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Herzlich willkommen zum heutigen Nachmittagsvortrag mit dem Thema Paulus und sein Verständnis von Jesus aus Nazareth und dem auferstandenen Christus. Klingt super spannend, aber sicher eine Irritation. Warum steht jetzt ein systematischer Theologe da vorne? Was weiß der über Paulus? Darf der was wissen? Ist es überhaupt legal? Ist das gecheckt worden oder so? Oder auch nicht. Ich glaube, für viele ist es gar nicht so bekannt, dass Theologie eigentlich extrem arbeitsteilig funktioniert. In der Theologie ist eigentlich immer sehr klar, wer darf was wozu sagen. Und da kann man nicht einfach sich mal irgendwo eine Meinung gönnen. Ein bisschen illegal hier so.

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Das fällt durch jeden theologischen Dopingtext raus. Darum muss ich jetzt mit langer Entschuldigung anfangen, dass ich jetzt überhaupt wage etwas zu sagen über Paulus und so. Nein, aber habe ich ja letztes Jahr auch schon. Alles gut. Und ich möchte es zunächst mal stark machen. Warum ist das in der Theologie so, dass wir auf der einen Seite eine breite Kaste haben von Exegeten, von Menschen, die sich morgens, mittags und abends mit biblischen Texten beschäftigen und ihrem zeitgeschädlichen Umfeld und auf der anderen Seite ähnlich viele Menschen, die machen systematische Theologie und so. Die sollen irgendwie den christlichen Glauben in der Gegenwart verantworten. Man könnte, wenn man das Feld so ein bisschen kennt, sagen, das habt ihr euch aber irgendwie schlecht überlegt, weil, wenn man das richtig konsequent durchzieht, dann hat man so die Arbeitsteilung, die einen erklären

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biblische Texte. Aber man darf die nicht unbedingt fragen, was das heute bedeutet für den persönlichen Glauben. Also ich kenne es aus dem Theologie-Studium. Man kommt so in die Exegese, man ist gespannt. Vorlesungen fängt an, Kapitel 1. So in der Pause ist man bei Kapitel 1, Vers 1, Teilsatz A. Immer noch, immer noch so. Am Anfang findet man es schon auch gut, aber nach ein paar Wochen, man ist inzwischen bei Kapitel 1, Vers 7. So beim Römerbrief ist das normales Tempo, ehrlich gesagt. Hat man die ersten Fragen so. Und irgendwann wird irgendein Studierender nervös und meldet sich und sagt, sehr schön, sehr interessant, ich habe echt was gelernt. Aber was bedeutet das denn für uns? Was bedeutet das für uns, das Ganze? Das ist immer so ein bisschen schwieriger Moment in der Vorlesung. Es gibt dann alte Hasen und Thesen, die hauen dann sofort einen raus. Es gibt aber

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auch die, die gleich ein bisschen beleidigt gucken und dann sagen, haben Sie es immer noch nicht verstanden, wie es hier läuft? Wir machen hier Exegese, wir machen Wissenschaft, Wissenschaft, historische Wissenschaft der biblischen Texte. Was das für Sie persönlich bedeutet, ja weiß ich doch nicht. Und für die Kirchen, was habe ich damit zu tun? Das ist gar nicht mein Job. So und umgekehrt kann es einem in der systematischen Theologie auch wunderlich ergehen, sodass die ganzen biblischen Texte und Figuren gar nicht so zentral sind. Ich selbst bin ja auch da mit schlechtem Beispiel rein und so, habe über Martin Luther promoviert, dann meine Habilitation über Schleiermacher. Da war ich schon im 18. Jahrhundert und so. Das war aber schon gefühlte Gegenwart für Systematik. Hab mich dann weiter reingekämpft und über Bonhoeffer und Otto, da war ich im 20. Jahrhundert, das war quasi jetzt Zeit, Bücher geschrieben und ja so ist es. Und dann ist man

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da drin und schaut halt, dass man die Diskussionen und Debatten der Gegenwart verantwortet. Warum ist das so? Das hat einen unendlich großen Vorteil. Man hat einen klaren Job, eine klare Anwaltschaft. In der Exegese haben die Leute Anwaltschaft für die Texte. So entscheidend ist, was in den Texten steht, was hier kommuniziert wird in dieser Zeit für jene Leute. Das ist der Job. Und es geht nicht darum, irgendwelchen Bekenntnissen der eigenen Kirchentradition gerecht zu werden oder für irgendwelche praktischen Zwecke irgendwas rauszuhauen, was gerade nützlich ist. Kann man immer sagen, ich bin Anwalt der Texte. Und wenn da steht, dass unsere Kirche auf dem Holzweg ist, ja dann ist es so, ist mir egal. Irgendjemand muss es ja

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mal sagen. Wir können uns ja nicht alle korrumpieren lassen, immer durch diejenigen, die uns das Geld geben. Die Texte, die Texte, das ist mein Job. So eine systematische Theologie und praktische Theologie hat hier eine klare Anwaltschaft. Ja, der Gegenwart, so der Adressaten, der Menschen, für die das ist, das ist der Job. So Verantwortung des christlichen Glaubens für die eigene Zeit. Und da gibt es nichts Schlimmeres als eine Theologie, die irgendwie aus der Zeit gefallen ist, die einfach Bekenntnisformeln aufsagt oder wiederholt. Nein, da hat man sich einzugraben in die ganzen Diskussionen und Debatten der eigenen Zeit. Man kann das ignorieren. So, und das passiert natürlich weltweit. Es gibt weltweit BibelwissenschaftlerInnen, die versuchen, die biblischen Texte quasi direkt zu den Menschen sprechen zu lassen. Das kann auch sehr interessant

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sein. So, also es gibt immer wieder mal in jeder Generation welche, die kriegen das super hin. Man merkt halt, dann hat man auch eine Agenda. Dann hat man auch so eine eigene Message und die Bibelauslegung glänzt und glüht, wo die Texte dafür gut passend sind, sag ich mal. Und wenn nicht, werden die Texte passend gemacht oder ignoriert. Und diese Form der Exegese ist immer ein bisschen schwierig, wenn die Texte immer so in so eine Richtung geschoben werden und die Texte eigentlich immer das sagen, was zufällig die Gemeindeleitung oder das Movement oder die Bekenntnisse hören wollen. Würden jetzt manche sagen normal, ich kenne das gar nicht anders. Ja, aber ist ja schade, ist ja schade, wenn man in einer Tradition ist, wo die biblischen Texte einfach immer jeden Sonntag den Job haben, alle, die da sitzen, zu bestätigen, dass sie mit ihrem mitgebrachten Wissen schon immer richtig lagen und alle anderen keine Ahnung haben. Ist nicht gut. Und irgendwann merkt man's vielleicht.

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Bei irgendwelchen Fragen gibt's dann auf einmal so kleine kognitive Dissonanzen. Einem fällt was auf. So umgekehrt aus systematischer Sicht auch, eigentlich dann sehr ähnlich, wenn man auf die biblischen Texte zugreift, um sie in das eigene Raster zu packen. Das ist ja ein Schema, was im Grunde die längste Zeit des Christentums über hindurch gemacht wurde. Man packt Bibelzitate in ein Schema. Bis heute verkauft sich so etwas gut. Wenn das Schema gut verkauft wird als Gottes Wahrheit ist klar und einfach und deutlich. Und ich habe es hier mal in 95 Paragrafen oder so. Und ich habe 10.000 Bibelstellen, die zeigen, dass meine 95 Paragrafen tippitopp sind. So dass für manche so ein gutes Gefühl, dass alles so aufgeht und alles irgendwie so ineinander

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greift. Man macht sich und den Leuten halt was vor. Darum ist es gut, überhaupt erst mal professionell klar zu haben. Manche kümmern sich darum, Anwaltschaft der Texte, was sagen die? Egal, ob uns das schmeckt oder nicht. Andere Anwaltschaft der Gegenwart. Jetzt habe ich das ein bisschen gelobt. Jetzt würde ich sagen, ein bisschen ist das Problem ja schon auch so am Ende. Im eigenen Leben hätte man es gern zusammen. So in der Kirche, in der Gemeinde ein bisschen, denkt man. Und wo genau ist die Abteilung, dass sich das die Hand reicht? Wo findet das statt, dass so eine Art Transfer gemacht wird, zwischen dem, was die Texte sagen und dem, was heute ist? Hat sich jemand die Frage schon mal gestellt, ob man das so vermitteln kann? Jetzt könnte ich sagen, ja, Worthaus ist doch sein Ding. Ein bisschen Schleichwerbung fürs eigene Anliegen. Nein, aber es ist eine Aufgabe. Also es ergibt sich nicht von allein, ist meine Erfahrung, es ergibt sich nicht von allein, wenn

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so die Arbeitsteilung perfekt brummt, dass das schon bei jedem funktioniert. Die Leute studieren dann sieben oder 17 Jahre Theologie und passt total für sie und so. Ist gar nicht immer der Fall. Also es klafft manchmal so ein bisschen auseinander. So, jetzt gibt es dabei, wenn man das aufeinander beziehen will, aber so etwas wie eine theologische Unschärferelation. Das Wort lasse ich sacken, ich habe darüber nachgedacht und so. Theologische Unschärferelation, die die wenigen hier mit Physikstudium im Raum und so sagen, komm, das wird wieder nichts, solche dämlichen Vergleiche mit der Physik, ich lasse es doch sein. Es ist kein Vergleich, es soll jetzt nichts erklären. Es ist eine Illustration, kleines Beispiel, in der Physik, man kennt es ja aus Marvel-Filmen, man weiß ja alles inzwischen über die Physik, ein bisschen weiß man was. Nein, weiß man nicht. Quantenwelt, wie das

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da so läuft. Es gibt einfach das Phänomen Heisenberg-Hatz, 1927, Niels Bohr und Kopenhagen und diese ganze Zeit. Das Phänomen erlebt, dass du bei bestimmten Phänomenen den Ort und den Puls oder Geschwindigkeit einfach nicht gleichzeitig scharf bestimmen kannst. Kann das verschieden beschreiben, du kannst Licht mit Teilchenmodell oder Wellemodell befragen, du kannst irgendwie da Beschreibungen oder Ergebnisse generieren. So und du hast aber durch die Perspektive, durch die Frage, durch die Experimentsanordnung eine gewisse Festlegung darauf, was stellst du scharf. So und das andere, das hast du dann nicht scharf und das ist dann keine Frage der Messgenauigkeit, das ist ein prinzipielles Problem. Du kannst nicht gleichzeitig Ort und Richtungsimpuls scharf stellen, sondern

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je nachdem, wie du drauf guckst. Es ist im Umgang mit der Bibel ähnlich. Es ist nicht genau so, jeder Vergleich hinkt immer wahnsinnig und so und nicht alles was hinkt ist ein Vergleich und ist alles richtig. Aber ich glaube es gibt was ähnliches. Du kannst entweder die ursprüngliche Kommunikation der biblischen Texte versuchen sehr scharf zu stellen mit ihrem Umfeld und ihrem Vorwissen und ihren adressierten Personenkreisen und das ist der, wenn du es ganz scharf hast, ist es der schlechteste Moment zu fragen und was bedeutet das für die Predigt heute. Das ist der schlechteste Moment, weil dann sagst du erstmal völlig ab und möchtest sagen, frag doch nicht so einen Blödsinn, das lenkt doch jetzt wirklich ab. Und umgekehrt, wenn du ganz bei den Menschen bist und irgendwie seelsorgliches Gespräch oder sonst wie, dann ist auch schwierig zu sagen, Werke des Gesetzes bei Paulus, was ist jetzt noch mal exakt die Bedeutung und warum löst das jetzt hier diese Fragen, die wir in der Kirche gerade haben. Auch das funktioniert nicht.

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Mittellange Einleitung kurzer Sinn. Ich werde jetzt diese Gratwanderung probieren über Paulus und sein Verständnis zu Jesus zu sprechen. Ich mache das als systematischer Theologe. Ich mache das mit meiner primären Anwaltschaft für unsere Zeit, für unsere Gegenwart. Ich möchte es so probieren, dass ich das, was in der Exegese heute stattfindet, gelesen habe, mitnehme, wahrnehme, respektiere. Und die theologische Unschärferelation wird dafür sorgen, dass ich im Zweifelsfall den Genauigkeitsgrad von Exegese immer da runterdimme, wenn wir uns ganz schlicht fragen, was machen wir denn damit? So und ich glaube, beides ist wichtig. So jeder Mensch, der Bibel liest und was wissen will, der muss eigene Fragen und Befindlichkeiten auch mal zurückstellen, ja gar vergessen,

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um wirklich zu hören, was davon die Rede ist. Das ist ehrlich gesagt auch eine schöne spirituelle Übung. Andere fahren dafür nach Indien in irgendeinen Aschraben, um sich mal loszuwerden. Man kann beim Bibel lesen auch mal probieren, mal ein bisschen Selbstvergessenheit. Jetzt vergiss doch mal deinen ganzen Kram und interessiert dich einfach mal hier für fariseische Debatten oder so. Spirituelle Übung. So und dann ist es natürlich entscheidend. Wir haben Fragen, wir haben Bedürfnisse, wir haben Interessen, wir haben irgendwie, wollen auch überleben, fragen, boah, Christentum, sind wir die letzte Generation? Boah, wollten wir gar nicht werden und so. Jetzt sind wir es doppelt. Auch das ist ja legitim. So, so steige ich jetzt ein in das Ganze. Also systematisch, wir heute, biblische Texte, Paulus, sein Verständnis von Jesus, dem auferstandenen Christus. Wo steige ich da ein? Naja, in der Gegenwart steige ich mal ein. Wir haben 2025. Man könnte ja jetzt einen schönen Shortcut

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suchen und sagen, ja was bedeutet das für heute? Es ist ein bedeutendes Jahr, ein heiliges Jahr, irgendwas wird wieder viel gefeiert. Nicht, wir feiern gerade 1700 Jahre Nicea. Ich weiß nicht, ob ihr schon alle so in Jubelstimmung seid und so. Kann euch flüstern, das nächste große ökumenische Jubiläum ist erst in 56 Jahren. Konstantinopel 381. Jeder kann mal kurz über einen Daumen abschätzen, wie lustig er da noch ist und dann hat man vielleicht mehr Bock zu sagen, naja 1700 Jahre Nicea, das will ich mit, ist meine letzte Chance. Richtig geiles Ding und so. So ist es mir gegangen. Man wird nachdenklich und so. Worum geht's? Es geht um das große Bekenntnis, 325, Kaiser Konstantin, so Christentum ist von der verfolgten Religion über erlaubte Religion

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zur privilegierten Religion geworden. So und soll jetzt aber auch funktionieren, soll leisten, was eine Religion im Römischen Reich irgendwie musste, Stabilität generieren. So, sollte jetzt reichstauglich werden. Das Interesse war da. So darum war der kaiserliche Hof dahinterher. Man wusste auch gar nicht genau so richtig, in welchem Job er da sitzt und was das eigentlich soll, aber die Leute hatten Verfolgung hinter sich, dachten vielleicht ist es komisch, aber ein bisschen geiler als früher ist auch mit dem Kaiser hier und so fand es statt. So und wir müssen jetzt nicht in die Details, da gibt es viele Formate geradezu. Da wurde im Grunde mit Jesus alles geklärt, könnte man sagen. Wer ist dieser Jesus? Er ist Gott von Gott, Licht von Licht, gezeugt, nicht geschaffen eines Wesens mit dem Vater. Ja, ist ja mal eine Ansage. Also das ist

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mal klar. Es gab Streit, Streit im Vorfeld um die Gottheit Jesu. Ein Arius hat die These vertreten. Der fand Jesus auch sehr göttlich. Der war schon davon überzeugt, dass Jesus von einer Jungfrau geboren ist und dass er auferstanden war und dass er vor seiner Geburt schon existiert hat und dass er irgendwie auch eine Art zweiter Gott gewesen ist. Dem war es einfach nur wichtig zu sagen, Jesus ist nicht Gott wie der Vater. Gott der Vater ist ganz schlecht, Nummer eins. So, er ist der Erste. So und Jesus ist das erste Geschöpf, ein göttliches Geschöpf, ein Geschöpf vor uns allen anderen, weit über uns, weit über alle Engel. Aber er ist eben nicht Gott genauso

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wie der Vater. Ja und er sagte, es gab eine Zeit, in der es diesen Jesus auch nicht gab. Ein Pote hatte Ucain, hieß es auf Griechisch. So und spätestens bei dieser Überlegung hat die Volksseele hier und da gekocht. Vor allem in Alexandrien gab es da wütende Menschen und so und das war so ein Streit und das wollte man klären. Und man fand es sehr schlimm, sehr schlimm, dass da jemand in der Kirche ernsthaft behauptet, Jesus sei ja schon Gott, aber irgendwie eine Stufe unterm Vater. So und darauf antwortet dieses Bekenntnis. Es wird ausdrücklich verworfen, diese Position, dass der Vater Jesus vorangeht, dass Jesus quasi ein göttliches Geschöpf des Vaters ist. Es wird absolut verworfen, von Jesus wird gesagt, er sei Gott von Gott, Licht von Licht,

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gezeugt, nicht geschaffen. Das ist das interessante Ding, also nicht geschaffen. Jesus ist kein Geschöpf. Es ist auf gar keinen Fall so, dass hier Gott ist und da alle Geschöpfe und Jesus an der Spitze aller Geschöpfe, also das wollte man absolut ausschließen und sagen, hier sind Gott und Jesus und ein bisschen auch der Heilige Geist, haben wir noch nicht drüber nachgedacht, holen wir nach und hier ist die Welt und alle Geschöpfe, auch die Engel und Teufel auch, alles was es so gibt, wir sind die Geschöpfe. Das wollte man nicht und jetzt hatte man schon natürlich Vater und Sohn war biblisch vorgegeben. So und man sagt ja dann eben gezeugt, nicht geschaffen. Zeugung ganz raffiniert verstanden als ewige Zeugung. Nicht lange drüber nachdenken, lieber nicht, wenn man,

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nein aufhört, nicht lange drüber nachdenken. Ewige Zeugung und im Grunde auch respektieren, das ist ja schon klug, weil jeder nicht darüber fantasiert, sondern richtig drüber nachdenkt, merkt man, das ist eine Metapher. Ja genau, es ist eine Metapher, genau wie Vater und Sohn, Zeugung, es ist eine Metapher. So und diese Metapher zeigt, beschreibt die engstmögliche Verbindung. So und das wird dann am Ende begrifflich nochmal getoppt, homo usius, homo usius eines Wesens mit dem Vater. Und jetzt können wir uns ja ganz schlicht mal fragen, ja also schön, wir feiern das gerade 1700 Jahre in Izea, wir machen ja auch alle mit und es sind ja alle Kirchen dabei, die späteren Christusbekenntnisse, Kalzedon, also dass Jesus zwei Naturenlehre hat, unvermischt und unverwandelt, ungetrennt und ungeschieden, die ganzen orientalischen Kirchen sind ja gar nicht dabei. So, die ganzen von Syrien runter bis zu den Kopten und ganz viele haben gesagt,

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jetzt redet ihr durch, jetzt machen wir unseren eigenen Kram und so. Die sind da gar nicht mitgegangen. Also diese Nicea und Konstantinopel, das sind wirklich die ökumenischen Konzilien schlechthin. Darum wird das überall dann auch so mit allen kirchlichen Vertretern gefeiert. Und jetzt, ja, könnte man auf die Idee kommen, es ist jetzt unsinnig zu fragen, wie Paulus Jesus verstanden hat, weil die Antwort kann ja nur sein so. Also wenn wir uns seit 1700 Jahren uns einig sind, dass das so ist, dann kann ja jetzt nicht irgendein protestantischer Theologe kommen und sagen, nö, war ganz anders bei Paulus oder so. Das wäre irgendwie jetzt ultra gemein. Wenn man das so sagt, hat man vielleicht eine kleine Gemeinheit vor. Nein, und tatsächlich gehört zur Geschichte des Protestantismus auch immer ein bisschen rumzumeckern. Wir sind immer so ein bisschen so

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die Störenfriede. So wenn alle feiern, muss man immer gucken, Protestanten in Sicht oder so, zu viel doofe kritische Fragen und so. Nein, weil in der protestantischen Dogmen-Geschichte natürlich die Tendenz stark war zu sagen, gibt eine berühmte Formel dafür, das altkirchliche Dogma ist im Grunde ja schon auf dem Boden des Evangeliums so erwachsen, aber eigentlich ein Produkt des griechischen Geistes. Hier hat im Grunde griechischer Geist hellenistische Philosophie etwas gemacht und so und hätte anders kommen können. So hätte anders kommen können, kann man lange darüber reden. Es ist halt, Jesus ist im Grunde am Gipfel angekommen. Also er ist wirklich an der obersten Spitze eines Wesens mit Gott, dem Vater. Und ja, sonst aber, was er so gesagt hat, ist alles nicht bekenntniswürdig geworden. So alle Gleichnisse, Bergpredigt,

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Nächstenliebe, Feindesliebe, da hat man sich nicht so groß geeinigt. Man hat im Grunde einen monarchischen Reigen der höchsten Gottheit in ihrer dreifachen Gestalt bekannt, weil man insgesamt ja auch so in imperialer Stimmung war. Der Kaiser und die Bischöfe und die Regierung des Imperiums und Gott regiert die ganze Welt und man versteht sich, man kennt sich, man ist irgendwie eng verbunden. Das sind auch Dinge, die man in der Dogmen-Geschichte hier kritisch mitdenkt und bearbeitet. So, also man könnte sich darauf einigen zu sagen, also was Paulus über Jesus denkt, ist doch hoffentlich das, was die Christenheit seit langer Zeit bekennt. Eine Gegenposition wäre so, eine Gegenposition wäre, das Christentum ist halt doch recht bald nach seiner

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Entstehung auf die schiefe Bahn geraten. Ich habe letztes Jahr über Nietzsche hier referiert und dessen These war ja knallhart. Es gab einen einzigen Christ, der ist am Kreuz gestorben, dann wird es schnell schlimm und das ist erst der Anfang. Es wird dann immer übler eigentlich, wird eine richtige Kriminalgeschichte und so. Nietzsche ist der erste Autor einer Kriminalgeschichte des Christentums. Ich erfolge ihm da nicht und so, aber er hat ein bisschen so seine paar Punkte, da kann man schon mal darüber nachdenken. Es gibt vor allem im, sagen wir sagen, volksgächelichem, liberalen, aufgeklärten Protestantismus aber schon eine Art Gegenerzählung, die würde so aussehen, Jesus war ein Wanderprediger, jüdischer Wanderprediger und er hat klare Botschaft gehabt, Gott ist nah, Gottes Liebe, Gottes Barmherzigkeit, Gottes Reich, Gottes Herrschaft ist nahe gekommen, sie will durchbrechen, sie will uns erreichen,

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darum kehrt um, stellt euch ein auf die Gerechtigkeit Gottes und auf seine Herrschaft. So und diese Botschaft der Nächstenliebe, dieser ethische Monotheismus, diese menschenfreundliche Verkündigung, die in vielen Gleichnissen die Liebe Gottes zum Menschen und unsere wechselseitige Verpflichtung auf Barmherzigkeit begründen sollte, wurde in einem komplizierten Prozess immer mehr vergessen, man hat sich immer mehr so in einer Mischung aus Philosophie und Dogmatik gestürzt und Jesus irgendwann zum Gott gemacht, dann war er im Himmel, das war weit weg, da konnte er nicht schaden. Und dann war das eine sehr praktische Religion und für alle, die was zu sagen hatten, war es eine sehr schöne Religion, weil man hatte dann auch so Gedanken, dass alle Untertan sind in der Familie und in der Gesellschaft und im Staat und so und man soll dienen und demütig und bescheiden

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und hilfsbereit sein und vor allem Ruhe halten, Ruhe geben überall und dann können wir eigentlich sehr schön abwarten, ob der noch mal kommt, sollte bald sein, Gott zieht sich, aber machen wir uns lustig hier, also wir, die was zu sagen haben, wir machen uns schön und alle anderen sehen mal zu. Diese Theorie, ich meine schon in der Schule, das immer mal so mitbekommen zu haben, schien mir so in manchem Religionsunterricht die Quintessenz, Jesus war ein ganz netter, der hätte auch mit, was weiß ich, Gandhi und Shegur Vara vielleicht gekifft, ja, hätte Gandhi nicht mitgemacht, aber vielleicht andere irgendwie und der war ein ganz lieber und die Kirche und die Dogmatik hat ihn dann zum Gott gemacht, schade, sehr schade, aber wir heutzutage können das ja alles wegstreichen. So, ich glaube, das sind Positionen, die heute vorhanden sind, entweder klassische Dogmatik, Gott heilt Jesu, Dreieinigkeit oder Jesus, sympathischer Wanderprediger,

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war auch für Kinder und Frauen so und wirklich gute PR-Beratung, nichts Dummes gesagt in schwierigen Fragen und alles gut. Wo steht denn Paulus dazwischen? So, wie steht da Paulus drin? Wir hatten ja schon jetzt einige Vorträge, was wusste Paulus von Jesus selbst, was hat er da aufgegriffen, was hat er vertreten und naja, wir wissen, dass wir nicht so viel wissen, so in der Hintgrunde können wir das kaum sagen, sicherlich war Überlieferung da, bisschen hat er was gewusst. Die spannende Frage jetzt von unserem Einstiegspunkt wäre ja, wie hat Paulus diesen Jesus gesehen, war er Team Wanderprediger oder war er Team Jesus ist Gott? Diese Frage ist nicht so ganz einfach zu beantworten, weil bei Jesus ist es jetzt

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nicht wie bei im Johannesevangelium, wo Jesus mehrfach explizit nicht nur Gottes Sohn genannt wird, sondern quasi mit Gott dem Vater einsgesetzt wird. Da gibt es im Johannesevangelium einige sehr klare, sehr hohe Aussagen von der Gottheit Jesu. So ohne das Johannesevangelium wäre dies nizenische Bekenntnis sicher nicht zustande gekommen, lehne ich mich mal aus dem Fenster, weil hier doch einige Dinge sind, da muss man irgendwo sagen, die kann man tatsächlich auch so weiter denken. Da kann man so auch mal so ein Wort wie homo usius erfinden und man könnte es mit Johannes nicht widerliegen. Das ist bei Paulus so nicht der Fall. Es gibt nicht die Aussagen, wo Paulus klar und deutlich sagt, natürlich war Jesus Gott. So kann ja jeder mal im Kopf

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durchgehen und schnell schauen oder im Smartphone, was weiß ich, irgendeine evangelikale Apologetik seines Vertrauens befragen. Wer das schnell merken, die sind da alle spröde. Also das ist nicht paulinische Sprache. Er macht diese Zuspitzung und Behauptung Jesus ist Gott in diesem Sinne selten oder nie. Gibt ein, zwei strittige Fragen, aber unschärfe Relationen gucken wir jetzt nicht näher hin. Was man aber auch sagen muss, Paulus ist keiner, für den irgendwie klar ist, Jesus ist Kumpel Jesus. Also super Prediger, charismatisch, Prince Charming aus Galiläa, netter Typ und jetzt nicht übertreiben. Also geiler Prophet und Gott ist Gott. Das ist auch nicht bei Paulus und interessanterweise auch nicht im frühen Christentum. Es gibt ein Text bei Paulus im Philippabrief,

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den wir uns jetzt mal ein bisschen anschauen. Philippa 2, 5 bis 11 wird manchmal Christus Hymnus genannt. Soweit ich sehe, ist die Mehrheitsposition auch tatsächlich die, es geht zurück auf eine Tradition, die Paulus selbst übernommen hat. Da wird gestritten, manche sagen, lass ihn das doch selbst geschrieben haben, mein Gott. Andere sagen, nee, die Sprache ist so anders, ist es so speziell. Es spricht einfach viel dafür, dass Paulus das so vorgefunden hat. So, wenn wir das mal so nehmen als Mehrheitsposition, heißt das Philippabrief frühe 50er Jahre, irgendwo ein bisschen wird gestritten, aber zwischen 50 und 56 muss alles reinpassen. Das ist so am Ende unser Spektrum. Und älterer Text, den Paulus schon aufgegriffen hat, ja wahrscheinlich nicht die Woche davor. Alles andere ist Spekulation. Ist jetzt müßig zwischen 30 und 55 da irgendeine

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Zahl zu fühlen oder so, das bringt alles nichts. Aber ja, alt, wirklich alt. So, und in diesem Text Philippa 2 heißt es, Einleitung heißt es, also es überhaupt von der Einleitung her, denkt so, lebt so, seid so. Eigentlich, man nennt es Parinese, ein Text, der so in eine Lebensrichtung weist, dann aber wirklich interessante Dinge über Jesus sagt, nämlich so, er, Jesus, der in der, dann ist es so schwer, in der Gestalt Gottes war. So, und ja, viel, also Morphé, T-U, Gestalt Gottes, Art Gottes, Weise Gottes, so viele Varianten gibt es da nicht. So, dann geht's weiter, der Gottes Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, für eine Beute, Gott, gleich zu sein. So, hielt es nicht

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für einen Raub, für eine Beute, also hielt es nicht für etwas Errafftes, nicht für etwas, was er sich geschnappt hat, irgendeine Beute, das habe ich geschnappt, also er klammerte sich nicht daran, das ist hier die Botschaft, er, der in der Gestalt Gottes war, hielt es nicht für etwas Errafftes, klammerte sich nicht daran, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich, er entleerte sich und nahm die Gestalt eines Sklaven an. Die ältere Übersetzungen sagen immer Knecht, so, man denkt dann an Leute aus Geschichten von Astrid Lindgren und sagt, oh, der Knecht und so, aber man sollte besser an Sklave denken, so, das ist eigentlich gemeint, so, sondern entäußerte sich, entleerte

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sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an, in Gleichheit, Gleichgestalt mit Menschen geboren werdend und der ganzen Haltung, Erscheinung, Art nach als Mensch empfunden. So, das ist natürlich ein spannender Text, vor Paulus, vor Paulinisch, alt, alles weitere wäre Spekulation, aber ihr seht hier schon, Paulus setzt das bereits voraus. Jesus ist ja Mensch sowieso, niemand hat überlegt, ja, und wenn es ein Engel war und so, nee, die waren alle sicher Mensch, man konnte ihn töten, so Mensch, aber schon vor Paulus war das gegeben, Mensch geworden, in irgendeiner Weise jemand, der existiert hat bei und mit Gott und dann eben auch als Mensch auf der Erde geboren wurde. Ich

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werde das Thema übermorgen etwas vertiefen, nur man kann fragen, wo kommen denn so, wie kommt man auf so Ideen und wie können denn jüdische Autoren, jüdische Theologen sowas denken, die haben doch so einen ganz strengen Monotheismus, hört man immer, inzwischen seit einigen Jahrzehnten ist im Grunde klar, solche Ideen waren im Rahmen des Judentums denkbar, in vielerlei Hinsicht, Weisheit, Menschensohn, verschiedene Spekulationen, Engel, also das ist gar nicht abwegig, das so zu denken, aber wir sehen an der Stelle, es ist für Paulus auch klar, Jesus ist anders als wir, er ist mehr als wir, was ihn besonders interessiert ist aber tatsächlich dann diese Bewegung, er erniedricht sich selbst, wird gehorsam bis zum Tod, des Todes am Kreuz und darum hat ihn Gott erhoben zur höchsten

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Höhe und ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass ich in diesem Namen Jesu alle Knie beugen im Himmel und auf Erden und unter der Erde, das ist jetzt Luther Übersetzung, wir brauchen es jetzt hier nicht genauer. Das Spannende, was man sich bei Paulus klar machen muss, also es gibt diese Gedanken bei ihm, das ist so, dass Jesus gekommen ist, dass er Mensch geworden ist, das setzt er voraus, das hat er auch schon so kennengelernt, sein Schwerpunkt, sein Zugang zu Jesus ist aber ein anderer und das ist jetzt keine große Geheimnisfrage, was ist der Ausgangspunkt für Paulus? Ausgangspunkt von allem, was er über Jesus sagt und denkt, ist ganz schlicht eine

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Begegnungserfahrung, ist dies, dass er sich als Zeuge versteht, als Zeuge des Auferstandenen. Das ist ein Anspruch, dass Jesus ihm erschienen ist und Paulus stellt sich hier in eine Reihe, 1. Korinther 15, nennt er das, er nennt nur die Männer, gab es Gründe und so, Frauen werden in den Evangelien genannt, Paulus nennt nur die Männer, nennt dann Petrus und Jakobus, die 12, 500 auf einmal und mir zuletzt, mir, der ich war als Verfolger der Gemeinde, hätte ich es gar nicht verdient, aber mir ist er erschienen, das ist bei Paulus der Ausgangspunkt, die Auferstehung, diese Begegnung, diese Erfahrung, Erscheinungen des Auferstandenen, Erscheinung auch schwer zu scharf zu stellen, Berichte so, nie so ganz klar, irgendwie mit Sinneserfahrung verknüpft, manche sehen was, manche hören was, andere spüren was, man weiß es nicht so genau, aber das ist für ihn der

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Ausgangspunkt. So und ich finde jetzt mal einen systematischen Beitrag dazu, der systematische Theologe Ingolf Dallfert, lange in Zürich unterrichtet, hat jetzt zuletzt ein Buch dazu geschrieben, Auferweckung und da spannende These aufgestellt, die ich im Grundsatz teile. Dallfert sagt, das Christentum ist entstanden mit Geschichten der Begegnung mit Jesus, der Erfahrung des Auferstandenen, dieses Zeugnisses, dieser Jesus von Nazareth, den die Römer getötet haben, den hat Gott auferweckt, er ist auferstanden. So und das ist völlig klar, da kann man gar nicht darüber streiten, geworden ist daraus in der Geschichte zunächst ein Christentum, wo die Menschwerdung Gottes das zentrale Thema wurde, also die Frage, wer ist dieser Jesus, wie göttlich ist er? So und als

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einzig legitime Antwort galt irgendwann nur noch so göttlich wie der Vater und der Geist. Keine Abstufung, keine Differenzierung, keine wie auch immer geartete Erst und und Dann, sondern nur so homo usius mit einer inneren Relationalität, wo es einen Unterschied gibt, aber so. So und das ist lange zentral gewesen fürs Christentum. Jesus ist der Mensch geworden, ewige Gottessohn. In der zweiten Halbzeit der Christentumsgeschichte aus heutiger Sicht könnte man ergänzen, irgendwann fand man das mit dem Kreuz super wichtig. So also ab dem 11. Jahrhundert hat man da richtig noch mal Lust gekriegt nachzudenken und warum ist er noch mal gestorben? Ja, weil die Römer ihn gehasst haben und paar innerjüdische Gegner auch. Ja, aber von Gott her, können wir

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das noch mal so ein bisschen, so haben wir Worthausvorträge zu gehabt en masse, das ist ein langes Thema und Dalfats These ist nun, es ist ein kleines Unglück, dass wir 2000 Jahre Christentum im Grunde immer fokussiert haben, Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung dann immer irgendwie so mitgelaufen ist. Denn wenn wir sagen, Jesus ist der ewige Sohn Gottes und zweite Person der Trinität und Schöpfungsmittler und schon immer, das machen die Römer dann auch nicht einfach tot. Das ist dann irgendwie, ist ja normal, dass er wieder lebt. Ist ja irgendwie klar, man kann Gott nicht töten, das können Menschen nicht, das kann kein Teufel, keiner kann das. Es ist dann irgendwie so die Normalität, die Selbstverständlichkeit, natürlich ist er wieder auferstanden. Da haben sich alle gewundert und so, aber ist ja auch kein Ding. Für die frühe Gemeinde war es anders,

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für die frühe Gemeinde war es nicht selbstverständlich, dass Jesus als der ewige Sohn Gottes sowieso untötbar und unsterblich ist. Für sie war Auferstehung das große Wunder, die große Überraschung, die große Frage, was ist das denn? Dalford schlägt vor, auch heute zu sagen, wir müssten die ganze Frage eigentlich wieder dahin bringen. Und ich finde, er hat recht. So, wenn wir heute über Jesus nachdenken, ist es ein bisschen schwierig zu sagen, das erste, was du über Jesus wissen musst, ist, dass es der ewige Sohn Gottes war. Der Mensch wurde, um für dich und deine Sünden zu sterben. Das funktioniert in manchen Kreisen sehr gut. Also viele sind damit groß geworden. So, und wenn du schon mit vier Jahren hörst, Jesus ist der ewige Sohn Gottes,

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der für deine Sünden gestorben ist, manche fremdeln damit und finden das komisch, dass die Eltern immer so glasig gucken, wenn sie das sagen und kaufen es denen auch gar nicht ab irgendwie. Also es gibt es auch. Aber es gibt ja viele, für die das komplett normal wird und sie können sich keine Welt und kein Christentum vorstellen, in dem das nicht völlig normal ist. Ich fand es jetzt bei den letzten Feierlichkeiten, Nicaea 1700, immer so ganz lustig, alle sagen was dazu und so und so mehrere orthodoxe Vertreter und ganz liebe Leute und ich respektiere das überhaupt und so. Aber man merkt auch, die haben da jetzt keine Fragen dazu, sondern es wird ausdrücklich nochmal betont, was der Arius für ein schlimmer, furchtbarer Irrlehrer war. Da wird richtig nochmal gedisst und Gott sei Dank haben die Väter die Wahrheit bekannt, wie es in Ewigkeit ist. Punkt. Amen. So,

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und die Protestanten, die brauchen immer ganz lang und sagen, ja ist ein uraltes Bekenntnis, es verbindet uns ja über die Zeit, wir müssen immer gucken, was es für uns heute bedeutet und so. Aber uns ist es vom Hause aus ein bisschen fremd geworden. Woran liegt das? Ich sag mal so, Sozialisation schlägt hier jede Argumentation. Wenn du sozialisiert wirst mit der Überzeugung, es gibt einen dreieinigen Gott und Jesus ist Gott und du sagst auch nicht mein Freund Jesus oder sonst wie, sondern du sagst immer der Herr Jesus Christus und du betest auch so, du betest auch beim Essen und Herr Jesus Christus ich danke dir und du gewöhnst dich komplett daran, ja dann ist es so. Und wenn da einer Fragen hat, dann ist es ein Ketzer, ist es irgendwie ein Verwirter, ein Liberaler, irgendwas ganz Gefährliches oder so. Menschen mit einer sehr strammen Sozialisation in so einer Denkwelt haben da keine Fragen, so sie haben Aversion

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gegen Menschen, die da Fragen haben. Es gibt ja auch das Umgekehrte, also ich wurde nicht so sozialisiert. In meiner Kindheit, also so der liebe Gott wurde gelten gelassen und der Jesus war auch ein ganz Lieber, hat nette Dinge gesagt und hat wohl auch mal Kinder gestreichelt, was irgendwie sehr toll gewesen sein muss oder so. Und für mich war die Idee, also die Entdeckung, dass es Menschen gibt, die sich mit Jesus unterhalten, erst mal ein kleines Schockerlebnis, so was wie Don Camillo und Pepone fand ich ganz witzig irgendwie, fand ich auch korrekt oder so. Also warum nicht Jesus zum unsichtbaren Freund machen, man kann da viele Konflikte abarbeiten und so, fand das immer normal. Aber dass das für manche Jesus eine Beziehung war, man nennt es dann persönliche Beziehung zu Jesus Christus, für mich war das etwas ganz Unwirkliches. Und dann bin ich da

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reingeraten, aber da braucht man schon so eine mega Bekehrung, so einen massiven Schub und natürlich eine Umgebung, wo es völlig normal ist, dass die Leute immer irgendwie mal mit Jesus reden oder dass man das auch zusammen macht, so lange bis es sich komplett normal anfühlt. Aber das ist natürlich verbunden mit dem Eintauchen in eine eigene, besondere christliche Welt. Viele werden das hier kennen, andere werden das nicht kennen. Ihr könnt ja mal gucken, ob ihr beim Picknick mal so aufeinander stößt, dass ihr so ein bisschen mal abgleicht, wie normal oder unnormal ist persönliche Beziehung und Freundschaft zu Jesus Christus. Ich würde mal behaupten, für einen Großteil der Gesellschaft, die wissen gar nicht, dass so was noch praktiziert wird. Die sind völlig geschockt, wenn sie Leute im Fernsehen mit Jesus reden hören und so und sagen, naja, Tante Käthe redet manchmal

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auch noch mit ihrem verstorbenen Mann, aber das ist doch schrullig irgendwie. Warum? Was bringt das denn? Und dann so ganz, ganz komisch und so. Das heißt, diese Frage, ist Jesus Gott oder ist Jesus nicht Gott? Sozialisation macht hier sehr viel. In einer Zeit, wo wir uns fragen, hat das Christentum noch Zukunft? So wird es weitergehen. Kann man der nächsten Generation das mitgeben, ohne, ohne, dass man die nächste Generation quasi in eine Sonderwelt einhegt, wo immer schon klar ist, hier bei uns in unserer Sonderwelt, da wird Wahrheit geredet. In der Welt, in der Schule, in der Gesellschaft, im Fernsehen, da herrscht die Lüge. Da ist Jesus nicht anerkannt als Herr und Gott. Und da braucht man im Grunde nie so richtig glauben, was die sagen, weil hier. So eine solche

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christliche Sozialisationskultur produziert viele Schwierigkeiten, so viele Sonderwelten, viele abgedrehte Welten, wo man irgendwann auch bereit ist, die verrücktesten Dinge für normal zu halten, einfach weil man daran gewöhnt ist, dass du in der eigenen Welt nicht hinterfragst. In der eigenen Welt ziehen wir das durch. Also mit Dalfat würde ich sagen, tatsächlich sollten wir das im Grunde als Ausgangspunkt bei Paulus wahrnehmen, bei der frühen Christenheit wahrnehmen, dass dieser Jesus auferstanden ist, ist der Anfang von allem. Und an der Stelle fragen und schauen, so wie verstehen wir das? Wie gehen wir damit um? So ein bisschen was zur Auferstehung. Man kann sich auch daran sehr gewöhnt haben, dass man sagt, ja, und dann haben viele Leute Jesus gesehen und sie haben ihn gehört und er war auferstanden. Das war auch sehr schön. Das war eine große Freude, dass sie ihn

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gesehen haben. Wenn wir uns die Texte anschauen, die sind ja sehr unterschiedlich, sehr unergleich auch, was die nicht sind. Die sind alle nicht irgendwie gemütlich oder so, dass sie sagen, da ist er wieder. Wir haben auch darauf gewartet, weil er hat das vor seinem Tod auch angekündigt, keiner hat darauf gewartet. Nachdem Jesus gekreuzigt wurde, war überhaupt nicht die Stimmung, jetzt warten wir mal zwei Tage ab und dann geht es weiter. Das war überhaupt nicht die Stimmung, es war eine große Verzweiflung, Niedergeschlagung, Zerstreuung, alle waren weg. Und dann gab es die ersten Begegnungen. Und überhaupt mal zu fassen und zu sagen, was das ist, ist ja schon eine Herausforderung. Machen wir es uns ganz schlicht klar. Das Wort Auferweckung ist ja eigentlich

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so eine merkwürdige Verharmlosung. Auferweckung heißt ja, da schläft jemand, ich wecke ihn auf. Ist ja eigentlich ein Gleichnis. Auferweckung, bin dreifacher Vater, wie oft habe ich morgens Menschen auferweckt? Also Alltags, ich wecke ständig morgens Menschen auf. Das ist die eigentliche Bedeutung von Auferweckung. Klopf, klopf, gleiche Schule, bist du fertig oder so? Wir sind ja alle Auferweckungsprofis und an der Stelle merken wir, die ganze Kiste mit Jesus ist ja gar keine Auferweckung. So, jetzt kann man überlegen, ja, stimmt, ist auch keine Wiederbelebung. Wir haben ja ärztliches Personal unter uns, die schon viele Menschen wiederbelebt. Aber das ist nicht die Botschaft zu sagen, ja, Jesus, dem ging es so schlecht, er wurde schon für tot behalten. Gott sei Dank wurde er dann wiederbelebt. Irgendwie. Nein, auch das ist ja überhaupt nicht die These, sondern

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ja, was genau? Es gibt gar kein Wort dafür. Man könnte auch sagen, es steht auch das Wort da. Ja, ich stehe jeden Morgen auf, jeden Morgen. Und wenn ich mittags müde bin, stehe ich zweimal täglich auf. So, also ja, auch so. Es gibt ja nicht mal ein Wort im Neuen Testament für das, was mit Jesus passiert ist. Auferweckung, Auferstehung sind ja Bilder, sind Metaphern. Es sind Wörter aus der Alltagswelt, jemanden wach machen, so aufstehen. Was mit Jesus passiert ist, entzieht sich der Sprache, so er war tot und er lebt wieder. Und dieser Weg vom Tod zum Leben ist keine Wiederbelebung. Er kehrt nicht zurück. Er kehrt nicht zurück ins alte Leben, Restlaufzeit wieder dramatisch hochgeschraubt. Nein, es beginnt ja, was genau beginnt? So, und das ist für die

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damalige Zeit nun das Interessante, die Enderwartung, alles komplizierte Kiste. Es gab da im Judentum nicht mal Konsens. Sadduzea zum Beispiel, Tempelpartei, hat sich vor allem an die Thora fünf Bücher Mose gehalten. Ja, da ist mit dem Tod Schluss. So in den fünf Büchern Mose, da gibt's nirgendwo eine Beerdigung, wo man sagt, Jakob ist tot. Ja, schade, aber wir sehen uns bei der Auferstehung. Halleluja. Nirgendwo. Nirgendwo bist du tot. Bist du tot. Das war's. Dann wirst du, versammelst du deinen Vätern. Dann bist du da irgendwie in der Sheol oder so. Aber du bist weg. Weg. Da ist auch gar nichts im Blick. So, es gibt im Judentum diese Haltung, die sagt, also unsere wirklich heiligen Schriften geben da nichts her. So, und es gibt die pharisäische Gruppe, die spätere jüdische Schriften auch anerkennt als wirklich heilig und Kanon gibt's noch nicht,

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aber so quasi quasi kanonisch. Für die ist Erwartung der Auferstehung etwas ganz Entscheidendes. So, und da könnte man jetzt Jesaja und Daniel, aber auch spätere Texte, Ädiopische, Henoch, Maccabea Buch, solche Texte nennen. Es gibt im Judentum eine Erwartung. So, und diese Erwartung aber bezieht sich auf eine neue Welt Gottes, ein messianisches Reich, so eine neue Zeitrechnung, ein neues Zeitalter. Und zu dieser neuen Heilszeit Gottes gehört auch Auferweckung der Toten, der Gerechten, manchen Texten also längst nicht alle Menschen, ja was soll man mit denen, viele will man gar nicht wiedersehen, aber die Gerechten, so diese Erwartung gibt es, aber Auferstehung in diesem Sinne und neue Welt Gottes, Reich Gottes gehört zusammen. Darum sind diese Begegnungsgeschichten

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mit Jesus so verstörend, was eigentlich illegal ist. Es gibt keine, es gibt überhaupt keine biblischen Texte, wo irgendein Einzelner einfach mal so sagt, ich fange das Ganze mit der Auferstehung schon mal an, ich habe keine Geduld, ich fange schon mal an irgendwie. Das ist nichts, was man so auf dem Schirm hatte, das ist eine Singularität. Das ist irgendwie etwas Neues. So, und von Jesus, von diesen Jesusbegegnungen zu sagen, das ist Auferstehung, war für die frühe christliche Gemeinde von Anfang an mit der Überzeugung verbunden. Hier ist nicht ein Wunder passiert, wie wir viele Geschichten von Jesus haben. Hier geht es nicht um ein singuläres Ereignis jetzt an

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Jesus selbst, sondern hier geht es um das Heilshandeln Gottes, den Anfang der neuen Welt Gottes. Hier geht es um die messianische Heilzeit. Hier geht es um etwas Universales und es beginnt mit diesem Jesus. Aber diese Auferweckung Jesu ist der Anfang des Endes und der Erneuerung von allem. Das ist das Spannende, das ist das Besondere. Darum kann Paulus an vielen Stellen sagen, er ist der Erstling, so er ist der Erstgeborene, der Erstling von den Toten. Und das, was bei Jesus hier begonnen hat, das ist im Grunde Anfang der Heilzeit, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils, zweiten Korintherbrief, das hat in Jesus begonnen, das ist die große Geschichte. Und von diesem Ausgangspunkt her hat sich dann alles weitere entwickelt, was man über Jesus gesagt, getan, gedacht hat. Höchstwahrscheinlich auch,

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was heißt höchstwahrscheinlich, also sicher, sicher auch, würde ich sagen, diese Überlegung, wie müssen wir uns das jetzt vorstellen? Jesus ist auferweckt, er ist der Auferstandene, er ist der Herr, er ist der Kyrius und er ist erhöht, wo ist er jetzt? Er ist bei Gott, so er ist jetzt in der göttlichen himmlischen Welt, wie auch immer, so er ist jetzt bei Gott. Aber was heißt das denn für Gott? Wie muss man sich das jetzt vorstellen, dass dieser Jesus auferweckt bei Gott ist? So, ich spekuliere mal, das wäre jetzt eine merkwürdige Vorstellung, dass Gott auch manchmal sagt, ich muss mich echt an den gewöhnen irgendwie, weil die ganze Ewigkeit hier allein, immer wenn die Sonne aufgeht, Jesus sagt guten Morgen, zucke ich zusammen, weil ich muss mich

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gewöhnen, also das bin ich nicht gewöhnt, die ganze Ewigkeit kam ich gut klar, jetzt ist, ja, aber schön, dann wollte ich so, man merkt schnell, wenn man das so spekuliert, ne, fühlt sich komisch an, fühlt sich komisch an, die ganze Idee, es liegt nahe zu sagen, wahrscheinlich ist Gott nicht davon überrascht, dass jetzt Jesus auch da ist, da muss doch ein ganzer Plan, da muss auch eine lange Idee, das muss doch eine ganz lange Geschichte sein. So, und wenn Gott diesen Jesus von den Toten auferweckt hat und ihn erhöht hat und er der Herr ist und er jetzt zu rechten Gottes, dann ist das, was wir doch jetzt bekennen, nichts, keine Revolution im Himmel, wo auch die Engel völlig blass sind und sagen, wem gehorchen wir denn jetzt hier, nein, das muss ja im Grunde jetzt etwas sein, was eigentlich schon immer von Gott her so gewesen ist, na ja und dann,

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dann liegt es nahe zu sagen, na, dann ist es irgendwie naheliegend, dann war Gott auch vorher nicht ohne Jesus. So, dann ist dieses Gottvater und Jesus kein neues Verhältnis, sondern eins, was schon immer ist. So, diese Idee ist sehr früh in den christlichen Gemeinden da. Man kann über die Weisheit, über Menschensohn, also auch verschiedene Vorbilder finden, auch im jüdischen Denken dazu. Ich möchte jetzt schauen mal auf die Frage, es ist für viele heute ja immer noch eine etwas verblüffende, komische Geschichte. So, also mein junges atheistisches Ich hätte gesagt, ich sehe schon, dass das Christentum eine große Nummer geworden ist, kann sich daran gewöhnen, aber es ist auch so ein bisschen eine verrückte Geschichte irgendwie. Also da ein Gott und da hat

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er einen Sohn und dann ist er auf Erden und so ist das irgendwie normal. Wie kann man sowas glauben? Wie kann man sich da so reinsteigern, dass man sagt, das ist irgendwie etwas, das kann man glauben, das kann man, da kann man drauf vertrauen? Zunächst mal möchte ich fragen, wie hat man es denn damals vermocht, damals sich darauf einzulassen, dass das irgendwie eine Geschichte ist, nicht nur für Juden, sondern ja für Menschen aus dem Paganenraum, für griechische, römische Menschen. Ich kann mich jetzt an einer Stelle kurz halten, wir hatten glaube ich in jedem Vortrag bisher immer wieder deutlich gesagt, Paulus war Jude und in allen seinen neustestamentlichen Texten, in seinen Briefen legt er darauf Wert, dass er das immer auch noch ist und dass es seine jüdische Überzeugung ist,

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dass Gott, der Gott Israels, diesen Jesus, der Jude war und ist und der zugleich Gottes Sohn ist, dass er ihn von den Toten auferweckt hat. Philippa 3 ist so ein Text, wo Paulus das auch noch mal ganz deutlich klar macht, wo er sagt, ich wurde am achten Tag beschnitten, ich bin aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräer, ein Pharisäer, ein Eiferer und er sagt, dass das bin ich, so ich bin Jude. Und die spannende Frage ist, wie kann denn so etwas, was so in seiner jüdischen Richtung einigen eingeleuchtet ist, auf einmal überspringen? Wie kann das interessant werden für Menschen, die sagen, schön, ich gönne dir auch, du hast Freude daran. Also es ist freudig, dass du so glaubst und da können wir gönnen, auch als Griechen und Römer.

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Aber ist eine komische Geschichte. Und für mich, also auch das Ganze Abraham, Isaac und Jakob, ich fühl's nicht, kleines Land, nicht besonders erfolgreich, haben irgendwie schon bessere Zeiten gehabt, aber ist nicht mehr viel mit los. Was soll ich damit anfangen? Ich möchte dem Philippabrief an dieser Stelle mal folgen und an einer Stelle zeigen, wie Paulus selbst diesen seinen Glauben jetzt vermittelt in Kreise hinein, die ganz anders sind als er. Nun, wir nehmen hier mal die Gemeinde aus Philippi, dies in der Hinsicht interessantes Beispiel, sondern sich da kurz klarmachen muss, aber auch nicht allzu klar für unsere Zwecke. Philippi klingt irgendwie griechisch. Es ist eine römische Kolonie. Das gab's, die Römer hatten da so ihre ganz eigene Art. Und im Römischen Reich

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ist ja speziell, erst sind also Römer, Römer. Irgendwann waren Römer, Römer. Dann waren aus heutiger Sicht Menschen, die da, wo heute Italien ist, gelebt haben, waren dann auch Römer. Irgendwann waren alle Römer. Irgendwann war das ganze Römische Reich neuntester männliche Zeit irgendwo dazwischen. So, es gibt Römisches Reich und römisches Bürgerrecht. Das ist aber gar nicht mehr so gebunden an die Stadt Rom, auch nicht an Italien, zum Beispiel Paulus selbst. Paulus selbst war ja römischer Bürger, haben wir letzte Tagung viel zu gehört, möglicherweise höchst wahrscheinlich, je nachdem. Und in Philippi war es so, das war eine ganze Siedlung, ja, so ganze Stadtgründung, die im Grunde von und für Menschen in römischen Dienst extra gedacht war. Das war so eine Expat-Enklave, würde man in der Schweiz sagen. Da gibt's auch halbe Städte, da spricht keiner mehr auch nur irgendeine Art von Deutsch, sondern Indisch oder Englisch oder

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sonst was. Und diese Leute hatten eben besondere Privilegien, hatten römisches Bürgerrecht. Aus heutiger Sicht, kleine Nebenbemerkung, ist es ja durchaus interessant, dass hier die Zugehörigkeit zum Volk und Bürgerrecht bei den alten Römern überhaupt nicht ethnisch gedacht war. Ist eigentlich sehr interessant, sich das mal klar zu machen. Also selbst die alten Römer haben das Römersein nicht gebunden an die Hautfarbe oder an die Herkunft oder wo du wohnst, sondern war Privileg. Und du kamst doch gar nicht so einfach dran und musstest auch manchmal viel sagen. Also man kann die Römer hinterfragen. Aber es ist viel weniger bescheuert als rassistische und völkische Ideologien unserer Zeit. Die fallen weit hinter die alten Römer zurück. Das muss man auch mal sacken lassen zwischendurch. Und man kann da eben, also man muss bei den Römern immer sagen, es war eine sehr

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hierarchische Gesellschaft und sie hatte eine sehr klare Spitze und dann einen kleinen Kreis um die Spitze und dann noch eine. Es gab immer weitere Kreise und irgendwann bei den untersten Männern kamen irgendwann Frauen und so und dann noch die Kinder und dann Sklaven und Fremde und diese Schichtung und Hierarchie war insgesamt ja sehr stark. So und das ist in Philippi sehr präsent, diese ganze Frage mit dem Bürgerrecht. In Philippa 3 beschreibt Paulus zunächst mal seine jüdische Existenz und wo er Herr ist und wofür er steht und dann seine Christuserkenntnis und seine Botschaft und wir werden auf diese Verse kommen und ich möchte jetzt schon mal zum Ende vorlaufen. So er blickt am Ende aus und sagt wir aber sind ja Bürger im Himmel oder wir haben unser Bürgerrecht im Himmel, Politeuma und von daher erwarten wir auch den Heiland, den Retter, den

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Kyrius, Jesus Christus, so der unseren sterblichen Leib, geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde mit seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann. Bleiben wir mal bei dieser Hoffnung stehen. Also wir sehen hier auch wieder am Ende Auferstehungshoffnung ist der Ausgangspunkt. So Jesus ist der Herr, er ist der Erhöhte, so er ist im Himmel, so und die Erwartung besteht, dass wir verwandelt werden, dass er unseren Leib verwandeln wird, ja in so was hinein wie sein verherrlichten Leib, seine neue Leiblichkeit für Juden, für die jüdische Denkwelt gibt es keine platonische reine Seelenwelt, also eine leiblose, geschmacklose,

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berührungslose, rein geistige Welt in der Seelen wie Quallen aus Rauch oder so rumwabern und vielleicht Gedankenaustausch haben oder so, da würden die sagen komm gib mir die Schul zurück, da liege ich lieber bei meinen Vätern, da ist wenigstens die Erde noch warm als irgendein Gas-Himmel oder so, lassen wir mal. Nein, also es war immer natürlich die Erwartung verherrlichte, vervollkommte Leibhaftigkeit, die lebendig ist, voller voller Schönem und Guten, so und die Erwartung ist nun, also wir werden verwandelt werden, wir werden Christus gleichgestaltet, wir werden ihm ähnlich sein, so er, er wird sich alle Dinge untertan machen, wir rufen ihn jetzt schon als Herrn an, so einmal werden sich alle Knie beugen, Philippa 2, das Kapitel davor und

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seine Herrschaft wird nun anders sein, seine Herrschaft wird eine sein, wo alle Bürgerrecht im Himmel haben. Gottes Herrschaft wird nicht mehr eine Schichtentorte sein mit kleiner Spitze und großem Abgrund, so es wird nicht mehr eine hierarchische gegliederte Welt sein, sondern es wird eine sein, wo wir alle dazugehören, wo wir alle eine eigene Zugehörigkeit haben und nicht mehr gespalten sind, in die mit Bürgerrecht und nicht mit vollem Bürgerrecht und schon von Geburt an oder erworben oder frei oder freigelassen und all die ganzen komplizierten Dinge, selbst als freigelassener Sklave war man ja lange noch nicht frei, war ja auch lauter komplizierte Regeln, so

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diese Erwartung dieser Formulierung Bürger, Bürgerrecht im Himmel nur an dieser Stelle, spricht Paulus etwas an, was im Römischen Reich die meisten gefühlt haben, wie anstrengend es ist in einer hierarchisch geschichteten Welt, wenn man nicht ziemlich hoch oben ist und hier mit der Hoffnung zu leben, wir werden einmal alle Zugehörige sein, einmal gehören wir alle dazu, einmal haben wir alle unseren Platz, unseren Ort, einmal sind wir alle sicher, einmal sind wir alle geschützt. Bürgerrecht war so eine Art Schutzmantel, als Paulus in Not war, hat er sich auch gefreut zu sagen, bürgerrömisches Bürgerrecht, jetzt nutze ich es mal, eigentlich eine ganz schöne Sache, so ein Schutzmantel hätte jeder gern. Bürgerrecht ist ein Schutzmantel, ist verbriefte Zugehörigkeit, macht eine besondere Würde und Ehre

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aus, darüber zu verfügen. Das gehört zu den attraktiven Dingen der christlichen Botschaft damals, zumal dazu ja auch gehörte, diese Gleichheit und Zugehörigkeit aller betrifft tatsächlich alle hierarchischen Gefälle, die es gibt. Galater 3,28 kann Paulus das durchgehen, er sagt, die Unterscheidung von Freien und Sklaven in Christus nicht mehr. Der ganze Philemonbrief respektiert die soziale Realität, es wird respektiert, aber es wird subversiv daran gearbeitet, Onesimus der Knecht und Philemon der Besitzer, so Paulus respektiert das Verhältnis, aber im Grunde macht er dem Philemon schon klar, für mich seid ihr Geschwister, für mich seid ihr beides Brüder und kriegen wir nicht freiwillig in Liebe

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ein Arrangement, wo das soziale Gefälle dieser Welt überboten wird von unserer geschwisterlichen Gleichheit der kommenden Welt. So, das ist für Menschen, die keine Freien sind, ein super attraktiver Brief. Ich weiß nicht, wie oft hier so die meisten den Philemonbrief durchlesen und sagen, es ist so geil, es tut mir immer wieder gut und so, weil ihr seid da, ihr seid alle frei. Ich würde es empfehlen, einfach mal lesen und sich vorstellen, was macht das für einen Unterschied, so eine solche Gleichheitsperspektive zu haben. Galater 3,28 geht es auch durch mit Männern und Frauen, das hat selbst Paulus nicht immer so ernst genommen, wie man es hätte nehmen können, dass hier auch dieses Gefälle nivelliert wird, aber auch, ja, die Griechen und Juden und so, also alles Ethnische, alles nationale

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Gefälle von den eigenen und den Fremden. So, das ist eins der Dinge, die für Paulus eine große Rolle spielen und für die frühe Christenheit tatsächlich eine Hoffnung sind. Darauf hoffen, darauf warten wir und diese jüdische Verheißung, diese jüdische Verheißung eines Reiches Gottes, einer Herrschaft Gottes, in der alle Menschen zugehörig sind, als Geschwister leben können, als Gleiche, das war für sie in der Tat eine große Hoffnung, eine große Verheißung. Wir sehen, wie Paulus es hier gelingt, eine Hoffnung, eine zutiefst jüdische Hoffnung und eine christliche Hoffnung zu übersetzen in eine Sprache, die Menschen in Philippi verstehen, die für sie relevant ist. Es ist für sie relevant,

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eine Hoffnung zu haben, eine Hoffnungsperspektive in ihrer Sprache von ihren sozialen Erfahrungen her an die sie andocken können. Ich halte diese Perspektive auch für uns heute für wirklich spannend, für wirklich interessant. Man könnte es ja jetzt so darstellen und sagen, ja und das Christentum und so hat ja manchmal einen schlechten Ruf, aber wenn man es genau liest, es gibt ein paar schöne Verse in der Bibel, wo man sagen könnte, so was wie universelle Menschenwürde und universelle Gleichheit aller Menschen, das gibt es da auch schon in Ansätzen und wir haben das ja heutzutage zum Glück im Grundgesetz und wir haben das in den Menschenrechten und bei uns ist ja alles durch, aber dass das Christentum so ein bisschen zur Vorgeschichte gehört hat, ja man muss gönnen können. Ich habe das auch mal so kennengelernt und dachte, ach ja und das ist dann so ein Blick aufs Christentum, wo man sagen könnte, ah ja doch auch nice, nice, also ganz

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nett, ganz schön, dass das Christentum zur Vorgeschichte unserer wunderbaren Welt der Freiheit und der Gleichheit, der Würde und der Rechte aller Menschen gehört. Ich habe so ein bisschen das Gefühl in den 90er und Nuller Jahren hatte man so den Eindruck, also es soll am Ende der Welt hier und da noch schwierige Länder geben, der Kapitalismus wird sie alle retten, die werden alle so spitz sein auf McDonalds und Coca-Cola. Es ist im Grunde noch kleines bisschen und so. Unsere Kinder werden in einer Welt leben, wo nur noch Demokratien existieren, man wird das für normal halten und Geschichtsbücher gelten als Archive des Irrenhauses früher und alles ist gut. Wir leben 2025, wo man vielleicht ein Gefühl dafür kriegen kann, es wäre schon schön, die Hoffnung behalten

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oder gar wiederbeleben zu können auf eine Welt, in der alle dazugehören, auf eine Welt ohne Drinnen und draußen, auf eine Welt ohne Abstufung, auf eine Welt, wo es Vollbürgertum für alle gibt, für alle hier in dieser Perspektive, für alle, die sich an diesen Christus, die sich an diesen Gott halten. Das ist sein Reich, dass seine Kinder alle dies haben und sind. Mir scheint das auch heute wieder eine sehr attraktive und wichtige Sache zu sein. Es ist ja, wenn man es so nennen will, eine Art ethischer Universalismus hier formuliert. Wir sind alle Bürger des Himmels, wir sind alle vor Gott freie und gleiche miteinander. So dieser ethische Universalismus ist kein Selbstläufer. Letzten 20 Jahre haben wir viele Bewegungen in der Welt gemerkt, wo im Grunde klar ist,

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es steckt sehr tief drin, dass sich festkrallen an Privilegien derer, die irgendwie Vorrang haben. Mehr Besitz und mehr Stand und mehr Ehre und mehr Rechte und mehr Geld und mehr Besitz und eben Privilegien aller Art. Das ist für die immer auch schön, dass sie nicht so viel teilen müssen, so aber eine Hoffnung auf eine Welt für alle wäre natürlich wirklich etwas Spannendes. So und an dieser Stelle möchte ich mal schauen, was hat denn Paulus mit dieser Hoffnung weiter verbunden? Was ist in seinem Christusglauben noch mit drin, als eine Perspektive mit diesem Jesus hat etwas begonnen, eine Heilszeit, eine neue Welt, eine Welt der Gerechtigkeit, eine Welt des Friedens

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und Gott will diese Welt, seine Herrschaft, sein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit für alle vollenden. Was bietet Paulus noch dazu? So das ist der Punkt, wo wir jetzt noch mal näher reinschauen. Was hat denn Paulus über Jesus, über Christologie, wie immer man es nennen möchte, was hat er dann noch für Überlegungen gehabt? Ich möchte das auf zwei Perspektiven bringen, die Paulus mit dieser Heilsoffnung verbindet. Das eine, die eine Perspektive Paulus war der Überzeugung, ja alle Menschen sind in irgendeiner Weise in Sünde, Sünde, Verlorenheit, Trennung von Gott in irgendeiner Weise ist für alle das Thema und Umkehr, Umkehr, Buße, Reue, wie immer man es nennen möchte, ist eine

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große Einladung zu Gottes und Jesu Christi und des Evangeliums. Umkehr ist ein großes Thema. So und das zweite Verwandlung, Erneuerung. Ich möchte diesen beiden Themen durchgehend noch mal anschauen, weil man kann sie auch leicht in einen falschen Hals kriegen. Ich gehe also in Philippa 3, wieder ein paar Verse zurück, geht es mal zu Vers 7. Direkt davor war ein Abschnitt, wo Paulus noch mal klarstellt, also ich bin Jude, mehr Jude kann man gar nicht sagen, wir müssen nicht eine Föri sehr eifere und dann sagt er nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen. Das ist durchaus wichtig, es gab eine lange Auslegungstradition, wo man so irgendwie das Gefühl hatte, Paulus hat sein ganzes Leben gesäufzt und geächtzt unter der Last des Gesetzes. Er hat das Gesetz als etwas Bedrückendes empfunden, er hatte schlimme Schuldgefühle und war

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super erleichtert, als er irgendwie gehört hat, Vergebung der Sünde ist eine Option. So an der Stelle muss man sich klar machen, das ist eine Projektion einer bestimmten lutherischen Auslegung, reformatorischen Auslegung, eigentlich Probleme, die im Spätmittelalter erst entstehen, dass Menschen intensiv anfangen zu leiden an Schuldgefühlen und die durch Paulus Auslegung behoben werden können. Das ist im Spätmittelalter und in der Reformation echt ein riesen Ding. Es ist nicht das Problem, was Paulus hatte. Paulus hat überhaupt nicht gelitten an Schuldgefühlen, weil er das Gesetz befolgen will und es nicht schafft. Man kann das auch ganz einfach und schlicht erklären, für Paulus ist das Gesetz befolgen, tun was es sagt. Im Spätmittelalter und bei Luther gab es dann den Dreh, das Gesetz befolgen ist nicht nur tun was es sagt, sondern es gerne und mit

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Freuden tun. So und im Grunde also nicht dem nächsten helfen oder so, sondern immer fragen danach, Moment, warum habe ich jetzt jemanden irgendwie, weiß man sich, ein Glas Wasser gebracht, habe ich es gerne und mit Freuden gemacht, um zu dienen, möglich so, dass er es gar nicht merkt oder wollte ich vielleicht gut dastehen, wollte ich vielleicht connecten oder bonding oder wollte hier irgendwie auch gesehen werden dabei und so. Oh, dann kann man da abstürzen. So und das ist die spätmittelalterliche reformatorische Problem, dass man bei allem Guten, was man tat, angefangen hat, wahnsinnig in sich rein zu fühlen, tu ich es aus reiner Liebe oder tu ich es einfach so aus einer gemischten Motivlage. So und die heutige Empfehlung müsste sein, forscht nicht zu tief nach, das bringt alles nichts, mach einfach, mach das machen, also helft doch einfach und fragt

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dann nicht, ja warum habe ich jetzt noch mal geholfen, wollte ich vielleicht auch ein bisschen mich besser fühlen dadurch, dass ich anderen helfe oder so. Ja dann ist es so, war nicht schlimm, dann fühlst du dich besser, weil du anderen geholfen hast. Weil was denkst du, wird jetzt Gott explodieren vor Wut, vielleicht gar nicht so. Also das war nicht das Problem von Paulus, darum hat er auch gar nicht so dieses ständige Leiden an Schuldgefühlen, weil er Gebote nicht befolgen kann. Das heißt bei Paulus aber jetzt keineswegs, dass er der Überzeugung war, also habe ich mit Sünde nichts zu tun. Die Fortsetzung zeigt es ja, er sagt, was mir Gewinn war, habe ich um Christi Willen für Schaden erachtet, ja ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu meines Herrn, um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden und ich erachte es für Dreck,

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auf das ich Christus gewinne. Das Wort Dreck, manche sagen, es könnte auch scheiße heißen, aber ist nicht ganz sicher, vielleicht ist es auch wirklich Unrat oder Kot oder irgendwas, was man besser nur flüstert und so, aber es ist ein Kraftausdruck, also eine drastische Reduzierung. An dieser Stelle wichtig, wichtig, wichtig, wichtig, diese Distanzierung betrifft nicht sein Judentum oder irgendeine jüdische Form von Gesetzesgehorsam oder irgendwie etwas, was an der Thora oder am Jüdischen oder sonst wie problematisch ist, gar nicht. Paulus schreibt es mit dem Selbstverständnis, das als Jude so zu schreiben, er spricht hier von sich, so er spricht es von sich, weil ihm natürlich klar ist, dass er die Gemeinde verfolgt hat, ja war falsch, war falsch, also er erkennt ja bei sich eine Verblendung, so er sieht, ich war verblendet, ich war verblendet, ich habe diese Leute schlecht

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über sie geredet, ich habe ja nicht massenhaft Leute umgebracht, das geben die Quellen gar nicht her, aber er war aggro, so er war aggro gegen Menschen, von denen er der Überzeugung war, dass sie in ihrem Glauben irgendwie nicht mehr richtig ticken oder so und er sieht, es war falsch, es war falsch und jetzt hat er eine neue Mitte, eine neue Erkenntnis in seinem jüdischen Glauben, eine neue Erkenntnis, dass Gott in der Auferweckung dieses Jesus im Grunde deutlich macht, hier, hier ist der Ort, hier ist der neue Halt, hier ist der Punkt, wo wir im Grunde uns festmachen können, dass Gott sich uns zuwendet, so Paulus setzt dann fort, ich erachte es alles für Dreck, auf das ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die

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durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit von Gott für den Glauben oder durch den Glauben. Das hatten wir ja vorhin im Vortrag von Jens Schröter, ihr erinnert euch alle, doppelt hält besser, macht ja nichts, kann ja nicht schaden, so an der Stelle muss man auch genau aufschauen. Ich selbst bin, mein Erststudium oder mein Studium war meine Erstbegegnung mit einer sehr bultmanianischen Auslegung, so ein richtigen Bultmann-Schüler gehört und es gab in der bultmannischen Auslegung davon so einen bestimmten Zungenschlag, dieser Zungenschlag war so, dass es hier im Grunde ganz klar war, Paulus hat verstanden, dass Sünde in Wahrheit nicht erst das ist, wo du ein Gebot verletzt, sondern das Wesen der Sünde ist, durch gute Taten, durch Gesetzesgehorsam vor

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Gott gerecht zu werden. Das Wesen der Sünde ist der Stolz, aufgrund eigener Leistung, eigener Taten, guter Werke vor Gott bestehen zu können. Ich habe das auch viele Jahre geglaubt, weil Luther schreibt genau dasselbe und habe gesagt, ja genau, hier steht es ja, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit aus dem Gesetz, sondern, mit Luther gesprochen, die fremde Gerechtigkeit, die rettende Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit als Gabe, die mir geschenkt wird und wenn ich das verstehe, dass Christi-Gerechtigkeit meine eigene eigentliche Gerechtigkeit ist, dann sehe ich, dass jeder Versuch der Selbsterlösung des Lebens aus den Werken, aus dem Handeln, aus dem Tun, dass das im Grunde schon Sünde ist. So heute, so weit ich sehe, ist man in der Exegese einig, das ist doch das Problem, wenn Leute mit zu viel lutherischen Bekenntnis sich irgendwie sicher sind, ja Paulus wird doch wohl gedacht

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haben, was Luther gedacht hat, sonst wäre die ganze Reformation ja gedobt. Das wäre ja eine Schande, wenn wir als protestantische Theologen irgendwann erkennt, die ganze Reformation hätte man sich schenken können, weil da waren die Katholien ja näher dran, das kann nicht sein. Ja, aber unterm Strich, man kann jetzt da lange Schnütchen ziehen, aber diese Zuspitzung zu sagen, diese Strebe nach eigener Gerechtigkeit aus dem Gesetz und so, das ist bei Paulus hier offenbar gar nicht der Punkt. Er beschreibt hier keine falsche Gesetzesfrömmigkeit als das Problem, er hat da einfach nicht diese ganze Denkweise, dass Orientierung am Gesetz falsch ist. Orientierung am Gesetz ist einfach, ja natürlich, was denn sonst? Es gibt genug paulinische Stellen, vor allem im Römerbrief, im Römerbrief klärt er das am ausführlichsten, dass wir natürlich, dass all das

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ethisch Relevante und was man machen kann, natürlich tun wir, was das Gesetz da tut, weil es gut ist, weil es funktioniert und weil das Leben gelingen ist und es ist überhaupt kein Problem, sich am Gesetz zu orientieren, das ist hier nicht das Problem. Was ist es denn? Kein Problem des Gesetzes, auch kein Problem des jüdischen Zugangs. Ich glaube aber schon, dass man es hier auf einen Begriff bringen kann, Selbstgerechtigkeit, Selbstgerechtigkeit, ein Fixiertsein auf sich, auf das eigene Recht haben, auf die eigene Überzeugung, die fixiert gesetzt wird, so und das ist ja nun etwas, was auch im Alten Testament, in der hebräischen Bibel, ein Riesenthema ist, auch in der Prophetie, immer wieder das Einschärfen, ihr werdet von Gott nicht geliebt, weil ihr so ein tolles Volk seid oder so ein großes Volk oder weil ihr so wunderbare Sachen

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macht, so, Gott hat ein bisschen Mühe auch mit euch, Gott liebt euch, weil er euch erwählt hat. Das ist eine urjüdische Überzeugung, dass Israel nicht Gottes Volk ist aufgrund diesem und jedem, sondern aufgrund der Erwählung, aufgrund des Bundes, aufgrund der Verheißung, aufgrund der Zusage und das Leben im Gesetz ist kein, auch kein nachträglicher Versuch, sich das zu verdienen. Es ist ganz schlicht eine geschenkte Weise, in dieser Bundestreue Gottes zu bleiben und nichts ist daran falsch, falsch ist aber das Bewusstsein für den Geschenkcharakter der Gnade zu verlieren. So und das ist etwas, was Paulus offensichtlich bei sich hier auch entdeckt, er merkt, er hat eine Zeit lang in seinem Leben Menschen verfolgt und schlecht angesehen und übel über sie geredet und versucht,

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ihnen zu schaden, bei denen er irgendwann gemerkt hat, ja, aber die haben recht. Was die über Jesus sagen, das ist die Wahrheit. Gott hat ihn auferweckt und ich habe mich gegen sie gewandt, in der Überzeugung, die Wahrheit Gottes gegen diese Menschen verteidigen zu können. Ich war absolut überzeugt, dass ich das für meinen Gott und für mein Volk und für die Thora und für den Bund und so, ich hatte die besten Motive, gegen diese heretischen Leute zu kämpfen. Und jetzt sehe ich, es war nicht Gottes Kampf, es war meine Selbstgerechtigkeit, die mich da reingestürzt hat. So diese Sündenerkenntnis, diese Erkenntnis des eigenen ihr Wegs, das ist für Paulus offensichtlich

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verbunden mit der Erkenntnis, Gottes neue Welt beginnt mit der Auferstehung Jesu und das Leiden und Sterben Jesu hat zu tun mit Versöhnung, mit Rechtfertigung, mit Sühne, so und in unterschiedlichsten Bildern und Metaphen wird es beschrieben, er ist gestorben um unserer Sünde willen. Und das gehört bei Paulus zum Zentrum seines Evangeliums. An Jesus Glauben heißt, ihn als den Auferweckten zu bekennen und man kann nicht an Jesus glauben, man kann Christus nicht erkennen ohne Selbsterkenntnis, ohne kritische Selbsterkenntnis die Gnade Gottes nötig zu haben, die Gnade Gottes, die uns in Christus am Kreuz, die uns in der Versöhnung,

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in der Rechtfertigung zugesagt wird, nötig zu haben, sie annehmen zu dürfen, in dieser kritischen Selbsterkenntnis Sünder zu sein. Jetzt könnte man sagen, ja ist das attraktiv und so. Ja, finde ich, ich finde selbstgerechte Menschen haben die Menschheit schon viel zu oft in wer weiß was für Abgründe gestürzt. Ich finde es sehr attraktiv in einer Menschheit zu leben, wo die Bereitschaft zur selbstkritischen Hinterfragung selbstverständlich ist, wo es dazu gehört zu wissen, wir alle sind verführbar, wir alle können scheitern, wir alle können fallen. Paulus, bei Paulus ist Sündenverständnis nicht das, was in der Kirche später daraus wurde, also dass wir alle Schweine sind, dass wir alle böse Tiere und irgendwie nur Böse von Jugend auf und hassen und so. Also

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spätestens ab Augustinus gibt es ja ein so düsteres Menschenbild, wo man das Gefühl hat, Menschen, also wenn sie morgens tief Luft holen, haben sie schon wieder gesündigt und das ist einfach nicht das Sündenverständnis des Paulus, das ist es einfach nicht. Diese komplette Schwarzzeichnung des Menschen, diese rein negative Anthropologie ist nicht das christliche, biblische, paulinische Sündenverständnis, aber dazu gehört auf jeden Fall natürlich das Wissen. Es betrifft uns alle und für uns alle ist die ständige Bereitschaft selbstkritisch und zu hinterfragen, eigene Selbstgerechtigkeit loszulassen, zu wachsen im Bewusstsein unserer Angewiesenheit auf Gottes Barmherzigkeit und entsprechend miteinander entgegenkommend großzügig, genetig und barmherzig

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umzugehen, das gehört dazu. So gerade im römischen Reich, im römischen Umfeld einer Ungarn-Stolz-Kultur, wo Dominanz, Überlegenheit, Klasse und Rang auf unzählige Weise dauerhaft kommuniziert wurde, da ist es höchst attraktiv, eine Kultur zu sehen, wo die Größten Diener der Kleinsten werden, wo der ewige allmächtige Gott sich herunterneigt, auch zu den übersehenden Menschen. So und das an Jesus, das war für Paulus offensichtlich ungeheuer attraktiv und er konnte so darüber reden, dass es das für viele andere auch wurde. Der andere Punkt ist, neben dieser Buße und Erkenntnis eigener Selbstgerechtigkeit, die Erfahrung von Verwandlung, so beschreibt er es, ihn, diesen

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Jesus möchte ich erkennen, die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Ja, das ist für damals wie für heute eine Herausforderung, das zu verstehen, das zu beschreiben. Für Paulus ist Tod und Auferstehung Jesu nicht nur etwas, was äußerlich bleibt. Es ist etwas für ihn, wo er sagt, es zieht uns mit hinein, es verwandelt uns. Es gehört zum Glauben, ein mit Jesus sterben und ein mit Jesus auferstehen. Er verbindet das offensichtlich mit diesen Bewegungen der Umkehr, der Reue, des Loslassens, aber auch des Erneuertwerdens, des Ausgerüstetes, des Gestärk- des Aufgerichtetwerdens. Und das in einer Perspektive hier wirkt im

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Grunde Gottes große Verwandlung, die er an Christus bewirkt hat, der Beginn der Heilszeit, der Gnadenzeit. In vielen kleinen Münzen ist das unser Alltag. Wir alle werden hineingezogen in dieses Geheimnis von Kreuz und Auferstehung, an Jesus Glauben, auf ihn Vertrauen, heißt, Teil dieses Verwandlungsprozesses zu werden. Und das ist immer ein Prozess, den Gott bewirkt, und der ausgeht von seinem Wort und von seinem Geist. Und wir sind aber Beteiligte. Wir sind ja nicht Stock oder Stein. Wir werden nicht lackiert wie irgendwie ein Stück Holz oder so. Es ist nichts, was wir tun. Aber es gibt eine Form des Beteiligte-Seins in diesem Wirken Gottes, in der man so lebendig und aktiv ist, wie man es nur sein kann, in dieser von Gott bestimmten

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Beziehungswelt. Das ist für Paulus Glaube. Das ist für ihn Teil dieser Verbundenheit mit Jesus. Es gibt über Rechtfertigung und Erlösung dann so einen ewigen Streit durch die Theologie-Geschichte. Ist es in erster Linie etwas rein Objektives, wo man sagen kann, na ja, also Gott war ein Christus, er versöhnte die Welt mit sich selbst. Und das Wort von der Versöhnung wird dir zugesprochen im Glauben. Und das Wort spricht dich gerecht und du bist gerechterklärt. Und wenn du es glaubst, ist das ganze Ding durch. Und das ist im Grunde eine Erklärung, eine Gerechtsprechung, eine Gerechterklärung. Und das ist so objektiv, wie es am Kreuz geschehen ist, in der Taufe zu geeignet und im Wort Punkt. Das wäre so die reine ultra reformatorische Lösung. Und viele andere haben gesagt, na ja, schon schön, was ihr sagt, aber eigentlich ist es doch ein Weg der Verwandlung, also orthodox Vergottung, Theosis. Es ist doch ein Prozess,

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nicht wo wir gerecht gesprochen sind, sondern wo wir verwandelt werden, erneuert, mit Christus verbunden. Es ist doch etwas Relationales. Und ich glaube, nach 2000 Jahre Streit könnte man sagen, jeder findet da seine Verse. Sagen wir doch, es gehört zusammen. Sagen wir doch, das Evangelium und Jesus Christus zieht uns hinein in diese Verwandlung und in diesen Erneuerungsprozess hinein. So, das müsste doch der Punkt sein. So, ich bin kurz vom Ende. Was kann das Christuszeugnis von Paulus für uns heute bedeuten? Was ist der Punkt, den wir machen können dabei? Müssten wir vielleicht hinter Nizéa zurück? Müssten wir sagen 1700 Jahre nach Nizéa, wir Protestanten, es wäre Zeit mal wieder für eine große Ketzerei. Wir müssten es mal wieder

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richtig krachen lassen, müssten sagen 1700 Jahre in Nizéa, viel zu viel. Wir müssen dahinter zurück und so, alles illegal. Wir hören jetzt auf und so. Ganz der ökumenische Frieden dankt uns ja keiner für und so. Wir gehen zurück zur Urkirche. Nein, das wäre schade. So, das wäre schade aus verschiedenen Gründen. Ich glaube, Nizéa hat schon wirklich seinen absoluten Punkt. Ich glaube, über Nizéa hinaus und zwar wieder durchs Neue Testament hindurch, das bräuchten wir. Denn was ist bei Nizéa der Punkt, dass man auf keinen Fall zu wenig göttlich von Jesus denkt? Das war der große Punkt. Denke keinen Millimeter zu wenig göttlich von Jesus. So und am Ende des Tages würde ich sagen, komm, ich bin ja dabei und habe alles durchdacht und so. Es ist eine gute Übersetzung für diese mittelplatonische Sprache, viertes Jahrhundert im Großen und Ganzen. Würde

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ich sagen, wir müssen jetzt da nicht Buchstaben zählen. Passt schon, sagen wir es doch. In dieser Jesus-Botschaft ist Gott ganz und gar mittendrin. So und dann würde ich aber auch sagen, es ist auch eine Einseitigkeit in diesem Bekenntnis. Diese Angst, dass man ein bisschen zu wenig göttlich von Jesus denkt, ist ja im Grunde die Herrschaft Gottes und die Hoheit und dass Gott sein, Jesus immer auf maximal zu setzen. So, die große Gefahr ist darin ja, viel zu wenig Mensch-Gott, viel zu wenig menschlich zu denken. Diese imperiale Überschreibung des christlichen Glaubens, das was mal Aufruhr gewesen ist, Protest gegen eine Kultur der Ungleichheit, Protest gegen Imperien, Protest gegen Mächte dieser Welt und ihre Verabsolutierung, das,

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was die ganze jüdische und die frühe christliche Glaubensgeschichte gewesen ist, das ist doch in der Christentumsgeschichte viel zu sehr verraten worden. Und leider muss man doch auch jetzt im 21. Jahrhundert sagen, wir müssen uns wieder an so Begriffe wie Christophaschismus gewöhnen, an Formen von Christentum, wo die Macht der Großen gesteigert wird und wo die Menschen am Rande verachtet werden. Das ist doch heute unser Problem, das wir haben. So, das ist unsere Herausforderung, dass das Christentum immer wieder in Beschlag genommen wird, die von Jesus auf keinen Fall zu wenig göttlich denken wollen, weil sie das Gefühl haben, wenn sie Jesus absolut groß machen,

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auch selbst groß zu werden. So, der Weg Jesu war ja gerade, Philippa 2, ein Weg der Erniedrigung, ein Weg des Dienens, ein Weg der Entäußerung, also der, der in Nizéa Gott gleichbekannt wird, von dem heißt es ja, er hielt das Sein wie Gott nicht wie etwas Errafftes oder Geraubtes fest, er ließ es los. Also von Gott jesuanisch denken und von Jesus nicht in erster Linie oder ausschließlich nur göttlich, das müsste ja der Punkt sein. Das müsste die Richtung sein, wie wir sagen, von diesem Jesus her, von dieser jüdischen und dieser christlichen Geschichte her, ist der Gott, an den wir glauben. Die wahre Revolution gegen alle falschen Idole der Macht,

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gegen alle Götzen der Herrschaft, gegen alle falschen Bilder von Männlichkeit und Größe und Stärke und all diese Dinge, das Kreuz durchkreuzt es. Die Liebe Gottes streicht diese Fantasien von Sieg und Triumph durch. Die Auferweckung des Gekreuzigten, die Paulus immer wieder festhält, hat diesen Zug nach unten zu den Niedrigen, zu den Menschen am Rande. Kann man das heute glauben? Ja, ich schon. Ich gerne. Und das ist eine Geschichte, die ich gerne weiter erzähle, die ich gerne teile, weil ich glaube, dass diese Jesus-Geschichte und diese Gottes-Geschichte ist, tausendmal besser als ihre imperialen, kolonialen oder christophaschistischen Verzeichnungen. Da ist diese christliche Botschaft des Baules des Neuen Testaments bis heute ein Licht in einer

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Welt, in der es noch viel zu viel Finsternis gibt. Vielen Dank.

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Paulus und sein Verständnis von Jesus aus Nazareth und dem auferstandenen Christus | 15.5.3

Worthaus 13 – Tübingen: 7. Juni 2025 von Prof. Dr. Thorsten Dietz

Wer damit aufgewachsen ist, findet den christlichen Glauben vielleicht recht einfach zu verstehen: Jesus kam auf die Erde, starb, erstand wieder auf, ist nun beim Vater – und den Heiligen Geist gibt es auch noch. Wer erst später zum Glauben kommt, mag an der ein oder anderen Stelle verwirrt sein.
Paulus war vermutlich der erste Mensch, der den christlichen Glauben erklärt hat und zwar für Menschen, die natürlich nicht damit aufgewachsen sind, und die noch nicht einmal Juden waren. Thorsten Dietz beschreibt, wie Paulus den Menschen seiner Zeit den Glauben an Jesus als den Christus näherbrachte. Welche Hoffnung für Paulus selber und alle Menschen damit verbunden war. Und was Paulus auch uns damit zu sagen hat – selbst wenn wir mit dem Glauben an Jesus Christus aufgewachsen sind.