Grundmotiv, in dem es um Aufatmen geht. Es ist ein Grundmotiv, und wenn man das jetzt mal so ein bisschen überlegt, merkt man, wie das doch zusammenhängt. Also, vorausgesetzt ist in allen Wendungen ja eine bedrückende Situation, die sich einem so auf die Brust legt, dass man keine Luft kriegt, dass man fast erstickt, dass man nicht atmen kann, dass einem der Hals
abgeschnürt ist. Das ist die Grunderfahrung. Und wenn man es jetzt durchspielt: Trösten heißt, jemanden wieder aufatmen zu lassen. Getröstet werden heißt dann aufzuatmen. Etwas bereuen ist dann in diesem Sinne: Ich hole nochmal richtig tief Luft. Ich nehme Abstand, ich hole tief Luft. Sich rächen ist dann in dem Sinne: sich Luft machen. Also man kann das daran aufhängen. Es geht immer um einen Vorgang der Erleichterung, immer um ein tiefes Atemholen, das ist dabei gemeint. Dann kann es aber eben auch tatsächlich ganz unterschiedlich gewendet werden. Und das ist beim Hebräischen schon auch das Geniale, dass solche Konzepte,
die bei uns leicht abstrakt werden oder begrifflich oder auch ein bisschen versponnen, dass sie immer angebunden sind an Körperbilder. Vielleicht wäre es schön, das immer mitzudenken: Was hilft mir denn, wieder aufatmen zu können? Was hilft mir, dass ich wieder Luft kriege? Wie kann ich jemandem, der fast erstickt, der unter Druck ist, helfen, was kann ich denn tun, dass der wieder durchatmen kann? Es gibt eine ganze Zeitschrift, die heißt "Aufatmen". Tröstliches Grundmotiv, Aufatmen, da steckt viel drin. Neutestamentlich könnte man jetzt noch hinzuwerfen, um die Verwirrung zu steigern - das machen wir aber ganz kurz: Hier ist es dasselbe Wort, was "ermahnen" und "trösten" heißen kann: "parakaleo". Eigentlich Zuspruch, Zusage, Einrede, das müssen wir an der Stelle nicht vertiefen, weil es in den neutestamentlichen Texten immer aber auch geprägt
bleibt von diesem alttestamentlichen Hintergrund. Und dann hat das Griechische da eigene Möglichkeiten und Risiken, die kommen dann dazu. - So, werfen wir einen kurzen Blick in biblische Texte. Trost ist ein großes Thema in der hebräischen Bibel. Im Buch Hiob geht es ganz, ganz ausführlich darum. Und da haben wir bei Worthaus so viele wunderbare Vorträge von Siegfried Zimmer, ich muss fast nichts sagen. Trost, das ist also eine große Herausforderung. Das Buch zeigt, wie intensiv das reflektiert wurde, wie verschiedene Formen angeschaut werden. Sehr vorbildlich ist es, wie die Freunde sich zu Hiob setzen, sich in seine Lage hineinbegeben, also nicht sagen: "Oh, ich kann mich ganz in dich hineinversetzen" - das ist ja Schwachsinn -, sondern sie versetzen sich in seine Lage, gehen auf seine Augenhöhe
und haben Asche über dem Haupt und schweigen sieben Tage mit ihm, halten es aus, nichts sagen zu können. Aber das Buch Hiob ist auch ein Musterbeispiel dafür, wie man es verbocken kann. Und Hiob diagnostiziert sehr klar: "Ihr seid leidige Tröster, ihr seid furchtbare Tröster, ihr seid komplette Versager. Ihr habt super angefangen, es dann so zu verkacken, das ist episch. Toll, Applaus, toll." Und das Ganze wird durchgegangen, auch wie Gott tröstet, das ist im Buch Hiob schon ein großes Thema. Zu den Psalmen könnte man viel sagen, ich möchte nur ein bisschen was zum Buch Jesaja sagen. Jesaja, die zweite Hälfte, gerade da geht es sehr, sehr intensiv um das Thema Trost. Kapitel 40 folgende, was wir in der Forschung als Deuterojesaja beschreiben - nicht in dem Sinne, dass 1 bis 39 vom ersten ist und dann fängt der zweite an, also das ist vielleicht schon der siebte oder so, wir wissen es gar nicht genau, aber das ist eine Riesengeschichte von verschiedenen
Autoren und Traditionen, die da reinkommen. Das gefällt nicht jedem, diese Wahrheit, da gibt es manchmal Gegenstimmen, aber das ist so. Also es ist ein Buch, was in Jahrhunderten entsteht. Und Jesaja 40, "Tröstet, tröstet mein Volk", das ist so dieser große Neuansatz. Und wir sehen, im Jesaja-Buch ist jetzt eine ganz andere Situation vorausgesetzt. Wir sind nicht mehr irgendwo in der Zeit, wo Assyrer noch rumlaufen, die sind alle tot, das ist alles längst vorbei. Es ist auch nicht mehr so: Oh Gott, oh Gott, jetzt sind die Babylonier gekommen, was denn jetzt? Wir dachten, jetzt wäre doch Ruhe, wo die Assyrer weg sind. Nein, die Babylonier herrschen längst. Also Israel ist zerstört, der Tempel, das Volk ist zerstreut, man sitzt teils in Babylon, teils in Jerusalem unter trostlosen Bedingungen. Was heißt nun in dieser Situation "Tröstet mein Volk"? Denn so etwas zu sagen - ja, es ist ganz schön, es gibt ja nichts Geileres, als,
wenn einer weint, zu sagen: "Sei getrost", und dann zu gehen. Ja, man kann um jeden Minusrekord mitkämpfen, wenn man Bock hat oder so, aber man kann es auch lassen. Also "Sei getrost" ist doch sehr trostlos, das geht jetzt nicht. Man kann aber im Jesaja-Buch doch ziemlich gut nachzeichnen, was denn tröstlich ist in einer Situation, wo das Volk am Ende ist, sich in seinem Glauben völlig verlassen fühlt, wo es alle Hoffnungen meint begraben zu haben, wo im Grunde das Gefühl herrscht: "Wirklich, wir sind die letzte Generation. Wir haben den Tempel noch gesehen, wir wussten noch, wie es ist, einen Messias auf dem Thron zu haben, wir haben Gottes Verheißung geglaubt, wir haben geglaubt, dass der Thron Davids bleiben wird und dass der Zion der Ort ist, wo Gott wohnt. Und jetzt
heulen wir hier die Flüsse in Babylon voll und werden dafür noch verspottet. Wir sind die letzte Generation. Unser Glaube wird mit uns aussterben. Unsere Kinder können doch so einen Glauben auch nicht übernehmen. Es ist doch gegen die Wand gefahren, es ist doch irgendwie vorbei." So, was heißt da "trösten"? Zweierlei. Man könnte es weit ausführen, aber zweierlei möchte ich hier andeuten. Das eine ist: Der Prophet verweist auf Neuaufbrüche, auf Neues, was passiert. Er verweist auf das Neue, was anfängt, auf Kyrus, auf die Perser, auf neue Entwicklungen. Er nimmt den Schmerz, den Kummer erst mal ganz ernst und redet den Schmerz nicht klein, redet ihn nicht weg. Aber Gottes Hilfe kommt. Das andere ist Beistand. Gottes Beistand, Gottes Nähe. "Gott wird
euch trösten, wie einen die Mutter tröstet." Gerade am Ende des Jesaja-Buches gibt es auffällig viele solcher Beschreibungen: Gott tröstet wie eine Mutter, wie eine Frau, wie eine Gebärende, wie eine Stillende. Dass das deutsche Wort Gott männlich im Sinne von "der Gott" ist, darf man nie, nie, nie in irgendeiner Weise maskulinistisch auf Gott projizieren. Das kann man auf der ersten Seite der Bibel klarkriegen: Wenn Gott Menschen zu seinem Bild schafft, männlich und weiblich, ist es einfach eine ganz bekloppte Idee zu sagen: Gott ist Mann. Und als er ein Bild von sich gemacht hat, waren das Mann und Frau. Eine Schnapsidee. So, aber ist passiert, ist alles passiert. Und man kann das sehr schön sehen hier im Jesaja-Buch. Und jetzt ist die Botschaft nicht, Gott besteht eigentlich auch aus einer
Frau und einem Mann. Nein, Gott ist jenseits von Geschlecht, aber das, was wir kennen als männlich und weiblich, ist Gott gleichermaßen. Gott ist über den Geschlechtern und begegnet uns gleichzeitig in weiblichen und männlichen Bildern. Und das kann man gerade im Jesaja-Buch sehr schön nachzeichnen. Gott tröstet, wie eine Mutter sich einem Kind zuwendet, wie eine Mutter ihr Kind nicht verlassen wird. Und diese Mischung aus Hilfe und Beistand, aus Nähe und Rettung, das ist es, was Trost ausmacht. Das gehört zum biblischen Trostbegriff. Trost ist nie nur "Heile, heile Segen". Trost ist handfest. Trost ist helfen. Trost ist unterstützen. Trost ist Situation verändern,
stützen, so gut es geht. Trost ist aber auch nicht nur helfen, unterstützen, bessern. Trost ist immer auch Nähe, Empathie, an der Seite bleiben, sich hineinversetzen, mitleiden, mitweinen, mittragen, sich mit in die Situation hineinbegeben. Das macht Trost aus. Ihr seht den Unterschied zum stoischen Konzept. Stoisches Konzept ist Höhengewinn: "Lass dich nicht hängen, sei ein Mann. Sei ein Mann, lass dich nicht hängen, lass dich von deinen Gefühlen nicht überwältigen. Gewinne Abstand." Hier in Jesaja finden wir ein anderes Konzept: Hilfe und Beistand. Retten, aber auch eben mitleiden, mittragen. Ich möchte das neutestamentlich vertiefen, möchte einen schönen neutestamentlichen Text an der Stelle mal
hinzuziehen. Das Interessante ist: Paulus macht das im Zeitalter von Seneca. Die sind wirklich sehr passend Zeitgenossen, das ist absolut dieselbe Generation, die teilen denselben Hintergrund. Es spricht vieles dafür, dass Paulus mit Senecas Gedanken mindestens vertraut war durch Straßengespräche. Was Paulus so gelesen hat, ist Kaffeesatzleserei, das weiß keiner. Aber die Gedankenwelt war sehr präsent, davon muss man einfach ausgehen. Darum ist der direkte Vergleich manchmal sehr, sehr spannend: Was ist bei Paulus ähnlich - und da gibt es durchaus einiges -, was ist aber auch anders? Ich lese uns einen neutestamentlichen Text, wo es um das Thema geht. 2. Korinther 1, die Verse 3 bis 7. Da heißt es: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können,
die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsere Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil." Lesung im Gottesdienst ist immer so eine Challenge, also mir geht es immer so, die Worte klappern munter daher, was war nochmal das Thema und so ... Alle, die jetzt am Bildschirm sitzen, sind in einer superprivilegierten
Situation, die drücken Pause, holen sich eine Bibel, machen neues Fenster auf, lesen den Text, nehmen sich fünf Minuten und kommen gut klar. Den Luxus haben wir hier live gerade nicht, aber dafür ist es anders schön hier, egal. Damit muss man sich trösten ... Ich sag jetzt ein bisschen was dazu, und so nach und nach kommt man da wieder rein. Das Erste, was hier eine große Rolle spielt: Paulus spricht von Bedrängnis. "Allerlei Bedrängnis, in die wir geraten sind." Er geht danach noch ein bisschen weiter und sagt: Das ist uns passiert und Feinde und Verleumdung und schlechter Ruf, dann hatten wir noch Schiffbruch und dann waren wir gefangen, dann wurden wir auch verkloppt, und wir haben echt geglaubt, das ist es. Wir haben mit dem Leben abgeschlossen und haben geglaubt, das war's. Tschüss, aus, peng." So, und das ist doch auch sehr erfrischend. Es gibt ja religiöse Gruppen, die in ihrem Angebot immer nur Triumphgeschichten haben. Nur. Immer nur Erfolgsmeldungen.
Heilungsgottesdienst, ja, da können die viel erzählen über die Geheilten. Über die, die nach Hause geschickt worden sind - ja, wenn du da nachfragst, da gucken sie dich schon ein bisschen blöd an und so. Das ist ehrlich gesagt unabhängig von theologischen Richtungen, mir ist das von liberal bis ultrakonservativ begegnet. So viel Spaß, über das eigene Scheitern und Niederlagen und so weiter ausführlich zu reden, ist am Ende des Tages doch selten. Und darum finde ich es schon erfrischend. Paulus fängt den ganzen Brief damit an. Und wenn man das liest, möchte man denken: Mensch, der hat Probleme, was soll der mir sagen? Neue Siegertypen, daran kann ich mich aufrichten. Aber Leute, denen es schlecht geht - das zieht mich ja nur mit runter. Drehen wir es christlich. Leiden gehört dazu, Bedrängnis gehört dazu, überfordernde Herausforderungen gehören dazu. Und Paulus beschreibt das in der
Folge sehr drastisch, dass er selbst in diesen Bedrängnissen irgendwann auch nicht mehr die Hoffnung hatte, dass das gut ausgeht. Was ist dann der Wechsel? Also das Erste: Leiden gehören dazu. Überhaupt ernstzunehmen: Trostbedürftigkeit ist menschlich. Wer von sich, wer von seinem eigenen Leben oder von der eigenen Gemeinde oder der eigenen Karriere oder was auch immer in einer Weise redet, die keinen Raum lässt für Trostbedürftigkeit, hat entweder wahnsinnig viel Glück gehabt - kann ja vorkommen - oder macht sich oder anderen was vor. Verschönt, verzeichnet oder ist da mit sich und oder anderen nicht ehrlich. Paulus beschreibt sein eigenes
Leben so, dass Trostbedürftigkeit sichtbar wird. Was ist dann der Trost? Gucken wir genau hin. Er lobt den Gott allen Trostes, sehr schön, Gott der Hoffnung, Gott des Trostes. So viele Kombinationen gibt es da nicht. Es gibt noch Gott des Gemetzels, aber nur in Theater und Kino, kommt in der Bibel nicht vor. Es gibt nicht mal den Gott der Keuschheit oder so. Ist vergessen worden, können manche nicht glauben, aber ist vergessen worden. Aber Gott des Trostes gibt es. So was macht er. Er tröstet uns, damit wir auch trösten können mit dem Trost, mit dem wir von Gott getröstet wurden. Jetzt könnte man sagen: Ich bin noch nicht ganz zufrieden; wir waren gerade bei Seneca, der wurde da sehr genau. Uns interessiert ja: Wie? Wie funktioniert
Trost? Wie tröstet man? Was ist da die Methode? Kam bis jetzt noch nicht. Es geht weiter mit den Leiden Christi, und dann heißt es: "Wir werden reichlich getröstet durch Christus. Und dass das so ist, geschieht euch zum Trost. So, wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil." Jetzt könnte man sich schütteln und sagen: Das ist philosophisch ein höchst unbefriedigender Text, weil er mit einem Konzept operiert, was keinerlei kognitive Aufklärung oder gar Differenzierung erfährt. Dann könnte man die Bibel schließen und sagen: Intellektuelles Leichtgewicht für kognitiv Armselige, das habe ich nicht nötig. Ja, wäre da mal Höhengewinn, da wären wir wieder drüber hinaus. Aber wir schauen jetzt nochmal hin. Haben wir irgendwas übersehen? Das ist die Pointe gewesen: Beziehung tröstet. Beziehung. Keine Gedanken, kein Inhalt, nicht irgendwie ein kognitiver Klimmzug,
sondern in unserer Bedrängnis haben wir Gottes Nähe gespürt. Dass wir Gott erfahren haben in der Bedrängnis, das ist der Trost. Dass Gott nah war, gegenwärtig, dass wir teilhatten an ihm, dass er teilnahm an unserem Leben, das hat uns getröstet. Und das geht ja dann weiter: "sodass wir euch trösten können". Wie? Durch Briefeschreiben, durch Reden, durch Gemeinschaft, durch Beziehung, durch Austausch. Beziehungen sind tröstlich, und zwar solche Beziehungen, in denen die eigene Trostbedürftigkeit nicht ignoriert oder kaschiert wird, sondern so, dass man in diesen Beziehungen, Begegnungen, Gesprächen eigene Bedrängnis, eigenes Leid,
eigene Trostbedürftigkeit zeigen kann und wechselseitige Nähe und Anteilnahme, Mitgefühl, Dabeisein, Aushalten, Zuhören stattfindet. Das ist tröstlich, in seinem Leiden nicht allein zu sein, sondern gesehen zu werden, gehört zu werden, jemand zu haben, der mitträgt und mitleidet. Zweiter Punkt ist also: Beziehung tröstet. Den dritten Punkt mache ich ein bisschen kurz: Es ist ja ganz interessant, wie schnell das hier bei Paulus geht, dass er sagt: Jawohl, wir waren in Bedrängnis, es war furchtbar und so. Gott hat uns getröstet, und das Schöne ist ja jetzt, dass wir mit diesem Trost, mit dem wir von Gott getröstet sind, euch trösten können. Jetzt könnte man sagen, geht das nicht ein bisschen schnell? Ja, aber Papier war teuer, man hat auch nicht viel Zeit,
man hat ja auch Stress, geht schnell, ja, geht schnell. Aber was hier passiert, ist ja: Paulus kriegt eine neue Perspektive für eigenes Leid und für eigene Trosterfahrung. Er nimmt daraus den Ansporn, aber auch die Offenheit, anderer Menschen Leid wahrnehmen zu können, aushalten zu können, ihnen Nähe zu schenken, Empathie, Mitgefühl, und das jetzt nicht mit der Phrase "Ich verstehe dich", sondern mit einem Sich-wirklich-Hineingeben und einem Mittragen. Für ihn gewinnt das Leiden dadurch einen neuen Sinn, eine neue Bedeutung. Trost bedeutet hier: eine neue Perspektive gewinnen. Das Leiden, die Bedrängnis ist nicht mehr der Krater, das schwarze Loch, was alles verschluckt, sondern es wird relativiert, es wird etwas, aus dem Paulus
sogar einen Gewinn mitnimmt: mit anderen leiden zu können und ihnen auch nahe sein zu können. Das ist im Grunde auch bei Paulus' Kreuzestheologie. Manche haben ja daraus so eine komische Ideologie gemacht, eine Ideologie, dass das Kreuz in erster Linie eine Theorie ist, und das Wichtigste an dieser Theorie ist erstens: "Strafe muss sein" und zweitens: "keine Vergebung ohne Vergeltung." Ich habe bis jetzt noch nicht gefunden, wo das in der Bibel stehen soll, aber manche sind da sehr sicher. Das ist nicht das, was biblisch Opfer ist, Sühnetod, Erlösung. Das ist sehr, sehr viel herausfordernder, vielschichtiger. Bei Martin Benz kann man sich das zum Beispiel bei Movecast jetzt noch ziemlich aktuell anhören. Aktuelle Perspektiven möchte ich an der Stelle nicht vertiefen. Das gibt es, Sühnopfer in einem guten, sinnvollen Sinne. Das ist aber nicht diese
Vergeltungs- und Straftheorie. Kreuzestheologie bei Paulus ist sehr viel stärker, dass der Gekreuzigte an unserem Geschick, an unserer Verlorenheit, an unserem Leiden, an unserer irdischen Existenz teilnimmt bis ins Äußerste und wir auf jedem Abschnitt unserer Lebenserfahrung die Erfahrung machen können, dass Gott mittendrin ist, weil er in Christus jeden möglichen Abschnitt menschlichen Leides durchschritten hat. Und diese kreuzestheologische Wende ist eine ungeheure Revolution in der Weise, Gott wahrzunehmen. Gott ist dann nicht mehr in erster Linie der Hohe, der Absolute, der Triumphator, der Alles-Zerschmetterer, der Feldherr, der Krieger. Das
ist er in gewisser Hinsicht auch, der König, aber er ist gerade der König, der sich herabbeugt, der sich in die Niedrigkeit begibt, der sich erniedrigt, der sich erbarmt, der sich in das Leiden hineinbegibt, der die Folgen von Leid, Schmerz, Ungerechtigkeit auf sich nimmt und in den Abgründen mit uns leidet und uns hindurchtragen kann. Das ist Kreuzestheologie, das ist Beistand Gottes in jeder Facette des Lebens, auch in der Verlassenheit, auch im Schuldig-geworden-Sein, auch in der Hoffnungslosigkeit, auch da, wo vermeintlich alles zerbricht. - Einen fünften Punkt möchte ich noch hinzuführen: Dieser Trost ist bei Paulus keine Erwartung, keine Erwartung einer grenzenlos zur Verfügung stehenden Ressource, dass der Untröstliche sich
gar schimpfen lassen muss, warum er denn untröstlich ist. Paulus nimmt selbst in seine Beschreibung hinein, dass er immer wieder verzagt, dass ihn der Mut verlässt, dass er manchmal nicht mehr glaubt, dass es weitergeht. Trost ist nie ein Konzept, wo man sagen kann: Als Christ muss man schon getröstet sein. Ungetröstete Gläubige - da fehlt es wohl doch an Geisterfülltheit. Da hat man eben dann doch nicht ganz dem Herrn das eigene Leben übergeben. Wenn du ganz dem Herrn zu eigen bist, wird er dich nie, nie ohne Trost lassen. Da wirst du in jedem Leid immer noch singen und in jedem Schmerz wird die Freude an der Gemeinschaft mit Christus größer sein. So ist es bei wahrhaftigen Gotteskindern. Ja, wenn es bei dir nicht so ist, ach Gott, Geistestaufe oder irgendwas können wir
vielleicht noch versuchen. Vielleicht ist es auch zu spät für dich, vielleicht müssen wir dich aufgeben, schade. - Nein, diese grenzenlose Anspruchslogik "Gläubige sind immer getröstet", das ist halt nicht biblisch, das ist halt irgendwie Quatsch. Und an dieser Stelle macht es Sinn zu sagen: Es gibt eine Trostkomponente, von der biblisch völlig klar ist, dass sie in dieser Welt nicht mehr zum Zuge kommt. Es werden in Gottes neuer Welt Menschen sein, höchstwahrscheinlich auch wir alle, denen die Tränen noch abgewischt werden müssen. Da kommen nicht Menschen an, die alle schon glückselig strahlen wie die Mondkühe, weil sie so super getröstet durch ihren Glauben durch dieses Jammertal geschritten sind. Das wird im Himmel gar nicht mehr gesteigert. Nein, die Enderwartung ist ja: Gott wird trösten. Er wird trösten, wird abwischen
alle Tränen. Es wird Trostbedürftigkeit noch in der Ewigkeit geben, das heißt auch: Nicht alles wird hier tröstbar sein. Es gibt keinen totalen, umfassenden Trost für alles und jedes. Wessen Tränen will er sonst abwischen am Ende? - So, das war jetzt ein bisschen biblisches Trostkonzept. Und jetzt könnte man sagen: Amen. Hören wir auf. Aber dazu ist es noch ein bisschen früh. Und ich halte ja viel von dem Gedanken: Traue keiner kirchlichen Richtung, traue keiner Theologie, die nicht auch in der Lage ist, die eigenen Grenzen zu reflektieren, die nicht in der Lage ist, die eigenen Schwachstellen ernst zu nehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Warum möchte ich jetzt, nachdem ich so ein
bisschen angeboten habe, die christliche Trostidee abzufeiern, sagen: Komm, lassen wir uns jetzt noch ein paar Knüppel zwischen die Beine werfen? Das steigert die Sprungkraft und Gelenkigkeit. Gönnen wir uns ein bisschen Trostkritik. Religionskritik der Neuzeit, der Moderne, ist sehr wichtig. Da muss man, glaube ich, nochmal gründlich ein bisschen langgehen. Ich möchte zwei Zeugen der Anklage mal berufen, Karl Marx und Sigmund Freud. Ich hoffe, die eine oder der andere erinnert sich noch an den Religionsunterricht, wie lehrreich und hilfreich das war, sich daran zu reiben. Ich finde es sehr schön, dass es Religionsunterricht gibt, wo das Pflicht ist. Mich gruselt bei der Beobachtung, dass es immer mehr christliche Gruppen gibt, die glauben, Apologetik ist das Einzige, was sie brauchen - und das ist irgendwie so ein Mohrhuhn-Abschießen-Spiel mit kritischen Fragen oder so -,
und als wären Religionskritiker geborene Feinde. Nein, also ich finde, Religionskritiker der Neuzeit gehören zu den genialsten Ideen des Geistes Gottes in der Geschichte. Ich halte das für ganz, ganz, ganz wesentlich. In dem Maße, wie christliche Theologie sich sehr häufig hat kaufen lassen von den Thronen und Mächten dieser Welt, hat Gott kurz überlegt: Soll ich machen, was Jesus sagte, die Steine schreien lassen? Ach nee, sagte er sich. Ja, ich könnte ein paar Religionskritiker schicken. Das ist, glaube ich, eine ganz gute Idee. Also das ist schon nötig. Die modernen Religionskritiker der Neuzeit sind die Fremdprophetie unserer Geschichte. In ihnen ist sehr viel mehr vom Geist biblischer Propheten zu spüren als bei tonnenweise apologetischer Literatur, die einem nur
nach dem Mund spricht. Darum Marx und Freud. Natürlich erst mal ganz kurz: Wer glaubt, dass man mit Marxens Ideen heute noch eine Gesellschaft konstruieren könnte oder mit Freuds Ideen allein die Seele komplett in Bestform bringt - das ist in gewisser Hinsicht fast wieder rührend ... Aber es sind historische Figuren. Und das, was sie beigetragen haben für die Gesellschaftstheorie und für die Psychologie, ist epochal. Es ist enorm. Wir würden es heutzutage aber natürlich historisch würdigen. Und wir können in dem, was aus ihren Ideen teilweise gemacht wurde, teilweise völlig Absonderliches herausziehen, aber auch Dinge, die heute noch Wesentliches zu sagen haben. Jetzt möchte ich gar nicht weiter auf ihre Theorien zu sprechen kommen. Beide sind Christentumskritiker und beide sind Kritiker der christlichen Trostideologie oder
-theorie oder wie auch immer. Gehen wir zuerst mal zu Marx. Das sind berühmte Worte, die man hoffentlich im Religionsunterricht mal hatte. Marx hat sich ja durchaus über Religion gründlich Gedanken gemacht. Er selbst stammt aus einem jüdischen Hintergrund. Das war ihm durchaus vertraut alles. Friedrich Engels war übrigens wirklich Pietist, zu Jesus gebetet, erweckliche Lieder gesungen, Bekehrung und so. Also die wussten schon Bescheid, was so los ist. Also Marx nicht. Und er sieht die Religion, er sieht sie kritisch. Berühmte Worte von ihm lauten: "Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur." Bleiben wir erst mal dabei. Das ist ja ein großes Kompliment. Religion ist etwas, worin das Leiden des Menschen Ausdruck findet. So,
es ist also für ihn nicht Schwachsinn oder so, sondern in der Religion drückt der Mensch das Gefühl aus, verloren zu sein, unerlöst, in elenden Verhältnissen leben zu müssen. "Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt." Auch das ist ja sehr positiv. Herzlose Welt, kapitalistische Welt, Kolonialismus, Machtdiktatur, all das findet statt. Religion gehört zur Seite des Gemüts. Religion ist das blutende Herz in einer kalten, geldgeilen Welt. Das Dritte klingt ein kleines bisschen weniger schön: "... wie sie der Geist geistloser Zustände ist." Zustände empfindet Marx als geistlos. Immerhin, Religion bringt das nochmal zum Ausdruck. Aber
dann kommt eben die Formulierung: "Sie ist das Opium des Volkes." Zu Opium muss man immer wissen, das ist jetzt nicht irgendwie, was weiß ich, Schickeria; Leute, die alles haben, suchen vor lauter Langeweile und weil sie zu viel Geld haben und weil Geld verbrennen am Ende immer so viel Asche hinterlässt, neue Möglichkeiten im nächsten Trip, und dann nehmen sie Drogen, weil sie so schlecht sind und so. Nein, Opium ist ja Betäubung, ist ja etwas, was lindern, was helfen kann. Gegen Schmerzen ist Opium eine Gnade Gottes, ein großes Geschenk. Aber ja, wir wissen, wie Marx das meint. Religion ist ein Betäubungsmittel und der Schmerz ist real. Und dass Religion wirkt, dass sie hilft, dass sie tröstet, auch das ist für Marx real. Er sagt nur: "Ja, aber das ist ja das
Schlimme." Also, dass Religion wirkt, dass sie tröstet, das ist das Problem. Warum? Er schreibt dann weiter: "Was wir brauchen, ist die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes, und das ist die Forderung seines wirklichen Glücks." Religion macht glücklich. Das ist Marx' These. Religion tröstet, Religion ist heilsam, tut gut, Religion gibt Heil. Religion macht Menschen glücklich und, ja, man frage sich durch die Welt - ganz viele Menschen sagen: Ich habe Kummer, ich habe Stress und dann kam Corona und meine Firma ging pleite, meine Frau hat mich verlassen. Hätte ich meinen Glauben nicht, hätte ich nicht Jesus, ich wäre völlig lost und broken. Das sieht man massenhaft unter Lobpreis-Songs bei YouTube, einfach mal lesen. Die Welt ist voll, voll, voll solcher Stimmen: Religion tut gut. Und Marx sagt: Ja, aber das ist das Schlimme, denn es ist ein
illusorisches Glück, und dieses illusorische Glück führt dazu, dass Menschen, die sich religiös betäuben lassen, nicht mehr in der Lage sind, wirkliches Lebensglück in Anspruch zu nehmen. Marx fährt fort: "Die Forderung, die Illusion über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf." Das ist der große Punkt, dass er sagt: Die Kirchen betreiben im Grunde Stabilisierung. Instabile Verhältnisse, Kapitalismus, Ausbeutung, Verelendung, all das ist eigentlich unerträglich. Man sollte sich empören, man sollte für seine Gerechtigkeit eintreten. Die Religion verhindert den Aufstand für das Gerechte und Gute. Darum ist Religion immer das wahre Glück der Besitzenden, der Herrschenden, der Reichen, weil für sie
Religion das ist, was die Menschen ruhig hält, sodass Lenin später auch sagen konnte: "Religion ist Opium für das Volk", also diese Instrumentalisierung meint. All das sollte man ernsthaft hören, sollte man ernsthaft würdigen, und da sollte man nicht sofort sagen: Okay, jetzt Apologetik. Nein, Marx hatte recht. Marx hatte recht und manche haben es ja heimlich zugestanden: Die Kirche ist tatsächlich vielfach verkommen zu einer Legitimierungsanstalt für Unrecht und Ausbeutungen aller Art. Religion hat Monarchien gerechtfertigt, Religion hat Sklaverei gerechtfertigt, hat Kolonialismus gerechtfertigt, Ausbeutung, Kriege. Christliche Religion, Kirchen, katholische Kirchen,
evangelische Kirchen, orthodoxe Kirchen - all das haben sie getan. Es waren Legitimationsmaschinen für die Mächte ihrer Zeit. Es war das Gegenteil von dem, was ein Amos oder ein Jeremia oder ein Johannes der Täufer oder ein Jesus getan hat. Man stand nicht auf der Seite der Ausgegrenzten, der Ausgebeuteten, der an den Rand Gedrückten gegen die Mächtigen, sondern man stand auf der Seite der Mächtigen und hat die Ausgebeuteten ruhiggestellt. Wenn wir jetzt nochmal vom biblischen Konzept her schauen, würde ich schlicht so sagen: Marx kritisiert zu Recht eine Christentumsgeschichte, die Trost zur Ideologie gemacht hat dadurch, dass sie Trost anbot als Zuwendung ohne Hilfe. Bei Marx ist Religion Trost minus Hilfe. Bei Jesaja haben wir uns klargemacht: Trost ist im Grunde immer Hilfe
und Beistand, Rettung und Gemeinschaft und Nähe. Illusorischer Trost ändert nie etwas, arbeitet immer nur an der Seele, immer nur am Inneren, richtet im Grunde immer die Hoffnung auf das Jenseits und verliert die ganze prophetische Kraft der biblischen Religion, sei es im Judentum oder sei es im Christentum. - Gucken wir kurz auf Freud. Bei Freud sind die Dinge ein bisschen vergleichbar, nur dass er stärker eine psychologische Perspektive einnimmt. Freud nimmt natürlich ernst, dass es sozialgesellschaftliches Elend gibt. Er ist davon überzeugt, da muss man irgendwie was machen, und das ist auch alles wichtig. Aber er spricht mit Menschen. Es gibt auch neurotisches Elend. Es gibt Menschen, die nicht nur in äußeren Ausbeutungsverhältnissen gefangen sind, sondern in inneren, die sich selbst ausbeuten, die in sich selbst Dinge verdrängen, Bedürfnisse, Gefühle, die ständig in
irgendeiner Weise damit beschäftigt sind, Dinge nicht wahrhaben zu wollen, Dinge abzuknapsen, Dinge dadurch beherrschbar zu machen, dass sie Sachen auf andere projizieren und in irgendeiner Weise etwas am Laufen halten, was ihnen aber eigentlich nicht guttut. Freuds Perspektive auf die Religion ist folgende, sehr kurz: Er sagt, wir Menschen kommen in einer etwas prekären Situation auf die Welt. Wir werden geboren, maximal hilflos und bedürftig. Das ist die Realität. Und wir brauchen sehr lange, sehr, sehr, sehr viele Jahre, bis wir einigermaßen selbstständig, verantwortlich mit uns und anderen umgehen können. Und wir werden lange sozialisiert in einer Familiengemeinschaft, wo wir die Eltern als sehr mächtig wahrnehmen, als übermächtig. Man glaubt den Eltern blind,
man vertraut ihnen, man ist total abhängig von ihnen. Die Eltern können mit Worten einen bestimmen, können einem Gefühle einimpfen, die das ganze Leben lang einen in irgendeiner Weise begleiten. Die Eltern sind wahnsinnig entscheidend, und man lernt als Kind: Mit den Eltern muss man sich am Ende irgendwie gutstehen, man muss sich irgendwie arrangieren. Die Allermeisten machen es auch, machen es sehr lange, machen es eine Zeit lang. Und irgendwann reibt man sich daran, erwachsen zu werden, das ist so ein bisschen ein Lösungsprozess, und viele schaffen es auch, nicht alle, manche schaffen es nie, aber viele schaffen es auch. Aber Freud macht nun die Beobachtung: Das, was man in der Kindheit hatte, war auf der einen Seite sehr klar und fordernd, man hatte bestimmte Regeln und wurde in irgendetwas hineingefügt, in eine Religion, in eine Kultur, in dies und das. Und als erwachsener Mensch gibt es einen großen Trick,
diese Ursprungskonstellation festzuhalten, indem man das Kindgefühl des Gehorsams und der Geborgenheit nicht einfach mit 14, 15 abreißen lässt, sondern sagt: Unterm Strich war es okay, ich gönne mir jetzt das ganze Leben, ich glaube an Gott. Kein Mensch macht das so, keiner denkt darüber nach und sagt: Wie könnte ich mein Leben lang wie Peter Pan immer Kind sein? Ich könnte religiös werden, ist doch schön, das mache ich. Nein, das macht man nicht so, das ist ja das, was man verdrängt, das ist ja unbewusst, das passiert nicht. Aber tatsächlich ist es die Dynamik, die Freud beobachtet: Religion ist ein Reifungsverhinderungsmechanismus, Religion ist der seelische Trick, für sein Leben nie volle Verantwortung wahrzunehmen, sondern immer darauf zu setzen: Alles ist in guten Händen, es wird regiert, alles ist in Ordnung, alles wird
gesehen, alles hat seine Ordnung, ich bin zu Hause, ich bleibe Kind, ich bleibe Kind Gottes, ich kann vertrauen auf den Vater im Himmel, ich kann auf ihn vertrauen, er wird mich zurechtrüffeln, wenn ich Fehler mache, seine Grenzen muss ich akzeptieren, aber dann kann ich auch dankbar sein für das Sicherheitsgefühl, für die Geborgenheit, die ich darin finde, und im Vertrauen auf ihn das Bewusstsein haben: Ich bin behütet, ich bin beschützt, er sieht auf mich, und was immer auch passiert, ich bin nicht allein, er kümmert sich um mich. Und Freud sagt: Merkt ihr nichts? Es ist der Versuch, die Kindheitskonstellation für sein ganzes Leben lang beizuhalten. Und natürlich ist es ein gutes Gefühl, natürlich ist es doch schön, das so wissen zu können,
dass alles irgendwie einen Sinn hat, dass alles der Vater im Himmel irgendwie noch ausbügeln kann, dass nichts endgültig total schiefgeht und dass ich in der Tiefe nie verlassen bin und so - aber es ist eben dann auch immer so eine Art Rückzug, Rückzug davon, Verantwortung zu übernehmen. Ich kann immer abgeben, kann immer sagen: "Der Vater im Himmel möge es wohl machen", und übernehme in vielen Dingen eben nicht Verantwortung für mein Leben, für andere. Wenn irgendwas schiefläuft, gehe ich ins Gebet. Man könnte auch helfen, man könnte irgendwie was machen oder man könnte sagen: Wie ungerecht! Aber man geht ins Gebet und glaubt, thoughts and prayers. Was soll man da Waffengesetze ändern oder so - solange man noch beten kann für die Opfer, geht es irgendwie. Und das ist bei Freud das Problem der Religion. Bei Freud ist Religion Trost minus Wahrheit, der religiöse Mensch weigert
sich, erwachsen zu werden, er weigert sich einfach, nüchtern zu sehen: Wofür bin ich verantwortlich, wo bin ich gefordert, was muss ich in Ordnung bringen, was kann ich tun und wo muss ich anerkennen, dass ich Dinge nicht schaffe, dass ich an meine Grenzen komme? Und das ist für Freud Erwachsensein. Er war da immer sehr nüchtern, er sagte: "Der Sinn der Psychoanalyse ist nicht, dass wir aus unglücklichen Menschen glückliche Menschen machen. Das, was wir können, ist, neurotisches Elend so zu bearbeiten, dass daraus normales Elend wird." Das Leben hat normal elende Anteile, man wird älter und irgendwann stirbt man, aber man stirbt ganz schön auf Raten, erst hat man Rücken, dann hat man Knie, dann ist das mit der Verdauung nicht mehr so, dann das Gedächtnis -
man stirbt ganz schön auf Raten. Das ist nicht schön. Das aber nun anzunehmen und zu sagen: "Leben ist hart und Leben hat viel auch Sterben auf Raten und vieles ist ungerecht", und das auszuhalten, ist Erwachsensein, Erwachsensein im Wissen um die Größe des Lebens und die Schönheit und die Möglichkeiten, aber auch die Endlichkeit. Dazu gehört auch, nicht bei jedem möglichen Traum oder jeder möglichen Idee zu sagen: "Im Himmel wird es mir reichlich belohnt. Ja, ich hätte was aus meinem Leben machen können, ich hätte vielleicht mal eine große Reise machen können oder ein Instrument lernen oder an Beziehungen arbeiten oder mich hier und da aussöhnen oder mehr Freundschaften pflegen, hätte ich alles machen können. Aber ich kann eigentlich nichts verpassen, denn im Himmel ist ja alles sowieso besser, das ist ja hier sowieso nur so eine Art Probelauf, das ist ja hier nur so ein Übungsspiel oder so. Was soll ich mich jetzt da wer weiß wie verrückt machen?" Und da denkt Freud: Ja, du liebes bisschen, das ist ja traurig.
Selbst wenn es den Himmel gäbe, wäre das traurig, das Leben hier so abzusitzen und ständig zu verschieben und Dinge nicht anzugehen, die man angehen kann. - Was machen wir mit Freud? Auch hier könnte man sagen: "Ja, der ist aber gar nicht mehr aktuell und er hat auch ganz schlimme Ideen gehabt, und was der über Sex sagt - jeder soll machen, was er will!" Das kann man alles machen, ist was dran. Aber im Großen und Ganzen ist auch an Freud was dran, es gibt diese - ich sag mal - Affinität tiefer Religion und menschlicher Unreife. Affinität heißt nicht Identität, also nicht: "Religiöse Menschen sind unreif." Das wäre Freuds These tatsächlich. Ich kaufe ihm diese Beobachtung absolut ab. Ich meine, das auch bei mir rückblickend sehen zu können und bei vielen anderen auch, dass Religion so funktionieren kann, dass sie menschliche Reifung nicht befördert, sondern verhindert. Die spannende Frage ist: Muss es so sein?
Jetzt will ich nicht apologetisch werden, den Gegenbeweis kann jeder von uns nur durch sein eigenes Leben führen. Wir sollten von solchen Fremdpropheten den Impuls übernehmen: Muss es so sein, oder ist es möglich, im Glauben an Gott sich nicht so vertrösten zu lassen, dass ich eigene Reifung und Entwicklung damit überflüssig mache? Gerade weil ich an Gott glaube, möchte ich mich entwickeln, möchte ich lernen, möchte ich reifen und möchte ich auch lernen, so manches an Frustration auszuhalten. - So, das war die Gegenrede zur Trostperspektive. Jetzt könnte man auch schließen, aber man wäre so ein bisschen auf einer kleinen Disharmonie. Ich finde, das macht
christlichen Trost gerade stark: Christlichen Trost so zu verstehen, dass er nicht total ist, dass er nicht funktioniert, dass er nicht jede Frage löst und jeden Schmerz stillt und lindert. Die Punkte, die ich bei Paulus genannt habe, finde ich hier nach wie vor wesentlich. Christlicher Trost hat als Erstes immer den Puls, eigene Trostbedürftigkeit anzuerkennen. Das ist so leicht nicht. Es ist nicht so leicht. Es ist leichter, sich davon wegzuschleichen, diese Dinge zu ignorieren oder zu überjubeln oder gleich mit Positivem zu überkleistern. Gar nicht so wenige Menschen im Worthaus-Umfeld haben ja Geschichten in ihrer eigenen Glaubensbiografie, wo sie auch mal
Abschied nehmen müssen. So, und jetzt kann man sagen: Das ist aber auch sehr schön und man reift. Ich würde sagen: Ja, also man kann viel schönes Neues entdecken und das Leben wird freier und weiter und all das gehört auch ordentlich gefeiert. Ich glaube, es gehört oft auch dazu, anzuerkennen, dass es wehtut und dass man Sachen verliert, dass man Menschen verliert. Jeder, der sich in seinem Glauben wirklich entwickelt, der sich verändert, der sich öffnet, der sich auf die Reise begibt, wird in der Regel nicht seinen ganzen bisherigen Glaubensumkreis an Menschen mitnehmen. Sich im Glauben auf echte Veränderung einzulassen, bringt bei sehr vielen, wenn nicht allen Menschen, Verletzungen mit sich, Beziehungsabbrüche, Vertrauensverlust, dass
Menschen einen doof angucken, misstrauisch angucken, einen abschreiben, einem alles mögliche Böse unterstellen. Ja, und es schmerzt und es tut weh und es bedarf einer Trauerarbeit. Und in der Freude des neuen Entdeckens und in der Erleichterung, weiter werden zu dürfen, finde ich es heilsam, diese Trauerarbeit auch hinzuzuzählen zu dem, was einen begleitet, was dazugehört. Ich denke, viele von uns hier in Worthaus kennen das in der einen oder anderen Weise, solche Trauerarbeit, solches Zulassen auch von Schmerz, solches Aushaltenkönnen und -müssen, auch was man verliert an Vertrautheit mit anderen, vielleicht aber auch kindlich schöner Naivität. Kindlich einfältig in
erster Liebe und Naivität glückselig glauben zu können, ist ja auch ein Glück. Wenn man so etwas mal erlebt hat - das ist ja schön. Man möchte es ja in der Regel nicht rausbrennen aus der Erinnerung oder der eigenen Biografie. Und manche erste Liebe wird vielleicht auch nie wieder ganz herstellbar sein. Auch das einzuräumen, das anerkennen zu können, auch das, finde ich, gehört zur gereiften christlichen Reise. - Trost hat gefährliche Seiten. Trost kann ein totaler Anspruch werden, Trost kann ein Dauerbedürfnis werden im Sinne einer Vertröstung, die einem vieles verstellt, verkleistert. Trost ist nicht ungefährlich, auch wenn er sich auf Jesus beruft und auf Gott und
den Heiligen Geist und die Bibel. Auch noch so rührselige Beziehungserfahrungen mit Gott können in schädlicher Weise benutzt werden, Eigenreifung oder soziale Veränderung stillzustellen. So, das ist die eine Gefahr. Und gleichzeitig glaube ich, Trost gehört ganz wesentlich zum Glauben, nicht als Vertröstung, aber als Anerkenntnis: Ich bin auch trostbedürftig. Ich kann auch eigenen Schmerz wahrnehmen und aushalten und hinhalten und kann in der Beziehung zu Gott und anderen Menschen Beistand erfahren, Nähe zulassen, Austausch erleben und ganz schlicht Sympathie, Mitgefühl, Empathie erfahren, die mich anders reifen lässt, die meinem Leben Tiefengewinn gibt,
die in meinem Leben das Kreuz nochmal in ganz anderer Weise groß macht, zur Geltung bringt. Nachfolge Jesu ist immer auch Kreuzesnachfolge im Loslassen, in Niedrigkeit, darin, nicht zu gewinnen, sondern zu verlieren und darin doch gleichzeitig für Gott unverloren zu bleiben.
Trost | 13.5.2
Wie tröstet man einen Menschen? Wir alle erleben manchmal Krisen, sind untröstlich, verloren, gottverlassen. Nicht immer gelingt es dann anderen Menschen, uns Hoffnung zu geben, wirklich zu trösten. Trotzdem ist es ein zutiefst menschliches Bedürfnis, einen anderen, der leidet, trösten zu wollen. Und selbst in der Not Zuspruch zu erfahren.
Trost war auch ein großes Thema in der Antike. Thorsten Dietz erklärt, wie die damaligen Philosophen, allen voran die Stoiker, auf Leid reagieren wollten, wie im Gegensatz dazu die Bibel über Trost spricht, warum manche Denker der Moderne gerade den christlichen Trost ablehnten. Und wie echter Trost aussehen kann, der über ein »thoughts and prayers« hinausgeht.